{"id":928,"date":"2014-12-09T07:38:59","date_gmt":"2014-12-09T06:38:59","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.denis-katzer.de\/?p=928"},"modified":"2014-12-09T07:38:59","modified_gmt":"2014-12-09T06:38:59","slug":"wasserfaesser-am-track-sollen-den-aborigines-das-ueberleben-garant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/denis-katzer.de\/en\/wasserfaesser-am-track-sollen-den-aborigines-das-ueberleben-garant\/","title":{"rendered":"Wasserf\u00e4sser am Track sollen den Aborigines das \u00dcberleben garant"},"content":{"rendered":"<p>Spinifex freie Fl\u00e4che-Camp \u2014 11.07.2001<\/p>\n<p>\u201eHuaaah ist das kalt. Bevor ich da raus gehe muss ich mir heute meine Thermounterw\u00e4sche anziehen,\u201c sagt Tanja mit schlotternden Z\u00e4hnen. Tats\u00e4chlich ist es im Vergleich zu den letzten zwei Wochen wieder k\u00fchl. Auch ich ben\u00f6tige meine lange Thermounterhosen, eine kurz\u00e4rmliche und eine lang\u00e4rmliche Fliesjacke bevor ich das Zelt verlasse. Nach dem Abbau unserer Schlafst\u00e4tte setze ich mich an das kleine z\u00fcngelnd Campfeuer. Schnell verarzte ich meine zwei Blasen, massiere die entz\u00fcndete Sehne und schl\u00fcpfe in die Schuhe. Um 8 Uhr 40 bewegt sich die kleine Karawane wieder gen Osten. Wir kommen wie in den letzten zwei Tagen sehr gut voran. Der W\u00fcstentrack ist gut gepflegt und ein oder zweimal am Tag kommt uns ein Jeep entgegen. Damit unsere Kamele nicht vom Schlag getroffen werden wenn so ein Fahrzeug an uns vorbeidonnert winkt Tanja dem Fahrer zu herunterzubremsen. \u201eWohin geht ihr denn?\u201c ,fragt der Mann hinterm Steuer. \u201eZur Ostk\u00fcste,\u201c antwortet Tanja. Fast immer reagieren die Menschen sehr \u00fcberrascht und wollen uns in ein Gespr\u00e4ch verwickeln. Leider m\u00fcssen wir weiter und w\u00e4hrend ich auf die Karawane aufpasse gibt ihm Tanja ein paar Antworten. Wir erfahren, dass die Gel\u00e4ndew\u00e4gen nahezu alle von einer Jeepsafari auf der Canning Stock Route kommen die sich etwa 600 Kilometer \u00f6stlich von hier von S\u00fcd nach Nord durch die W\u00fcste zieht. Sie gilt als eine der h\u00e4rtesten Off Road Touren der Erde und ist gerade deshalb sehr beliebt. Leider ist sie im Augenblick wegen Hochwasser nicht vollst\u00e4ndig befahrbar und das ist der Grund warum wir auf dem Kidsontrack ab und zu solch einer Jeepexpedition begegnen. Wir wussten schon vor Beginn dieser Teiletappe, dass es im Zentrum der W\u00fcste gro\u00dfe \u00dcberschwemmungen gibt und hoffen sie mit unseren Kamelen umgehen zu k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich folgen wir nicht der Canning Stock Route, m\u00fcssen sie aber in ca. 600 Kilometer bei der Aboriginegemeinschaft Kunawarritji \u00fcberqueren, um unser n\u00e4chstes Etappenziel zu erreichen. \u201eViel Gl\u00fcck,\u201c w\u00fcnschen uns die Menschen in ihrem Auto und brausen davon. Es dauert nicht lange und wir erreichen eine der ersten sechs Wasserf\u00e4sser. Wegen eines tragischen Unfalles vor nicht all zu langer Zeit hat die Regierung die ersten 400 Kilometer am Kidsontrack Wasserf\u00e4sser mit einem Fassungsverm\u00f6gen von 200 Liter aufgestellt, um haupts\u00e4chlich Aborigines die mit ihrem Auto auf der Strecke liegen bleiben das \u00dcberleben zu gew\u00e4hren. Immer wieder kommt es vor, dass Aborigines mit ihren v\u00f6llig fertigen Fahrzeugen solche Buschstrecken benutzen und ihr Leben verlieren weil sie eine Panne haben. Auch hier am Kidsontrack sind mehrer Menschen verdurstet weil ihr Auto nicht mehr weiter wollte. Um sich vor der gnadenlosen Sonne und dem Verdurstungstod zu retten sind die Insassen aus Verzweiflung losgelaufen. Leider sind bis auf ein junges M\u00e4dchen alle verdurstet.<\/p>\n<p>Bevor wir den 80 Mile Beach Caravan Park verlassen haben hat uns Ray noch mal aufgesucht. Ray hat f\u00fcr eine \u00d6lbohrfirma den Kidsontrack wieder in Schuss gebracht und kennt sich in dieser Gegend gut aus. \u201eWenn ihr wirklich Wasser ben\u00f6tigt k\u00f6nnt ihr euch etwas aus den F\u00e4ssern nehmen. Ich muss in den n\u00e4chsten Tagen sowieso die Strecke abfahren und werde die F\u00e4sser wieder auff\u00fcllen,\u201c hat er uns angeboten. Obwohl wir wahrscheinlich aus eigener Kraft bis Kunawarritschji durchkommen ist es beruhigend zu wissen im Notfall mit Wasser rechnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Unendlichkeit der Great Sandy Desert ist beeindruckend. Vor allem jetzt zu dieser Jahreszeit wo alles so wunderbar gr\u00fcn ist. Sie sieht friedlich aus und man kann sich kaum vorstellen, dass dieses Land so gnadenlos und hart sein kann. Nachdem was ich geh\u00f6rt habe kann sie sich in wenigen Stunden zu einem wahren Monster entwickeln und absolut t\u00f6dlich sein. Ich setze einen Schritt vor den anderen und lasse meine Augen \u00fcber diese Sch\u00f6nheit gleiten. Froh die perfekte Jahreszeit gew\u00e4hlt zu haben l\u00e4chle ich sie an und freue mich auf eine gute Zeit. Hoffentlich wird es nicht zu hei\u00df, oder zu nass und hoffentlich bleiben wir von den Buschfeuern und einer schlimmen Trockenheit verschont. Leichte Erhebungen erscheinen in dieser friedlichen Ebene wie ein markanter Punkt. Ich kann mir gut vorstellen wie sich die Ureinwohner dieses alten Kontinentes auf ihrer ewigen Wanderung daran orientiert haben. Sie sangen sich den Weg durch diese Endlosigkeit und ihre Lieder enthielten bestimmt die verschiedensten Merkmale die hier leicht auszumachen sind.<\/p>\n<p>Um 14 Uhr 18 erreichen wir wieder unseren Lagerplatz. Zu unserer Freude finden wir mitten im Spinifexland gr\u00f6\u00dfere unbewachsene Sandfl\u00e4chen die f\u00fcr unser Lager ausreichend sind. Es ist ein wundersch\u00f6nes Camp. Aus dem lindgr\u00fcnen Gras mit seinen strohfarbenen Samenst\u00e4ngeln erheben sich in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden rotbraune Termitenh\u00fcgel. Oft denken wir einen Kamelr\u00fccken zu erkennen, sind aber jedes Mal von neuem erleichtert nur einen der Termitenh\u00fcgel auszumachen. Weil wir l\u00e4nger als urspr\u00fcnglich geplant am Caravan Park verbrachten, besitzen wir mehr gefriergetrocknete Nahrung von Reiter als kalkuliert. Deshalb gibt es heute einen leckeren Erbseneintopf. Um der Gefahr eines Buschfeuer vorzubeugen grabe ich ein tiefes Loch f\u00fcr ein kleines Feuer. Obwohl es jetzt relativ sicher ist beobachte ich die Flugbahn eines jeden Funken der die Feuerstelle verl\u00e4sst. Zufrieden erkenne ich ihr verl\u00f6schen noch in der Luft.<\/p>\n<p>Wir genie\u00dfen also den Abend und freuen uns auf morgen. Da am Freitag mein Interviewtag ist erreichen wir morgen schon unser Rastcamp. Der Gedanke an frisch gebackenes Brot in der Glut des Feuers und nicht bereits um vier Uhr aufstehen zu m\u00fcssen befl\u00fcgelt uns und l\u00e4sst uns l\u00e4chelnd in die nahe Zukunft blicken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spinifex freie Fl\u00e4che-Camp \u2014 11.07.2001 \u201eHuaaah ist das kalt. Bevor ich da raus gehe muss ich mir heute meine Thermounterw\u00e4sche anziehen,\u201c sagt Tanja mit schlotternden Z\u00e4hnen. Tats\u00e4chlich ist es im Vergleich zu den letzten zwei Wochen wieder k\u00fchl. Auch ich ben\u00f6tige meine lange Thermounterhosen, eine kurz\u00e4rmliche und eine lang\u00e4rmliche Fliesjacke bevor ich das Zelt verlasse. 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