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RED EARTH EXPEDITION - Etappe 2

Erste Berührung mit überschwemmten Land

N 22°44’09.3’’ E 127°29’13.2’’
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    Tag: 125 Etappe Zwei

    Sonnenaufgang:
    04:55

    Sonnenuntergang:
    17:35

    Luftlinie:
    21,6

    Tageskilometer:
    24

    Temperatur - Tag (Maximum):
    35 Grad

    Breitengrad:
    22°44’09.3’’

    Längengrad:
    127°29’13.2’’

See-Camp — 18.10.2001

Die Druckstelle von Jasper ist nicht schlimmer geworden. Auch reagiert er durch die Medizin nicht mehr so aggressiv als wir ihm seinen Sattel auf den Rücken schwingen. Hardies Sattel passt wieder hervorragend und Max bekommt einstweilen eine Decke auf seinen Rücken, um ein weiteres nach unten rutschen des Tragegestells zu umgehen. Wir laufen durch weichen Sand und durch weite Dünentäler. Soweit unser Auge reicht ist die gesamte Gegend mit der giftigen Gyrostemon ramulosus verseucht. „Also hier könnten wir nicht einmal im Notfall ein Camp aufschlagen. Hier wächst diese Gyrostemon auf jeden Quadratmeter,“ stellt Tanja fest. Um 12 Uhr Mittags stapfen wir über eine leichte Erhebung und plötzlich entdecken wir den ersten großen See vor uns. Ich halte die Karawane an, nehme mir das Fernglas und suche das Gebiet ab. „Hier kommen wir definitiv nicht weiter. Ab jetzt heißt es querfeldein laufen,“ sage ich das Fernglas von den Augen nehmend. In einem Abstand von ca. einen Kilometer vor dem See führe ich die Karawane durch das dichte Spinifexgras direkt nach Süden. Vor uns erhebt sich ein niedriger Bergzug der in der Karte Pollock Hills genannt wird. Immer wieder bleibe ich stehen und suche das flache Gelände vor uns ab. Von einer Sanddüne ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Der See zieht sich auf eine Länge von vielen Kilometern von Nordost nach Südwest durch eine noch tiefer gelegene Senke. Die Vegetation an seinem Ufer ist abgestorben was mir die graubraune Farbe der blattlosen Büsche verrät. Da unsere Kamele einen sehr müden Eindruck auf uns machen und wir schon über fünf Stunden unterwegs sind suchen wir einen geeigneten Schattenplatz für unser Rast und Schreibcamp. „Dort drüben ist ein Busch. Der sieht vielversprechend aus,“ sage ich und deute in der kaum bewachsenen Ebene auf die grüne Erhebung. Als wir ihn erreichen entscheiden wir uns zu bleiben. „Kamele udu!“ ,befehle ich worauf die Tiere anhalten. Ich lasse sie nach einander absetzen. Max huscht sich wie so oft in einem 180 Grad Winkel zu Jasper ab was das Entladen seiner Satteltaschen unmöglich macht. „Epna Max. Komm steh auf und setze dich gerade hin,“ rufe ich doch Max macht keine Anstalten sich nur noch einen Zentimeter zu bewegen. Es kostet mich meine letzte Kraft ihn dann doch noch mal aufstehen zu lassen. Mit dem Plastikrohr gebe ich ihm einige Schläge auf seinen Hintern und als ich ihn dazu noch laut anfluche bemerkt er das ich es bitter ernst meine. Schwerfällig erhebt er sich und setzt sich gerade hinter Jasper ab. „Na siehst du. Du kannst es doch,“ lobe ich ihn und streichle seinen Kopf.

Im Vergleich zu gestern ist das Entladen Schwerstarbeit. Das Spinifexgras sticht uns in die Hände und die Sonnen brennt uns mit ca. 57 Grad aufs Haupt. Müde schleppen wir die Ausrüstung die nicht der Hitze ausgesetzt sein darf unter den Busch. Dann haben mein Freund und ich wieder einen großen Auftritt. Gemeinsam ziehe wir in den Kampf gegen das Spinifexgras. Nach drei Stunden harter Arbeit schaffe ich für uns eine ca. 15 Quadratmeter Spinifex freie Fläche für unser Camp. Dann studiere ich die Karte und suche nach einem sicheren Weg um den See. Ray hat mir erklärt, dass er mit seinem Jeep außen herum gefahren ist und das der Umweg nur acht Kilometer beträgt. Das würde bedeuten, dass sich die Sumpflandschaft, die sich nach dem Landkartenbild zu urteilen auf 27 Kilometer hinstreckt, in den letzten Monaten und Wochen schon stark zurückgezogen hat. Wie in Zeitlupe und wie immer, nach solch einem anstrengenden Tag, baue ich mit schmerzenden Knochen unser Funkgerät auf um Jo und Tom unsere Position durchzugeben. Ich erfahre, dass Jo mittlerweile bezüglich unseres Antenneverlustes mit Ray Kontakt aufgenommen hat. „Er wird euch morgen aufsuchen und versuchen die Antenne zu reparieren. Abgesehen davon könnte die Lieferung einer Ersatzantenne tatsächlich klappen bevor ihr Kiwirrkurra erreicht,“ erzählt sie freudig. „Es ist schon fantastisch das man im entlegensten Winkel dieser Erde noch Menschen treffen kann die einem noch dazu helfen,“ freue ich mich ebenfalls. „Ja, es sind Menschen die wissen was es bedeutet solch ein Leben zu führen wie ihr es tut.“

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