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Endspurt vor der kommenden Etappe

Deutschland/Schwaig b. Nürnberg — 28.05.2009 - 15.06.2009

Wir freuen uns auf unser neues Buch “LAND DES WINDES” (Trans-Ost-Expedition Etappe 3), welches in Kürze druckfrisch in unserem Webshop www.denis-katzer-shop.de zu erhalten ist. Ich bin jedes Mal von neuem überrascht, welch gewaltiger Zeitaufwand und Anstrengungen hinter solch einem Buchprojekt stecken, doch wenn wir es dann, nach einem einjährigen Schaffensprozess, in den Händen halten, sind wir richtig stolz unsere jüngsten Abenteuer für unsere Leser festgehalten zu haben. Wir wünschen viel Freude beim Lesen. Parallel zum Buch ist auch dieses Jahr wieder eine spannende Multivisionsshow entstanden, die wir in der kommenden Saison 2010 zeigen werden. Unter folgendem Link findet ihr in Kürze die ersten Termine: http://www.denis-katzer.de/de/vortraege/showtermine

Wie vor jeder größeren Reise gibt es ungeheuer viel zu organisieren. Obwohl sich das für mich schon seit 1982 wiederholt und Tanja und ich bereits seit 1991 auf unserer großen Reise sind, bleiben die Herausforderungen. An manchen Tagen empfinde ich sie als nahezu unüberwindbar. Vielleicht so wie ein Bergsteiger, der im Basiscamp des Mount Everest auf den Gipfel sieht und sich fragt, wie er da rauf kommen soll. Jedoch geben uns die Erinnerungen an die vergangenen Reisejahre viel positive Energie und so gehen wir es mit Zuversicht und Kraft an. Immer ein Schritt vor den anderen, keinen Stress aufkommen lassen und jeden Tag das bewältigen, was wir bewältigen können. So kündigen wir Versicherungen, die wir nicht wirklich brauchen, leiten unsere Post zum elterlichen Haus um, machen unsere Steuer fertig, melden unser Auto ab, kümmern uns um die Finanzierung der kommenden sechs Monate, überprüfen die technische Ausrüstung und bringen sie teilweise auf den neuesten Stand, schicken die Leica Kameras zur Überholung ins Werk, führen einen Satellitentelefontest durch um zu sehen, ob die Übertragung unserer kommenden Onlineberichterstattung auch reibungslos klappt, bringen die Website in deutscher und englischer Sprache auf aktuellen Stand, kümmern uns um das Flugticket, stellen fest, dass die Aeroflot unsere Räder als Übergepäck und nicht als Sportgerät behandelt und wir pro Kilogramm 11 ? bezahlen müssen. Da wir mit Fahrrädern, deren Verpackung und weiterer Ausrüstung über 100 Kilogramm Übergepäck auf die Waage bringen, kostet der Flug 1.100,- ? mehr als erwartet. Sofort schreibe ich eine Bewerbung an Aeroflot und bitte höflichst um ein Entgegenkommen. Tatsächlich reagiert die Airline und schickt eine Faxanfrage nach Moskau.

Wir sind zuversichtlich und arbeiten weiter, sprechen meinen Freund Pfleidi darauf an, ob er uns mit Sack und Pack nach Frankfurt fährt, worauf er einen Tag Urlaub einreicht und zusagt. Dann geht es an die detailgenaue Planung der Ausrüstung. Was haben wir bei unseren sibirischen Freunden Katja und Jenya in Krasnojarsk gelassen, als wir letzten Herbst unsere Reise unterbrachen? Gott sei Dank hat Tanja eine genaue Liste geschrieben, in der sie auch den kleinsten Gegenstand festgehalten hat. “Haben wir die Ortliebtaschen nun dort gelassen oder mitgebracht?”, frage ich. Tanja studiert ihre Liste und findet dazu keinen Eintrag. “Ich denke, die Taschen haben wir benutzt um einen Teil der Ausrüstung nach Deutschland zu schaffen”, meint sie. Und so vergehen die Tage wie im Flug. Am 16.06.09 hebt der eiserne Vogel in Richtung Sibirien ab. Bis dahin haben wir noch einige Veranstaltungen und die restlichen 2.000 Höhenmeter bis zum Gipfel des Berges zu erledigen. Hoffend, dass während des Gipfelsturms kein Schlechtwetter aufkommt, arbeiten wir stetig weiter, ohne Stress ? zumindest ist das unser Ziel.

Während ich jetzt hier sitze und diese Zeilen schreibe, denke ich über unsere Pläne nach. Eigentlich haben wir geplant am Ende dieser Radetappe in einem Tipi oder einer Jurte bei den tuwinischen Rentierzüchtern, den Zaatan, die in einer nur schwer zugänglichen Region der Mongolei leben, zu überwintern. Weil wir aber unsere Trans-Ost-Expedition letzten Herbst wegen eines technischen Defektes früher unterbrechen mussten als gewollt, liegt jetzt eine größere Strecke vor uns. Unter diesen Umständen erreichen wir die Hauptstadt der Mongolei, Ulan Bator, erst im Spätherbst. Das bedeutet, dass wir vor dem kommenden Winter nicht genügend Zeit haben, um eine Pferdeexpedition auf die Beine zu stellen. “Bestimmt eine gute Idee dieses Projekt auf nächstes Jahr zu verschieben”, grüble ich. Geistesabwesend sehe ich aus dem Fenster meines Büros und beobachte die Vögel, die in den Baumkronen des nahen Waldes sitzen. Meine Gedanken beginnen plötzlich zu fliegen und ich befinde mich in Sibirien. “Nur noch wenige Tage, und Tanja und ich dürfen wieder in eine völlig andere Welt springen, eine Welt, die mit dieser hier kaum etwas zu tun hat, und doch ist sie auf der gleichen Mutter Erde.”

Das heutige Sibirien umfasst den größten Teil des asiatischen Territoriums von Russland und grenzt im Westen ans Uralgebirge. Bis zum Norden, wo Sibirien an das Polarmeer grenzt, besitzt es eine ungefähre Breite von 3.300 Kilometer. Bis zum Osten an den Pazifischen Ozean hat es eine Ausdehnung von ca. 5.000 Kilometer, und vom Ural nach China sind es ca. 3.700 Kilometer. Hier im asiatischen Teil Russlands herrscht ein extremes Kontinentalklima. In der Stadt Werchojansk im Nordosten wurden Extremwerte von minus 67,8° C gemessen. Im Juli klettert das Thermometer an manchen Tagen bis 35° C. Ein Unterschied zwischen Winter und Sommer von 102,8° C! Es gibt keinen anderen Ort auf unserer Erde, an dem diese extremen Werte übertroffen werden.

Wie es wohl diesmal wird? Was wird uns die Etappe Vier unserer Trans-Ost-Expedition an Erlebnissen und Erkenntnissen schenken? Ich sehe uns durch die nach frischem Harz duftende Taiga radeln, das größte zusammenhängende Nadelwaldgebiet der Erde. Das Wort Sibirien hat für uns nach wie vor einen geheimnisvollen, Respekt einflößenden Klang. Einen Klang nach Einsamkeit, Wölfen, wilden Tigern und Leoparden, Elchen, Rentieren, Polar- und Braunbären, nach grausiger Kälte, dem ehemaligen Lebensraum der vor 10.000 Jahren ausgestorbenen Mammuts, heißen Sommern und gefährlichen Zecken, deren Biss chronische Arthritis sowie Herz- und Nervensystemschäden und Meningitis zu Folge haben kann. Alles liegt in diesem Land: Trauer, Freude, Einsamkeit, Selbstfindung, Gefangenschaft und endlose Freiheit. Wir kommen als freie Reisende, wissen nur von den Geschichtsbüchern und Erzählungen von dem Sibirien Stalins, welches uns bis in die Gegenwart die Haare zu Berge stehen lässt. Doch das gehört der Vergangenheit an. Heute dürfen wir Sibirien auf die vielleicht schönste und zugleich aufregendste Art bereisen, nämlich mit unseren riese und müller Fahrrädern, den Rädern die uns bereits von Deutschland über Österreich, Slowakei, Ungarn, Serbien, Rumänien, Moldawien, Transnistiren, Ukraine, Halbinsel Krim, Westrussland und Kasachstan bis in das 11.000 Kilometer entlegene Sibirien getragen haben.

Ohne Zweifel freuen wir uns darauf Mütterchen Russland wieder zu sehen und euch, liebe Leser, davon zu berichten wie es uns ergeht.

Denis Katzer & Tanja Katzer

Mutter Erde lebt!

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