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RED EARTH EXPEDITION - Etappe 3

Gift wird während der Rast wieder aktiv

N 22°56’48.3“ E 144°37’11.7“
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    Tag: 188 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 579

    Sonnenaufgang:
    05:28

    Sonnenuntergang:
    18:45

    Luftlinie:
    23,5

    Tageskilometer:
    34

    Gesamtkilometer:
    5832 km

    Temperatur - Tag (Maximum):
    36° Grad, Sonne ca. 56°

    Temperatur - Nacht:
    18° Grad

    Breitengrad:
    22°56’48.3“

    Längengrad:
    144°37’11.7“

Aramac Creek-Camp — 20.11.2002

„Ach du Schreck! Denis! Wir haben verschlafen!“ ,weckt mich Tanjas Stimme aus dem Tiefschlaf. „Oh nein,“ antworte ich auf meine Uhr blickend. Ohne viel Zeit mit weiterem Jammern zu verlieren beginnen wir mit unserer Routinearbeit. Da die Sonne bereits schon um 05:28 aufgeht, schwitze ich während des Ladens beachtlich.

Tanja bringt gerade Istan. „Wie sieht seine Wunde aus?“ ,frage ich. „Weiß nicht. Das Beste ist du siehst sie dir selber an,“ antwortet sie. Als ich die vom giftigen Mulgaholz verursachte Wunde zu Gesicht bekomme, trifft mich fast der Schlag. „Das kann doch nicht wahr sein. Sie ist mindestens zwei Handflächen groß und völlig verkrustet,“ stöhne ich. „Gestern hat sie noch gut ausgesehen,“ erwidert Tanja. „Dann muss sie über Nacht wieder aufgeplatzt sein und der Eiter ist überall auf der Haut getrocknet. Es ist eigenartig aber während einer längeren Rast scheint das Gift wieder aktiv zu werden. Wahrscheinlich ist es die Durchblutung die während des Laufens die Wunde klein hält. Wie auch immer, wir müssen ihn sofort behandeln.“ „Und wie willst du das tun? Du willst dich doch nicht noch von ihm treten lassen?“ „Ich schiebe den Sattel an seine Beine, während du ihn vorne am Halfter hältst. Wenn ich hinter dem Sattel stehe und er mich treten möchte, kann er mich nicht treffen. Sollte er ausschlagen, tritt er gegen den Sattel.“ schlage ich vor. „Hm, eine gute Idee. Ich werde ihm in der Zeit in der du ihm mit der Salbe einreibst mit einem Stück Brot bestechen. Das wird ihn zusätzlich ablenken.“ „Okay,“ antworte ich, stülpe mir einen Einweghandschuh über und öffne die Kremdose. Vorsichtig lehne ich mich jetzt über den Sattel und berühre mit meiner linken Hand seinen Bauch. Istan bleibt ruhig und nibbelt wie ein Süchtiger an den Brotstückchen. Langsam fahre ich mit der rechten Hand an seinem unteren Bauch entlang, bis ich die entzündete Stelle neben seinem Penis erreiche. Aus drei kleinen Löchern dringt der Eiter heraus. Ganz behutsam reibe ich die entzündungshemmende Creme auf die Wunde und löse ein paar vertrocknete Eiterbatzen. Istan macht keinen Mucks. „Gut gemacht mein Junge,“ sage ich erleichtert den Handschuh ausziehend. „Das wird hoffentlich helfen,“ meine ich noch, während Tanja ihn abhuscht.

Leider ist auch Jafars Wunde an der Hüfte wieder etwas entzündet. Sofort behandle ich auch sie. So wie es aussieht ist das Gift des Mulgaholzes geradezu unglaublich stark. Von einer Krankenschwester haben wir gehört, dass die Stichwunde bei einer Mulgaholzverletzung sofort ausgeschabt werden muss. Leider käme in Istans Falle eine Ausschabung der Wunde einer richtigen Operation gleich. Wir hoffen, dass die Wirkung des Giftes irgendwann einmal nachlässt. Mittlerweile wirkt es schon seit über fünf Monaten. Manchmal sieht die Verletzung sogar richtig gut aus und eine paar Tage später beginnt wieder alles von vorne. Wir machen uns langsam Sorgen, denn wenn wir an der Ostküste ankommen, muss Istan nicht mehr jeden Tag laufen. Wie ich schon beschrieben habe ist aber gerade Laufen das beste Mittel, um den Blutkreislauf und das Lymphsystem aktiv zu halten. Na ja, wir werden sehen. Vielleicht gehört Istans Verletzung in sechs oder sieben Wochen der Vergangenheit an.

Es ist 07:00 Uhr als sich unsere Karawane wieder in Richtung Nordosten fortbewegt. Kaum sind wir auf dem Track, hält ein Jeep. „Ich dachte ihr seid schon längst an der Ostküste,“ begrüßt uns der Fahrer. „Ich habe von euch in der Zeitung gelesen. Hattet anscheinend einen längeren Aufenthalt auf Bimbah?“ „Ja, wir mussten uns ein wenig erholen. „Von welcher Station kommst du?“ „Von Camoola Park.“ „Gibt es bei euch giftige Dingoköder?“ ,interessiert es mich. „Ja, ihr müsst auf euren Hund sehr aufpassen. Ich habe selbst mal einen meiner besten Arbeitshunde verloren. Wir dachten er ist sicher da wir schon über ein Jahr keine Köder auslegten. Auch hatte es relativ viel geregnet und wie ihr wahrscheinlich wisst wäscht Regen das 1080 Gift ab und neutralisiert es. Doch für unseren Hund war es immer noch genug. Selbst wenn man mit einem Auto über einen vergifteten Dingoköder fährt und ein Hund später den Autoreifen abschleckt stirbt er. Viele Hunde in Australien sind auf diese Weise gestorben. Es ist ein schreckliches Gift,“ sagt er nachdenklich. „ Wir werden noch mehr auf unseren Rufus achten. Er trägt jetzt zwar wieder einen Maulkorb aber deswegen ist er nicht hundertprozentig sicher. Selbst wenn wir ihn im Camp an einen Baum ketten, kann so ein kleiner unscheinbarer Köder dort herumliegen und ihn umbringen. Er benötigt neben unserer Aufmerksamkeit einen mächtigen Schutzengel,“ meine ich. „Lauft ihr von hier nach Muttaburra?“ ,möchte der Farmer nun wissen. „Nein, wir werden dem Track am Aramac Creek bis Aramac folgen und von dort wieder nach Nordosten gehen.“ „Hm, ihr wollt also die alte Poststraße nehmen. Ich bin mir nicht sicher ob es die noch gibt? Soweit ich weiß wird sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr benutzt.“ „Wir werden sie schon finden und wenn nicht müssen wir uns querfeldein durchschlagen,“ antworte ich und verabschiede mich von dem freundlichen Mann.

10 Kilometer weiter verlassen wir den Track und biegen nach Osten ab. Wir folgen nun einem schmalen Erdweg der uns zum Aramac Creek führt. Wieder sehr müde aber gut gelaunt lassen wir uns im Halbschatten einiger Eukalyptusbäume nieder. Sofort ketten wir Rufus, wie in den vergangenen Wochen auch, an einem schattigen Platz unterm Baum. Natürlich nicht bevor wir den Grund genau auf verdächtig aussehende Köder untersucht haben.

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