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RED EARTH EXPEDITION - Etappe 2

Ein furchtbarer Schock

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    Tag: 89 Etappe Zwei

    Sonnenaufgang:
    05:40

    Sonnenuntergang:
    17:33

    Temperatur - Tag (Maximum):
    30 Grad

Kunawarritji-Camp — 12.09.2001

Gleich nach dem Aufstehen laufen wir zu Istan, um nach seinen Befinden zu sehen. Uns fällt ein Stein vom Herzen, denn er steht gesund und munter neben seinem Busch und frisst daran mit offensichtlich großem Appetit.

Wegen den vielen Giftpflanzen helfe ich Tanja beim Kamelehüten. Es ist für einen einzelnen Menschen unmöglich sieben Kamele unter Kontrolle zu halten die auf der Suche nach Futter oftmals in verschiedene Richtungen laufen. Die Chancen das einer von ihnen in eine Gyrosteman beißt sind enorm groß. Nachdem wir sie dann an verschiedene Büsche gebunden haben laufen wir ins Dorf, um einen der Essenssäcke aus dem Kühlhaus zu holen die wir vor vielen Monaten im Pardoo Roadhouse untergestellt hatten. Carl konnte es managen die sechs Säcke von einer Jeepsafari abholen zu lassen und bis zu unserer Ankunft im Kühlhaus des Ladens zu lagern. Auf dem Weg zurück zum Camp laufen wir Jeffery über dem Weg. „Wie geht es dir heute morgen?“ ,frage ich. „Gut. Ich fahre heute nach Marble Bar um meine Tochter abzuholen. Sie hat gestern angerufen.“ „Nimm genug Wasser und Treibstoff mit.“ „Ja, wir haben alles dabei.“ „Wie lange werdet ihr unterwegs sein?“ „Bestimmt acht oder neun Stunden. Wir bleiben nicht lange und kommen morgen wieder zurück,“ erzählt er und hebt einen Dieselkanister in den Kofferraum seines Holden.

Amerika wird angegriffen

Nachdem Tanja den Essensack aufgeteilt hat laufen wir wieder ins Dorf um Cahty einen Besuch abzustatten. Sie hat uns gestern zum Tee eingeladen. „Habt ihr schon von der Katastrophe in Amerika gehört?“ „Nein was ist denn geschehen?“ „Da seht es euch an,“ sagt sie und deutet auf den Fernseher. Erst glaube ich einen Ausschnitt einer der modernen Aktionfilme zu sehen bis ich begreife, dass da tatsächlich zwei Passagierflugzeuge in die Twin Tower von New York geknallt sind und eines in das Verteidigungsministerium. Gebannt und fassungslos sitzen Tanja und ich seit fünf Monaten wieder das erste Mal vor dem Fernseher und wollen einfach nicht wahrhaben was da geschehen ist. Unaufhörlich wiederholt der Sender den Einschlag des Flugzeuges und den Zusammensturz des World Trade Center. Mir kommen die Tränen und ich fühle mich wie gelähmt. Hier mitten in der Wüste sieht die schreckliche Realität der Welt so unrealistisch aus das es Stunden dauert bis ich wirklich begreife was geschehen ist. Obwohl wir unendlich viel Arbeit haben sitzen wir bis zum späten Nachmittag vor dem Bildschirm. Plötzlich erscheint mir unsere Expedition als lächerlich und unwichtig. Energielos und völlig ausgelaugt schleppe ich mich dann ins Lager zurück und bin nicht in der Lage irgendetwas zu tun. Ob die Welt jetzt vor einem neuen Krieg steht? Wird sich durch diesen furchtbaren Terrorakt die jetzige menschliche Zivilisation verändern? Wird man eine neue idiotische Grenze zwischen der moslemischen und christlichen Welt ziehen? Werden wir unfreier? Werden jetzt noch mehr Unschuldige sterben? Fragen über Fragen martern mir das Gehirn. Ich habe plötzlich das Gefühl als ob sich eine große Hand um meinen Hals schließt und mich mit eisernen Fingern würgt. Haben die Menschen es wieder geschafft sich selbst das Leben schwer zu machen? Woran liegt dieser Konflikt? Mit Sicherheit sind die Moslems keine schlechteren Menschen als wir. Lange haben wir in den moslemischen Ländern gelebt und viele moslemische Freunde berichteten uns über ihre Ansicht der Weltpolitik. Ich glaube im Laufe der Reisejahre einen kleinen Einblick in diese andere Welt bekommen zu haben und auch wenn aus unserer Sicht dort nicht alles so läuft wie es die westliche Welt es sich vorstellt sind diese Menschen, Menschen wie wir. Terrorismus ist eine fürchterliche Sache und zeugt von einer abartigen Form der Erdbewohner. Aber warum fragt man sich nicht was der Grund für den Hass ist? Warum verabscheuen die Moslems die Amerikaner? Dafür muss es doch Gründe geben und ich weiß auch, dass es sie gibt. Liegt es an der Außenpolitik einer Weltmacht? Führt diese Außenpolitik zum Terrorismus? Ich habe fürchterliche Angst, dass die Weltpolizei Amerika grausam zurückschlagen wird. Was folgt dann? Ein weiterer Anschlag in dem unschuldige Menschen sterben müssen? Ich hoffe und betet dafür das die Welt nicht wieder in Krieg versinkt, denn das bringt uns allen nur Leid. Ich hoffe, dass es Menschen gibt die im einundzwanzigsten Jahrhundert nicht versuchen Konflikte mit dem Schwert zu lösen, sonder ihr Gehirn einsetzen. Ich hoffe, dass es Menschen gibt die in der Lage sind unterschiedliche Ansichten und Missverständnisse über den Dialog zu klären oder wollen wir uns wieder und wieder und wieder gegenseitig tot schlagen? Soll dieser seit Gedenken anhaltender Zyklus der Kriege immer weiter gehen bis es den Einheitsmenschen gibt? Einen Menschen der so ist wie alle anderen auch? Einen farblosen Jasager egal was geschieht? Ob diese neugeformte Rasse dann eine Überlebenschance hat? Ob es dann noch lebenswert ist auf diesem Planeten? Machen nicht gerade die unterschiedlichen Kulturen, die unterschiedlichen Rassen, Religionen, Anschauungen, Länder, Landschaften das Leben interessant? Ist nicht gerade dies der Grund warum Millionen von Touristen die Welt bereisen? Ich könnte noch Seiten über Seiten über dieses Thema schreiben und mich darin verlieren, doch wird das nichts daran ändern das gerade eben Tausende von unschuldigen Menschen sterben mussten. Ohne nur die geringsten Zweifel offen zu lassen ist die gesamte Menschheit dazu verpflichtet den Terrorismus mit allen Mitteln zu bekämpfen, doch muss es andere Möglichkeiten geben als den Krieg. Betroffen von den schlimmsten Ereignissen die ich je in meinem Leben gesehen habe sitze ich stundelang bewegungslos in meinem Stuhl und starre über die weite Ebene. Ich blicke in die endlose Wüste die noch genauso aussieht wie vorher. Nichts hat sich geändert und nichts wird sich hier ändern so lange die Menschheit die Erdoberfläche nicht mit Bomben umpflügt.

Abends sitzen wir wieder bei Cathy im Wohnzimmer. Wir nutzen die seltene Gelegenheit unsere Eltern anzurufen, um ihnen mitzuteilen das mit uns alles in Ordnung ist. Carl ist nicht Zuhause. Eine Sportmaschine der Regierung ist heute Nachmittag bei Kunawarritji gelandet. Sie haben das Wasser auf Krankheitserreger untersucht. Carl nutzte die Gelegenheit, um mit ihnen nach Port Hedland zu fliegen. „Er wird dort einige Ersatzteile für den Dorfbus kaufen der mit den Kindern unterwegs ist. Der Bus ist auf halber Strecke von hier nach Punmu stehen geblieben. Carl wird ihn reparieren und nach Kunawarritji zurückfahren,“ erklärt uns Cathy. Wir trinken eine Tasse Tee zusammen, blicken wieder wie gebannt in die Flimmerkiste bis Cathy uns warnt das es leicht zu regnen beginnt. Weil wir unser Lager nicht auf Regen präpariert haben rennen wir auf die Düne um alles wasserfest zu verstauen.

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