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Link zum Tagebuch: TRANS-OST-EXPEDITION - Etappe 1

An der Donau

N 48°20'331'' E 009°56'723''
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    Tag: 18

    Sonnenaufgang:
    06:06 Uhr

    Sonnenuntergang:
    20:44 Uhr

    Luftlinie:
    37,12 Km

    Tageskilometer:
    52,12 Km

    Gesamtkilometer:
    481,18 Km

    Bodenbeschaffenheit:
    Asphalt

    Temperatur – Tag (Maximum):
    27 °C

    Temperatur – Tag (Minimum):
    23 °C

    Temperatur – Nacht:
    14 °C

    Breitengrad:
    48°20’331“

    Längengrad:
    009°56’723“

    Maximale Höhe:
    500 m über dem Meer

    Aufbruchzeit:
    10:22 Uhr

    Ankunftszeit:
    17:15 Uhr

    Durchschnittsgeschwindigkeit:
    14 Km/h

Das Getrommel von Hufen reißt mich aus einem schrecklichen Traum. Es dauert einige Zeit bis ich das vertraute Zeltinnere erkenne. Gott sei Dank vertreiben freundliche Sonnenstrahlen die letzten Erinnerungen meines Alptraumes. Ich öffne den Reißverschluss unserer Stoffbehausung und sehe den Pferden zu die gerade auf die Weide gelassen werden. Fohlen traben ausgelassen nur unweit von uns die Einzäunung hinunter und wissen nicht wohin mit ihrem Übermut und Kraft. Aus den Ställen muht es ab und zu und ein Hahn schreit sein Kikeriki in den kühlen Morgen. “Ihr könnt gerne frische Milch von uns bekommen. Wir haben genug davon”, bietet uns Bauer Schmidt an. Die Idylle auf dem Bauernhof ist perfekt und wir fragen uns warum wir nicht schon früher auf die Idee gekommen sind in Deutschland einen Fahrradurlaub zu verbringen.

Heute haben wir keine Höhenzüge der schwäbischen Alb mehr zu befürchten. Bis zur Donau geht es stetig bergab. Am späten Nachmittag erreichen wir den Fluss.  Als wir ihn auf einer Brücke überqueren macht die junge Donau nicht den Eindruck als wäre sie neben der Wolga die größte Wasserader Europas. Gebannt sehen wir in das träge dahinfliesende Nass. Angler haben ihre Routen ausgeworfen und warten darauf dass einer der vielen Fische, die hier ihr Zuhause haben, anbeißt. “Wenn man bedenkt das diese Wasserader tausend Kilometer länger als der Rhein ist und acht Staaten durchfließt”, sage ich nachdenklich.

Vielleicht ist es doch keine schlechte Idee die mächtige, 2850 Kilometer lange Wasserader, die Jahrhunderte die wichtigste Völkerstraße zwischen Südrussland, Zentralasien und Mitteleuropa war, für uns zu erkunden. Langsam wird mir die Idee, unsere Reiseroute zu ändern und der Donau bis nach Budapest zu folgen, immer sympathischer.

Da der nächste Campingplatz erst wieder in Günzburg ist benötigen wir dringend einen Ort für die Nacht. Überall werden Zimmer und Pensionen angeboten. Auch wenn die Offerte noch so verlockend ist wieder einmal eine Nacht in einem Bett zu verbringen dürfen wir uns nicht dazu verleiten lassen. Auf die Dauer von mehreren Jahren gesehen ist das Übernachten so teuer, dass unsere Idee der Trans-Ost-Expedition schon lange vor ihrem Ziel aus finanziellen Gründen scheitern würde. Trotzdem, nachdem Tanja und ich auch heute bald 200 Kilogramm Gewicht aus eigener Kraft über 50 Kilometer weitertransportiert haben, fühlen sich unsere Oberschenkel an als würden sie bald zerreißen. Der Muskelschmerz ist so gewaltig, dass wir schwach werden und in einer Gaststätte bei Gögglingen nach einer Übernachtung fragen. “Das Doppelzimmer kostet 54,- Euro”, sagt die nette Wirtin. Geknickt besteigen wir unsere Sättel und treten unser Gefährt ins Landesinnere, also weg von der Donau. Wir haben beschlossen einen Bauern zu fragen ob er uns ein Stück Wiese für die Nacht überlässt. “Ich habe leider keinen Platz”, sagt ein freundlicher alter Mann. “Aber ihr könnt euer Zelt bestimmt auf dem Kinderspielplatz aufstellen. Der gehört der Gemeinde.” “Ich weiß nicht ob die Gemeinde das gerne sieht. Zum Schluss meinen die noch wir wären Landstreicher”, entgegne ich. “Ach glaube ich nicht aber vielleicht fragt ihr doch besser den Bauern Schmidt. Er lässt euch bestimmt bei sich hinter der Scheune schlafen”, schlägt er vor. “Tanja flüstert mir leise zu: “Die heißen hier wohl alle Schmidt?” “Keine Ahnung, aber zumindest hat uns der Name bisher Glück gebracht”, antworte ich schmunzelnd. Mit neuer Hoffnung und brennenden Muskeln pedalen wir unsere Roadtrains zu dem besagten Hof. Wir erwischen Bauer Schmidt gerade als er mit seinem Auto wegfahren möchte. “Ich bin mit meiner Frau auf den Weg nach Burma und bräuchte ein Stückchen Wiese für unser Zelt”. “Wohin?” “Nach Burma, hinter China.” “Und wo steigt ihr ins Flugzeug?” “Wir fahren mit den Rädern”, sage ich worauf wir den uns bereits bekannten überraschten Gesichtsausdruck erleben. Nach weiterer Konversation und dem Beantworten vieler Fragen dürfen wir tatsächlich hinter der Scheune nächtigen.  “Aber lasst mir das Holz dort in ruhe. Es gehört mir nicht.” “Keine Angst. Was sollten wir denn mit dem Holz machen?” “Man weiß ja nie. Heute kann alles passieren. Ich meine ja nur. Was man so alles liest und hört”, antwortet der nette Mann und hat während des Zeltaufbaus viele Fragen. “Also, ich habe ja noch nie solche Menschen wie euch getroffen. Ich meine in echt. Ich schaue ja kaum Fernsehen aber wenn, dann kenne ich solche wie euch nur aus dem Fernsehen. Wusste gar nicht dass es so etwas in Wirklichkeit gibt. Wo verbringt ihr denn den Winter? Was esst ihr denn? Wie macht ihr das wenn ihr aufs Klo müsst? Was macht ihr denn wenn es regnet? Ist euer Zelt wirklich wasserdicht? Aber das ist ja ungemütlich da drin. Also für mich wäre das nichts. Für nichts in der Welt würde ich so leben wollen”, fragt und erzählt er.

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