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Registrierung

Russland/Kansk — 04.07.2009

Gerädert stehe ich auf. Meine Seite des Ausziehsofas ist bretthart und die dummen Mistviecher von Moskitos haben mich ständig angebissen. “Dobre utra!”, (Guten Morgen) begrüßt uns Andrej gut gelaunt. “Habt ihr Hunger? Es gibt Frühstück”, sagt er und bittet uns in die Küche. Tanja und ich nutzen die Gelegenheit, um zu erklären, heute in eine Gastiniza ziehen zu wollen. “Wir brauchen Zugang zu Internet. Denis muss schreiben und wir benötigen die Registrierung”, meint Tanja. Kaum haben wir geäußert was wir wollen ruft Andrej seinen Freund Michael an. “Alles kein Problem. Michael wird das regeln”, sagt Andrej lächelnd das Telefonat beendend. “Aber wir benötigen eine Registrierung von einer Gastiniza. Das ist wichtig wenn wir das Land verlassen”, sage ich und versuche Andrej zu erklären, das jeder Ausländer, der sich in Russland aufhält, solch eine lästige Registrierungen nachweisen muss. Das heißt, wenn man sich drei Tage an einem Ort aufhält, muss Tanja zu einer Registrierungsbehörde gehen, um sich so einen Stempel geben zu lassen. Erst dann sind wir offiziell. Sollte man sich solche Stempel nicht besorgen kann das beim Verlassen des Landes sehr ernste Konsequenzen nach sich ziehen. Seitdem wir in Russland sind ist das Registrieren für uns eine unangenehme, zeitaufwendige, und Kostenverursachende Tätigkeit. “Kein Problem. Michael wird euch in einer Gastiniza anmelden und euch den nötigen Stempel mitbringen. Er ist mein Chef und Direktor unserer Organisation. Für ihn ist das eine Leichtigkeit”, beruhigt uns Andrej.

Wenig später taucht Michael auf. “hier ist der Stempel”, sagt er und zeigt uns stolz einen großen Stempel den er aus einer Pappschachtel zieht. “Der Stempel muss auf ein offizielles Formular gedruckt sein. Ein Abdruck auf blanken Papier ist wertlos”, erklären wir, worauf wir unsere Registrierung zeigen die uns Katja in Krasnojarsk besorgt hatte. Michael studiert nun das Formblatt und möchte wissen woher wir es haben. “Es gibt zwei Möglichkeiten der Registrierung. Eine ist bei der Post und eine bekommt man bei einer größeren Gastiniza”, erklären wir. “Na dann gehen wir zur Post”, schlägt Michael vor. “Wir müssen heute aber auch an Internet und diese Internetcafes befinden sich meist neben einer Gastinza. Also ehrlich, für uns ist es kein Problem in eine Pension zu ziehen”, sagen wir. “Auf keinen Fall. Die ist viel zu teuer. Ihr könnt doch hier bei meinem Freund Andrej wohnen. Internet gibt es bei mir Zuhause und die Registrierung machen wir in der Post. Den nötigen Stempel besitze ich ja”, sagt er. Da wir die Erfahrung gemacht haben, dass es wenig Sinn macht mit dem Kopf durch die Wand zu gehen geben wir unseren Widerstand auf. “Es wird schon einen Grund geben warum die gastfreundlichen Menschen uns nicht gehen lassen wollen”, grüble ich.

Wir verabschieden uns von Andrej, der jetzt mit seinem Lada nach Krasnojarsk fahren muss und steigen in das Auto von Michael, um ins Zentrum von Kansk zu gelangen. Im Postoffice bekommen wir die nötigen Formulare. Nachdem wir uns dann für 30 Minuten mit dem Kyrillisch herumgeschlagen haben reicht Michael der Beamtin hinter ihrem Schalter unsere ausgefüllten Papiere. “Das ist falsch ausgefüllt”, sagt sie diese wieder an Michael zurückgebend. Dann nimmt Michael die Sache in die Hand und setzt die kyrillschen Buchstaben selbst in die vorgegebenen Kästchen. Es vergehen wieder 30 Minuten doch leider werden auch seine Dokumente nicht akzeptiert. “Kommt mit”, sagt Michael dann, lädt uns in sein Auto ein und bringt uns zu einer Behörde. Dort verweist er uns auf eine Bank wo wir auf ihn warten sollen. “Bin gleich wieder da”, meint er und verschwindet in einem Büro. Nach 10 Minuten kommt er wieder. Die Beamten folgen ihm. Wir erschrecken im ersten Moment. Denken die Offiziellen wollen etwas von uns. Jedoch interessieren sich die Beamten für uns überhaupt nicht. Sie laufen an uns vorbei und verlassen das Gebäude. Es ist Mittagspause und sie haben ihre Arbeit unterbrochen. Michael verfrachtet uns wieder in sein Auto und bringt uns erneut zur Post. Abermals holen wir neue Formulare. Nach etwa 45 Minuten ruft Tanja Katja an die mittlerweile wieder auf dem entlegenen Ölfeld in Nordsibirien arbeitet. “Aber klar helfe ich euch”, sagt sie auf der anderen Seite der Leitung, worauf Tanja ihr Handy an Michael weiterleitet damit Katja ihm die Prozedur des Ausfüllens erklären kann. Dann, nach etwa weiteren 30 Minuten ist das erste Formular fertig und wird von der Beamtin angenommen. Auch der zweite Vordruck ist nun korrekt. Wir müssen 380 Rubel (8,63 Euro) bezahlen und alles kopieren. Mittlerweile hat der Schalter mit dem Kopierer geschlossen. Die freundliche Postangestellte lässt sich erweichen und kopiert die Papiere selber. Um 16:30 Uhr sind wir in der Tat für weitere fünf Tage registriert und der heutige Tag ist nahezu vergangen.

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