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Russland/Regen-Camp Link zum Tagebch: TRANS-OST-EXPEDITION - Etappe 3

Tieffliegender Wolkenteppich

N 55°20'27.0'' E 083°38'14.4''
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    Tag: 112

    Sonnenaufgang:
    06:48 Uhr

    Sonnenuntergang:
    19:56 Uhr

    Luftlinie:
    64.65 Km

    Tageskilometer:
    82.58 Km

    Gesamtkilometer:
    10448.45 Km

    Bodenbeschaffenheit:
    Asphalt

    Temperatur – Tag (Maximum):
    13 °C

    Temperatur – Tag (Minimum):
    8 °C

    Temperatur – Nacht:
    6 °C

    Breitengrad:
    55°20’27.0“

    Längengrad:
    083°38’14.4“

    Maximale Höhe:
    276 m über dem Meer

    Maximale Tiefe:
    205 m über dem Meer

    Aufbruchzeit:
    09.30 Uhr

    Ankunftszeit:
    17.00 Uhr

    Durchschnittsgeschwindigkeit:
    15.68 Km/h

Wir verlassen unser Stundenhotel mit dem netten Personal und machen uns auf die Gebietshauptstadt zu durchqueren. Da es keine Umgehung gibt sind wir gezwungen den Moloch komplett zu durchradeln. Nach 20 Kilometer werden wir von dem stinkenden Monster unversehrt ausgespuckt und befinden uns wieder auf der Verkehrsader in Richtung Tomsk, dem nördlichsten gelegenen Punkt unserer Trans-Ost-Reise. Tieffliegende Gewitterwolken verdecken wie gewohnt jegliches Sonnenlicht. Es ist trist und mit acht Grad unangenehm kalt und sehr feucht. Kurz hinter der Stadt stoppen wir kurz, um uns wärmer anzuziehen. Durch die Anstrengung schwitzen wir schon nach kurzer Zeit unsere Kleidung nass. Das Material kann die Feuchtigkeitsmenge nicht mehr abtransportieren was bedeutet, dass wir nach kurzen Stopps sofort auskühlen und frieren. Ist dies einmal geschehen ist der Körper trotz der Anstrengung kaum noch in der Lage sich erneut aufzuheizen. Im Augenblick experimentieren wir herum welche Reihenfolge wir Unterhemden, Fliese und Jacken tragen müssen, um dem ständigen Auskühlen entgegenzuwirken. Da sich dieses Problem schon bei den jetzigen Plustemperaturen zeigt, hoffen wir die kommenden Minustemperaturen zu überstehen.

Nach 50 Kilometern nutzen wir wieder die Gelegenheit Wind- und Regenschutz hinter einer halbverfallenen Tankstelle zu suchen. Weil ich noch immer friere streife ich mir nun eine Windstopperhose über meine Winterradhose über und ziehe meine Regenjacke an damit der Meister mir nichts mehr anhaben kann. “Wie soll das werden wenn das Thermometer auf Null Grad sinkt?”, fragt Tanja fröstelnd. “Soweit ich weiß gibt es in Sibirien eine trockene Kälte. Die ist nicht so schlimm wie Nasskälte”, meine ich nachdenklich und bin mir darüber klar das es natürlich davon abhängig von wie viel Minusgraden wir sprechen.

Als wir nach 70 Kilometern einen kleinen Ort erreichen beschließen wir es für heute gut sein zu lassen und eine Gastiniza aufzusuchen. “Ah, ich freue mich auf eine heiße Dusche!”, sage ich. “Und ich erst!”, meint Tanja. “Gibt es hier eine Gastiniza?”, frage ich einen alten Herren der in seinem Autos sitzt. “Bestimmt im Zentrum”, antwortet er. “Nein, so etwas haben wir in unserem Dorf nicht”, meint eine Frau die ich vor einem Magazin anspreche. “Haben wir”, freue ich mich über die Aussage eines Mannes der gerade aus seinem teuren japanischen Jeep aussteigt. “Warten sie einen Augenblick”, meint er und erkundigt sich für uns in einem nahen Geschäft. Schulter zuckend kommt er heraus und gibt uns den Tipp ins Zentrum zu radeln. Wir kommen an ein paar Menschen vorbei die in einer Art Arbeitsdienst ein Parkgelände vom wuchernden Pflanzenwuchs befreien. “Paris-Dakar!”, ruft eine Frau mit der Heckenschere hantierend. Nachdem Tanja sie auf eine Unterkunft angesprochen hat unterbricht sie ihre Arbeit und läuft mit uns zum großen Gemeindegebäude, dem Sitzt der Dorfregierung. In ihrem Büro ist es wohlig warm. Ich darf mich vor ihrem Schreibtisch setzen während sie mehrere Telefonate führt. “Wahrscheinlich sucht sie jemanden der uns hier in diesem Ort für eine Nacht aufnimmt. Schon sehr gastfreundlich diese Sibirier”, geht es mir durch den Kopf. “Die gepflegt aussehende Frau legt den Hörer auf die Gabel und sagt: “Wir haben leider keine Übernachtungsmöglichkeit für sie aber im nächsten Ort gibt es eine.” “Hm, schade. Wir sind sehr müde. Wie weit ist der nächste Ort?”, frage ich etwas enttäuscht gleich wieder auf den Bock zu müssen. “Nur 70 Kilometer.” “70 Kilometer? Das ist weit für einen müden Radler”, antworte ich. Die Dame, die offensichtlich die Arbeitsgruppe draußen leitet, sieht mich lächelnd an. “Dankeschön für ihre Mühe”, verabschiede ich mich und bringe Tanja die unfreudige Nachricht.

13 Kilometer weiter finden wir am Rande eines ausladenden Birkenwaldes einen Platz im hohen feuchten Gras. Es regnet als wir das Zelt aufbauen. Alles ist nass und feucht. Ich räume unser Stoffhaus ein und kaure mich ins Vorzelt um das Erlebete niederzuschreiben und die Bilder in den Laptop zu spielen. Tanja ist draußen im Nieselregen und kocht Wasser für unsere Travellunch-Mahlzeit die bei solchem Sauwetter geradezu perfekt ist. Es ist noch hell als wir dann in unser Zelt krabbeln, unsere nassen Sachen ausziehen und in die letzten trockene Wäsche schlupfen die wir noch in unseren Ortliebradtaschen haben. Sofort wird uns wärmer. Da wir nicht wissen wie es morgen wird nehme ich meine nass geschwitzte Fliesjacke mit in den Schlafsack, um sie auf diese Weise bis morgen Früh trocken zu bekommen.

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