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Zwei aufeinander treffende Kulturen

New Haven-Camp — 05.06.2002

Ich bin gerade im Werkzeugschuppen, um die Rinde von meinen gesammelten Mulgahölzer zu schnitzen und sie auf die richtige Länge zurecht zu sägen, als drei Jeeps angefahren kommen. Es ist die Gesandtschaft die zwei verschiedene Aboriginestämme dieser Gegend vertreten. Einige der älteren Männer steigen aus und begrüßen Alex. Auch April steht in der Gruppe und lacht zu uns rüber. Ein Anthropologe mit langen Zopf und völlig verschlissenem Hemd ist ihr rechtlicher Vertreter. Er ist derjenige der die Versammlung organisiert hat und dafür verantwortlich die Interessen der Urvölker hier draußen schriftlich festzuhalten und umzusetzen.

Alex stellt sich vor und erzählt den Menschen vom Verkauf dieser Station an Birds Australia. „Ich kenne dich!“ unterbricht ihn ein alter Mann freundlich lachend. Alex führt seine Erklärung ebenfalls freundlich fort. „Es geht uns darum, dass ihr uns erzählt ob der Berg dort drüben eine Traumgeschichte hat oder der Salzsee südlich von hier. Ich zeige euch die von uns ausgewählten Wege, Rast und Campplätze und ihr erzählt uns ob es heilige Stätte sind oder nicht. Ich fahre jetzt voraus und ihr folgt mir. Wir wollen unter keinen Umständen das die kommenden Touristen eure Plätze entweihen,“ endet er seine kurze Ansprache worauf die Aborigines wohlwollend lachen. Bevor die Abgesandten auf ihre Erkundigungsfahrt gehen habe ich noch die Möglichkeit mit April zu sprechen. Schnell laufe ich zu ihr und frage nach ihrer Verbrennung. „Vielen Dank für eure Hilfe. Es hat noch ein wenig gebrannt aber jetzt geht es mir sehr gut,“ antwortet sie mit ihrer hellen, freundlichen Stimme. Ich sehe mir noch ihre Beine an und bin zufrieden keine einzige Brandblase zu entdecken. „Vielleicht treffe ich euch später,“ ruft April sich verabschiedend und steigt in den Jeep. Wenige Minuten danach verschwinden die Autos in einer Staubwolke.

Am späten Nachmittag, als ich immer noch mit dem Schnitzen meiner Sattelstiele beschäftigt bin taucht der Konvoi wieder auf. Auch Tanja kommt vom Zusammentreiben der wilden Kamele zurück. Sie hat mich heute wieder vertreten. Nach ihrem kurzen Bericht ist an diesem Tag alles reibungslos verlaufen.

„Sollen wir Alex etwas zu Essen bringen?“ ,fragt Tanja. „Klar,“ antworte ich. Es ist schon stock finster als wir zur Wohnscheune laufen. „Abendessen!“ ,rufe ich. „Kommt nur herein,“ antwortet uns seine Stimme. Quietschend öffnet sich die halb verfallene Holztür des Wellblechschuppen. Eine diffuse Glühbirne, durch eine Batterie gespeist, beleuchtet den staubigen großen Raum. Alex freut sich über den leckeren Eintopf. „Wie ist es mit den Aborigines gelaufen? Konnten sie euch das Okay für die Toilettenplätze und all die anderen Gebiete geben?“ ,frage ich interessiert. „Ah, es ist eigentlich recht gut gewesen. Wisst ihr, am Anfang sagen die Aborigines zu allem ja. Das Wort Nein existiert in ihrer Sprache so gut wie nicht. Hinterfragt man dann die jeweilige Situation mehrfach und möchte eine genaue Antwort, beginnen sie sich zu winden und plötzlich ist es für sie nicht leicht eine klare Entscheidung zu treffen. In unserem Fall lief erst mal alles hervorragend. New Haven gefällt ihnen sehr gut. Sie haben gesagt das der Hügel nördlich von hier eine Traumgeschichte hat aber das ist kein Problem. Auch haben sie bei allen Toiletten- und Campplätzen zugestimmt und waren recht glücklich bis plötzlich diese Unsicherheit aufkam. Nun, nach einem längeren Gespräch hat sich jetzt herausgestellt, dass sie nicht in der Lage sind eine wirkliche Entscheidung zu treffen. Es fehlen einige der Älteren die unbedingt befragt werden müssen. Der Anthropologe muss also ein weiteres Treffen vereinbaren und sie werden in einer Woche noch mal kommen. So Gott will.“ „Kann es sein, dass ihr wieder mehrere Wochen auf die nächste Gesandtschaft warten müsst?“ ,frage ich erstaunt. „Wer weiß, leicht möglich.“ „Wer zahlt denn das gesamte Aufgebot an Autos und Menschen?“ „Der jenige der den Rat fragt. In dieser Situation Birds Australia.“ „Was kostet denn so etwas?“ „Es kostet 125 Dollar pro Person.“ „Was, 125 Dollar? Soll das heißen das heute jeder der anwesenden Aborigines 125 Dollar bekommt?“ „Genau.“ „Und wenn sie nächste Woche in noch größerer Zahl erscheinen, müsst ihr dann wieder für jeden Anwesenden den gleichen Betrag bezahlen?“ „Ja, auch wenn sie dann wieder zu keiner Entscheidung kommen.“ „Es ist also nicht nur zeitaufwendig sondern auch noch sehr teuer?“ „Hm, und keiner weiß ob wir den Vogelpark rechtzeitig eröffnen können. Es ist nämlich möglich, dass die Aborigines uns hier draußen ein Okay geben aber der Schriftliche Antrag aus für uns dann unersichtlichen Gründen abgelehnt wird. Aber wer hat schon gesagt dass das Leben leicht ist,“ antwortet er leicht seufzend. Wir unterhalten uns noch den gesamten Abend über die ursprünglichen Besitzer Australiens, deren Lebensweise und den großen Schwierigkeiten der Verständigung zwischen den beiden aufeinander treffenden Kulturen.

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Tag: 20 Etappe Drei

Sonnenaufgang:
07:20

Sonnenuntergang:
18:07

Temperatur - Tag (Maximum):
30 Grad

Breitengrad:
22°43’24.2’’

Längengrad:
131°10’00.0’’