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Das Superbrot

Hennie & Bill Nachschub-Camp — 15.07.2002

Ich strecke meine Hand in den bitterkalten Morgen und taste nach dem Thermometer. Schnell grabsche ich es und lese minus 10 Grad. Sofort lege ich das kalte Ding wieder auf den Stuhl neben mir und schlüpfe noch tiefer in die wärmende Schlafhülle. Keine 10 Pferde bringen mich jetzt in die eisige Kälte sage ich mir und bleibe einfach liegen. Tanja scheint es genauso zu ergehen, denn neben mir rührt sich absolut nichts.

Um 8 Uhr 30 verlassen wir dann beide unsere Liege. Tanja, um die Kamele zu hüten und ich, um das Feuer in Gang zu bringen. Nachdem die Flammen wärmend in die Höhe züngeln stelle ich den Bedourie in die Glut die noch von gestern übrig ist und röste den restlichen Kuchen. Ein verführerisch guter Duft zieht übers Camp und verflüchtig sich im weiten Buschland. Ich entscheide mich Tanja ein paar geröstet Kuchenstückchen zu bringen, packe sie in eine Folie und stapfe durch ein Meer aus Dornen und Stacheln zu ihr. „Da schau mal eine Überraschung,“ sage ich und reiche ihr die heißen Leckerbissen. „Oh, vielen Dank. Das ist lieb. Da fällt mir es viel leichter unseren Sack voll Flöhe zusammenzuhalten. Hm, schmeckt das gut,“ schwärmt sie und rennt mit vollem Mund Jasper hinterher der wieder vergisst ein Herdentier zu sein und ganz alleine davonläuft.

Es ist seit langen einmal wieder ein geruhsamer Tag an dem wir später beide etwas Zeit haben ein paar Seiten zu lesen oder einfach dazusitzen und in das vor sich hinbrennende Feuer zu kucken.

Um 15:00 Uhr hören wir plötzlich Motorengeräusche. „Das müssen Bill und Hennie sein,“ sage ich, springe auf und schnappe mir das Walkie Talkie, um Kontakt mit ihnen aufzunehmen. „Ja Denis wir sind kurz vor eurem Camp,“ hören wir Bill antworten. Sofort laufen wir zu dem etwa 500 Meter entfernten Weg, um die beiden willkommen zu heißen. Bill besitzt ebenfalls einen Satellitennavigationscomputer in seinem Jeep und hat offensichtlich keine Schwierigkeiten gehabt unsere Position zu finden. Wir umarmen uns zur Begrüßung und zeigen ihnen eine Passage durch den dichten Busch zu unserem Lagerplatz.

Nachdem wir ca. 150 Kilogramm Lebensmittelnachschub für die nächsten 2 ½ Monate ausgeladen haben setzen wir uns ans Feuer und berichten über die Erlebnisse der letzten Wochen. Als es dunkel wird backen wir Brot für die kommenden Lauftage. Die beiden haben uns eine spezielle Mehlmischung, mit der man ganz besonders schmackhaftes Brot backen kann, mitgebracht. Da Bill ein Experte im Brotbacken ist zeigt er Tanja wie man den Teig anrührt. Bevor der Campofen dann in die Glut gestellt wird muss der Teig aufgehen. Sorgfältig dreht Bill den Bedourie neben dem Feuer der auf diese Weise von allen Seiten leicht angewärmt wird. Nach einer halben Stunde ist der Teig etwas aufgegangen. „So jetzt stellen wir den Bedourie in die Glut,“ erklärt Bill worauf uns schon jetzt das Wasser im Mund zusammenläuft. Um später mit der Supermischung auch gutes Brot backen zu können beobachte ich genau jeden Handgriff. Bill setzt die Eisenform auf den heißen Boden der Feuerstelle. Dann schaufelt er außen herum und ebenfalls auf den Deckel eine satte Schicht des glühenden Holzes. „Also wenn ich beim Kuchenbacken soviel Glut auf den Deckel schaufle verbrennt er nach spätestens 10 Minuten,“ erwähne ich vorsichtig und traue mich nicht sagen was ich denke wenn die Glut sogar die Außenwand berührt. „Ich kenne euren Bedourie nicht gut. Unserer ist entschieden schwerer aber im Regelfall verbrennt Brotteig nicht so schnell wie Kuchenteig. Wir lassen das Ganze jetzt 40 Minuten backen und sehen was rauskommt,“ äußert er sich zuversichtlich auf seiner immer netten Art. „Meinst du nicht wir sollten spätestens alle 10 Minuten mal nachsehen?“ ,frage ich noch aufgrund meiner schlechten Erfahrungen den Teig zu lange unbeobachtet zu lassen. „Nein auf keinen Fall. Wenn du die Form zu früh berührst fällt der Hefeteig zusammen,“ überzeugt mich seine Antwort. Schon fünf Minuten später steigt ein derart guter Duft aus dem Campofen das Tanja und mir regelrecht das Wasser im Mund zusammenläuft.

In der Zwischenzeit unterhalten wir uns angenehm über das Leben im Busch, der Freiheit und dem Reisen. „Ich glaube es riecht etwas verbrannt,“ sagt Tanja nach über 40 Minuten. Sofort springen Bill und ich auf und holen den Bedourie aus der Glut. Vorsichtig hebe ich den Eisendeckel ab und als meine erwartungsvollen Augen auf eine kohleähnliche Schicht treffen fällt es mir ernsthaft schwer mein Lächeln zu bewahren. „Nun… sieht nicht so gut aus,“ sage ich so heiter wie möglich, denn mir schwant es die nächsten Lauftage auf meinen geliebten Wanderfladen verzichten zu müssen. „In der Tat. Ist nicht gerade der größte Erfolg,“ meint Bill ebenfalls sichtlich enttäuscht. „Steche mal mit dem Messer rein ob es innen fertig ist. Dann könnt ihr die schwarze Schicht wenigsten abschaben.“ „Okay,“ antwortet Tanja über das einstige Superbrot kniend. Vorsichtig durchdringt das Messer die obere harte Schicht. Als sie es wieder herauszieht und an der Klinge klebriger Teig hängt meint Bill: „Sieht noch recht teigig aus. Am besten wir stellen Den Bedourie auf eine Glutschicht damit er auch von unten mehr Hitze bekommt,“ erklärt er, schaufelt eine fette glühende Kohleschicht von der einen Ecke des Feuers herüber und bettet unseren Leckerbissen in sein heißes Lager. Das kann nicht gut gehen. Jetzt verbrennt es bestimmt auch noch von unten, denke ich mir, lasse aber den Experten walten. Es dauert nicht lange bis es verdächtig nach Verbranntem riecht. „Wir sollten mal nachsehen,“ äußere ich mich ungeduldig auf meinem Stuhl hin und herrutschend. „Ich glaube auch,“ meint Bill. Dann hebe ich wieder die Form aus der Feuerstelle und nehme weniger erwartungsvoll als am Anfang den Deckel ab. Eine dunkle Rauchwolke erhebt sich und als Bill, Tanja und ich den entstandenen Fehlschlag unser gemeinsamen Backkunst betrachten tritt in der ersten Sekunde des Schreckens völliges Schweigen ein. „Jetzt ist es auch noch zusammengefallen,“ sagt Bill kopfschüttelnd. „Wahrscheinlich war es dem Teig zu heiß,“ meine ich traurig. „Ob wir es noch dem Hund füttern können?“ ,fragt Tanja ihre Stirn in Falten legend. „Ich weiß nicht ob soviel Verbranntes für Hunde schädlich ist?“ ,frage ich mit hängenden Schultern auf unsere in der Tat dunkle Kreation blickend. „Das macht einen Hund nichts aus,“ wirft Hennie ein. „Schau mal ob der Teig durch ist,“ fragt Bill worauf Tanja ihr Messer in das Herz unseres vermeintlichen Leckerbissen treibt. „Ich versteh das nicht. Außen schwarz und innen nass. Also… das ist wirklich kein Erfolg. Ehrlich gesagt habe ich schon viel Flops gesehen aber so etwas…? Nein wirklich, so etwas habe ich noch nie gesehen,“ seufzt Bill recht ernst. 

„Lass mich mal,“ sage ich, nehme Tanja das Messer aus der Hand und versuche ein Stücke der ehemaligen Brotmischung aus der Form zu schneiden. Mit beachtlich großem Kraftaufwand säge ich den dunkelschwarzen Teig von der Außenwand der Form, um vielleicht doch noch etwas aus dessen Zentrum für unser morgendliches Mittagessen retten zu können. Als ich das Stück heraushebe, bleibt der Boden hängen als wäre er mit Superkleber für immer im Bedourie verewigt. „Du musst die Form auf einen Teller stürzen, dann kommt es bestimmt heraus,“ erwähnt Bill weshalb ich nun verzweifelt und mit aller Kraft das Ding gegen einen Teller werfe. „Ich hoffe wir müssen nicht auch noch den Campofen entsorgen,“ meint Tanja jetzt plötzlich lachend worauf auch Hennie Bill und ich in ausgelassene Heiterkeit verfallen.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 60 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 451

Sonnenaufgang:
07:14

Sonnenuntergang:
18:05

Temperatur - Tag (Maximum):
18 Grad / nachts minus 10 Grad

Breitengrad:
22°47’43.8’’

Längengrad:
134°04’11.1’’