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Das Outback-Trio

Kamel Feinschmecker-Camp — 30.06.2002 - 01.07.2002

„Nur langsam hebe ich mein Gesicht aus der Schlafsackhülle, um einen schnellen Blick auf das Thermometer zu werfen welches neben dem Campbett auf dem Klappstuhl liegt. „Was? Minus 10 Grad. Das glaube ich ja nicht,“ äußere ich mich verblüfft. Man hat uns zwar erzählt dass es im winterlichen Outback sehr kalt werden kann aber von minus 10 Grad berichtete uns keiner. Wieder bleiben wir bis zu den ersten Sonnenstrahlen liegen und genießen auf diese Weise unsere Rasttage. „Am liebsten würde ich den ganzen Tag hier liegen bleiben,“ meint Tanja leise. „Ich auch. Ist wirklich angenehm hier unter freiem Himmel zu schlafen… vor allem, wenn keine wilden Kamelbullen kommen.“ „Ja du hast recht. Wahrscheinlich haben wir tatsächlich eine gute Campwahl getroffen. Für Dingos ist es zu stachlig, um sich hierher zu wagen. Die werden uns nachts also bestimmt nichts klauen und für die Kamele ist es zu dicht bewachsen,“ stellt Tanja fest, denn die Wüstentiere ziehen die übersichtlichen weiten Landschaften vor. „Ich glaube auch, dass das ausgetrocknete Seebett vor uns und der Bergzug in unserem Rücken ebenfalls eine natürliche Barriere bilden,“ meine ich. „Bestimmt. Auf jeden Fall haben sie uns bisher mit ihrer Anwesenheit verschont. Wäre wirklich unangenehm einen von ihnen erschießen zu müssen.“ „Vor allem, weil Roy es nicht möchte.“ „Ja, ob er auf seinem Land eine Kamelzucht plant?“ „Ich weiß nicht. Alex verdient ja gutes Geld mit dem Verkauf von seinen Tieren. Vielleicht will er es ihm nachahmen? Es ist zumindest eine Alternative zur Rinderzucht und wer weiß, vielleicht ist Roy einer der nächsten Farmer der sich mit dem Verkauf von Kamelen beschäftigt?“ „Wäre ein Grund warum er nicht wollte das wir einen der Bullen erschießen.“ „Ja, viele andere Stationmanager und Besitzer würden nicht lange fackeln und die gesamte Herde töten, falls sie bis ins Farmland vordringen,“ meine ich nachdenklich.

Mittags haben wir Funkkontakt zu Cowboy John und Jo & Tom. Da unsere Freunde Jo & Tom sich mittlerweile über 2000 Kilometer Luftlinie von uns entfernt befinden ist John, der nur ca. 1200 Kilometer von uns weg ist, der Vermittler. „Wie geht es euch Mate?“ ,fragt er wie immer freundlich. „Sehr gut. Wir hatten ein paar haarsträubende Erlebnisse mit wilden Kamelbullen aber soweit ist alles im Lot,“ sage ich und erzähle die Geschichte. „Ja, ja, die Kamelhengste wissen wie man eine Herde zusammentreibt. Gut das ihr ein Gewehr dabei habt. Kann ich irgend etwas für euch tun?“ „Ja, ich benötige dringend eine Pilzcreme für meine Füße. Ich glaube nicht das ich mir einen Fußpilz aufgeschnappt habe aber sicher ist sicher.“ „Was? Du brauchst eine Gesichtscreme?“ krächzt es durch den Lautsprecher, worauf Tanja und ich vor Lachen fast zusammenbrechen. „Nein John, für meine Füße!“ „Ah… für die Füße. Verstehe. Ich werde es Jo mitteilen. Sie kann dann den Sohn von Hennie und Bill in Alice Springs anrufen und ihnen bescheid geben. Sie werden die Creme dann mit dem Lebensmittelnachschub in den Busch bringen.“ „Ja, das ist eine gute Idee. „Gibt es sonst noch etwas?“ „Ja, die Wassersituation hier draußen ist nicht besonders rosig. Jo soll Alex anrufen und fragen ob es in der Spinifex Bore Trinkwasser gibt. Auch wäre es sinnvoll noch andere funktionsfähige Wasserlöcher dieser Gegend zu wissen.“ „Okay, wir werden dir mit dem nächsten Funkkontakt die Informationen durchgeben.“ „Danke John. Das war alles. Ich wünsche euch alles Gute. Over and out,“ beende ich den Kontakt. „Alles klar Mate. Bis zum nächsten Mal. „Clear,” meldet er sich ab.

Am späten Nachmittag finde ich ein wenig Zeit, um ein auf meiner Neuerrungenschaft zu üben. Hooouuu! Hooouuu! Hooouuu, heult Rufus und begleitet mich bei meinen Versuchen der Mundharmonika ein paar melodische Töne herauszulocken. Tanja und ich müssen über unseren Gefährden lachen, denn er gibt sich große Mühe sein Heulen auf die Melodie einzustimmen. Durch Rufus motiviert und von Tanja angefeuert, spiele ich auf, wie der Lump am Stecken. Plötzlich nimmt Tanja ein paar Stöcke zur Hand und klopft einen Rhythmus. Ausgelassen und vergnügt sitzen wir drei nun am Lagerfeuer und bezeichnen uns ab sofort als das Outback-Trio.

Eine ganze Weile geben wir uns der fremdartigen Musik hin bis mein Blick auf etwas fällt was sich wie eine Schlange bewegt. Sofort höre ich das Spielen auf und traue wiedereinmal meinen Augen kaum. Tatsächlich windet sich da ganz gemütlich eine große Schlange durch unser Camp. „Schau mal die Schlange an. Sieht aus wie eine King Brown. Schnell hole den Foto, ich schnappe mir die Filmkamera,“ sage ich und springe auf. Als Rufus die etwa 1 ½ bis 2 Meter lange Schlange entdeckt, schießt er sofort hin, um sie zu beschnüffeln. „Um Gottes Willen, geh da weg!“ ,kommandieren wir ihn zurück.

„Geh nicht zu nah heran!“ ,warnt mich Tanja in meinem Eifer das Prachtexemplar von Giftschlange zu filmen. Langsam folge ich ihr, denn bisher hatten wir noch nie so eine gute Gelegenheit eine Schlange in der Wildnis zu dokumentieren. „Schnell, komm hierher!“ ,rufe ich als das große Reptil im Spinifex verschwindet. Schnell rase ich zur anderen Seite, denn ich bin überzeugt davon, dass sie hier wieder herauskommen wird. Geduldig warte ich und als sie tatsächlich gleich neben mir aus dem stacheligen Gras schlängelt, fährt mir ein Ruf der Freude von den Lippen. „Denis, jetzt langt es aber!“ ,warnt mich Tanja. „Nur noch ein bisschen,“ sage ich, gebe ihr die Filmkamera und nehme den Foto, um ein paar Detailaufnahmen zu schießen. Plötzlich schlängelt sich die Schönheit ein wenig in meine Richtung und verschwindet nur einen Meter vor mir in einem kleinen runden Loch. Begeistert laufen wir zu unserem Camp zurück. „Ob sie von unserer Musik aus dem Winterschlaf erwacht ist?“ „Wer weiß?“ ,sagt Tanja

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 45-46 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 436-437

Sonnenaufgang:
07:20

Sonnenuntergang:
18:05

Temperatur - Tag (Maximum):
23 Grad / nachts minus 10 Grad

Breitengrad:
22°45’34.6’’

Längengrad:
132°39’06.1’’