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RED EARTH EXPEDITION - Etappe 3

Weihnachten & vernichtende Flut

N 22°48’30.2“ E 147°39’08.3“
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    Tag: 222-227 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 613-618

    Sonnenaufgang:
    05:22-05:25

    Sonnenuntergang:
    18:54-18:56

    Gesamtkilometer:
    6402 km

    Temperatur - Tag (Maximum):
    36° Grad, Sonne ca. 56°

    Temperatur - Nacht:
    19,3° Grad

    Breitengrad:
    22°48’30.2“

    Längengrad:
    147°39’08.3“

Clermont-Camp — 24.12.2002 – 29.12.2002

Tanja und ich verbringen ein wunderschönes Weihnachtsfest bei wunderbaren Menschen. Am Abend besuchen wir bei ca. 33° Grad und Gewitterstimmung die Kirche. Es ist für uns ein eigenartiges Gefühl, denn bei uns in Deutschland freuen wir uns über eine weiße und kalte Weihnacht. Durch die vielen Reisejahre sind wir es mittlerweile natürlich gewohnt eine heiße, anstatt einer weißen Weihnacht zu verbringen, doch muss ich ehrlich eingestehen, dass ich zu diesem Zeitpunkt gerne Zuhause bin um mit unserer Familie zu feiern.

In den Tagen unseres erholsamen Aufenthaltes essen wir jeden Morgen frische, tropische Früchte. Mittags erfreuen wir uns an leckeren Gemüsesandwichs und abends biegen sich die Tische mit vielen köstlichen Speisen.

Der Polizist Peter und seine Frau Denise, die gleichzeitig die lokale Reporterin ist, sind die Nachbarn und Freunde von John und Zoe. Peter ist neben seinen Beruf auch leidenschaftlicher Koch. Seine Spezialitäten bereitet er in den sogenannten Campöfen zu. Bald jeden Abend köchelt oder bäckt er etwas Leckeres auf dem Feuer. Die Weihnachtsfeier zieht sich über fünf Tage hinweg. Jeden Abend sitzen wir im Freien, trinken, essen, lachen und beobachten die nahen Blitze der lokalen Gewitter. Viel wird über die langanhaltende Trockenheit gesprochen. Auch darüber, dass die paar Gewitter noch lange nicht genügend Wasser gebracht haben, um die Erde fruchtbar werden zu lassen.

Bob, der Bruder von Zoe, erzählt uns von der furchtbaren Flutkatastrophe die im Jahren 1916 Clermont vernichtet hat und 65 Menschen tötete. „Die Aborigines haben die damaligen Siedler mehrfach gewarnt unter keinen Umständen die Stadt in der Talsenke zu errichten. Niemand hat auf sie gehört und auch die Überflutungen von 1870, 1893 und 1896 waren nicht genug, um die Menschen vor einer kommenden Katastrophe zu warnen. Und dann geschah was keiner für möglich hielt. Während eines furchtbaren Regens ist das Wasser vom Wolfangfluß ist auf das Wasser vom Sandy Creek getroffen und hat eine ca. vier Meter hohe Wasserwalze gebildet die absolut alles mit sich riss was ihr im Weg stand. Viele unvergessliche Dramen haben sich abgespielt. Als Mahnmal hängt noch immer ein Klavier in der Krone eines hohen Baumes. Es ist die Nachbildung des Pianos welches nach der schrecklichen Naturkatastrophe tatsächlich über vier Meter hoch in einem Baum hing. Heute ist Clermont auf dem höher gelegenen Land neu aufgebaut. Eine Tragödie dieser Art wird sich nicht mehr wiederholen,“ erzählt Bob seine Stirn in Falten legend. „Ist ja eine furchtbare Geschichte. Na da kann ich nur hoffen das wir auf unseren letzten 400 Kilometern bis nach Rockhampton nicht in so ein katastrophales Unwetter geraten,“ meine ich als mir ein Schauer den Rücken herunter läuft. „Ihr solltet euch zu dieser Jahreszeit nicht all zu weit von den Asphaltstraßen entfernen. Aber auch diese können natürlich total überschwemmt werden. Abgesehen davon glaube ich nicht das wir dieses Jahr einen Jahrhundertregen bekommen werden. Ihr müsstet schon viel Pech haben,“ sagt er freundlich.

Natürlich nutze ich die Weihnachtszeit, vor allem die Momente in denen Rufus durch die vielen Leckerbissen abgelenkt ist, um sein geheimes Tagebuch zu suchen. Die letzten Male war es wirklich nicht einfach sein wohlbehütetes Geheimdokument zu finden. Doch wer weiß? Vielleicht ist er während der Festtage etwas nachlässig geworden und ich kann es schnell aufstöbern? Als führe ich nichts im Schilde laufe ich an ihm vorbei. Er hat seine Schnauze tief in seiner Hundeschüssel, um die Reste vom gestrigen Abendessen in sich hineinzusaugen. Immer wieder wundere ich mich wie gierig und schnell er diese Festportionen hinunterwürgt ohne danach einfach zu platzen. Aufmerksam blicke ich herum, sehe unter die naheliegenden Büsche, dem Wäschekorb und unterm Tisch. Klar, wäre ja zu einfach es in so einem simplen Versteck auszumachen. Da auch dieses Haus auf Pfosten steht, werfe ich einen Blick hinunter, doch Rufus benutz ein Versteck selten zweimal. Ehrlich gesagt beginne ich mich über ihn langsam zu ärgern. Sein Einfallsreichtum dieses Büchlein zu verstecken scheint grenzenlos zu sein. Ich suche im Grill, im Mülleimer, ja sogar in einem Farbtopf, doch bleibe ich erfolglos. „Wo kann er es nur hin gesteckt haben?“ ,flüstere ich nachdenklich. Ich setze mich auf die Terrasse und lasse meinen Augen durch den Garten schweifen. Ich habe nicht mehr all zu viel Zeit, denn er wird seine Schüssel bald ausgeschlabbert haben. „Da wird es sein!“ ,rufe ich verhalten, um keinen Verdacht zu erwecken, springe auf und sehe zwischen der Wäsche nach, die zum trockenen im Garten am Wäscheständer hängt. Ich untersuche jedes Kleidungsstück. So raffiniert wie er ist hat er es bestimmt in einer der Hosentaschen verschwinden lassen. Doch wieder Fehlanzeige. Verzweifelt suche ich weiter. Es gibt kaum noch Möglichkeiten als meine Blicke das Abflussrohr der Dachrinne streifen. War da etwas Weißes? Schnell laufe ich hin, stecke meine Hand in das Rohr und kann es kaum glauben, als ich das Büchlein ertaste. „Rufus, Rufus, du wirst auch immer leichtsinniger,“ sage ich grinsend, schüttle den Kopf und denke daran, was gewesen wäre, wenn sich heute eines der Gewitter über uns entleert hätte?. Schnell schlage ich das in der Zwischenzeit schwer mitgenommene Ding auf und lese…

DAS EXPEDITIONSTAGEBUCH EINES EXPEDITIONHUNDES NAMENS RUFUS

Mein lieber Schwan, nach all den aufredenden Erlebnissen, seit wir Casiopia verlassen haben, war ich mir nicht mehr so sicher ob ich dieses Weihnachten erleben würde. Wenn ich mir vorstelle wie heiß und trocken es in den letzten Monaten war, muss ich jetzt glatt vor den scheußlichen Gewittern Angst haben. Meine Menschen sprechen zwar ständig davon, dass die Erde unter meinen Pfoten dringend Wasser braucht, doch wäre es mir sehr recht, wenn das Wasser erst nach uns vom Himmel fällt. Mein Motto ist nämlich, wenn schon Regen, dann nicht über uns.

Wuuhhuuu! Wenn ich an die letzte Gewitternacht denke stellen sich meine Nackenhaare zu Berge. Ich musste mir kurzfristig eine neue Philosophie zulegen, sonst wäre ich nicht im möglicherweise zu hoch steigendem Wasser, sondern auch in meiner Angst ersoffen. Vor allem als ich Denis beobachtete. Er war ja überhaupt nicht gelassen. Ich glaube er hat seine Hosen gestrichen voll gehabt. Natürlich, wenn er welche getragen hätte. Ich bin allerdings auch froh, dass ich ihm nicht helfen musste als er unsere Stoffhütte verließ, um eines der Fenster zu schließen. Ehrlich gesagt hätte ich mich einfach taub gestellt. Keine sechs Kamele hätten mich da raus gebracht.

Kurzfristig habe ich mich dann gefragt, wovor ich mehr Angst haben soll. Vor dem Gewitter oder vor den Autos und Lastwägen? Täglich donnern die stinkenden lauten Dinger an uns vorbei. Mein Freund Hardie mag sie auch nicht. Manchmal hüpft er einfach in die Höhe oder nach vorne. Mein Gott bin ich froh so ein exzellenter Reiter zu sein. Mittlerweile würde ich jedes Kamelrennen in der gesamten Welt gewinnen. Da bin ich mir ganz sicher. Ich und Hardie wären einfach unschlagbar.

Trotz allen Aufregungen haben wir im Camp manchmal viel Spaß. Ganz besonders, wenn ich an die Leimgeschichte denke. Ich glaube der Einzige der nicht lachen konnte, als die Klebstoffflasche explodierte, war Denis. Ich armer kleiner Hund habe dann seinen Ärger abbekommen. Es war einfach zum bellen als sich der gesamte Klebstoff in seinem Bart verfing. Ich verstehe nicht, dass die Menschen die lustigsten Geschehnisse so ernst nehmen müssen. Na ja, als ich seinen Blick auffing habe ich mich besser mal unter die Liege verzogen.

Auf unserem Weg nach Clermont hielten immer wieder Autos an. Meine Menschen bekamen Mangos und sogar zwei Bierflaschen geschenkt. Leider hat keiner an mich gedacht. Ich bin doch auch ein Teil der Abenteuerfamilie und ein Knochen hätte mir wirklich gut getan. Allerdings bewundern viele Menschen unsere Karawane. Ganz besonders aber finden sie mich toll wie ich da mit geschwellter Brust auf Hardie reite. Wenn sie mich dann fotografieren versuche ich immer eine besonders gut Figur zu machen. Natürlich würde ich das keinem verraten.

Ich bin so froh, dass wir von der Familie Wilkinson so herzlich aufgenommen wurden und wir sooo wunderschöne, fröhliche Weihnachten verbracht haben. Die Leckerbissen, die mir Zoe immer wieder brachte, waren unvergesslich schmackhaft. Ich hätte am liebsten meinen ganzen Körper darin gewälzt. Hmmm, manchmal könnte ich ständig vom Fressen träumen.

Es ist ein schönes Leben als Weihnachtshund…

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