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Erster Tag am Babbler Bore Camp

Babbler Bore-Camp — 10.06.2002

Wie die Wiesel laufen wir herum, um die letzten Tätigkeiten abzuschließen. Schnell schnitze ich noch Kerben in zwei Sattelstöcke und lade den Rest auf den Lastwagen. Tanja füllt noch mal 10 Zehnlitersäcke mit Wasser und räumt den Atco auf den wir die letzten drei Wochen nutzten, um bis dahin die Expedition vorzubereiten. Es ist 11:00 Uhr als der LKW die Homestead in Richtung Babbler Bore verlässt. Weil die Ladefläche weit über den Rand hinaus gepackt ist befinde ich mich zwischen all den Gütern. Aufmerksam überwache ich die Ausrüstung damit bei der Fahrt nicht irgend ein wichtiges Teil verloren geht.

Mittags beziehen als wir unser altes Camp, welches wir letzten Dezember erreichten. (Tagebuchübersicht vom 27.11.01 Tag 165 Etappe Zwei) „Schau mal, selbst der Fleck an dem unser Zelt stand ist unverändert,“ sagt Tanja. „Ja, und das Wasserfass welches uns Alex brachte steht noch immer da,“ füge ich hinzu und bin froh endlich wieder hier zu sein. „Ich habe mir schon gedacht wo dieses Fass geblieben ist. Hatte es glatt vergessen,“ meint Alex grinsend. „Ich werde nun mit ein paar Volontären, die sich schon an der Wasserstelle befinden, den Zaun reparieren. Kommt ihr mit dem Abladen alleine zurecht oder benötigt ihr Hilfe?“ „Nein, vielen Dank, das schaffen wir schon,“ antworten wir und beginnen die gesamte Ausrüstung von der Ladefläche zu heben und das Camp aufzubauen.

Nachdem unser Zelt steht, die Feuerstelle ausgehoben, die Lebensmittelsäcke und alles was nicht zu warm werden darf im Schatten verstaut und mit einer Silberschutzfolie überzogen ist, suchen wir Alex und die Volontäre auf. „Können wir euch beim Zaunflicken helfen?“ ,fragt Tanja. „Wie ihr seht ist er schon repariert, antwortet Peter. „Oh, vielen Dank,“ sagt Tanja, denn Alex und seine Helfer haben den Zaun mehr oder weniger für uns wieder instand gesetzt. Alex hat uns vorgeschlagen unsere Kamele in der Falle zu fangen und dann in das 1 × 1 Kilometer große Gehege zu führen, dessen Umzäunung gerade wieder steht. „Dort sind eure Jungs von den wilden Bullen ungestört und ihr habt keine Arbeit sie jeden Tag zu hüten. Es gibt genügend Futter da drin und wenn ihr sie braucht ist es einfach sie zu finden.“ Wir sind froh über diesen genialen Vorschlag, denn auf diese Weise können wir ungestört die restlichen Vorbereitungen und Sattelreparaturen durchführen. Wir unterhalten uns gerade mit unseren Helfern als wir unseren Augen kaum trauen. „Mensch das ist doch Sebastian und Jafar!“ ,ruft Tanja freudig erregt auf die Wasserstelle deutend. „Istan und Jasper sind auch dabei!“ ,stelle ich fest und wie auf Kommando rasen wir los, um das Tor der Wasserstelle zu schließen. Wir kommen gerade noch rechtzeitig und können unsere Jungs vor der Flucht stoppen. Sofort geht Tanja zum Camp zurück, um Nasenleinen, Nackenseile, Hoppeln, Glocken und Halfter zu holen während ich versuche die Tiere in eine anderes Gehege zu treiben.

Ohne weiteren Zwischenfälle können wir Sebastian, Istan und Jafar die Halfter überstreifen, die Glocken anziehen und die Hoppeln anlegen. „Es ist schon erstaunlich wie zahm sie nach so vielen Monaten Freiheit sind,“ meint Tanja Jafar streichelnd. „Ich weiß nicht ob es erstaunlich ist. Wer weiß welches Zeitgefühl sie haben. Vielleicht war es für sie erst gestern als wir sie in ihre wohlverdienten Ferien entließen. Jo hat uns doch schon oft erzählt das Kamele nach einer Pause meist besser arbeiten. Aus menschlicher Sicht betrachtet finde ich es allerdings auch erstaunlich wie lieb sie sind. Offensichtlich mögen sie uns. Wahrscheinlich haben sie sogar Lust auf Arbeit und wer weiß, vielleicht war es ihnen ja langweilig,“ sage ich nachdenklich. „Jasper hat sich jedoch nicht geändert. Er möchte nichts von seinem Halfter wissen. Mich graust es schon ihn morgen fangen zu müssen. Was glaubst du, sollten wir ihn wie beim Kamelzusammentrieb in das kleine Gehege treiben?“ „Ich glaube das ist eine gute Idee. Mach dir nicht zu viele Gedanken. Wenn er sich nicht fangen lässt werde ich ihn mit dem Lasso bekommen. Auf Anna Plains (Tagebuchübersicht vom 02.05.01 Etappe Zwei) war er noch wild und wir haben es geschafft ihn zu bändigen.“ „Du hast recht. Komm lass uns ins Camp zurückgehen. Alex hat gesagt wir sollen es wegen den Dingos nicht zu lange alleine lassen.“ „Okay,“ antworte ich , worauf wir gut gelaunt Hand in Hand zum Lager zurücklaufen.

Später sitzen wir an unserem Campfeuer und beraten über die nächsten Tage. „Was glaubst du wie lange wir noch für die Sättel benötigen?“ ,will Tanja wissen. „Keine Ahnung. Ich glaube nicht, dass wir es bis zum Sechzehnten schaffen. Ich muss noch fünf Sattelrahmen austauschen und für einen benötige ich mindestens einen gesamten Tag. Natürlich wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommt.“ „Wie viele Kilometer sind es bis zur Ostküste?“ „Nach meinen Berechnungen sind es ca. 2500 Kilometer.“ „Wir werden in den Sommer und die Regenzeit kommen.“ „Hm, ich weiß.“ „Kann uns die Regenzeit auch an der Ostküste gefährlich werden?“ „Ja natürlich. Das weißt du doch.“ „Wir sollten uns noch mehr beeilen.“ „Klar, aber mehr als von Sonnenauf- bis Untergang können wir nicht arbeiten.“ „Na ja, wir werden es schon schaffen.“ „Ich bin davon überzeugt.“ „Was hältst du davon wenn wir heute auf unseren Campliegen schlafen? Der Frost der letzten Tage hat die Moskitos anscheinend vernichtet.“ „Eine gute Idee,“ antworte ich noch etwas Holz nachlegend.

Auf der ersten Etappe litten wir noch um 12:00 Uhr nachts unter über 40 Grad Bodentemperatur. Damals hatte ich das Gefühl in einer Sauna ohne Tür ins rettende Freie gekocht zu werden. (Tagebuchübersicht vom 02.10.00 Tag 144 Etappe Eins) Unsere Isolationsmatten konnten gegen die gewaltige Hitze nichts mehr ausrichten und wir lebten einen ständigen Alptraum. Aus diesem Grund empfahlen uns Jo und Tom zusammenfaltbare, leichte Campbetten die uns zumindest 30 oder 40 Zentimeter über den Wüstenboden schlafen lassen sollten. Leider konnten wir die Betten bis heute wegen den Moskitos nie nutzen. Durch die stärksten Regenfälle seit 200 Jahren hatten sich im Outback West und Zentralaustralien riesige Seenlandschaften und Sumpfgebiete gebildet die Millionen von Moskitos den notwendigen Nährboden boten. (Tagebuchübersicht vom 04.10.01 Tag 111 Etappe Zwei)

Um uns vom Bodenfrost zu schützen legen wir die aufblasbaren Isolationsmatten auf die Campbetten, breiten unsere Schlafsäcke darauf aus und haben auf diese Weise ein wunderbares Bett im Freien. „Wir müssen unsere Schuhe wegen den Dingos in den Baum hängen,“ warne ich. „Meinst du sie werden ins Camp kommen?“ „Ohne Zweifel,“ antworte ich und hänge die Schuhe an einem abgestorbenem Ast neben unserer Schlafstelle. Müde steigen wir dann auf die mit Segeltuch bespannten Aluminium Gestelle und schlüpfen in den wärmenden Schlafsack. „Unglaublich wie schön die Sterne sind.“ „Ja, noch viel klarer als durch das Moskitonetz. Es war ein fantastische Idee von dir nicht mehr im Zelt zu schlafen,“ sage ich leise und zufrieden das Himmelsgewölbe beobachtend. „Meinst du Max, Edgar und Hardie werden morgen kommen?“ „Schon möglich. Mich wundert es sowieso warum sie nicht zusammen waren.“ „Ich freue mich auf sie und vor allem darauf mit Max wieder schmusen zu können.“ „Hm, ich auch. Hoffentlich macht sich Max diesmal besser als auf der letzten Etappe. Weißt du noch was er für ein dickes Teddybärfell hatte als Jo und Tom ihn in die Wüste brachten?“ „Wie könnte ich das vergessen.“ „Ich glaube das Fell und sein schlechter Trainingszustand war die Ursache für seinen Zusammenbruch auf dem letzten Querfeldeinmarsch.“ (Tagebuchübersicht vom 18.11.01 Tag 156 Etappe Zwei) „Kann schon sein,“ antwortet Tanja kaum noch hörbar. „Durch die guten Sättel und die gut herausgefressenen Kamele werden wir keine Schwierigkeiten mit der Ladung mehr haben. Es wird diesmal bestimmt einfacher. Meinst du nicht auch?“ ,frage ich, doch Tanja lebt bereits in ihrer eigenen Traumwelt worauf ich mich damit begnüge die ewig schönen Sterne zu genießen.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 25 Etappe Drei

Sonnenaufgang:
07:21

Sonnenuntergang:
18:06

Temperatur - Tag (Maximum):
30 Grad / Nachts minus 3 Grad

Breitengrad:
22°54’44.5’’

Längengrad:
131°20’04.3’’