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Viele Tracks führen in die Irre

Verlassener Track-Camp — 25.06.2002

Ohne Knieschmerzen weckt mich der junge Morgen. Guter Dinge beladen wir in nur 1 ½ Stunden die Kamele. Das grenzt bereist zum frühen Stadium der Expedition an die Spitzenzeiten der letzten Etappe. Um 9:00 Uhr 40 befinden wir uns wieder auf den schmalen Track. Es ist kurz nach 12:00 Uhr als unser liebgewonnener Weg urplötzlich in eine breitere befahrenen Sandpiste mündet. „Ob das die Verbindung nach Pupunya ist?“ „Meinst du die Aboriginegemeinschaft?“ ,fragt Tanja. „Ja,“ antworte ich nachdenklich, denn Alex hat mir irgendetwas davon erzählt, dass wir diesen Track nicht folgen sollen weil er uns in die falsche Richtung führt. „Camis udu!“ ,befehle ich der Karawane zu stoppen, um einen Blick auf die Karte zu werfen. „Ohne Zweifel müsste da vorne der kleine Track weitergehen. Da schau in die Karte. Da ist er,“ sage ich und deute auf die gestrichelte Linie. „Lass uns noch ein paar hundert Meter laufen und wenn dann die Piste noch stärker nach Süden abbiegt sind wir definitiv falsch,“ erkläre ich.

Plötzlich hören wir Motorengeräusche hinter uns. Schnell führe ich die Tiere vom Weg in das Buschland. Ein Jeep mit Aborigines fährt vorbei. Die freundlichen Menschen winken uns zu und lachen. Es dauert nicht lange bis das Fahrzeug in einer langgezogenen Rechtskurve verschwindet. „Ich habe das starke Gefühl, dass sie nach Punpunya fahren. Wo sonst könnten sie in der Einsamkeit hier hinwollen?“ ,sage ich und gebe den Kamelen das Kommando zum Weitergehen. Es dauert keine zwei Minuten als ein weiteres Auto, vollbesetzt mit lachenden Ureinwohnern, uns in Staub hüllt. „Den Nächsten fragen wir wohin dieser Weg führt,“ meine ich. Kaum habe ich ausgesprochen kommt das Auto angebraust. Tanja hebt die Hand, um ihn zum Halten aufzufordern. „Hallo,“ höre ich sie die Insassen begrüßen während ich unsere nervösen Tiere unter Kontrolle halte. „Führt der Weg hier zur Tanami Road?“ „Ja,“ antwortet die Baifahrerin. „Ihr müsst da vorne auf die alte Piste,“ höre ich sie noch erklären als sich die Ute wieder in Bewegung setzt.

„Und, sind wir hier richtig?“ ,frage ich Tanja die wieder neben mir läuft. „Ja. Die Frau hat noch gesagt das die Strecke nach Pupunya führt aber wir kommen irgendwann auf die alte Verbindung zur Tanami Road.“ „Weißt du wann? Ich meine wie weit es bis dahin noch ist?“ ,frage ich auf meinen Satellitencomputer blickend der mir mittlerweile die völlig falsche Richtung anzeigt. „Nein, das hat sie nicht gesagt.“ „Hm, wenn man Aborigines nach dem Weg fragt und sie ihn nicht kennen schicken sie einen trotzdem in irgend eine Richtung. Könnte das in unserem Fall geschehen sein?“ „Ich weiß nicht. Eigenartiger Weise hat der Fahrer keinen Ton gesagt. Ich bin mir jetzt im Zweifel ob sie wusste ob die Piste hier zur Tanami Road führt,“ plaudert Tanja. „Du hättest nicht fragen sollen ob die Piste zur Tanami Road führt sondern ob sie wissen wohin der Track hier geht,“ erkläre ich denn auf diese Fragetechnik hin ist die Chance auf eine richtige Antwort größer. „Wir kehren um,“ entscheide ich als kein Zweifel mehr besteht das der Weg über den Stuart Bluff Bergzug führt. Die Karte zeigt uns eindeutig auf der linken, also auf der Nordseite, des Gebirgszuges zu bleiben. Leider finden wir auch auf dem Rückweg keine Fortsetzung unseres Weges, so dass ich mich entscheide die Karawane solange durch das Buschland zu führen bis wir auf die in der Karte eingezeichnete Yunduch Bore treffen.

„Halt an Denis! Jasper hat wieder die Verbindung zu Edgar abgerissen!“ warnt mich Tanjas Ruf, worauf ich den Zug wieder stoppe. Da Edgar mit seinen Hinterfüßen austreten kann müssen wir alle Tiere absetzen lassen, um die Verbindung von Jasper zu erneuern. Irgendwie schafft er es nicht nur die Nasenleine zum reißen zu bringen sondern auch die neue Halfterverbindung. Es ist auf jeden Fall mühsam alle paar Stunden seine Schnur zu erneuern und sehr zeitkonsumierend. „Okay! Es kann weitergehen!“ ,ruft Tanja mir zu. Wieder setzt sich die Karawane in Bewegung. Die Satteltaschen schaben sich unter lauten Krachen an abgestorbene Büsche, verbrannte Bäume und Äste vorbei. Manchmal gibt es auch frisches Grünzeug nachdem sich unsere Jungs die Hälse regelrecht verrenken. Für Jasper ist das natürlich ein Grund seine Verbindungsschnur abzureißen, worauf ich langsam immer ärgerlicher werde. Mit dem GPS in der Hand folge ich der Richtungsangabe zu der verlassenen Wasserstelle. Wenn wir sie erreichen, gesetzten Fall sie ist überhaupt noch sichtbar, müssen wir auf den Weg treffen der uns weiter in Richtung Tanami Road bringt.

Auf einmal treffen wir auf einen schmalen Weg. Wir folgen ihn nur um festzustellen, dass auch er in eine falsche Himmelsrichtung abbiegt. „Diese verdammten alten Wege bringen einen wirklich durcheinander,“ fluche ich und setze nach kurzer Überlegung unseren Querfeldeinmarsch fort. Australien ist überseht mit kleinen nicht selten unbenutzten Wegen, Pfaden, Tracks und Pisten. Irgendwann einmal wurden sie genutzt aber dann wurde eine Station aufgegeben oder ein anderer Weg angelegt. Es gibt viele Gründe warum es hier so viele Tracks gibt die einen irre führen, die im Nichts enden oder uns ganz einfach zur Verzweiflung bringen. Oft sind diese Wege in der Karte vermerkt was noch irreführender ist. Meist jedoch sind sie nicht in Landkarten zu finden. Guten Mutes verlasse ich mich auf meine Intuition und vor allem auf meine Navigationskenntnisse. Etwas aufgeregt sehe ich nach vorne und glaube ein Windrad auszumachen. Tatsächlich erkenne ich in den gleißenden Sonnestrahlen ein sich drehendes Windrad aufblitzen. „Volltreffer!“ ,rufe ich freudig erregt als wir kurz vor der Yunduch Bore auf unseren kleinen Track treffen den wir aus mir unverständlichen Gründen unter unseren Füßen verloren hatten.

Ich übergebe Tanja die Führungsleine von Sebastian, um zu prüfen ob das Windrad noch Wasser aus der Erde befördert. Leider sind die Wassertanks von der Natur zurückerobert. Anscheinend fühlen sich die Büsche und Bäume in dem verrosteten Blech wohl. Auch die Pumpstange, die unter normalen Bedingungen vom Windrad angetrieben wird, ist abgebrochen.

Auf dem weiteren Weg, der genauso schön und verlassen ist wie vorher auch, setzen wir dann unseren Marsch fort. „Mensch Denis, was ist denn das?“ ,fragt Tanja auf ein Ding deutend welches am Wegrand liegt. „Ich glaube es nicht. Das ist ja großartig,“ jubiliere ich und hebe einen alten und schwer gebrauchten Bumerang auf. „Den muss hier ein Aborigine verloren haben?“ ,stelle ich freudig fest und stecke den stark beschädigten Schatz in Hardies Satteltasche.

Nach 4 ½ Stunden zwingt uns mein erneut schmerzendes Knie dazu das Lager aufzuschlagen. Der verlassene Track ist optimal um die Kamele nieder zu huschen und zu entladen. Wie in den vergangen Tagen auch baue ich unser Lager auf während Tanja dafür sorgt, dass sich unsere Kinder den Bauch voll schlagen können. Bevor wir uns dann auf unsere wunderbaren Campliegen niederlassen werde ich wieder mit meinem Kristallfreund behandelt. Immerhin hat er mich gestern soweit in Ordnung gebracht dass ich heute knapp 20 Kilometer laufen konnte.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 40 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 431

Sonnenaufgang:
07:22

Sonnenuntergang:
18:06

Luftlinie:
17

Tageskilometer:
19,5

Temperatur - Tag (Maximum):
25 Grad / nachts minus 4 Grad

Breitengrad:
22°45’32.6’’

Längengrad:
131°57’55.8’’