Skip to content
Abbrechen
image description
/Jurten-Camp Link zum Tagebch: TRANS-OST-EXPEDITION - Etappe 3

Jurtenlager

N 52°51'50.0'' E 062°48'59.5''
image description

    Tag: 48

    Sonnenaufgang:
    04:34 Uhr

    Sonnenuntergang:
    21:13 Uhr

    Luftlinie:
    85.62 Km

    Tageskilometer:
    100.32 Km

    Gesamtkilometer:
    8404.20 Km

    Bodenbeschaffenheit:
    Asphalt – schlecht

    Temperatur – Tag (Maximum):
    46 °C

    Temperatur – Tag (Minimum):
    23 °C

    Breitengrad:
    52°51’50.0“

    Längengrad:
    062°48’59.5“

    Maximale Höhe:
    226 m über dem Meer

    Maximale Tiefe:
    146 m über dem Meer

    Aufbruchzeit:
    08.15 Uhr

    Ankunftszeit:
    17.00 Uhr

    Durchschnittsgeschwindigkeit:
    17.03 Km/h

Energielos wache ich heute Morgen auf. Ein Erkältungsanflug lässt mich wie in Zeitlupe bewegen. Tanja gibt mir zwei Zink Spirulina & Acerola Kapseln von Sanatur. “Das nimmst du alle zwei Stunden und deine Erkältung ist heute Abend Historie”, sagt sie. “Na hoffentlich”, mein ich kleinlaut.

Kurz verabschieden wir uns von Ivan und lassen seine Busbahnhofs-Gastiniza hinter uns. Nach 30 Kilometer erreichen wir eine kleine Raststätte von der es auf der kommenden Strecke mehrere geben soll. Zwei Lastwagenfahrer sitzen bereits an einem schmalen Tisch und beobachten unser Hereinkommen. Kaum wird die dampfende Bortsch serviert poltern zwei weitere LKW-Fahrer durch den Eingang. Einer von ihnen bestellt sich sofort ßto Gramm Wodka (ßto ist die Bezeichnung für 100 Gramm Wodka) und ein Bier. “Das fördert die Potenz!”, sagt er laut lachend, seine flache rechte Hand auf die linke Faust klatschen lassend, worauf die anderen Männer richtig dreckig lachen. Das scheint ihn zu motivieren und er reißt weitere schmutzige Witze. “Hchö! Hchö! Hchööö!”, kommentieren die anderen Männer mit tiefen, verrauchten Stimmen. Der Wodkatrinker spricht ein paar Wörter Deutsch und probiert sie unaufhörlich aus. “Hchö! Hchö! Hchööö!”, ist die Antwort. “Äh, warum fahrt ihr denn mit dem Rad? Das ist doch bescheuert. Solltet mit Lastwagen fahren!” “Hchö! Hchö! Hchööö!”, lacht es aus den hinteren Reihen. Der Witzerzähler bestellt einen zweiten und wenig darauf einen dritten Wodka. Schnell kommt er in Fahrt. Er steht auf, kauft einen Apfel und schenkt ihn Tanja. “ßpaßiba (danke)”, bedankt sie sich. Obwohl der Mann freundlich wirkt beeilen wir uns mit dem Essen. “Da ßwidanja (Auf wieder sehen)”, verabschieden wir uns. “Wir sehen uns auf der Straße!”, ruft er uns lachend hinterher. “Hchö! Hchö! Hchööö!”, dröhnt es aus der Pinte als wir schon auf unseren Rädern sitzen und weiterfahren.

Wir stehen wieder einmal am Straßenrand, um an meinem Sattel herumzustellen, als ein Lastzug laut hupend vorbeidonnert. “He! He! Heee! Eine gute Reise!”, ruft der Wodkatrinker aus dem offenen Beifahrerfenster. “Also fährt er Gott sei Dank nicht selber”, stelle ich erleichtert fest. “Sie scheinen im Schichtbetrieb zu arbeiten”, meint Tanja. “So wie es aussieht ja. Ist anscheinend der Grund warum sie oft zu zweit sind. Unser Mann hat jetzt Pause und die Zeit genutzt sich einen Anzutrinken”, vermute ich.

Auf dem weiteren Weg kommt uns Johann entgegen. Er war in Kustanai, um für seinen Baustoffhandel einzukaufen. “Wie geht es euch? In ungefähr 20 Kilometer kommt auf der rechten Straßenseite ein See. Dort gibt es eine Raststätte und eine Jurte. Fragt doch mal ob ihr in der Jurte schlafen könnt”, schlägt er vor. Wir bedanken uns und verabschieden uns von dem netten Mann. “Vielleicht sehe wir uns wieder. Die Welt ist klein”, meint er und fährt davon

Es ist 17:00 Uhr als wir die Jurte erreichen. Freundliche Blicke werden uns von ein paar Menschen entgegen geworfen. “Gerne dürfen sie in der Jurte übernachten”, bietet uns der Inhaber namens Sabib an. “Was kostet die Übernachtung?” “Natürlich nichts. Ruhen sie sich aus. Erholen sie sich. Sie dürfen ihre Räder und ihre Ausrüstung in die Jurte stellen”, sagt er. Erleichtert tragen wir bei 46 Grad in der Sonne unsere Ausrüstung in den Schatten des Filzzeltes welches uns Kühlung spendet. Wir kauern auf den Kissen und bleiben die ersten 20 Minuten nahezu reglos liegen. Dann, nachdem wir uns ein bisschen von den heutigen 100 Tageskilometer bei Affenhitze erholt haben, vertilgen wir wieder eine Bortsch die uns von Sabibs liebenswerter Frau Galina serviert wird. Nachdem Essen fragt Sabib ob er sich zu uns setzen darf. “Gerne”, laden wir ihn dazu ein. Wir unterhalten uns. Es stellt sich heraus, dass auch er, wie viele der Kasachen und Russen, zwei Jahre in Ostdeutschland als Soldat stationiert war. Auch er hat eine positive Erinnerung an die damalige Zeit und spricht nach 20 Jahren sogar noch ein paar Worte Deutsch. Interessiert studiert Sabib unsere Karte. Er ist absolut fasziniert von unserem Radtrip und möchte alles wissen. “Also ihr wollt nach Irkutsk? Das sind von hier ungefähr 4.400 Kilometer. Weiß ich einigermaßen genau weil ich da schon mal mit dem Auto hingefahren bin. Ist eine sehr weite Strecke und wenn ihr das vor dem sibirischen Winter schaffen wollt müsst ihr euch beeilen. Die Straßen in Kasachstan dürften kein großes Problem sein aber die Strecke von Krasnojarsk bis Irkutsk ist absolut unbefestigt.” “Wie unbefestigt?” “Na da gibt es keinen Asphalt. Alles Schotter und Lehm. Wenn es regnet versinkt der Verkehr im Matsch. Außerdem ist die Strecke sehr bergig.” “Na das klingt nicht gut. Wie weit ist das ungefähr?” “Ich denke das dürften so an die 1.000 Kilometer sein.”

Tanja und ich sehen uns an. “Du solltest auf jeden Fall riese und müller wegen deinem Sattel anrufen”, schlägt Tanja vor. “Auf jeden Fall”, gebe ich ihr Recht und hole mein Handy. Wir haben Glück, hier gibt es einen Empfang. Ich erfahre das Heiko Müller im Urlaub ist aber der Werkstattchef Kay Katzik ist da. Ich freue mich sehr ihn an der Strippe zu haben und erkläre die Situation. “Das bekommen wir schon hin Denis. Wir schicken euch einen Sattel nach Kustanai. Wenn ihr dort seid gib uns bitte die genaue Adresse”, höre ich seine Worte und bin froh solche zuverlässigen Partner als Sponsoren zu haben. “Und Denis!” “Ja?” “Tanja soll ihre Achillessehne pflegen. Damit ist nicht zu spaßen. Am besten ihr versteift die Schuhsohle. Sucht euch einen Orthopäden der eine steife Einlage anfertigt. Tanjas Sehne muss ruhen und darf sie so wenig wie möglich belastet werden.” “Danke Kay. Guter Vorschlag. Aber wir haben noch 4.400 Kilometer vor uns. Das mit dem Ausruhen dürfte schwierig werden. Trotzdem tun wir was wir können”, antworte ich worauf er uns noch viele nützlichen Tipps zur Regeneration gibt.

Pferdemilch mit durchschlagenden Folgen!

Nachdem Abendessen spendiert uns Sabib eine Schüssel mit gegorener Pferdemilch. Wir kennen das alkoholische Getränk noch aus der Mongolei als wir vor einigen Jahren im Rahmen unserer “Großen Reise” das Land 1.600 Kilometer mit Pferden durchquerten. Oft wurde uns der Kumys dort angeboten. Am Ende unserer Expedition reagierte ich aber allergisch darauf, deswegen nippe ich jetzt nur ein wenig davon und gebe den Becher an Tanja weiter. Nachdem sie den Behälter mit der Stutenmilch gelehrt hat machen wir uns bettfertig. Wegen der unzähligen Moskitos hänge ich unser Brettschneider Moskitonetz in die Jurte, lege die Isomatten darunter und gehe noch mal nach draußen. Kaum habe ich meine Hose heruntergezogen überfallen mich die stechwütigen Blutsauger in großer Zahl. Fluchend stehe ich im hohen feuchten Gras und versuche mich zu verteidigen. “Ahhhhh!!!”, rufe ich und flüchte mich mit den Armen wie ein Hubschrauber herumwedelnd in die Jurte. Tanja liegt schon in unserem mückensicheren Lager und schläft. Weil Sabib und Galina über Nacht nach Hause gefahren sind und wir auf der Lastwagenraststätte jetzt alleine sind, verschließe ich sicherheitshalber die blecherne Jurtentür mit unseren Fahrradschlössern. Dann grabble auch ich hundemüde unter das sichere Netz.

“Denis schnell lass mich raus. Sperr die Tür auf! Ich muss mich übergeben!”, reißt mich Tanjas Stimme aus dem Land der Träume. “Ääähh. Wasss? Was ist los?”, versuche ich jetzt sitzend einen klaren Gedanken zu fassen. “Mach die Tür auf! Schnell!!!”, höre ich und schieße unter dem Netz hervor. Ich habe gerade mal einen Meter hinter mich gebracht als mich ein großes würgendes Geräusch hinter mir tierisch erschreckt. “Zu spät”, sagt Tanja und hält das Abendessen in ihren Händen. Wie ein aufgescheuchtes Huhn schieße ich nun herum, finde ein Serviertablett auf dem Tisch und reiche es ihr. Tanja entlädt darauf ihre Hände. Um nicht noch mehr von unserem Nachtlager zu verunreinigen grabbelt sie auf dem Rücken liegend nach draußen. Dort muss sie sich noch weitere Male kräftig entleeren. Ich versuche in der Zwischenzeit unser Lager zu reinigen. “Die Arme”, geht es mir durch den Kopf als ich sie weiterhin würgen höre. Dann fällt mir ein, dass sie dort draußen einem Millionenheer von blutrünstigen Moskitos ausgesetzt ist. Sofort schnappe ich mir die Jaico-Anti-Mücken-Milch, renne in die Nacht und sprühe ihren Körper ein. Ganze Schwärme machen sich erstmal auf und davon. Jetzt kreisen sie über unseren Köpfen und warten auf eine Gelegenheit wieder anzugreifen. “Es war die Pferdemilch. Da bin ich mir ganz sicher”, sagt Tanja. “Na da bin ich froh nicht viel davon getrunken zu haben”, sage ich ihr zärtlich über ihren Rücken streichelnd. “Geh nur wieder ins Zelt. Ich komme gleich. Muss mich erstmal duschen”, sagt Tanja und sucht das aus Blech zusammen genagelte kleine Duschhäuschen auf in dem am Tag die Lastwagenfahrer sich für 100 Tenge (0,54- Eurocent) waschen dürfen.

Etwas Anderes!!!

Lieber Leser unseres Tagebuches!

Bitte vergesst nicht unsere Grüne Ader. Wir wollen nicht aufdringlich sein aber in den letzten Wochen ist sie nur wenig gewachsen. 25.000 Bäume wollen wir zusammen mit Euch noch während unserer Trans-Ost-Expedition das Leben schenken. Für jeden zurückgelegten Kilometer ein Baum. Ein Baum kostet nur ? 5,-. Die Bäume werden genutzt um kaputte und nicht lebensfähige Wälder in Deutschland zu regenerieren. Wir brauchen gesunde Primärwälder. Das heißt überlebendfähige Urwälder die es kaum noch gibt. Überall auf der Welt werden Wälder gerodet. Wir möchten mit unserer gemeinsamen Leistung etwas dagegen setzen. Etwas an Mutter Erde zurückgeben was wir uns täglich nehmen. Wir sind der Meinung dass auch die Kinder der zukünftigen Generationen eine Überlebenschance haben sollen. Bitte helft uns dabei etwas zu schaffen. Damit auch der Menschen in der Zukunft noch Vögel zwitschern hören und sich in den Schatten eines Baumes stellen können.

Infos zur Grünen Ader findet ihr auf unserer Webseite.
www.denis-katzer.com

Von den Spenden haben wir nicht den geringsten finanziellen Vorteil. Alles was ihr gebt kommt Mutter Erde zu Gute!!! Dafür garantieren wir mit unserem Lebensprojekt und unserem Namen.

Spenden sind herzlich willkommen unter:
Bergwaldprojekt e.V.
Stichwort:Grüne Ader
GLS Gemeinschaftsbank
BLZ 43060967
Kontonummer 8022916200

Mutter Erde lebt!

Wir freuen uns über Kommentare!

This site is registered on wpml.org as a development site.