{"id":923,"date":"2014-12-09T07:35:00","date_gmt":"2014-12-09T06:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.denis-katzer.de\/?p=923"},"modified":"2014-12-09T07:35:00","modified_gmt":"2014-12-09T06:35:00","slug":"ich-durchlebe-sekunden-eines-unwirklichen-alptraums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/denis-katzer.de\/en\/ich-durchlebe-sekunden-eines-unwirklichen-alptraums\/","title":{"rendered":"Ich durchlebe Sekunden eines unwirklichen Alptraums"},"content":{"rendered":"<p>Packsattel-Camp \u2014 10.07.2001<\/p>\n<p>Ich habe wunderbar geschlafen und neue Kr\u00e4fte getankt. Das Laden der Kamele bereitet uns heute keine Probleme. Um 8 Uhr 40 befinden wir uns wieder auf dem Track. Wir folgen den Kamelspuren die ohne Unterbrechung in die rote Erde des Weges gedruckt sind. Sie sehen frisch aus und wir rechnen damit den W\u00fcstentieren hinter jeder Biegung oder kleinen Erhebung zu begegnen. Obwohl ich neugierig bin wieder einer wilden Kamelherde gegen\u00fcber zu stehen sind meine Gef\u00fchle gemischt. Bereits Wie in fr\u00fcheren Tagebucheintr\u00e4gen habe ich \u00fcber die Gef\u00e4hrlichkeit wilder Kamelbullen in der Brunft berichtet und da die Kamele sich genau in diesen Monaten in ihrer sexuellen Zeit befinden, sind meine Gef\u00fchle berechtigt. Trotzdem lassen wir uns nicht aus der Ruhe bringen. F\u00fcr den Fall das wir wirklich von einem Kamelbullen angegriffen werden besitzen wir zu unserer Verteidigung ein Gewehr. Ich muss es nur rechtzeitig aus dem Halfter bekommen.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig meiner Gedanken sind wir guten Mutes. Das Wetter ist traumhaft und die Temperaturen ideal um wieder eine gute Strecke zur\u00fccklegen zu k\u00f6nnen. \u201eDenis, ich glaube Rufus braucht dringend etwas zu trinken.\u201c \u201eKamele udu!\u201c ,rufe ich um die Karawane zu stoppen. Tanja nimmt die Plastikflasche mit Trinkwasser, welches f\u00fcr Rufus gedacht ist, aus einer kleinen Tasche die am vorderen Teil von Sebastian Sattel befestigt ist. Dann holt sie aus der rechten Satteltasche die Trinksch\u00fcssel von Rufus und f\u00fcllt das Wasser hinein. W\u00e4hrend ich meinen Oberk\u00f6rper abbeuge, um mich zu dehnen, geht Tanja zu Hardie und streckt Rufus die Sch\u00fcssel nach oben. Rufus s\u00e4uft als w\u00e4re er am verdursten. Jafar, der an Hardie gebunden ist, m\u00f6chte auch aus der Sch\u00fcssel trinken und dr\u00e4ngelt nach vorne. \u201eLass das Jafar. Du bist ein Kamel und brauchst nicht soviel Wasser,\u201c schimpft ihn Tanja, doch Jafar nimmt ihre Worte nicht ernst und dr\u00e4ngelt weiter. Gierig streckt er seinen langen Hals nach vorne und dr\u00fcckt mit seinem riesigen Kopf den armen Rufus glatt auf die Seite. Ich bin zu m\u00fcde, um mir das t\u00e4gliche Gerangel um das Wasser anzusehen. Gedanken versunken stehe ich neben Sebastian und streichle seine Schnauze. Er brummt wie immer unzufrieden. \u201eAhhh!\u201c rei\u00dft mich Tanjas Schrei aus meinen Gedanken und l\u00e4sst mich vor Schreck und unermesslicher Angst einen sekundenlangen Alptraum durchleben. \u201eUm Gottes Willen was ist los?\u201c ,rufe ich und sehe wie sie am Stra\u00dfenrand liegt. Hardie hat sie getreten wirbelt es durch mein Gehirn und w\u00fcrde am liebsten zu ihr rasen, um ihr zu helfen, doch kann ich auf keinen Fall Sebastians F\u00fchrungs- und Nasenleine einfach loslassen.<\/p>\n<p>\u201eAlles in Ordnung! Ich bin okay!\u201c ,beruhigt mich Sekunden sp\u00e4ter ihre Antwort. \u201eGeht es dir wirklich gut?\u201c ,frage ich immer noch neben Sebastian stehend. \u201eJa, kein Problem. Jafar wollte wieder aus der Sch\u00fcssel von Rufus saufen und hat dabei Hardie nach vorne gedr\u00fcckt,\u201c sagt sie w\u00e4hrend sie aufsteht und sich den roten Staub von den Hosen klopft. \u201eUnd weiter? Was ist dann geschehen?\u201c ,m\u00f6chte ich wissen. \u201eHardie ist mir dann auf den Fu\u00df gestiegen und hat mich gleichzeitig mit seiner Brust nach vorne gedr\u00fcckt. Ich habe daraufhin das Gleichgewicht verloren und bin gefallen,\u201c antwortet Tanja mit einem L\u00e4cheln auf den Lippen. \u201eGut das dir nichts geschehen ist. Ich dachte schon er hat dich getreten. Mein Gott du hast mir wirklich einen gewaltigen Schrecken eingejagt,\u201c sage ich und umarme sie.<\/p>\n<p>Um 14 Uhr 15 erreichen wir unseren Campplatz im knie hohen Spinifexgras. Wir entladen die Karawane und als ich Goolas entleerte Satteltasche nach oben schlage, entdecke ich dass sich der Sackleinen des Sattels auf die Gr\u00f6\u00dfe einer Handfl\u00e4che aufgerieben hat. \u201eDas sieht nach Arbeit aus,\u201c sage ich und zeige Tanja die Stelle an der die Strohf\u00fcllung offen liegt. \u201eUnd ich dachte ich kann mich ein wenig ausruhen,\u201c st\u00f6hnt Tanja die Hoppel von Goola schlie\u00dfend. Als wir dann Jafars Sattel entladen stelle ich fest, dass ein tragendes Holzst\u00fcck nach hinten verschoben ist. Mit einem Ruck biege ich es gerade als es unangenehm kracht und genau an der Stelle bricht an der es nie brechen darf. \u201eIch glaube es nicht. Das sieht nach einer gro\u00dfen Reparatur aus,\u201c fluche ich und wei\u00df in diesem Augenblick das nicht nur der Nachmittag gelaufen ist. Nachdem wir alle Kamele entladen und zum fressen in den Busch entlassen haben beginnt Tanja sofort mit ihrer N\u00e4harbeit. Mit dem Pickel beseitige ich das l\u00e4stige Spinifexgras, um f\u00fcr unser Zelt und unsere Campk\u00fcche eine Fl\u00e4che zu bekommen. Nach 26 Laufkilometern ist es eine ewige Schufterei. \u201eDenis kannst du mal nach den Kamelen sehen ob sie sich vom Camp zu weit weg entfernen?\u201c ,fragt Tanja die auf der Erde sitzt und mit einer \u00fcbergro\u00dfen Nadel das Sackleinen repariert. Ich werfe einen Blick in das Buschland und stelle zufrieden fest, dass sich unsere Jungs an einem Busch, der ihnen anscheinend recht gut schmeckt, festgefressen haben. \u201eKein Sorge, sie sind nur ca. 200 Meter von uns entfernt und knabbern an einem Busch,\u201c antworte ich Tanja die aus ihrer Position die Tiere nicht sehen kann.<\/p>\n<p>Es ist schon stockfinster als ich immer noch da sitze und den gebrochenen Ast am Sattel austausche. Da es hier keine geeigneten B\u00e4ume gibt, um einen \u00e4hnlichen Ast f\u00fcr den Sattel zu fertigen nehme ich einen der Abstandhalter\u00e4ste die daf\u00fcr sorgen, dass das Gep\u00e4ck nicht direkt auf dem Sackleinen des Sattels aufliegt. Auf dem weiteren Weg werden wir bestimmt auch B\u00e4ume vorfinden aus denen ich mir Ersatz\u00e4ste zus\u00e4gen kann. Um 20 Uhr bin ich mit meiner Arbeit fertig. Es sieht zwar nicht besonders gut aus aber es wird halten. Mit R\u00fcckenschmerzen krieche ich dann zu Tanja ins Zelt und hoffe nicht jeden Tag solche Reparaturarbeiten durchf\u00fchren zu m\u00fcssen. Bevor ich einschlafe lausche ich in die klare Sternennacht. Hoffentlich kommen uns keine wilden Kamele im Camp besuchen. Alles was ich jetzt ben\u00f6tige ist Ruhe und die Erholung aus einem tiefen Schlaf. Mein K\u00f6rper wimmert an den verschiedensten Stellen. Zwei Blasen machen sich nach der kurzen Strecke bereits bemerkbar. Ich werde sie morgen fr\u00fch behandeln verspreche ich mir selbst. Zentimeter f\u00fcr Zentimeter wandere ich gedanklich meinem K\u00f6rper entlang und nehme jeden Beschwerdepunkt zur Kenntnis. Am meisten jammert die Sehne am Fu\u00dfspann. Durch die letzten 2300 Kilometer hat sich in der Mitte dieser Sehne ein schmerzhafter Knoten gebildet der einfach nicht mehr gehen m\u00f6chte. W\u00e4hrend Tanja auf der ersten Etappe unter unz\u00e4hligen Blasen litt waren es bei mir meist die Sehne im Fu\u00dfspann. Ich hoffe wirklich nicht gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten mit dieser \u00dcberreizung zu bekommen. Noch lange \u00fcberdenke ich die kleinen Wehwehchen bis ich in einen unruhigen Schlaf falle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Packsattel-Camp \u2014 10.07.2001 Ich habe wunderbar geschlafen und neue Kr\u00e4fte getankt. Das Laden der Kamele bereitet uns heute keine Probleme. Um 8 Uhr 40 befinden wir uns wieder auf dem Track. Wir folgen den Kamelspuren die ohne Unterbrechung in die rote Erde des Weges gedruckt sind. 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