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Schwerer Abschied, Berge, Matsch und Regen

Russland/Regenbogen Camp — 28.06.2009

Als wir die Augen aufschlagen blicken wir durch das Fenster nach draußen. “Sieht nicht gut aus”, meint Tanja leise. “Gar nicht gut”, bestätige ich. Es regnet Bindfäden. Die Temperatur liegt bei ca. 15 Grad. “Werden den Aufbruch verschieben müssen”, murmle ich apathisch und drehe mich noch mal auf die andere Seite. Aus der Küche dringen die Geräusche der Betriebsamkeit an unsere Ohren. Mama Sascha ist schon seit Stunden am Essenkochen und Zubereiten, um uns für die ersten Tage der Reise mit Mahlzeiten zu versorgen. Um 9:30 Uhr lasse ich meine Beine vom Sofa baumeln und sehe dem Regen zu. “Gut, dann bleiben wir eben noch einen Tag. Ist eigentlich ganz In Ordnung so. Ein Tag mehr oder weniger schadet doch nicht. Ach, dann werde ich mich heute einfach nur ausruhen. Die Arbeiten sind ja soweit abgeschlossen”, geht es mir durch den Kopf als Jenya das Zimmer betritt. “Kein Aufbruch heute”, schmunzelt er, da er sich schon seit Tagen an unserem Aufbruchstag Regen wünscht damit wir länger bleiben. “Du bist schuld. Du hast dir den Regen herbeigewünscht”, scherze ich. “Ich? Nein niemals. So etwas würde ich doch nicht tun”, sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen.

Mit meiner Welt jetzt zufrieden betrachte ich weiterhin den Regen und freue mich nicht da raus zu müssen. “Also, wenn es aufhört sollten wir heute trotzdem aufbrechen”, erschreckt mich Tanjas Stimme. “Was? Aber es ist doch kalt da draußen”, entgegne ich. “Jetzt stell dich nicht so an. Wir werden auf dieser Reise noch öfter nass werden.” “Aber doch nicht gleich am ersten Tag”, sage ich den Erholungstag schwinden sehend aber wissend dass sie Recht hat.

Dann stärken wir uns mit einem kräftigen Frühstück. Mama Sascha hat extra leckeren Milchreis zubereitet. “Schau, der Regen hat aufgehört”, stellt Tanja fest. Dunkle Wolken ziehen vom Wind getrieben über die Wohnblöcke. Nach wie vor sieht das Wetter unfreundlich aus. Trotzdem beginnen wir damit den Rest der Ausrüstung in die Ortliebsatteltaschen zu verstauen. Kurzfristig befällt uns etwas Panik. “Wie soll ich das alles unterbringen?”, fragt sich Tanja. “Ich weiß auch nicht. Haben wir mehr als das letzte Mal dabei?”, frage ich mich bald etwas verzweifelt, einen regelrechten Schwitzanfall bekommend. “Ich bin fertig”, meint Tanja eine Stunde später voller Zufriedenheit. Dann hilft sie mir meine vier Satteltaschen zu organisieren. Vorne rechts für Radkleidung, auf die ich einen schnellen Zugriff haben muss. Womit ich Regensachen, Überschuhe, Handschuhe usw. meine. Das R steht für Radkleidung, um in der Eile eines aufkommenden Regens nicht aus Versehen die falsche Tasche zu öffnen. Dieses simple System hat sich für uns in den letzten Jahren echt bewehrt. Hinten rechts kommt z. B. die gesamte Radkleidung auf die ich während des Tages keinen Zugriff haben muss. In diesem Fall, Wechselhosen, Hemden und Dergleichen. Vorne links sind unter anderem der Waschzeugbeutel, Ersatzvideokamera und Sandalen verstaut, also alles was nicht unmittelbar mit Radkleidung zu tun hat. Hinten links sind Schlafsachen, wie Schlafsack, warme Unterwäsche, Socken und Ähnliches untergebracht. Auf dem Gepäckträger ist mit einem Riemen eine Ortliebtasche mit Zelt und Isomatten fest gespannt. Daran befindet sich die Leicakamera in einer weiteren Ortliebtasche. In der Lenkertasche sind Radhandschuhe, Sonnen- Lesebrille, Pfeffergas gegen die Hunde, Stirnband, Windmesser, Moskitomittel, Leatherman, Sonnenschutzmittel usw. geschlichtet. Im Anhänger wohnen Laptop, Satphon, Ersatzteile, Medikamente, Solarbatterie, kleiner Klappstuhl für meine Schreibarbeit und einiges mehr. Mit meinem Rad summiert sich das Gesamtgewicht auf ca. 120 Kilogramm. Wenn wir dann noch Wasser zuladen sind es sogar 130 Kilogramm die ich zusätzlich meiner 80 Kg Eigengewicht von A nach B befördern muss. Ohne Technik und Kameraausrüstung für die Liveberichterstattung kämen wir mit Rad auf ca. 70 Kg. Also fast die Hälfte des jetzigen Gesamtgewichtes. Nun, wie auch schon in unseren letzten drei Büchern der Trans-Ost-Expedition beschrieben, liegt der Sinn unserer Reise nicht nur in der Reise an sich, sondern um diese für unsere Leser, Fans und eventuell der Nachwelt dokumentarisch festzuhalten. Eine Herausforderung die oftmals größer ist als die Expeditionsreisen selbst.

Tanja ist ähnlich gepackt, nur das sie in ihrem Anhänger Nahrung geladen hat und in ihrer Ortliebtasche auf dem Gepäckträger sich die Küche, wie z. B. Thermoskanne, Kocher, Plastikteller und Tassen usw. befinden. Daran ist dann wie bei mir anstatt einer Leica, eine Videokamera befestigt. Ihr Rad wiegt mit Anhänger und der Zuladung von Wasser ca. 90 Kilogramm.

Um 13:00 Uhr ist tatsächlich unser gesamtes Hab und Gut bis auf das letzte Fitzelchen verstaut. Was wir nicht mitnehmen können oder aus Versehen doppelt dabeihaben haben schenken wir Jenya. “Das kann ich doch nicht annehmen”, versucht er sich zu sträuben als wir ihm zwei Ortliebseesäcke und ein kleines faltbares Ortliebwaschbecken überreichen. “Jenya, das kannst du sehr wohl annehmen. Nach allem was du und deine Familie für uns getan haben sind wir dir zu tiefem Dank verpflichtet. Das kann man mit ein paar kleinen Geschenken unter keinen Umständen ausgleichen. Sind also nur ein paar Aufmerksamkeiten die du gerne nehmen kannst”, sagen wir. “Na dann vielen, vielen Dank und bevor wir jetzt aufbrechen lasst uns erst mal zu Mittagessen. Meine Mutter hat für uns gekocht”, sagt er lachend. “Gute Idee”, antworten wir und freuen uns jetzt zum letzten Mal in den Genuss von Mama Saschas hervorragend mundenden russischen Küche zu kommen.

Da Jenya und Anja uns mit ihren Mountainbikes begleiten wollen, um uns einen sicheren Weg aus Krasnojarsk zu zeigen, unterhalten sie sich während des Mittagsmahls darüber. Ich bekomme mit, wie Jenya und Anja sich fragen mit welcher Geschwindigkeit wir wohl fahren werden. “Ach Denis? Wie schnell fahrt ihr eigentlich so im Durchschnitt?”, folgt zugleich die Frage. “Wir? Hm, voll beladen und mit Anhänger so ungefähr 40 Km/h im Schnitt”, antworte ich mit ernstem Gesichtsausdruck. Jenyas Augen weiten sich plötzlich. Verwundert blickt er Tanja an die mit dem Kopf nickend meine Aussage bestätigt. “40 Km/h?”, sagt er erschrocken. “Nun ja, wohlgemerkt wenn wir voll beladen sind. Ansonsten etwas schneller”, antworte ich erneut, kann aber nicht mehr ernst bleiben und pruste vor Lachen laut los. “Ha, ha, ha! Das ist ja ungeheuer lustig”, schmettert nun auch Vladimir lauthals los. Es dauert nur Sekundebruchteile und wir lachen alle zusammen was das Zeug hält. “40 km/h! Ha, ha, ha, hi, hi, hi!” lachen wir gemeinsam bis uns die Bäuche weh tun. Kaum beruhigen wir uns wieder beginnt Jenyas Vater erneut mit einer Lachsalve, so dass unser letztes gemeinsames Mittagessen zu einem sehr freudigen Ereignis wird. Dann tragen wir gemeinsam die riese und müller Räder, die Anhänger und alle Satteltaschen aus dem sechsten Stock in den Hof und beladen unsere Rösser auf dieser Etappe zum ersten Mal. Tanja dreht eine Testrunde. “Da muss ich mich wieder daran gewöhnen. Das wackelt alles ganz arg”, sagt sie. “Wie wackelt? Da darf gar nichts wackeln. Lass mich mal dein Rad ausprobieren”, sage ich und trete es ein paar hundert Meter durch den Hof. Sofort bemerke ich, dass es sich wie ein Schaukelpferd reiten lässt. “Das Federbein von Magura ist noch nicht auf das viele Gepäck aufgepumpt. Deshalb schaukelt dein Rad so stark”, meine ich und hole die Spezialluftpumpe. Erst als ich es mit 18 Bar Luftdruck fülle ist das Geschaukel vorbei. Auch an meinem Intercontinental muss ich das Federbein bis auf fast Maximum aufpumpen. Dann sind die Roadtrains startklar. Es ist bereits 15:30 als wir Sascha umarmen, die uns zum Abschied segnet. Auch Vladimir drückt mich aus ganzem Herzen fest an seine Brust. “Kommt wieder. Ihr könnt bei uns so lange bleiben wie ihr wollt”, sagt er und macht damit den Aufbruch nicht leichter. Der Himmel ist noch immer mit dunklen Wolken verhangen. Es donnert tief und Unheil verkündend als wir um eine große Hausecke biegen und unsere liebenswerten Gastgeber aus den Augen verlieren. Jenya fährt uns nur im leichten T-Shirt bekleidet voraus, während Anja uns ebenfalls, nur luftig angezogen, folgt. Wieder beginnt es zu regnen. Kaum sind wir auf der Straße hupen uns einige Autofahrer Salut. Konzentriert treten wir unsere schweren Räder durch den Verkehr der Stadt. Es fühlt sich so an als würden wir einen ausgeworfenen Anker hinter uns herschleppen. Nach der mehrmonatigen Pause ist das Handling des Rades nicht leicht. Als wir gerade mal einen Km hinter uns gebracht haben stoppen wir, um unsere Regenjacken überzuziehen. Jenya und Anja hingegen bleiben unbeirrt in ihren Shirts. “Das sind in der Tat echte Sibirier. Sie haben einfach ein anderes Empfinden zu Kälte”, denke ich mir. Als wir den mächtigen Fluss Jenissej überqueren hört es zu regnen auf und die Sonne wärmt uns mit ein paar Strahlen. Unsere Laune ist bestens, obwohl ich mich noch immer in dem Prozess des Übergangs befinde. Womit ich meine, das zu diesem Zeitpunkt ein Teil von mir in der gewohnten Welt steckt, während der andere sich gerade aufmacht sich in das große Unbekannte zu begeben. Ein Zustand der nicht leicht zu beschreiben ist. Vielleicht vergleichbar mit einer Schlange die sich gerade häutet, um ihr weiteres Leben mit neuem Erscheinungsbild zu beschreiten. Oder eventuell besser erklärt ist dieser Moment der nicht ganz schmerzfreie Zustand meinen Körper und Geist durch einen sehr engen kleinen Tunnel zu pressen, um am gegenüberliegenden Ende in einer anderen Welt aufzutauchen. Ein so genannter Sprung in eine andere uns unbekannte Welt. Deswegen würde ich uns auch als Weltenspringer bezeichnen. Klar wissen wir nach all den Jahren was es bedeutet auf relativ extreme Art zu reisen. Jedoch ist es gerade das Wissen, das wir nicht wissen was auf uns zukommt, der diesen Moment des Übergangs für mich nicht immer leicht macht.

“Baikalsee wir kommen!”, rufe ich aus ganzem Herzen, um mich von der Klammer frei zu machen. “Ja, Baikalsee wir kommen!”, antworten Tanja, Anja und Jenya belustigt.

“Ist das die Transsibirische Eisenbahn?”, frage ich Anja als gerade ein Zug an uns vorbeifährt. “Ja”, bestätigt sie lachend. Ich winke dem Lokführer zu, worauf er uns augenblicklich mit seinem mächtigen Signalhorn antwortet. Dann geht es am Jenissej vorbei. Da heute Sonntag ist sind an seinen Ufern viele Angler und Wochenendurlauber die ihre Klappstühle in den kühlen Ufersand gestellt haben. Es dauert nicht lange und Krasnojarsk liegt hinter uns. Für über 1.000 Kilometer die letzte Großstadt auf unserer Strecke bis zum größten Süßwassersee der Erde. Nach 30 Kilometern gabelt sich die Straße. “Hier müssen wir euch verlassen”, sagt Jenya. Wir lehnen unsere Böcke an die Leitplanke und umarmen uns innig. “Du bist kein Freund für mich”, sagt Jenya. “Aber klar bist du ein Freund”, antworte ich. “Nein, du bist meine Familie”, sagt er, worauf mir die Tränen in die Augen schießen. Wieder wird mir bewusst das Reisen ein ständiges Abschiednehmen bedeutet. Manchmal, zum Beispiel wie heute, tut es weh. Denn wir wissen nie ob wir die Menschen, die sich in unser Herz gegraben haben, jemals wieder sehen. So ist es im Leben, das es ohne kennenlernen keinen Abschied gibt, ohne Tod kein Leben. Alles bedingt sich voneinander. Alles hängt zusammen und ist nicht trennbar. Diese Erkenntnis lässt mich solche Momente leichter ertragen als früher.

Kaum sind Jenya und Anja in unseren Rückspiegel verschwunden wölbt sich die erste Erhebung vor uns auf. Hechelnd und im ersten Gang die Tretkurbel kreisend lassen, erklimmen wir Meter für Meter, bis die Stadt weit unter uns liegt. Das Südsibirische Gebirge hat uns in Empfang genommen und zeigt uns sogleich das die vor uns liegende Strecke kein Zuckerschlecken wird. Drei Motorradfahrer brausen an uns vorbei. Als sie uns als Radfahrer identifiziert haben kehren sie um. “Das kann ja nicht wahr sein. Jetzt dachten wir wir sind verrückt aber das ist ja nicht zu fassen. Wo kommt ihr her? Aus Deutschland? Und alles mit dem Fahrrad? Nein das kann nicht sein. Wir kommen aus Moskau und fahren mit unseren Motorrädern nach Wladiwostok. Ihr wisst schon, dort am Pazifik, wo die Transsibirische Eisenbahn endet”, erklären die freundlichen Russen. Wir fotografieren uns noch gegenseitig und winken ihnen nach als sie ihre schweren Maschinen wieder starten. Dann schnaufen wir dem Berg weiter hoch. Nach insgesamt 35 Km halten wir an. Kaum sitze ich wieder im Sattel, meldet sich der typische Radlerhunger. “Hast du einen Schokoriegel griffbereit?”, frage ich Tanja. “Aber klar. Ich kenne doch meinen Hasen”, sagt sie und reicht mir die ersehnte Kraftnahrung. Uns war klar, dass wir uns hier mitten im Südsibirischen Gebirge befinden, jedoch haben wir nicht erwartet, dass es uns gleich in den ersten Stunden ohne Erbarmen erwischt. “Wir brauchen einen Campplatz für die Nacht!”, rufe ich auf der weiteren Fahrt, weshalb wir ständig Ausschau halten wo wir unser Zelt aufstellen könnten. Da durch den starken Regen der vergangenen Wochen alles aufgeweicht ist besitzen wir keine Chance den Asphalt zu verlassen. Jeder noch so kleine Versuch lässt uns augenblicklich im Matsch und Morast versinken. “Dort geht ein schmaler Weg nach oben. Lass es uns mal probieren”, meine ich, stelle mein Bike auf den Ständer und erkunde den eventuellen Campplatz. Kaum verlasse ich die Straße, versinke ich gleich wieder im Klebematsch. Schon nach wenigen Metern sind meine Schuhe um mehrer Kilogramm schwerer. Kopfschüttelnd komme ich zurück. Klar wollten wir uns nicht gleich am ersten Tag verausgaben. Das war zumindest der Plan, jedoch zeigt auch diese Situation, dass man noch so gute Pläne oftmals über den Haufen werfen muss. Dann kommt eine Straßenbaustelle. Rechts von uns führt ein neuer geteerter Streifen nach oben, während sich links von uns die alte Straße ebenfalls weiter in die Höhe windet. Wir nehmen die neue, noch abgesperrte, Straße. Schon nach wenigen hundert Metern endet sie im Schotter weshalb wir gezwungen sind unsere Sumobikes zu schieben. Es dauert nicht lange und unsere Räder setzen sich bis zum Schutzblech voll Matsch und die Magurabremsen werden blockiert. “Na das fängt ja gut an”, stöhne ich bereits nach 40 Km am Ende meiner Kräfte. Um für solche Situationen gerade zu Beginn einer Etappe gewappnet zu sein haben wir Zuhause viel trainiert und neben bald täglichem Joga uns zur Aufgabe gemacht unseren Hausberg (Moritzberg) mindestens zweimal in der Woche hoch zu strampeln. Obwohl er nur ca. 500 oder 600 Meter hoch ist hat er es auf dem letzten Stück in sich und ist somit ein idealer Trainingsberg. Manchmal bezwangen wir ihn gleich dreimal hintereinander und heute zeigt sich bei uns das sehr befriedigende Ergebnis nicht gleich nach den ersten Steigungen zusammenzubrechen.

“Tanja! Halt mal an!”, rufe ich weil ich einen weiteren vermeintlichen Campplatz ausfindig gemacht habe. Bevor ich mich auf den Weg hinter die Buschreihe mache, hinter der wir uns vor neugierigen Augen verstecken können, sprühe ich meine Schuhe und Hosenbeine erstmal mit dem Jaico Insektenmittel ein. So hoffentlich geschützt vor den gefährlichen Zecken stapfe ich durch das meterhohe Gras. Nach fünf Minuten komme ich zurück. “Und wie sieht es aus?”, möchte Tanja wissen. “Sehr gut”, antworte ich. Mit all unserer Kraft schieben wir unsere Roadtrains, wie auch schon viele Male auf der bisherigen Trans-Ost-Expedition, in die Büsche. Wir treten das hohe Gras nieder, um den Untergrund für einen geeigneten Zeltplatz zu prüfen. “Oh, das sind aber viele Ameisenhaufen”, warnt Tanja. “So ein Mist”, schimpfe ich und überlege wie wir unser Zelt zwischen den Löcher im Boden und den Ameisenhaufen errichten ohne nachts ein Problem zu bekommen. Kaum haben wir unser Stoffhaus aufgestellt donnert es beachtlich laut über uns. “Schnell! Schnell! Reich mir die Ausrüstung!”, rufe ich und schlichte alle Satteltaschen in Windeseile in die Apside. Sofort schlupfen wir hinterher und erleben somit den ersten kräftigen Schauer in den Südsibirischen Bergen. “Ein echtes Kotrastprogramm”, meine ich. “Gut das wir rechtzeitig den Lagerplatz gefunden haben”, antwortet Tanja. Dann richtet sie uns eine kräftige Vesper her die wir im Vorzelt kauernd heißhungrig verzehren. “Ein Dank an Mama Sascha!”, rufe ich mich über das leckere Festmahl freuend. Nachdem das Gewitter vorbeigezogen ist krabbeln wir wieder ins Freie und werden von einem wunderschönen Doppelregenbogen empfangen. “Er wölbt sich direkt über unser Zelt. Das ist bestimmt ein gutes Omen”, freut sich Tanja. Gemeinsam stehen wir da und bewundern das bezaubernde Gemälde, welches Mutter Erde über unseren Köpfen in den Himmel gepinselt hat. “Ohne Zweifel habe ich jetzt das Nadelöhr mit Körper, Geist und Seele durchschritten. Ich habe meine Haut der westlich zivilisierten Welt abgelegt und befinde mich mit vollem Bewusstsein in Sibirien”, geht es mir durch den Kopf. Unzählige Moskitos veranlassen uns dem Anblick, der bunten Himmelstreifen, den Rücken zuzukehren und in unserem Zelt zuflucht zu suchen. Während Tanja bereits schläft tippe ich die ersten Bilder des heutigen Tages in den Laptop und schreibe die neuen Erfahrungen nieder.

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