« Zurück       Weiter »

Schreiend knallt er auf den Boden

Rufus Verletzungs-Camp — 26.06.2002

Wieder hat der Kristall meine Schmerzen beseitigt und wieder kommen wir gut voran. Nach 20 Kilometer erreichen wir die verlassene Mount Wedge Homestead. Ein teurer, moderner Funkmast und Solarpaddel zur Energiegewinnung verraten, dass die Station noch vor wenigen Jahren bewirtschaftet war. Wir bleiben stehen und lassen unsere Blicke über den Müll gleiten den die Menschen hier in der Wildnis zurückgelassen haben. Verrostete Autos, alte Batterien, unbrauchbare Werkzeuge, Öl und Wasserfässer und vieles mehr verschandeln die Landschaft. „Lass uns schnell weitergehen,“ sage ich und führe die Kamele zu einen Zaun hinter dem es so aussieht als würde sich der Track dort fortsetzen. Tatsächlich finden wir diesmal recht schnell den Anschluss und folgen ihn in Richtung Osten.

Rufus ist uns wie immer voraus geeilt, um die Gegend zu erkundschaften. Iiiiiihhhh! Iiiiiihhhh! Iiiiiiiiihhhh, heult es plötzlich auf. „Oh Gott Rufs ist etwas zugestoßen!“ rufe ich entsetzt. Iiiiiihhhh! Iiiiiihhhh! Iiiiiiiiihhhh, heult und winselt es so erbärmlich das Tanja sofort losstürmt, um unserem treuen Hund zur Hilfe zu eilen. Hoffentlich haben ihn keine Dingos erwischt, geht es mir durch den Kopf. Gebannt stehe ich da und halte die Führungsleine von Sebastian als ich Tanja aus den Busch laufen sehe. Im ersten Moment rutscht mir das Herz in die Hose weil von unserem Gefährden nichts zu erkennen ist. Doch dann durchströmt mich die Erleichterung. Rufus folgt ihr schwer humpelnd.

„Was hat er denn?“ frage ich als Rufus immer noch winselnd neben mir sitzt. „Keine Ahnung. Als ich zu ihm geeilt bin kam er mir schon entgegen,“ antwortet Tanja. Sorgfältig untersuche ich ihn und taste seinen Körper ab. Iiiiiihhhh, quietscht er laut auf als ich ihn an seinem rechten Forderfuß berühre. „Ich denke er hat sich irgend einen Muskel gezerrt? So wie es sich anfühlt ist nichts gebrochen. Wir können nur hoffen, dass er sich keine Sehne oder irgendwelche Bänder abgerissen hat,“ diagnostiziere ich traurig. „Wir sollten ihn ab sofort wieder reiten lassen. Was meinst du?“ „Denke ich auch,“ sage ich und hebe unseren Patienten auf Hardies Sattel wo er auch in den vergangenen zwei Jahren seinen Reitplatz hatte. Auf dem weiteren Weg drehen wir uns alle paar Minuten nach ihm um. „Er entlastet immer noch seinen rechten Fuß,“ stellt Tanja fest. „Hm,“ antworte ich nachdenklich.

Wir entscheiden uns dann einen Rastplatz für die Nacht aufzusuchen. „Camis husch down,“ befehle ich ihnen sich abzusetzen. Iiiiiihhhh! Iiiiiihhhh! Iiiiiihhhh, heult Ruf plötzlich schrecklich auf als er sich beim Absetzen von Hardie nicht mehr halten kann und auf die rote Erde knallt. Bevor ihn Hardie vor Schreck treten kann humpelt unser schwer angeschlagener Hund weg und legt sich wimmernd und weinend unter einen Busch. Eilig entladen wir die Tiere. Dann untersuche ich ihn noch mal. Schon eine leichte Berührung lässt ihn Gotterbärmlich aufwinseln. „Oh Rufus. Es tut mir so leid. Jetzt bist du auch noch von Hardie gefallen. Entschuldige, ich hätte dich herunterheben sollen. Was machen wir denn mit dir? Wir müssen morgen weiter. Unser Wasser reicht nicht aus um hier ein Krankenlager aufzuschlagen. Bitte, bitte streng dich an das du morgen wieder laufen kannst,“ sage ich und halte ihm die Trinkschüssel unter die Nase. Rufus säuft das Wasser und als ich ihm sein Fresschen gebe haut er es mit gewohntem Appetit hinunter.

Nachdem Tanja vom Hüten zurückkommt beraten wir mit welchen Mittel wir Rufus behandeln sollen. „Ob ich ihm etwas von dem Schmerzmittel und endzündungshemmeden Medizin geben soll die wir bei Verletzungsfällen unseren Kamelen verabreichen?“ ,frage ich. „Das haut ihn glatt um.“ „Natürlich nur ein paar Krümel davon,“ meine ich grübelnd. „Obwohl Kamele einen anderen Verdauungstrakt besitzen muss der Wirkstoff doch auch bei Hunden helfen?“ stelle ich fest. „Ich weiß nicht, das musst du entscheiden.“ Kurz entschlossen durchsuche ich dann die Ortliebtasche mit der Tiermedizin und mische Rufus ein paar Krümel der Kamelmedizin in eine Suppe. Nachdem das Gebräu etwas abgekühlt ist trage ich seine Schüssel zu ihm. „Da mein Lieber. Das wird dir helfen. Lass es dir schmecken,“ plaudere ich und streichle ihn vorsichtig. Rufus lässt sich nicht zweimal auffordern und schlingt das Süppchen in Rekordzeit hinunter.

Als der Nachtfrost seine eisigen Fingern um das Outback schließt sitze wir fröstelnd am Feuer und beraten was wir mit Rufus tun sollen wenn er morgen nicht laufen kann: „Wenn wir nur mehr Wasser hätten,“ sage ich leise. „Was wäre dann?“ „Dann könnten wir hier ein paar Tage Pause einlegen.“ „Wie weit ist es bis Cabbage Tree Bore?“ „Hm, wenn wir keine Umwege gehen müssen mindestens noch 80 Kilometer.“ „Das ist weit.“ „Ja, zu weit um hier nur einen Tag länger zu bleiben. Wir müssen unsere Rasttage so nah wie nur möglich an der Wasserstelle verbringen. Man weiß ja nie was geschieht. Ich hoffe wirklich Rufus kann morgen wieder laufen. So wie er sich im Augenblick zeigt sieht es allerdings überhaupt nicht gut aus. Ich kann ihn ja nicht mal anfassen. Also wenn alle Stricke reißen verpasse ich ihm seinen Maulkorb und hebe ihn auf Hardies Sattel. Ob er will oder nicht,“ überlege ich laut. „Warum den Maulkorb?“ „Na ja, damit er mich nicht beißen kann wenn ich ihm beim Hochheben aus Versehen weh tue.“ „Hmm, ich denke er wird sich erholen.“ „Ich hoffe es schwer. Bis jetzt hat er sich immer schnell erholt.“

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 41 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 432

Sonnenaufgang:
07:21

Sonnenuntergang:
18:06

Luftlinie:
23,4

Tageskilometer:
26

Temperatur - Tag (Maximum):
25 Grad / nachts minus 4 Grad

Breitengrad:
22°43’38.8’’

Längengrad:
131°11’26.9’’