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Unerträgliche Schmerzen würgen mich fast bis zur Bewusstlosigkeit

Babbler Bore-Camp — 13.06.2002

Wie auch an den anderen Tagen hier draußen stehen wir äußerst gut gelaunt auf. Wieder haben wir eine wunderbare Nacht unter dem Sternenhimmel Australiens verbracht. „Ich schaue mal wie es unseren Jungs geht,“ sagt Tanja, schwingt ihre Beine lebenslustige über den Rand des Campbettes und steht auf. „Okay, wenn du zurück bist kocht das Wasser im Billy und wir können vor der Sattelarbeit erst mal kräftig Frühstücken.“ „Klingt wunderbar. Ich habe schon jetzt einen Bärenhunger.“ „Nimm das Sprechfunkgerät mit. Man weiß ja nie was geschieht,“ sage ich lachend und lege mein eigenes Walkie Talkie neben den Sattel an dem ich gerade die Satteltaschen knote.

Tanja ist erst 15 Minuten weg als ich sie schon anfunke. „Na, hörst du schon die Glocken der Jungs?“ „Nein noch nicht.“ „In welche Richtung gehst du denn?“ „Zu dem Zaun auf der anderen Seite unseres Lagers.“ „Sag mir bitte gleich bescheid wenn du sie siehst. Ich brenne darauf zu wissen wie es ihnen in diesem Gehege geht.“ „Okay. Ich melde mich,“ singt ihre Stimme, die ihre äußerst gute Laune verrät. Schmunzelnd setze ich meine Knotarbeit fort.

„Denis!“ ,ertönt es im Lautsprecher des Funkgerätes. „Ja. Hast du sie gefunden?“ „Ja, sie befinden sich in der anderen Ecke des Geheges, direkt am Zaun. Hallo Sebastian, geht es dir gut?“ ,höre ich sie sprechen. „Sind alle da?“ „Ich weiß nicht. Ich sehe Sebastian, Hardie, Jafar…und Edgar, ach da ist auch Istan und Jasper. Ich zähle im Augenblick sechs. Max fehlt.“ „Komisch, na ja, sag mir wenn du ihn gefunden hast.“ „Ja, ich gehe jetzt mal am Zaun entlang. Vielleicht finde ich ihn da,“ antwortet sie und beendet den Funkkontakt. Etwas nachdenklich binde ich den nächsten Knoten. Warum er sich wohl von den anderen getrennt hat? Für ein Herdentier recht ungewöhnlich. Er wird sich doch nicht mit seinem Nackenseil irgendwo verfangen haben? Kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht ist er schon mal zur Wasserstelle gelaufen. „Hm, das wäre eine Möglichkeit,“ wispere ich jetzt zu mir selbst.

„Denis!“, krächzt es plötzlich aus dem kleinen Lautsprecher. Mit einem unbestimmten ungutem Gefühl nehme ich das Funkgerät und antworte: „Ja?“ „Max ist tot!“…

In meinem Kopf beginnt ein Rauschen. Ein Sturm der Gedanken die sich wie ein Wasserfall ins endlose Nichts stürzen. Kurzfristig ist mein gesamtes Sprachzentrum gelähmt. Ich blicke auf das Sprechfunkgerät als wäre es ein mit Gift verseuchtes Ding. Dann halte ich es wieder an mein Ohr und drücke den Knopf zum sprechen. „Was? Was hast du gesagt?“ „Max ist tot!“…“Das glaube ich nicht. Bist du dir sicher?“ „Ganz sicher,“ erklingt Tanjas zitternde Stimme. Wieder beginnt es in meinem Kopf zu rauschen. Die Aussage trifft mich wie ein furchtbarer Schwerthieb. Ich habe das Gefühl mein Körper ist in zwei Hälften geteilt. „Wo bist du?“ „Am ersten Drittel des Zaunes gegenüber vom Camp.“ „Ich komme,“ sage ich mit einem Schwindelgefühl der Ohnmacht. Sofort haste ich los. Vielleicht ist er ja nur verletzt. Ob sich Tanja täuscht? „Bist du wirklich sicher das er tot ist?“ ,frage ich sie während des Laufens. „Absolut sicher. Er wollte über den Zaun springen und hat sich darin verfangen,“ lähmt ihre unumstößliche Antwort meine Beine. „Ich bin jetzt am Zaun der sich in der Nähe des Windrades befindet.“ „Nein, nein, gegenüber vom Windrad,“ gibt mir Tanja die neue Richtung an worauf ich zurück hetze. Tränen rollen mir über die Wangen und der unerträgliche Schmerz des Todes würgt mich fast bis zur Bewusstlosigkeit. „Nein!!! Nein!!! Nein!!! Das glaube ich nicht! Ich glaube es einfach nicht! Warum? Warum nur? Das kannst du doch nicht machen!“ ,brülle ich mit Gott hadernd den Schmerz und meine Fragen in den Himmel. Mit rasendem Herzschlag und außer Atem komme ich nach etwa 10 Minuten am anderen Ende des Geheges an. Dann laufe ich den Zaun entlang bis ich auf Tanja treffe die geknickt neben einem am Boden liegendem Kamel sitzt.

Sekunden später erkenne ich Max dessen einer Vorderfuß noch immer im Zaun hängt. „Ich glaube es nicht!!! Ich will es nicht glauben!!! Das darf doch nicht war sein! Wie kannst du nur über diesen Zaun springen?“ ,schmettere ich wieder meine Fragen in den wolkenlosen Himmel als ich mit dem schrecklichen Anblick konfrontiert werde. Max ist tot. Diese unumstößliche Tatsache fährt mir jetzt wie ein Schock in die Glieder, dass ich vor ihm in die Knie gehe und weinend zusammenbreche. Auch Tanja sitzt da und weint.

Minuten später habe ich mich wieder einigermaßen unter Kontrolle. Ich steige über den Zaun, um die Todesursache herauszufinden. „Den Darm hat ihn Rufus herausgerissen als ich zu dir zurück wollte,“ erklärt mir Tanja mit zerbrechlicher Stimme. „Als ich auf dem Rückweg Rufus vermisste habe ich mich besonnen und bin umgekehrt. Tatsächlich war er gerade damit beschäftig an Max herumzufressen.“ „Wo ist Rufus jetzt?“ „Ich schimpfte ihn natürlich. Dann ist er abgehauen.“ „Oh Gott, hoffentlich kommt da nicht das nächste Drama auf uns zu. Du weißt doch dass er hier nicht alleine herumlaufen darf. Die Dingos werden ihn zerreißen,“ äußere ich vorwurfsvoll und vom Schmerz halb betäubt. „Mach mir keinen Vorwurf. Ich kann doch auch nichts dafür dass er beleidigt angehauen ist.“ „Hm, ist schon gut,“ antworte ich und blase in die Trillerpfeife. Als er nicht kommt rufe ich lautstark, doch selbst darauf ist von ihm nichts zu sehen. Ein weitere Angst um unseren Hund befällt mich wie ein plötzlich aufkommender Schüttelfrost. Hooouuu! Hooouuu, fährt uns das Heulen eines Dingorudels in die Glieder.

Ich wende mich dann wieder Max zu und sehe mir die Augenhöhle an aus der frisches Blut rinnt. Offensichtlich hat Rufus es ebenfalls erst vor wenigen Minuten herausgerissen. „Was ist mit seinem Auge geschehen?“ „Wie ich Max entdeckt hatte war es noch da, aber es hat geblutet,“ antwortet Tanja. „Wahrscheinlich die Krähen,“ sage ich und untersuche den Körper auf eine Verletzung die ihm den Tod gebracht hat. „Auf dem Boden sind keine Kampfspuren. Es sieht so aus als hätte er sich aus irgend einem Grund in dem Zaun verfangen, ist darüber gefallen und hat einen Herzinfarkt bekommen. Vielleicht ist er auch an einem Schock gestorben,“ flüstere ich nachdenklich. Vorsichtig und ohne Kraftanstrengung hebe ich sein Vorderbein aus der Drahtschlinge. „Meinst du nicht, dass es die Hoppeln verursacht haben?“ ,fragt Tanja in einem Anflug von Selbstvorwürfen. “Auf keinem Fall. Schau, das Seil liegt frei, die Hoppeln liegen frei und nichts aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass er sich damit verfangen hat. Mit ein bisschen Kraftanstrengung wäre er von selbst frei gekommen. Du hast doch gesehen wie einfach ich seinen Fuß aus der Schlinge nehmen konnte,“ beruhige ich sie. „Meinst du er hat sich beim Fall über den Zaun das Genick gebrochen?“ ,fragt Tanja vom Schmerz gerade eben einen Freund verloren zu haben gezeichnet. „Glaube ich nicht. Sein Hals zeigt keine abnormale Form. Ich glaube nicht das sich ein Kamel so leicht den Hals bricht. Natürlich ist es trotzdem möglich aber ich vermute eher Schock oder Herzinfarkt,“ antworte ich.

Bullluuubullluuubbb!… Bullluuubullluuubbb! Bullluuubullluuubbb, erschreckt uns der Brunftlaut eines Kamelbullen. „Hinkebein kommt um seinen Freund zu sehen; äußere ich auf den wilden Kamelhengst deutend der schnell auf uns zukommt. Kaum hat er den toten Max erblickt bleibt er wie angewurzelt stehen und sieht uns mit großen Augen an. Bullluuubullluuubbb!… Bullluuubullluuubbb, lässt er seine Blase aus dem Mund hängen die für die urigen Geräusche verantwortlich ist. „Es tut uns leid,“ sagt Tanja weinend. Der Bulle beäugt uns noch etwas unsicher und macht sich dann mit schnellen Schritten davon. „Mit dem Sensenmann will er nichts zu tun haben,“ stelle ich fest und obwohl es hier in der Sonne mindestens 50 Grad hat läuft mir ein kalter Schauer den Rücken hinunter.

Ich nehme von unserem Gefährden die Hoppeln, das Nackenseil, Die Glocke und das Halfter ab welches wir erst vorgestern mit großer Mühe über seinen Kopf gestülpt haben. Dann verabschieden wir uns von unserem treuen Kameraden der für Goola eingesprungen ist als er auf der letzten Etappe nach einem langen Überlebenskampf an Lungenentzündung gestorben ist. (Tagebuchübersicht vom 03.08.01 Tag 49 Etappe Zwei)

Geknickt, innerlich zerrissen, ohne eine Hoffnung in mir spürend und unsagbar unglücklich laufen ich mit Tanja zum Camp zurück. Auf dem Weg werden meine Schritte immer schneller. Trotz der Trauer muss ich an unserem Rufus denken. Die Angst um ihn wird mit jedem Meter größer. Was ist wenn ihn ein Dingopack erwischt hat? Das werden wir nicht verkraften. Fast rennend hetzte ich den Zaun entlang. Die Tränen in meinen Augen lassen die rote Erde und die Grasbüschel unter mir verschwimmen. „Bitte lass Rufus nichts zugestoßen sein,“ bete ich laut. „Max ist genug, mehr als genug.“ Er ist bestimmt zum Camp zurückgelaufen. Klar was macht ein Hund wenn er geschimpft wird? Er geht Heim. Vom Geruch des Todes verfolgt stolpere ich über das Spinifexgras. Dadurch das ich Max untersuchte haftet an meinen Händen der Geruch seines kalten Schweißes und Blutes. Nicht mehr darüber nachdenkend jage ich weiter.

Laut atmend und völlig verschwitzt erreiche ich unser Lager. Mir fällt ein Stein vom Herzen als ich ihn geduckt und kleinlaut neben der Feuerstelle sitzen sehe. Unterwürfig liegt er da und ist sich bewusst irgend etwas falsch gemacht zu haben. Klar kann er nicht verstehen, dass man seinen Freund nicht einfach anbeißt aber wie soll man so etwas einem Hund erklären? Erleichtert streichle ich ihn. „Gut, dass dir nichts geschehen ist. Trotzdem ist es nicht gut wenn du einfach abhaust. Das kann hier draußen tödlich sein mein Freund,“ tadle ich ihn worauf er mich mit seinen goldbraunen Augen treuherzig ansieht.

Erschlagen sitzen wir dann in unseren Stühlen und schweigen. „Schaffen wir es auch mit sechs Kamelen?“ ,breche ich die Stille. „Auf jeden Fall,“ antwortet Tanja zuversichtlich. „Wir müssen noch mal durch unsere Ausrüstung gehen und alles da lassen was wir nicht unbedingt benötigen,“ äußere ich nachdenklich. „Kannst du dich daran erinnern wie Hardie so krank war? (Tagebuchübersicht vom 01.11.00 Tag 174 Etappe Eins) Wir haben damals auf Limstone Station viel zurückgelassen und es auf dem gesamten restlichen Trip nicht vermisst.“ „Stimmt wir sollten einen Teil der Ersatzteile hier lassen. Außerdem brauchen wir hoffentlich nicht soviel Wasser wie bei der Durchquerung der Greatsandy und Gibson Desert,“ gebe ich Tanja recht.

Wieder tritt unangenehmes Schweigen ein und wieder lässt der Tod von Max unsere Gedanken in einen alptraumartigen Strudel stürzen. Unter Tanjas Sonnenbrille kullern Tränen und ziehen einen Streifen über ihre vom Staub verschmutzten Wangen. Auch mich packt der Schmerz worauf ich ihm freien Lauf lasse. Wir können beide nicht verstehen warum uns dies wiederfahren ist. Warum schon vor der Expedition? Wie kann es sein dass ein Kamel, welches sein halbes Leben hinter Zäunen verbrachte, sich in so einem Ding tödlich verfängt? Wieso wollte er darüber steigen? Die Wasserstelle befindet sich genau auf der gegenüberliegenden Seite des Geheges. Die große Einzäunung in der sie viele Monate Urlaub hatten ist ebenfalls auf der anderen Seite der Einfriedung. Können wilde Kamelbullen etwas damit zu tun haben? Hat ihn ein Hengst treiben wollen? Ist er deswegen aus versehen in die Schlinge geraten? Wir zerbrechen uns die Köpfe. Warum ist dieser Unfall geschehen? Warum so plötzlich? Bis jetzt war es eine schöne und unbeschwerte Zeit mit vielen positiven Erlebnissen und auf einmal, aus heiterem Himmel bricht das Unglück über uns herein. Erst gestern haben ich Marcus und Shane noch erklärt wie schnell sich das Blatt wenden kann. Wie schnell aus Freud Leid wird egal ob man in der Nähe der Zivilisation ist oder nicht und jetzt zeigt uns das Schicksal die Realität.

Ich sitze da und frage mich ob wir es wirklich mit sechs Kamelen schaffen können. Was ist wenn auf dem weiteren Weg noch einer unserer Partner stirbt? Was ist wenn sie giftige Pflanzen fressen? In meinem Kopf überschlagen sich die Gedanken. Ich bin froh Tanja unversehrt neben mir sitzen zu sehen. Schlimm wäre es gewesen wenn der Tritt von Edgar sie am Kopf erwischt hätte. Auch ein gebrochener Arm hätte hier draußen fatale Folgen.

„Wir können nichts dagegen tun. Er ist tot. Absolut tot. Es ist unumstößlich. Eindeutig und nicht mehr zu verändern. Wir müssen es akzeptieren. Wir müssen es verstehen, begreifen. Wir dürfen trauern, aber es macht keinen Sinn wenn wir unsere Energie mit Trauer verschwenden. Es bringt uns nicht weiter. Lass uns nach vorne sehen und versuchen daraus zu lernen,“ breche ich das Schweigen, stehe auf und nehme meine Tanja in die Arme. „Du hast recht,“ haucht sie leise und wischt sich eine Träne aus den Augen. „Ich werde jetzt weiter an den Sätteln arbeiten,“ sage ich. „Ich auch,“ antwortet sie mit festerer Stimme.

Um 13 Uhr 30 haben wir den ersten Funkkontakt mit Cowboy John. „Wie geht es euch?“ klingt es laut und deutlich aus dem Lautsprecher des Flying Doctor Radio. „Nicht so gut John. Wir hatten einen schreckliche Unfall. Max wollte über den Zaun und ist dabei gestorben.“ „Das tut mir wirklich leid Mate. Er hat sich anscheinend das Genick gebrochen?“ ,vernehme ich seine mitfühlende Stimme. „Ich weiß nicht, es könnte auch sein dass er an Schock oder Herzinfarkt gestorben ist.“ „Kann sein. Was macht ihr jetzt? Reichen euch sechs Kamele um die Expedition fortzusetzen?“ „Ich denke schon. Wir müssen einiges an Ausrüstung abspecken. Wir denken daran unser Ersatztelefon und den alten Ersatzlaptop zurückzulassen. Auch unser Kleinkalibergewehr und andere Dinge die wir nicht unbedingt zum Überleben benötigen.“ „Das ist gut. Hast du von Jo und Tom gehört?“ „Ja, wir hatten gestern Funkkontakt. Sie sind bis Freitag in Perth. Wir sollten am Samstag zur gleichen Zeit Kontakt aufnehmen.“ „Ja. Kann ich sonst irgend etwas für euch tun?“ „Nein danke. Wie geht es dir? Was macht das Pferdetraining?“ „No worrys Mate. Bei uns ist alles in Ordnung.” „Pass auf dich auf.“ „Werde ich tun.“ „Dann bis Samstag. Over an out,“ beende ich das Gespräch.

„Ich werde ab heute die Kamele wieder hüten. Ich fühle mich einfach besser dabei. Auch wenn es keinen Sinn zu machen scheint aber was ist wenn sich noch einer unsere Kinder in dem schrecklichen Zaun verfängt?“ ,sagt Tanja nachdem sie stundenlang mit sich hin und hergerungen hat ob die Kamele nachts wieder neben unserem Camp schlafen sollen oder nicht.

Wir sind erfreut als sie dann von selbst neben dem Lager auftauchen. Wir nutzen die Gelegenheit und führen sie zur Wasserstelle. Durstig saufen sie sich voll. Nachdem sie ihren Durst gestillt haben treiben wir sie wieder in unser Gehege. Plötzlich taucht ein Auto auf. Es ist Alex mit seinem alten Jeep. „Wo ist euer Siebter?“ ,ist seine erste Frage. Wir erklären ihm was geschehen ist worauf er sichtlich zu tiefst erschrickt. „Schafft ihr es mit sechs?“ „Ja, wir denken schon.“ „Es bleibt euch nichts anderes übrig als positiv zu denken. Tiere sterben hier draußen schnell. Hat er lange leiden müssen?“ „So wie es aussieht gab es keinen Überlebenskampf. Es sind keine Spuren im Sand zu sehen.“ „Es ist eigenartig mit Kamelen. Es ist nicht zum ersten Mal dass ich so etwas erlebe. Kamele scheinen manchmal einfach aufzugeben. Ich habe mal eine Kamelkuh von einem Anhänger laden wollen. Sie hat sich geweigert und einfach abgesetzt. Wir haben dann erst mal den anderen Anhänger entladen und als wir zurückkamen war sie tot. Sie hatte keine Verletzung.“ „Ja, ich habe auch schon öfter von solch einem schnellen Kameltod gehört.“ „Lasst euren Kopf nicht hängen,“ tröstet uns der Mann den wir in den letzten Monaten sehr zu schätzen und lieben gelernt haben.

Als er mit seinem Jeep wieder hinter einem der vielen Büsche verschwindet führen wir die Kamele zu unserem Lager. Wir binden sie bis auf Istan alle an verschiedene Bäume. Istan ist von einem enormen Herdentrieb geprägt, dass wir es wagen ihn frei laufen zu lassen. „Er wird es nicht wagen ohne seine Mates loszuziehen,“ meint Tanja. „Glaube ich auch nicht und wenn gibt es ja immer noch den Zaun. Hier drinnen können wir jetzt ausprobieren wen wir über Nacht anbinden und wen nicht.

“Am Abend wärmt uns ein Feuer. Es gibt Folienkartoffeln, Kürbis und Zwiebeln. Wir reden über den Tag, über den Sinn des Todes und ob wir etwas daraus lernen können. Unsere Gefühle sind hin und her gerissen. Wir können es immer noch nicht glauben und fragen uns immer und immer wieder nach dem Warum.

Als ich dann in meinem Schlafsack liege fühle ich mich wie erschlagen. Ich fühle mich verletzt und weiß, dass es Tanja nicht anders ergeht. „Ich glaube er hat nicht gelitten,“ unterbricht Tanja die Stille. „Ich auch nicht,“ antworte ich leise. Hooouuu! Hooouuu! Hooouuu zerreißt es die Luft. „Ob sie ihn jetzt schon fressen werden?“ „Keine Ahnung.“ „Da wo er jetzt ist geht es ihm bestimmt viel besser,“ höre ich Tanja leise.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 28 Etappe Drei

Sonnenaufgang:
07:21

Sonnenuntergang:
18:06

Temperatur - Tag (Maximum):
30 Grad / Nachts minus 3 Grad

Breitengrad:
22°54’44.5’’

Längengrad:
131°20’04.3’’