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Begegnungen auf der breiten Sandpiste

Sunset-Camp — 04.07.2002

Schon um 9:00 Uhr 30 laufen wir wieder die breite Erdschneise entlang. Links und rechts von uns ist die gesamte Landschaft völlig abgebrannt. „Wenn wir hier rasten müssten gäbe es keinen Bissen für unsere Kamele zu fressen,“ meint Tanja. „Ja, hoffentlich ziehen sich die verbrannten Flächen nicht über hundert Kilometer hin,“ antworte ich denn nicht selten gibt es in Australien ganze Landstriche die über Hunderte von Kilometern abgebrannt sind.Bbbbrrrrchchch…! Bbbbrrrrchchch…, niest Sebastian lautstark, was mich beim ersten Mal vor Schreck regelrecht zusammenzucken lässt. „Was hat er denn?“ ,fragt Tanja. „Keine Ahnung,“ antworte ich schulterzuckend.

Bbbbrrrrchchch…! Bbbbrrrrchchch…, niest es wieder hinter mir. Im Augenwinkel sehe ich wie etwas Weißes an meinem Hut vorbeifliegt und auf der roten Erde landet. „Äaahh,“ rufe ich aus als ich sehe wie sich die fette, weiße Made im Staub krümmt. „Was ist denn?“ „Sebastian hat gerade eine richtig fette Made herausgeniest,“ sage ich etwas angewidert. „Eine fette Made? Wo kommt die denn her?“ „Keine Ahnung. Vielleicht hat er sie mit einer der vielen Pflanzen gefressen?“ „Hm, könnte sein. Meinst du er hat noch mehr davon in seiner Nase?“ „Glaube ich nicht aber wir sollten uns überlegen ob wir unsere Jungs nicht doch das Wurmmittel geben.“ „Wir haben doch gar keins dabei.“ „Schon aber ich könnte es mit dem nächsten Funkkontakt bestellen. Wir sagen Cowboy John am Funkgerät bescheid. Er kann es dann zu Jo nach Goomalling weiterfunken woraufhin sie den Sohn von Bill und Hennie in Alex Springs anrufen wird. Die werden es besorgen und uns mit den Lebensmitteln in den Busch liefern.“ „Ein langer Weg aber ich glaube das es wird klappen.“ „Bestimmt klappt es,“ sage ich zuversichtlich als plötzlich die Kamele zur Seite ausweichen. Ein Jeep kommt angebraust und hält neben uns. Der junge Fahrer sieht uns etwas verwundert an. Tanja erklärt ihm kurz woher wir kommen und wohin wir gehen. „Und ihr seid die gesamte Strecke gelaufen?“ ,fragt er immer noch verwundert.“ “Ja,“ antwortet Tanja worauf er seinen Kopf zur Seite legt, die Kamele betrachtet und sagt: „Hm, Fleisch auf Beinen. „Nein, Freunde auf Beinen,“ antwortet Tanja und verabschiedet sich.

Die Sonnenstrahlen fallen auf das Thermometer welches ich an den Laptopkoffer geschnallt habe. 36 Grad zeigt es an und obwohl hier Winter ist schwitze ich. Gebannt sehe ich unaufhörlich nach vorne und wundere mich wann die langgezogene Kurve endlich enden wird. Über eine Stunde laufen wir schon in dieser Biegung. „Ich glaube, dass ist die längste Kurve meines Lebens,“ sage ich verwundert. „Das kommt dir bloß so vor weil du läufst. Mit dem Auto wären wir in fünf Minuten durch,“ entgegnet Tanja.

Wenig später bleibt wieder ein Jeep neben uns stehen. Es ist die Frau von Roy. Sie unterhält sich eine Weile mit Tanja und möchte wissen ob wir uns im Busch nicht langweilen. „Nein, es ist ein sehr interessantes und ungeheuer abwechslungsreiches Leben,“ erklärt ihr Tanja. Bevor sie weiterfährt schenkt sie Tanja etwas Hefegebäck. „Lasst es euch schmecken. Ich habe es gerade erst aufgetaut,“ sagt sie und fährt weiter.

Am Nachmittag kommt ein Roadtrain vorbeigedonnert der nur minimal seine Geschwindigkeit reduziert. Die Kamele gehen durch, doch wird es Zeit, dass sie sich an diese Könige der Straße langsam gewöhnen, denn in den nächsten Monaten werden wir ihnen immer öfter begegnen.

Als es Zeit für ein Rastcamp wird ist die Landschaft noch immer verbrannt. Endlich finden wir dann einen vom Feuer verschonten Landstreifen. Vorsichtig führe ich die Kamele durch das hohe Spinifexgras. Kleine, etwa 30 bis 50 Zentimeter hohe Termitenhügel, ragen wie Rittertürme aus der Landschaft. Manche von ihnen sind so hinter dem Spinifex versteckt das die Kamele bald unaufhörlich über sie stolpern. Unter einem Eukalyptusbaum, den ich als Rastcamp auserkoren habe lasse ich Sebastian absetzen. Ein kurzer Rundblick verrät mir das es nichts für unsere Jungs zu fressen gibt. Müde setzen wir unseren Marsch fort bis wir nach knapp 30 Kilometern einen besseren Ort für unser Rastcamp finden.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 49 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 440

Sonnenaufgang:
07:18

Sonnenuntergang:
18:04

Luftlinie:
24,4

Tageskilometer:
29

Gesamtkilometer:
22°44’48.7’’

Bodenbeschaffenheit:
132°11’16.0’’

Temperatur - Tag (Maximum):
25 Grad / nachts minus 2,5 Grad