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Mongolei/Sühbaatar Link zum Tagebuch TRANS-OST-EXPEDITION - Etappe 4

Im Land Dschingis Kahns

N 50°13'56.4'' E 106°12'33.3''
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    Tag: 90

    Sonnenaufgang:
    06:27 Uhr

    Sonnenuntergang:
    19:14 Uhr

    Luftlinie:
    32.02 Km

    Tageskilometer:
    52.27 Km

    Gesamtkilometer:
    13932.96 Km

    Bodenbeschaffenheit:
    Asphalt – schlecht

    Temperatur – Tag (Maximum):
    21 °C

    Temperatur – Tag (Minimum):
    10 °C

    Temperatur – Nacht:
    2 °C

    Breitengrad:
    50°13’56.4“

    Längengrad:
    106°12’33.3“

    Maximale Höhe:
    893 m über dem Meer

    Maximale Tiefe:
    580 m über dem Meer

    Aufbruchzeit:
    09.00 Uhr

    Ankunftszeit:
    19.30 Uhr

    Durchschnittsgeschwindigkeit:
    11,59 Km/h

Es regnet die ganze Nacht. Am nächsten Morgen haben wir bedenken im Matsch zu versinken aber wir werden positiv überrascht. Der gestrige noch staubtrockene Boden besteht aus reinem Sand, so dass der Regen einfach darin versickert ist. Ohne Schwierigkeiten verlassen wir unser letztes Camp in Sibirien und schieben unsere Roadtrains auf die Straße. Sogleich geht es heute bis auf knapp 900 Höhenmeter, weshalb wir über unsere gestrige Entscheidung froh sind, nicht weitergefahren zu sein. “Denke, dass der Höhenzug uns den Rest gegeben hätte”, meint Tanja. Auch heute strahlt wieder die Sonne vom Firmament und die kleinen Fliegen haben die Straße erobert. Wie auch schon in den vergangenen Tagen sind wir gezwungen uns das Fliegennetz über dem Helm zu ziehen. Nur so können wir frei atmen und verschlucken nicht unaufhörlich die kleinen Fluginsekten.

Es ist 11:00 Uhr als wir unsere Räder von der Anhöhe zur Grenzstadt Kjachta hinunterrollen lassen. “Hurra! Hurra! Hurra!”, rufen wir und winken den vielen Soldaten zu die hier stationiert sind und Marschübungen am Straßenrand veranstalten. Sie erwidern freundlich unseren Gruß und scheinen unsere glückliche Energie zu reflektieren. Vor einem Restaurant stellen wir unsere Räder ab. Dann bestellen wir das letzte Mal in Sibirien eine Borschtsch (Nationalgericht ? Gemüsesuppe) und als Nachspeise Blinis (Pfannkuchen). Da sich zu diesem Augenblick mein Schnupfen auf dem Höhepunkt befindet und ich unentwegt niesen und schnäuzen muss, geht Tanja alleine einkaufen. Ich halte so lange die Stellung im Cafe. Etwas wehmütig denke ich an die vergangenen Monate zurück und verlasse dieses abenteuerliche Land, das für den Reisenden jeden Augenblick eine andere Überraschung parat hält, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wer weiß ob wir jemals wieder nach Russland kommen? Jetzt wo wir immer besser die Sprache verstehen. Wo die Kommunikation leichter geworden ist und wir beginnen die Kultur und die Menschen zu begreifen. “Wir können gehen Denis”, sagt Tanja, die das Cafe mit zwei Tüten bepackt betritt. “Da ßwidanja”, (“auf Wiedersehen”) verabschieden wir uns von den netten Frauen. “Da ßwidanja. Chasliwa Buti”, (auf Wiedersehen. Gute Reise”) wünschen sie uns. Wir schieben die Räder über den letzten Berg in Sibirien. “Gdje nachoditza Graniza?”, (“Wo ist die Grenze?”) frage ich einen Autofahrer, weil die Straße sich gabelt und kein Zeichen zur Grenze aufweist.

Langsam rollen wir an den wartenden Autos vorbei. Wir wollen unsere Räder an den Grenzzaun stellen, um zu fragen wann wir passieren dürfen, als uns eine freundliche Beamtin heranwinkt, das Tor öffnet und uns in den inneren Grenzbereich fahren lässt. Ein kurzer Blick in den Pass, dann dürfen wir zur Kontrolle. Die Beamten interessieren sich nicht im Geringsten für unser Gepäck. Keiner möchte uns kontrollieren. Alle sind, wie schon bei der Einreise, äußerst freundlich und zuvorkommend. Nichts mehr ist von einem eisernen Vorhang und missmutigen Beamten zu spüren. Das sind anscheinend nur noch Szenen aus schlechten Filmen. “Was, sie kommen aus Deutschland und sind bis hierher geradelt? Malazee!”, (Fantastisch) sagen die Beamtinnen und Beamten in ihrer Uniform. Weil wir in Russland keine russische Flagge gefunden haben, um sie wie alle Fahnen der Länder die wir durchreist haben, an unseren Flaggenmast am Hänger zu stecken, schenken uns die Damen eine Burjatische Fahne. “Wir besitzen leider kein Russisches Banner aber sie haben ja auch Burjatien durchquert”, sagen sie lachend. An einem Häuschen stempelt ein weiterer Staatsdiener unsere Pässe, dann noch mal ein “Da ßwidanja” (“Auf Wiedersehen”) und Sibirien und der dort gelebten Sommer gehören für uns zur Vergangenheit. Uns bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken denn schon begrüßen uns die Mongolen. Eine völlig andere Energie, die wir im Augenblick nicht einordnen können, empfängt uns hier. “Sain baina”, sagt der erste mongolische Wächter und lässt uns die Räder in seinen Grenzbereich schieben. Wir nehmen an das es Hallo oder guten Tag heißt und antworten ”Sain baina”, worauf er uns freundlich anlacht. Ab sofort, und das ist wirklich fast wie ein Schock für uns, verstehen wir kein Wort mehr. Dachten wir unser Russisch sei sehr mangelhaft, bemerken wir schon in den ersten Minuten wie wichtig es ist die jeweilige Landessprache zumindest rudimentär zu verstehen und zu sprechen. Ab jetzt greifen wir auf unseren großen Fundus der Gestik- und Zeichensprache zurück und befinden uns an der Passkontrolle. Das Einreiseformular ist zu unserer Erleichterung in englischer Sprache. Der Offizier in seinem Glaskasten spricht sogar passabel Englisch. Mindestens zehn Minuten prüft er meinen Pass. Immer wieder blickt er mich durch seine Scheibe kritisch an und vergleicht mein Gesicht mit dem Passfoto. “Habe ich mich so verändert? Vielleicht meine dicke und geschwollenen Nase? Der Schnupfen hat mich verunstaltet?”, denke ich und wäre ich nicht so positiv eingestellt würde ich mich spätestens jetzt fragen ob ich entweder schrecklich gealtert bin oder mit meinem Visa irgendetwas nicht stimmt. Dann höre ich das “Tock! Tock”, des Stempels und bin nun doch erleichtert. “Er wollte bestimmt nur den seltenen Moment genießen mit einem Westeuropäer länger zu sprechen”, sagt Tanja später. Noch im Grenzgebäude sind wir in der Lage unsere restlichen Rubel in Tugrik umzutauschen. Den Luxus, noch gleich an der Grenze tauschen zu können, hatten wir in so manchen Staaten, die wir bisher während der Trans-Ost-Expedition durchreisten, nicht immer. Freundlich öffnet ein Uniformierter das Tor zur Mongolei. “Bajrtää”, verstehen wir ihn und gehen davon aus, dass hiermit die Grußform für auf Wiedersehen gemeint ist.

“Wollen sie Geld wechseln?”, fragt uns ein Mongole auf Englisch. “Wie viel Tugrik bekommen wir für einen Euro?”, interessiert es mich. “1.200,-”, antwortet er freundlich uns einen dicken Bündel mit Geldscheinen vor die Nase haltend. “Danke”, antworte ich und fahre weiter. Wie so oft hat es sich wieder bewährt trotz schlechtem Kurs gleich an der Grenzbank zu wechseln. Dort bekamen wir für einen Euro 1.763,- Tugrik. Später erfahren wir, dass der offizielle Wechselkurs im Augenblick bei ca. 2.100,- Tugrik für einen Euro liegt. Das heißt, der freundliche Schwarztauscher hätte uns gerade eben grauslich übers Ohr gehauen.

Kaum haben wir den Grenzzaun hinter uns befinden wir uns in einem völlig anderen Kulturkreis der mit Russland nicht das Geringste zu tun hat. Die Menschen lachen mehr, sprechen eine für uns unverständliche Sprache, sind fremdartig gekleidet, sehen anders aus und verhalten sich für uns ungewohnt. Als wir ein gesatteltes Pferd sehen, welches wie ein Auto vor einer Kneipe geparkt steht, müssen wir schmunzeln. In der Tat, wir sind in der Mongolei. Ein Land welches im Norden an Russland, im Osten, Süden und Westen an China grenzt und mit 1.566.500 Quadratkilometern etwa viermal so groß ist wie die Bundesrepublik Deutschland und somit die Nr. 18 unter den 193 Staaten der Erde einnimmt. Mit 2,8 Millionen Einwohnern pro km² ist die Mongolei das Land mit der geringsten Bevölkerungsdichte aller unabhängigen Staaten dieser Erde. Das bedeutet, dass hier auf einem km² nur 1,8 Einwohner kommen. In Deutschland sind es 285 Menschen auf einen km².

Schon die ersten Kilometer lassen uns erkennen, nicht mehr in Sibirien zu sein. Kaum den Grenzzaun hinter uns, hat sich die Taiga auf die entfernten Berghügel zurückgezogen und das große Tal vor uns öffnet sich zu einer unermesslich weiten Steppenlandschaft. Die einstigen Waldbestände sind durch Holzschlag und von Menschen verursachte Waldbrände deutlich reduziert worden. Fast 90 % der Fläche der Mongolei ist heute von Wüstenbildung bedroht. Ein weiteres Problem, so haben wir gelesen, ist die totale Überweidung durch die Nomaden. Zurzeit gibt es ca. 30 Millionen Nutztiere die sich von den Weideflächen ernähren.

Obwohl wir nicht mit dem Flugzeug hierher geflogen sind sondern uns Kilometer für Kilometer mit eigener Muskelkraft über all die Berge, durch all die Länder ganz langsam vorgearbeitet haben, können wir noch gar nicht richtig begreifen auf einmal im Land von Dschingis Khan zu sein. Im Land des ehemaligen Weltherrschers, dem Kahn der Kahne. Unsere Gefühle überschlagen sich in diesem Moment und sind kaum einzuordnen. Die Stimmung schwankt zwischen Euphorie und psychischer Müdigkeit. Plötzlich stoßen unsere Augen nirgends mehr an. Sie gleiten über das Steppental, der Heimat des großen Kriegers, der auch als ozeanischer Khan betitelt wurde und den die Muslime “Strafe Gottes” und die Europäer “der Schrecken der Völker” nannten. Ein Krieger der über das größte Landimperium, das es je in der Geschichte gegeben hat, herrschte. Wir radeln vorbei an Kuh- Schaf- und Ziegenherden. Die ersten toten Rinderschädel liegen am Straßenrand und sind schon vor geraumer Zeit im Gras verwest. Meine Gedanken sind aufgewühlt und der Begründer des mongolischen Weltreiches, der hier zwischen 1167 bis 1227 lebte, nimmt für mich immer mehr Gestalt an. Was war das wohl für ein Mensch der innerhalb von nur 20 Jahren ein Reich schmiedete welches sich vom Pazifischen Ozean bis zum Kaspischen Meer und von der Taiga bis zu den Ausläufern des Himalajas erstreckte? Seine Militärexpeditionen erreichten unter anderem den Irak, Nordpakistan, das Schwarze Meer und die zwischen Dnjepr und Wolga gelegenen russischen Fürstentümer. Die Armeen des Herrschers waren wie ein vernichtender Tsunami und eroberten Polen, Ungarn, erreichten die Küste der Adria und ließ die europäischen Ritterheere erzittern. Nur ein Jagdunfall, an dessen Folgen der Herrscher im Jahren 1227 starb, war die Rettung für Europa. Nachdem Kuriere des Großkahns die Nachricht seines Todes überbrachten, zogen sich die mongolischen Armeen, die im Begriff waren Europa in ihr Reich einzuverleiben, in die Mongolei zurück. Nach den Maßstäben des 13. Jahrhunderts war die hocheffiziente Kriegsmaschinerie der Mongolen unschlagbar. Die Kämpfer waren bestens trainiert und motiviert. Sie versorgten sich selbst und waren mit der gefährlichsten Distanzwaffe jener Zeit ausgerüstet. Der aus Horn, Bambus oder Holz gefertigte Reflexbogen besaß mit 275 Metern eine enorme Reichweite und große Durchschlagskraft. Dazu kam die Kriegstaktik, die hohe Kampfmoral, die Reiterkunst der Nomaden, das durchkonstruierte Recht- und Steuerwesen und das ausgeklügelte und effiziente Post- und Kommunikationswesen. Temudjin der Schmied, so hieß Dschingis Khan von Geburt an, war ein Genie. Zweifelsohne ein grausamer, unersättlicher, machthungriger Mensch, der die gesamte Erdbevölkerung unter seine Kontrolle bringen wollte. In Europa sagte man das die Mongolen keine Rücksicht auf Frauen nahmen. Das sie kein Mitleid mit den Jungen und kein Erbarmen mit den Alten zeigten. “Sie seien ein niederträchtiges, menschenmordendes Volk. Keine Menschen, sondern Teufel. Wie wilde Tiere dürsteten sie nach Menschenblut”, so wurde über sie berichtet.

Nur ein paar hundert Meter neben uns sehen wir einen Hirten der seine Schaf- und Ziegenherde zur Straße treibt. Die Szene hat etwas Friedliches. Jedoch, wenn ich meine Augen zusammenkneife, kann ich mir die vielen Tiere als Reiter vorstellen, die in Einheiten zu zehn Mann, Hundert-, Tausend- und Zehntausendschaften mit schrecklichem Kriegsgeschrei über die Steppe galoppieren. (Die Tümen Zehntausendschaften waren die wichtigsten Kampfeinheiten) “Lass und kurz eine Pause einlegen!”, ruft Tanja weshalb wir unsere Aluminiumrösser an einen Pfosten stellen und ein wenig auszuruhen. Wir essen einen Müsliriegel von Rapunzel und blicken auf die nahen Grasbewachsenen Hügel. Über die nördlich gelegene sibirische Taiga treibt der Meister dunkle Gewitterwolken in beachtlicher Geschwindigkeit in unsere Richtung. Wir müssen uns sputen vor dem unvermeidlichen kommenden Gewitter den Ort Sühbaatar zu erreichen. Dort, so hoffen wir, können wir uns von den letzten extrem anstrengenden Tagen ein wenig ausruhen.

Auch der heutige Tag fordert alles was in unseren Körpern steckt. Als würden uns die mongolischen Horden mit einer Stärke von einer Tümen (Zehntausendschaft) folgen, fliehen wir, über zehn Stunden nach unserem Aufbruch heute Morgen, vor dem bedrohlich aussehenden Gewitter. “Wir können es schaffen!”, brülle ich, um den Wind zu übertönen. Unsere Drehtkurbeln rasen in hoher Geschwindigkeit im Kreis und lassen die Rohloffkette über die Ritzel surren. Auf den Bergrücken neben uns zucken die Blitze und zerreißen mit ihrem gleißenden Licht die Wolkengebilde. Wie lange Gichtfinger ziehen sich schlauchartige Gebilde bis zum Steppenboden und zeigen das dort kaltes Wasser in den durstenden Boden stürzt. Der wieder erwachte Meister erhebt sein Zepter und fährt uns in die Seite. Als wäre unser Radrahmen ein Instrument längst vergessener Zeit ertönt ein eigenartiger Klagelaut. “Los schneller!”, motiviere ich uns. Meine Knie brüllen auf. Sie wollen endlich Ruhe aber mein Geist treibt sie voran. Lässt sie wie das dampfgetriebene Antriebsgestänge einer Lok nach unten stoßen, um die geballte Kraft auf die Pedale zu übertragen. Zwei Kilometer vor Sühbaatar beginnt es zu tröpfeln. Wir halten an und reißen die Regensachen aus unseren vorderen Ortliebtaschen. “Auch die Überschuhe!”, rufe ich Tanja zu. “Meinst du es wird so schlimm?” “Na schau mal dort rüber!”, antworte ich auf die Berge deutend. Schnell schieße ich mit unserer Leica noch ein Paar Bilder, dann wird sie nass. Die Pforten öffnen sich noch bevor ich den Reißverschluss meiner Regenjacke schließen kann. Innerhalb Sekunden befinden wir uns in einer dichten Wolkensuppe und werden Spielball der Naturgewalten. Da sind sie wieder, die mongolischen Unwetter. Als wir die Mongolei 1996 1.600 Kilometern von West nach Ost mit Pferden durchquerten, haben uns diese Gewitter das Fürchten geleert. Nun, gerade mal 20 Kilometer im Land des Großkahns und schon werden wir vom Unwetter gebührend empfangen genommen. Die Temperatur stürzt von ca. 26 Grad in der gerade noch da gewesenen Sonne auf vielleicht Zwei Grad. Hagelkörner schlagen links und rechts, vor und hinter uns in das Gras und auf die Straße. “Plong! Plong! Plong!”, klackert es auf unseren Helmen. Der Meister packt urplötzlich mit eisigem Griff zu und versetzt unsere Räder einen oder zwei Meter in die Straßenmitte. Gott sei Dank gibt es hier wenig Autos. Wir rollen einen Hügel zum Ort nach unten. Hinter einem verfallenen Steinhäuschen suchen wir Schutz von den heranpeitschenden Böen. “Puh!”, bläst Tanja erleichtert. In den Stromkabeln über uns surrt es laut. Nur wenige Minuten nachdem unsere Körper zur Ruhe kommen beginnen wir zu frieren. Der eisige Atem des Windes lässt uns erahnend was es heißen mag hier im Norden des Landes minus 50 Grad im Winter ertragen zu müssen. “Es macht keinen Sinn zu warten. Der Sturm wird noch eine Weile anhalten”, glaube ich, weswegen wir uns wieder auf den nassen Sattel schwingen und weiter in das eiskalte Getöse radeln. Wetter geprüfte Menschen kommen uns entgegen. Sie laufen am Straßenrand und lehnen sich gegen den aggressiven Meister. Es kommt uns so vor als würde er seinen gesamten Ärger herausbrüllen uns erst jetzt entdeckt zu haben.

Wir erreichen einen Kreisverkehr der Kleinstadt. “Wo ist hier ein Hotel?”, fragen wir eine Frau die uns erstmal verwundert ansieht, um dann in eine Richtung zu deuten. Ganz langsam lassen wir unsere Reifen über den ausgefressenen Bahnübergang der Transsibirischen Eisenbahn holpern. Nur schwer ist für uns zu erkennen wo die tiefen, gefährlichen Löcher unter den Pfützen und kleinen Wassertümpeln liegen. Auf der anderen Seite der Schienen bläst uns der Meister plötzlich aus dem Ort hinaus. “Das kann nicht sein. Ich glaube die Frau hat uns in die falsche Richtung geschickt!”, rufe ich und halte an einer Tankstelle, um noch mal zu fragen. “Sie müssen umkehren”, freuen wir uns einen Mann anzutreffen der Russisch spricht. Jetzt gegen den Meister wieder in die Stadt, fragen wir einen Polizisten. “Dort drüben ist ein Hotel”, zeigt er auf einen Holzbau. “Nein hier gibt es keine Zimmer”, antwortet ein Mann vor der Tür. Wieder am Polizisten vorbei radeln wir bei starkem Regen in den tristen Ort. “Hotel Voyage”, lesen wir an einem hässlichen Kastenbau. Das sehr freundliche Mädchen am desolaten Empfangstresen spricht kein Englisch oder Russisch. Die Kommunikation ist anfänglich eine Katastrophe. Ich kann nicht mal verständlich machen ein Zimmer mit zwei Betten zu benötigen, weil ich nicht weiß was Bett oder die Zahl zwei heißt. Auch das unsere Räder in das Hotel müssen und nicht draußen bleiben können ist ohne jegliche Verständigungsmöglichkeit dem Mädchen nicht klar zu machen. Es dauert zehn Minuten bis die Mongolin und ich unter viel Lachen, Armkreisen, Fingerakrobatik und Mimik eine Ebene der rudimentären Verständigung gefunden haben. Als dann plötzlich die Besitzerin des Hauses erscheint, die neben Russisch auch etwas Englisch versteht, sind Gott sei Dank alle Schwierigkeiten restlos beseitigt. Puh geschafft. Wir bekommen für 45.000,- Tugrik (21,60- Euro) ein Luxzimmer, ohne Heißwasser mit einem Doppelbett und unsere Räder werden kostenlos in einem anderen Hotelzimmer eingelagert.

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