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Marcus & Shane, das Filmteam von ABC

Babbler Bore-Camp — 12.06.2002

Wir sitzen gerade am Feuer als wir ein Motorengeräusch hören. „Ob sie das schon sein können?“ ,frage ich verwundert. „Unmöglich,“ antwortet Tanja. „Ich sehe besser mal nach,“ sage ich, springe auf und renne in Richtung Wasserstelle. Tatsächlich sehe ich einen Jeep der in diesem Augenblick neben der Wasserstelle hält. Als die Insassen mich entdecken kommen sie auf mich zugefahren. Ich öffne das Gatter und lasse das Allradfahrzeug in die 1 × 1 Kilometer große Einzäunung fahren. Die Türen springen auf und Marcus Cheek von ABC steigt aus um mich zu begrüßen. „Ich kann es nicht glauben, ihr müsst ja geflogen sein,“ stelle ich überrascht, ihn schon um diese Zeit zu sehen, fest. „Bei dem Fahrstil von Shane ist das kein Wunder.“ „Wie lange habt ihr denn gebraucht?“ „Knapp vier Stunden.“ „Vier Stunden?“ Wir haben für die Strecke von Alice Springs bis nach New Haven mindestens Acht benötigt. Ist das Auto eine Rakete?“ „So kann man es auch nennen. Ich habe es gewagt ab und zu einen Blick auf den Tachometer zu werfen und festgestellt, dass wir im Schnitt 160 Sachen drauf hatten.“ „Was? Und das bei dieser furchtbaren Tanamaistraße mit all den Löchern und Bodenwellen? Gut das kein Reifen geplatzt und euch kein Kamel oder Rind vor den Kühler gelaufen ist.“ „Du musst dich nur richtig konzentrieren, dann passiert nichts. Die meisten Menschen fahren schnell und gewöhnen sich an die Geschwindigkeit. Wenn dann die Konzentration nachlässt geschehen die Unfälle,“ antwortet Shane freundlich lachend. „Komm steig ein wir fahren dich zum Camp,“ meint er worauf ich es vorziehe die paar Meter voraus zu eilen.

Marcus und Shane stellen sich als äußerst liebenswerte und sympathische Menschen heraus. Während Shane schon mit den Dreharbeiten beginnt möchte Marcus viele Fragen über unser Reise und Expeditionsleben beantwortet haben.

„Es ist schon ein hartes Land hier draußen. Was war denn die längste Zeit ohne Kontakt zur Zivilisation auf den letzten 4000 Kilometern?“ ,möchte er wissen. „Ich weiß nicht mehr genau, vielleicht zwei oder drei Monate. Aber das ist es nicht. Manchmal kann einem ein Tag wie ein Leben vorkommen und manchmal verfliegen Wochen wie im Flug. Weißt du, jetzt, in diesem Augenblick ist alles in Ordnung und wenn ihr weg seid kann das Unglück hereinbrechen. Ich meine damit, dass die Gefahr nicht immer mit der Entfernung von der Zivilisation zu tun hat oder mit der Einsamkeit sondern etwas mit dem Leben an sich. Menschen glauben immer wir leben ein gefährliches Leben… und ihr fahrt mit 160 Kmh über die Tanamai. Passieren kann überall etwas. Vielleicht hat es etwas mit dem Schicksal zu tun? Vielleicht gibt es aber auch eine Art Bestimmung? Ich glaube wenn du dran bist zu sterben dann bist du dran. Es ist natürlich wichtig mit seinem Leben vorsichtig und behutsam umzugehen. Es zu pflegen, zu beschützen, zu behüten und kein Schindluder mit dem Körper zu treiben. Ich meine damit, dass man nicht einfach sagen kann: Ach es ist sowieso Bestimmung also springe ich jetzt von der Brücke. Mir wird schon nichts geschehen und wenn ich tot bin war es Bestimmung. Das eigene Leben zu beschützen hat viel mit Verantwortung zu tun und wenn man diese übernimmt, egal wo man sich befindet, wird man es leben bis zu dem Zeitpunkt des bestimmten Todes. Das ist zu mindest für mich eine verständliche Theorie. Wichtig ist für uns vor allem das Leben im Augenblick zu leben. Wir haben hier in der Wüste schon viel gelernt und viel verstanden aber ehrlich gesagt gibt es noch viel mehr zu erforschen und zu erlernen,“ erkläre ich.

„Habt ihr auch hier draußen den zerstörerischen Einfluss des Menschen feststellen können?“ „Hm, ja leider. Nicht selten stoßen wir auf ein altes verrostetes Auto, auf verrostete Stacheldrahtzäune, Windräder, verlassene Homesteads, unzähligen Flaschen, Ölreste und anderem Zivilisationsmüll den Menschen achtlos auf die Haut der Mutter Erde werfen. Es ist wirklich traurig zusehen. Ich glaube, dass der Mensch mit der Erde so umgeht wie mit sich selbst. Schau doch mal auf die Dinge die du persönlich jeden Tag isst. Hast du schon mal auf die Verpackung gesehen was da alles für künstliche Zusätze drin sind? Unser Verhalten spiegelt sich auch in unserer Essenweise wieder. Deswegen kann man auch sagen, alles hängt zusammen, wir, du, die anderen, die Erde, wie wir damit umgehen und welche Konsequenzen sich daraus für jeden persönlich entwickeln.

Aber wir wollen nicht nur über die negativen Geschehnisse berichten sondern auch über die Schönheit der Natur, über die Schönheit dieses traumhaften Ortes wie Babbler Bore. Es ist gut, dass diese Station bald ein Vogelschutzgebiet wird. Die Tiere benötigen dringend solche Rückzugsgebiete. Aber auch wir Menschen benötigen dringend solche noch sauberen, noch unzerstörten Flecken. Es sind nicht nur Nationalparks und Rückzugsgebiete für Tiere sondern auch für uns Menschen.“

„Unternehmt ihr auch aus diesem Grund eine 30 Jahre lange Reise? Ich meine um den Menschen über eure gemachten Erfahrungen zu berichten?“ „Hauptsächlich sind wir auf Reisen weil es uns tiefe Befriedigung verschafft, also viel Freude bereitet. Aber es ist für uns mittlerweile wichtiger denn je für die Menschen eine Brücke zu bauen. Eine Brücke zu andere Völker, ihre Lebensräume, die Natur, das Outback, die Wüsten, den Dschungel und die Ozeane. Ich denke es ist wichtig unsere tiefgehenden Erlebnisse anderen zu vermitteln. Interessant ist wiederum das uns genau diese Aufgabe die notwendige Energie gibt immer weiterzumachen. Nicht aufzugeben und an unseren Zielen festzuhalten. Auch hier erleben wir wieder, dass wir alle miteinander verbunden sind. Das auch unser leben einen tieferen Sinn in sich birgt und darüber sind wir sehr froh.

“Noch viele Fragen beantworten Tanja und ich hier im Herzen des Outback. Ungewöhnlich sieht die große Filmkamera neben dem leicht rauchendem Campfeuer aus. Moderne Technik und westliche Zivilisation treffen auf die Gegenwart der roten Erde.

Wir unterhalten uns noch lange nach dem Interview über das Leben, den Sinn und darüber das Shane bald seinen Traum verwirklichen wird, um mit seiner Frau auf einer Rennyacht um die Welt zu segeln.

Am Nachmittag verabschieden wir uns von dem Filmteam. Kaum sind sie verschwunden setzen wir unsere Sattelreparatur und Expeditionsvorbereitungen fort.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 27 Etappe Drei

Sonnenaufgang:
07:21

Sonnenuntergang:
18:06

Temperatur - Tag (Maximum):
30 Grad / Nachts minus 3 Grad

Breitengrad:
22°54’44.5’’

Längengrad:
131°20’04.3’’