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Überschreiten den Polarkreis


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“Auf dem Weg zum Nordkap müssen sie unbedingt Lofoten einen Besuch abstatten“, empfiehlt uns eine Frau, als ich gerade im Begriff bin mit Ajaci die Morgenrunde zu gehen. Die Norwegerin, die mit ihrem Mann und zwei erwachsenen Töchtern ihren Camper direkt neben uns geparkt haben, sind, wie viele Einheimische, sehr nett. Ohne Umschweife kommen wir ins Gespräch. Nachdem die Fragen woher und wohin geklärt sind, verabschiede ich mich von unseren offenherzigen Nachbarn, die, wie sie erzählten, jedes Jahr mit ihrem Wohnmobil ihr eigenes Land bereisen. „Genießen sie den wunderschönen Morgen am See!“, ruft mir die Frau hinterher. „Absolut!“, antworte ich und werfe Ajaci ein paar Stöcke, denen er wie immer hinterherjagt, als ginge es dabei um Leben und Tod.

Erst nach 12:00 Uhr stecke ich heute den Zündschlüssel ins Schloss, um unsere Terra weiter in Richtung Norden zu steuern. Das Wetter ist perfekt. Ein paar Kumuluswolken zieren den blauen Himmel. Immer wieder verengt sich die Straße wegen Baustellen, manchmal ohne jegliche Vorwarnung. Weil es Sommer ist haben die Straßenbauarbeiter anscheinend Ferien. Da sich keine der schweren Maschinen bewegt und kein Mensch auf den Baustellen zu sehen ist, gehen wir zumindest davon aus. „Schau mal was da auf dem Räumschild der Planierraupe steht“, ruft Tanja erfreut. „God Sommer. Kjor Pent“, lese ich. „Die wünschen uns tatsächlich einen schönen Sommer und gute Fahrt. Das habe ich bisher noch in keinem Land der Welt gesehen“, sage ich. „Ja, die sind freundlich, die Norweger. Da fühlt man sich wirklich willkommen“, sagt Tanja frohen Mutes.

Am Nachmittag überqueren wir den 66° Breitengrad und somit den Polarkreis. „Wollen wir dort bei dem imposanten Gebäude eine Rast einlegen?“, frage ich Tanja, auf ein großes igluähnliches Gebäude deutend. „Klar, warum nicht“, höre ich und setze den Blinker. Kaum haben wir unsere Terra Love neben den vielen Wohnmobilen und Pkws geparkt, wird sie von den Besuchern abfotografiert. „Das ist ja ein irres Fahrzeug. Darf ich mal reinsehen? Fahren sie damit zum Nordkap? Was, auch nach Russland? Oh, sie wollen nächstes Jahr damit nach Kambodscha reisen? Fantastisch. Echt toll“, hören wir und beantworten die vielen Fragen.

Das Gebäude, welches uns an ein überdimensional großes Iglu erinnert, ist das 1990 erbaute Polarkreiszentrum, indem es eine Cafeteria, einen Souvenirshop, Poststelle und einen modernen Kinosaal gibt. Nachdem wir uns darin ein wenig umgesehen haben, unternehmen wir eine kurze Wanderung in den eindrucksvollen Saltfjellet-Svartisen Nationalpark an dessen Rand zahlreiche Steinmännchen errichtet sind. „Warum türmen die Menschen hier die Steine aufeinander?“, fragt Tanja. „Keine Ahnung. Denke das machen die Touristen aus Spaß. Laut der Überlieferung aber haben die Einheimischen einen Steinmann erbaut, um unbehelligt von Trollen zu bleiben. Viele der Steinmänner jedoch sollten den einsamen Wanderern den Weg weisen. Auch heute noch ist vom Wandersmann erwünscht beschädigte Steinmänner mit neuen Steinen zu erhalten. Somit bleibt der wichtige Wegweiser bewahrt“, erkläre ich.

Obwohl wir unsere Wanderung in dieser atemberaubenden, teils kargen Landschaft gerne über mehrere Tage ausgedehnt hätten, zwingt uns die knappe Zeit weiterzufahren.

Nur eine halbe Stunde später entdecken wir einen rauschenden Gebirgsfluss, dessen blaugrünes, glasklares und eiskaltes Wasser sich durch ein felsiges Tal presst. „Das müssen wir uns genauer ansehen“, sage ich, setze erneut den Blinker und parke unser Gefährt am Straßenrand. „Wow!“, staunen wir vom Anblick überwältigt. Wir setzen uns auf die nackten, von der Sonne erwärmten Felsen, und lassen uns von der unfassbaren Natur verzaubern. Dann geht es weiter durch eine hügelreiche Landschaft, vorbei an Fjorden und in der Sonne glitzernden Seen.

Um 20:00 Uhr entdecken wir auf dem Rücken eines der zahlreichen Hügel einen wunderbaren Platz für die Nacht. „Fahr nicht zu nah an den Abgrund“, warnt Tanja, als ich unser Expeditionsfahrzeug rückwärts an die Hügelkannte manövriere, um vom Kabineninneren auf dem im Tal liegenden See blicken zu können.

„Wo kommt ihr denn her?“, fragen zwei junge Männer höflich, die Minuten später neben uns parken. „Dürfen wir ein Video für unseren Instagram-Account drehen?“ Während sie uns und die Terra Love mit großer Freude abfilmen, erfahren wir, dass sie ursprünglich aus Afghanistan stammen. Der eine lebt jetzt in Schweden und der andere in Österreich. Beide sind ehemalige politische Flüchtlinge. „Wir sind Freunde und verbringe hier in Norwegen einen Kurzurlaub“, erzählen sie in perfektem Englisch. Nachdem wir ihnen das Innere unseres Fahrzeuges gezeigt haben, verabschieden sie sich überschwänglich und fahren weiter. Indes machen wir uns für die Nacht fertig, in der die Sonne nicht mehr untergeht...

Datum:
19.07 2019


Tag: 13

Land:
Norwegen


Ort:
Parkplatz Aussicht

Tageskilometer:
295 km


Gesamtkilometer:
3081 km


Luftlinie:
214

Durchschn. Geschwindigkeit
61 kmh

Fahrzeit:
7 1/2 Std.

Bodenbeschaffenheit:

Asphalt

Maximale Höhe:

600 m

Sonnenaufgang:
01:48 Uhr


Sonnenuntergang:
Keinen Untergang


Temperatur Tag max:
20°

Temperatur Tag min:
17°

Temperatur Nacht:
18°


Aufbruch:
12:30 Uhr


Ankunftszeit:
Uhr 20:00 Uhr

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