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RED EARTH EXPEDITION - Etappe 3

Gefahren der Zivilisation

N 23°22’32.9“ E 150°24’01.3“
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    Tag: 248 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 639

    Sonnenaufgang:
    05:28

    Sonnenuntergang:
    18:49

    Luftlinie:
    20,1

    Tageskilometer:
    39

    Gesamtkilometer:
    6897 km

    Temperatur - Tag (Maximum):
    38° Grad, Sonne ca. 57°

    Temperatur - Nacht:
    20°

    Breitengrad:
    23°22’32.9“

    Längengrad:
    150°24’01.3“

Paradise Lagoons-Camp — 20.01.2003

VIERSCHLÜNDIGER DRACHENHALS

15 Minuten vor sechs Uhr am Morgen führe ich unsere Karawane am Capricorn Highway entlang. Noch folgen wir dem mit hohen Gras bewachsenen Seitenstreifen der auf der linken Seite von einem Stacheldrahtzaun und auf der rechten Seite vom Highway begrenzt ist. Wegen dem Gras ist es für mich unmöglich die vielen weggeworfenen Flaschen auszumachen. Wie durch ein Minenfeld tasten wir uns vorsichtig voran. Unaufhörlich suchen meine Augen den Untergrund ab. Wenn ich zwischen den Grasbüscheln doch mal einen zerbrochenen Flaschenhals entdecke, reiße ich erschrocken die Führungsleine von Sebastian herum. Aufmerksam ziehe ich unser Leitkamel um das gefährliche Ding. Seine Mates folgen ihm. Plötzlich kommt einer der vielen Roadtrains vorbeigedonnert. Jasper scheut und reißt Edgar mit sich zur Seite. Auf einmal springen alle Kamele wie die Böcke durch das tückische Gras. Wenn da irgendwo eine zerbrochene Flasche liegt ist es sehr leicht möglich, dass einer der 24 Kamelfüße hineintritt und sich die Fußsohle zerschneidet. Ich bete, dass wir auf den letzten Kilometern vor solch einem schrecklichen Unfall verschont bleiben. Meine Nerven sind bis zum zerreißen angespannt. Drei Kilometer müssen wir uns auf den vielleicht 10 bis 15 Meter breiten Seitenstreifen entlang schlagen, bis wir in die Nebenstraße abbiegen können.

Auf einmal geht es in eine Talsenke durch die sich normalerweise ein Creek windet. Wegen der erbarmungslosen Dürre ist er aber ausgetrocknet. Mannshohes Schilfgras bedeckt den Untergrund. Neben uns bohren sich große Betonröhren wie Tunnel unter den Asphaltstreifen, um dafür zu sorgen das Wasser unter dem Highway durchzuleiten. Alle paar Minuten donnern Autos und Roadtrains, etwa einen Meter, über unseren Köpfen vorbei. Für unsere Wüstentiere ist die Situation gespenstisch. Sebastian verweigert auf einmal sich nur noch einen Meter weiterzubewegen. Öööööhhääää! ,brüllt er, bleibt wie angewurzelt stehen und starrt auf die riesigen schwarzen Löcher. Für ihn müssen die Wasserdurchlässe aussehen wie ein vielschlündiger Drachenhals. „Ist ja gut Sebastian. Das ist nur eine Brücke. Die beißt nicht. Komm weiter,“ rede ich ruhig auf ihn ein, doch er reagiert nicht. Immer wenn ein Auto über die Brücke fährt scheinen die Betonröhren durch die entstehende Vibration regelrecht aufzuschreien. Sebastian reißt vor entsetzen seine Augen auf und würde am liebsten durchgehen. Ich spreche weiterhin beruhigend auf ihn ein, warte bis kein Auto in Sicht ist und ziehe ihn dicht am stachligen Zaun durch das hohe Schilf. Ich laufe rückwärts, sehe ihm in die Augen und tatsächlich folgt er mir wie in Zeitlupe. Das Schilfgras ist vom Morgentau nass. Als wir auf der anderen Seite des Creeks herauskommen sind wir bis über die Hüften durchnässt. Auch unsere mittlerweile schwer in Mitleidenschaft gezogenen Schuhe lassen die Feuchtigkeit durch.

AUSGEBURT DER HÄSSLICHKEIT

Noch zwei Kilometer sind wir gezwungen uns an der Hauptverkehrsader entlang zu arbeiten, bis wir endlich auf die Erdpiste treffen die uns um das Kohlekraftwerk führt. Als wir den Highway überqueren lässt sich Sebastian ziehen. Schon seit ein paar Tagen hat ihn der Elan verlassen. „Wahrscheinlich ist er durch den anstrengenden Marsch müde,“ sag ich zu Tanja. Jetzt wieder auf einer wenig befahrenen Erdpiste schlagen wir einen weiten Bogen der uns knapp 10 Kilometer Highway einspart. Wir gehen direkt auf die Ausgeburt der Hässlichkeit zu. Das Kraftwerk mit seinen zwei fetten 130 Meter hohen Kühltürmen, spuckt Dampf und hellen, hässlichen Rauch aus. „Die umliegenden Felder gehören zur Pufferzone des Kraftwerks,“ hat mir gestern Darren erklärt. „Wieso Pufferzone?“ wollte ich wissen. „Die Energiegesellschaft versucht alle Anrainer zum schweigen zu bringen indem sie ihre Ländereien aufkaufen.“ „Haben die Abgase wohl Auswirkungen auf die Talbewohner?“ „Oh ja. Das Kraftwerk gibt es jetzt seit über 10 Jahren. Seitdem mussten schon einige der Menschen der Umgebung das Tal verlassen. Viele leiden mittlerweile an Asthma. Es ist der saure Regen der dies verursacht. Durch die Verbrennung der Kohle entsteht ein Gas, welches sich in Verbindung mit Luftfeuchtigkeit zu sauren Niederschlag verwandelt. Durch die Küstennähe haben wir hier immer eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Ich weiß nicht warum sie das Kraftwerk nicht mehr ins Landesinnere gebaut haben, dort wo die Luft trockener ist. Wir können jetzt nichts mehr daran ändern. Leider sind nicht nur die Menschen vom sauren Regen betroffen, sonder unsere gesamten Farmmaschinen, Zäune und absolut alles was Eisen enthält.“ „Wie meinst du das?“ ,wollte ich erstaunt wissen. „Die feuchte Luft enthält soviel Säure, dass einfach alles zusammenrostet. Schon kurz nach dem das Kraftwerk in Betrieb genommen wurde konnte ich feststellen wie mein Pflug schon einen Tag nach der Benutzung mit Rost überzogen war. Es ist einfach ein Alptraum aber wir müssen jetzt damit leben oder wegziehen.“

Nachdenklich ziehe ich die Karawane um das monströse Gebäude. Die zwei gewaltigen Kühltürme rauschen wie ein Wasserfall. Durch eine 28 Kilometer lange Pipeline werden gewaltige Mengen Wasser aus dem Fitzroy River herangepumpt. In der Sekunde verdunsten an einem der beiden Kühltürme ca. 300 Liter Wasser. Das bedeutet 2 160 000 (Zweimillionenhundertsechzigtausend) Liter Wasser in der Stunde. Da das Kraftwerk 24 Stunden im Einsatz ist verdunsten hier an einem einzigen Tag 51 840 000 (Einundfünfzigmillionenhundertvierundachtzigtausend) Liter Wasser und das auch während einer Dürre.. 11000 Tonnen Kohle werden täglich verheizt um 1400 Megawatt Strom zu erzeugen. Das bedeutet, dass der gefräßige Energiefresser pro Tag hundert Eisenbahnwaggongs voller Kohle verschluckt, um den Strom für uns Menschen zu erzeugen. Mir kommt es so vor das bei dieser Energieumwandlung ein vielfaches mehr hineingesteckt wird als wir herausbekommen. Noch dazu ist es eine schmutzige Energiegewinnung wie mir Darren erzählte. Klar benötigen wir Menschen Strom, um die Wirtschaft und unseren Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Doch um welchen Preis? So wie es aussieht sind hier einige Menschen gezwungen ihre Gesundheit zu opfern damit sie selbst und ihre Nachbarn Licht im Haus haben. Ein schrecklicher Preis und für mich eine schreckliche Erkenntnis. Sollten wir nicht noch viel mehr die Energien der Natur nutzen? Sonnenenergie, Windenergie und Gezeitenkraftwerke währen eine Lösung. Ob auch diese Energiegewinnung Schaden anrichtet? Ich weiß es nicht. Irgendwie scheint sich die Katze ständig in den eigenen Schwanz zu beißen. Wie können wir unseren Fortbestand sichern ohne dabei Mutter Erde und uns selbst zu zerstören? Welche Energieform ist so sauber, dass wir uns bei ihrer Erzeugung nicht umbringen? Durch den starken Kontrast, dem wir hier plötzlich ausgesetzt sind, dreht sich in meinem Kopf alles durcheinander. Trotzdem muss ich mich auf die Straße, unsere Tiere und den Augenblick konzentrieren.

Wir befinden uns jetzt wieder auf einer breiten Asphaltstraße die in wenigen Kilometern auf den Highway treffen wird. Roadtrains zwingen uns auch hier auf den Seitenstreifen, der an manchen Stellen gefährlich eng wird. Nicht selten muss Tanja in die Straße springen, um einen der herandonnernden Roadtrains zu stoppen. Wir sind froh, denn keiner der Fahrer ärgert sich über uns und jeder gibt uns die Zeit die Engpässe passieren zu können, bis wir von einer viel zu schnell heranbrausenden Autofahrerin überholt werden. Alles geht blitz schnell. Erst verringert die Frau ihre Geschwindigkeit und schaltet einen Gang herunter. Kurz bevor sie Jasper erreicht gibt sie Gas. Der Motor heult auf, Jasper springt vor Schreck in die Straßenmitte. Die Frau reißt das Steuer herum. „Achtuuuung!“ ,brüllt Tanja, dass es mir durch die Knochen fährt. Beim Zurückschauen sehe ich wie der Kotflügel des Autos Jaspers Flanken nur um wenige Zentimeter verfehlt. Dann rast sie an dem Kamelzug vorbei. „Puhhh, das wiedereinmal knapp!“ ,ruft Tanja.

UNFREIWILLIGE AUTOFAHRT UND STRASSENSPERREN

Wie erwartet treffen wir nach zwei Stunden auf die Brücke die über den Highway und die Eisenbahnlinie führt. Wir sind gezwungen sie zu überschreiten. Müde und ausgelaugt von den Anspannungen der letzten Stunden stoppen wir davor und überlegen wie wir das große Gebilde ohne Schaden überwinden können. Am besten wäre es wenn wir auf dieser Seite bleiben und der Eisenbahngleisen folgen. „Vielleicht gibt es weiter unten einen einfacheren Übergang,“ meine ich. „Und wenn nicht?“ ,entgegnet Tanja. „Hm, dann müssen wir wieder zurück.“ Weil wir auf diesen weiteren Umweg keine Lust verspüren fragen wir die Insassen eines Autos, welches neben uns gerade stoppt. „Ich frage meinen Vater. Er hat das Land vor wenigen Jahren noch besessen. Er kennt es so gut wie seine Westentasche,“ meint die junge Frau und verschwindet. Wenig später hält eine weitere Ute. Ein schwer beleibter Mann steigt aus. Es ist der stellvertretende Ranger dieser Gemeinde. „Hat man euch nicht schon in anderen Gemeinden auf die Seite gezogen?“ ,erschreckt uns seine erste Frage, doch Jeffrey ist uns nicht übel gesonnen. Er erkundigt sich über die Expedition. „Weißt du ob wir auf dieser Seite der Straße weitermarschieren können und einen einfacheren Übergang finden als diese Brücke?“ ,möchte ich wissen. „Am besten ich fahre mit dir die Straße ab, dann wissen wir mehr,“ bietet er mir an. Auch der Vater der Autofahrerin ist mittlerweile da und bietet seine Hilfe an, doch der Ranger lässt sich sein Hilfeangebot nicht nehmen.

Während Tanja auf die Kamele aufpasst zeigt mir Jeffrey die Strecke. „Ich möchte dich nicht beunruhigen Denis aber als mein Onkel vor vielen Jahren Kamele von Boulia nach Rockhampton gebracht hat, sind die Meisten gestorben,“ plaudert Jeffrey. „Was? Woran sind sie denn gestorben?“ ,frage ich entsetzt als wir uns gerade den Weg ansehen der ein paar Kilometer weiter die Bahngleise überquert. „Hier würdet ihr über die Gleise und den Highway kommen,“ wechselt er schnell das Thema. „Das sieht gut aus. Wir können uns also die Brücke ersparen,“ antworte ich zufrieden. Kaum habe ich meinen Mund geschlossen fährt Jeffrey mit dem Kamelthema fort. „Soweit ich weiß haben die Kamele das Gras dieser Gegend nicht vertragen.“ „Und wie viele sind gestorben?, möchte ich wissen.“ „Von den 30 oder 40 Kamelen die hier ankamen überlebten nur drei.“ „Um Gottes Willen! Nur drei Kamele? Das ist ja furchtbar! Ich hoffe unseren Jungs geht es nicht so. Das wäre ja ein Alptraum,“ antworte ich erschüttert.

„Ich zeige dir schnell wo der Rinderbaron Graem Acton wohnt,“ sagt Jeffrey. Obwohl ich durch mein Kartenstudium genau weiß wo sich Graems Station Paradies Lagoons befindet, lasse ich Jeffrey gewähren. Während der Fahrt fragt er mich die verschiedensten Dinge und jedes mal, als ich ihm die Antwort gebe, hört er nur halb zu. Dann tippt er eine Nummer in sein Mobiltelefon. „Mum? Ich bin es, Jeffrey. Ich habe den Kamelmann neben mir sitzen.“ „Welchen Kamelmann?“ „Na den aus der Zeitung. Du hast doch von der Expedition gelesen?“ „Oh ja, habe ich.“ „Ist mein Onkel Zuhause?“ „Ja.“ „Okay, wir sind bald da,“ sagt er, worauf ich den Ranger verwundert ansehe. „Dort oben ist die Villa der Acton Familie,“ meint Jeffrey und zeigt auf einen braunen und absolut kahlen Hügel. „Das dort drüben gehört auch zu Paradise Lagoons,“ sagt er ein paar Kilometer weiter auf ebenfalls von der Dürre ausgedorrtes Land deutend. „Ich frage mich wie hier unsere Kamele etwas zu beißen finden sollen,“ grüble ich laut. „Ja, die Trockenheit bringt uns bald alle an den Rand der Verzweiflung,“ brummt Jeffrey weiterbrausend. Wir sind schon lange an Paradiese Lagoons vorbei als wir uns immer noch von Tanja und unseren Jungs entfernen. „Wohin fahren wir?“ ,frage ich, denn mit jeder weiteren Minute verlieren wir kostbare Laufzeit. „Och, ich bringe dich schnell zu uns nachhause,“ höre ich seine Stimme und kann nicht glauben, dass mich dieser Mann regelrecht entführt. Ich versuche gelassen zu bleiben.15 Minuten später halten wir vor einem Haus. „Hallo! Wir sind es,“ ruft Jeffrey seiner Mutter und Onkel zu.

„Das ist der Kamelmann Denis,“ stellt mich Jeffrey vor. „Ich habe auch einmal Kamele nach Rockhampton gebracht. Komm ich zeige dir ein paar Fotos,“ sagt der Mann und läuft zum Haus. Es dauert nicht lange und ich stehe mit ihm in der brütenden Hitze und sehe mir Bilder von Pferdewägen und Pferden an. „Das ist unser Geschäft. Wir fahren zu Veranstaltungen und Hochzeiten. Man kann unsere Pferdewägen und Pferde mieten. Verstehst du? Das was du da auf den Bildern siehst ist ein riesiger Pferdewagenkonvoi. Wir haben uns aus dem ganzen Land getroffen. Das Fernsehen war auch da. Sie zeigten allerdings nur wenig von unseren Pferden,“ plaudert er während ich immer unruhiger werde. Tanja ist nun schon seit über einer Stunde alleine und ich bekomme immer größeren Durst. Ich fühle mich müde und ausgebrannt und habe ehrlich gesagt nicht das geringste Interesse jetzt ein Fotoalbum über Pferdewägen anzusehen. „Jeffrey hat mir erzählt, dass du mal Kamele von Boulia nach Rokhampton gebracht hast?“ „Ja, ja, aber das ist lange her.“ „Jeffrey hat mir berichtet das viele davon gestorben sind?“ ,frage ich neugierig. „Was heißt viele? Wir haben drei Kamele hierher gebracht und eines ist eingegangen. Es ist wahrscheinlich an Altersschwäche gestorben,“ antwortet er und blättert die nächste Seite seines Fotoalbums um. „Es tut mir leid, aber ich muss dringend wieder zu Tanja zurück. Ich möchte sie nicht so lange alleine lassen und so wie es aussieht liegt noch eine gewaltige Strecke vor uns,“ meine ich. „Kein Problem, ich fahre dich jetzt zurück,“ antwortet Jeffrey.

Nach insgesamt zwei Stunden bin ich wieder bei Tanja. Jeffrey hat mittlerweile entschieden uns jetzt doch über die Brücke zu bringen. Er und sein Onkel, der uns übrigens mit seinem Auto gefolgt ist, um die Kamele anzusehen, wollen die Brücke sperren. Als Ranger ist er anscheinend befugt dazu. Nur Minuten danach ist es soweit. „Camis walk up!“ rufe ich und führe die Karawane über die nun abgesperrte Straße. Sebastian lässt sich mittlerweile furchtbar ziehen. Seine Augen scheinen den Glanz verloren zu haben und wenn ich ihn mir genauer betrachte liegen sie sogar tief in ihren Höhlen. Ohne Zwischenfall erreichen wir die andere Seite der Brücke. „Von hier könnt ihr der alten Straße folgen, bis ihr wieder auf den Highway trefft,“ erklärt Jeffrey und verabschiedet sich von uns.

Ausgelaugt und kaputt schreiten wir nun der ruhigen, unbefahrenen Nebenstraße auf der anderen Seite des Highways entlang. „Ich kann einfach nicht nachvollziehen warum mich der Hilfsranger zwei Stunden durch die Gegend fuhr, um am Ende doch über die Brücke zu gehen. Das war eine glatte Zeitverschwendung,“ schimpfe ich. „Wahrscheinlich hat der Mann deine Gesellschaft genossen?“ „Das ist doch kein Grund mich auf eine zweistündige Rundreise zu entführen. Ich musste mir sogar ein Fotoalbum ansehen!“ ,ärgere ich mich laut. „Die letzten Kilometer werden wir jetzt schon noch schaffen. Bleib gelassen.“ „Ich bin gelassen! Totaaaal gelassen! Könnte gar nicht gelassener sein!“ ,schimpfe und fluche ich weiter bis wir beide in ein herzhaftes und wildes Gelächter ausbrechen.

Es dauert nicht lange als Jeffrey wieder auftaucht. „Ich habe die Polizei verständigt. Wir werden zusammen die Brücke vor der Abzweigung sperren. Dann könnt ihr sicher über den Highway gehen,“ sagt er freundlich. „Fantastisch,“ antworten wir wie aus einem Mund. „Vielleicht habt ihr Zeit mit mir danach einen Tasse Tee zu trinken?“ „Es tut mir leid Jeffrey. Wir müssen wirklich weiter. Es sind noch mindestens 20 Kilometer bis zum Ziel und wir wollen es noch am Tag erreichen,“ lehne ich seine Einladung ab.

Zwei Kilometer weiter treffen wir auf Ray den Polizisten. Schnell ist der Verkehr gesperrt und wir schreiten ohne Zwischenfälle über die Brücke der belebten Straße. Nachdem wir uns von den Beiden verabschiedet haben laufen wir wieder über eine Nebenstraße in Richtung Paradise Lagoons. Unsere Körper sind kurz vorm kollabieren als ich nach über 10 Stunden am Fuße des Hügels, auf dem die Actonvilla thront, die Karawane stoppe. „Ob wir da rauf gehen sollen?“ ,frage ich Tanja. „Würde ich nicht. Lass uns hier etwas ausruhen. Vielleicht kommt jemand vorbei,“ schlägt sie vor. Ihren Ratschlag befolgend lasse ich mich mit schmerzenden Knochen auf den bloßen Boden nieder. Wir liegen gerade ein paar Minuten als ein Jeep der Firma Superbeef vorbeikommt. Der Fahrer verspricht uns die Ankunft der Kamelexpedition im Haus zu melden. Minuten später erscheint er wieder. „Graem ist in einer Besprechung. Es wird sich aber bald jemand um euch kümmern,“ sagt er und fährt davon.

Entkräftet legen wir uns wieder auf die steinige, mit Ameisen überzogene, Erde. Sebastian sieht jetzt besorgniserregend aus. Er legt seinen Kopf auf den Boden und schnauft laut auf. „Ob unsere Jungs hier etwas zu fressen finden?“ breche ich die Stille. „Ich hoffe. Vielleicht bekommen sie ja Heu,“ antwortet Tanja.

20 Minuten liegen wir so da, bis ein Jeep neben uns hält. Es ist der Schwiegersohn von Graem Acton und Manager von Paradise Lagoons. Er begrüßt uns freundlich und fragt: „Könnt ihr noch einen Kilometer laufen?“ „Ja,“ antworte ich meine steifen Körper streckend. „Wir haben am Creekbett ein Gehege in dem sich eure Kamele bestimmt wohl fühlen. Während ihr dort runter lauft hole ich den Hengst aus der Einzäunung,“ sagt er. Eine viertel Stunde später huschen wir unsere Boys in eine saftige Wiese. Robert bietet uns seine Hilfe an die Tiere abzuladen. „Wir besitzen ein altes Holzhaus in dem ihr bleiben könnt oder ihr zieht bei den Ringern mit ein. Im Haus der Ringer gibt es Strom und ein Telefon,“ bietet er und an. Vielen Dank. Ich glaube wir schlagen heute unser Zelt auf und ziehen erst morgen um. Wir sind einfach zu müde jetzt noch unsere Ausrüstung irgendwohin zu fahren und eine Entscheidung zu treffen,“ antworte ich.

Es ist bereits dunkel als wir uns erschöpft und mit durchgewürfelten Gefühlen ins Moskitozelt legen. In den letzten neun Tagen konnten wir 303 Laufkilometer hinter uns bringen. Wir sind froh unsere Boys ohne Schaden durch die Gefahren der Zivilisation gebracht zu haben. „Meinst du Sebastian ist krank?“ ,flüstere ich. „Ich weiß nicht. Er hätte das jetzt nicht verdient,“ höre ich Tanja.

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