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Eine schreckliche Entdeckung

New Haven-Camp — 28.05.2002

Von meinen 16 Mulgastöckchen sind leider nur 10 verwendbar. Die anderen sind zu krumm, haben zu viel Astlöcher oder nicht die richtige Stärke. „Komm Rufus du alter Faulpelz,“ rufe ich ihn, der es sich neben Tanja bequem gemacht hat und ihr beim Sattelnähen zusieht. Wie eine Rakete schießt er zu mir und hüpft in sein über alles geliebtes Auto. Wenige Minuten später befinden wir uns wieder am Fußende des Hügelzuges. Wie ein Schatzsucher streife ich durch den Busch und freue mich über jedes Bäumchen. „Tut mir leid aber du wirst  in Zukunft ein wichtiges Teil unserer Packsättel sein,“ entschuldige ich mich bei den Mulgas wenn ich ihnen mit meinem Beil zu Leibe rücke. Immer wieder muss ich heute meine Arbeit unterbrechen. Seit heute Morgen empfinde ich wieder leichte Schwindelgefühle. Entsetzt über diese Tatsache, dass dieses Übel, worunter ich schon während der letzten Etappe enorm gelitten habe plötzlich wieder auftritt, lehne ich mich an einen der Bäume. (Tagebuchübersicht 14.10.01 Tag 121 / 24.10.01 Tag 131 / 05.11.01 Tag 143) Süßstoff kann es diesmal nicht sein, denn nach unseren Erfahrungen der Durchquerung der Great Sandy- und Gibsonwüste war es dieser verdammte chemische Zusatz in unseren Magnesiumtabletten der mir durch schreckliche Schwindelanfälle das Leben zur Hölle werden lies. Diesmal haben wir akribisch genau darauf geachtet nichts mit Süßstoff in unserer Lebensmittelkette mitzuführen und trotzdem ist mir ganz schwummrig zu Mute. Ob es der Wein von gestern Abend war? Kann ich mir aber nicht vorstellen, denn ich habe nicht viel davon getrunken. Ich nehme mir die Sonnenbrille ab und blicke durch das dichte Geäst über mir. Wenn ich hier von einer Kreislaufattacke bewusstlos zusammenbreche kann mir nicht mal das Walkie Talkie helfen. „Na ja, so schlimm ist es auch nicht. Jetzt reiß dich zusammen,“ sage ich zu mir selbst und mache mich auf weitere der raren Bäumchen zu suchen.

Am Nachmittag holen uns unsere gestrigen Gastgeber wie vereinbart von unserem Camp ab, um nach Babbler Bore zu fahren. Hennie, Bill, sein Bruder Joop und Ross sind auch mit dabei. Keiner der anwesenden freiwilligen Helfer möchte sich die Chance entgehen lassen nach bald fünf Monaten Pause unsere Jungs zu sehen. Mit drei Jeeps fahren wir auf dem Haupttrack in Richtung Osten. Plötzlich springt uns ein Dingo vor die Autos und rast in panischer Flucht voraus. Bill, der den kleinen Konvoi mit seinem Allradfahrzeug anführt, verringert die Geschwindigkeit, um dem Dingo die Möglichkeit zur Flucht zu lassen, doch er bleibt auf der Erdpiste. Rufus, der aus Platzgründen bei Bill im Toyota ist, bellt wie ein Verrückter. Er rast wie besessen von Fenster zu Fenster, um den Dingo anzubellen. Da wir dem Toyota dicht folgen sehe ich wie sich Hennie, Bill und Joop die Ohren zuhalten, um das laute Gebell von Rufus ertragen zu können. Der Dingo lässt sich von dem Motorenlärm und dem Kläffen nicht davon abbringen seine Flucht auf der Piste fortzusetzen obwohl im links und rechts Hunderte von Kilometer Buschland zu Verfügung stehen. Auf diese Weise habe ich das erste Mal während unserer Australiendurchquerung die Möglichkeit dem schönen Wildhund genauer zu beobachten. Er ist etwa so groß wie Rufus und goldbraun. Ausdauernd, ohne die Anzeichen von Müdigkeit, rast er nach etwa zwei Kilometer immer noch vor uns her. Sein schlanker, muskulöser Körper bewegt sich in einem gleichbleibenden eleganten Rhythmus bis er sich endlich entscheidet der rollenden Übermacht hinter sich Platz zu gewähren und in die dichten Büsche springt.

Nach etwa 15 Kilometer biegen wir in Richtung Süden auf einen schmalen Buschweg ab. Ein großer Kamelbulle steht neben dem Wegrand und beobachtet uns ohne die geringste Angst zu zeigen. Ross hält seinen Allrad an, um ein paar Bilder zu schießen. „Du wirst später noch viel bessere Gelegenheiten haben,“ tröste ich ihm weil die grelle Sonne direkt hinter dem mächtigen Tier steht und so die Aufnahmen überbelichtet.

DAS GATTER

Als wir Babbler Bore erreichen entdecken wir drei ausgewachsene Bullen in dem Gehege in dem sich die Wasserstelle befindet. Ich gehe voraus, um die Tore zu prüfen die den Zugang zu den Wasserstellen verschließen oder offen halten. „Mein Gott! Tanja!“ ,rufe ich entsetzt. „Was ist?“ ,höre ich ihre Antwort von Ferne in meinen Ohren wiederhallen. „Das Haupttor ist offen! Unsere Jungs können hier leicht ausgebüchst sein!“ „Oh nein!“ ,antwortet sie und kommt in einem wilden Sprint angerast. „Tatsächlich, wie konnte denn das geschehen?“ ,fragt sie entsetzt. „Keine Ahnung. Komm lass uns das Tor untersuchen,“ antworte ich und betrachte es mir aus unmittelbarer Nähe. „Da sieh dir das an. Die Schweißnaht der Kette ist aus dem Metallgatter gerissen.“ „Bullenkampf,“ flüstert Tanja leise, worauf uns ein Funken von Panik befällt. „Du hast recht, hier haben gewaltige Kräfte geherrscht. Einer der Kamelbullen muss dagegen gerannt sein und hat die schwere Metallkette aus dem Stahl gerissen,“ sage ich ebenfalls leise aber mit einem Beben in der Stimme. „Ob unsere Jungs die Chance nutzten und hier herausgelaufen sind?“ „Keine Ahnung. Es kommt darauf an wann sie das letzte Mal da gewesen sind, um Wasser zu saufen. Vielleicht haben wir Glück und sie haben das offene Tor noch gar nicht bemerkt?“ ,meine ich unsicher. „Was glaubst du? Wenn sie hier raus sind ob wir sie dann wiederbekommen?“ So weit ich weiß sind sie nicht verloren. Dieses Gehege ist 22o Quadratkilometer groß und ebenfalls eingezäunt. Es kommt darauf an in welchem Zustand der Zaun ist,“ erkläre ich. „Ob Alex den Zaun prüft?“ „Ich glaube nicht. Soweit ich weiß überprüft er nur den Zaun des Geheges wo unsere Jungs und die Kamele von Jürgen und Birgit drin sind. Außerdem ist der Zaun dieses 220 Quadratkilometer großen Geländes nur hüfthoch. Wir wissen ja beide, dass dies für Sebastian keine Herausforderung ist um einfach darüber zu steigen.“ „Hm, lass uns erst mal nachsehen ob sie noch da sind. Noch ist nicht aller Tage Abend,“ antwortet Tanja etwas zuversichtlich. Bill, der einen Teil unserer Unterhaltung mit angehört hat, meint: „Abgesehen davon haben sie Durst. Selbst wenn sie ausgerissen sind werden sie zur Wasserstelle zurückkommen.“ „Nicht unbedingt Bill. Kamele sind nicht territorial. Es sind Nomaden die in einer einzigen Nacht 70 oder 80 Kilometer weit gehen können. Es kann durchaus sein, dass sie in so einer Entfernung eine andere Wasserstelle finden. Aber du hast recht. Wir gehen in dieser Situation vom schlimmsten Fall aus. Nur…“ ,sage ich grübelnd nach einer kurzen Redepause. „Selbst wenn sie sich noch in diesem riesigen Gelände befinden kann es ewig dauern bis wir sie wiederhaben.“

John gibt mir kommentarlos ein Stück Draht, um das Gatter zu verschließen. Ich nehme es im Gedanken versunken und wickle es mehrfach um die zwei Tore. Alle Anwesenden sind mittlerweile etwas betroffen. Keiner hat damit gerechnet das unser Besuch bei den Kamelen plötzlich so eine tragische Wende nimmt. „Wir sollten in das Gehege fahren, um die Zäune zu prüfen. Vielleicht haben wir ja Glück und begegnen unseren Jungs,“ sage ich worauf sich die Volontäre zu ihren Autos begeben.

Am Ende der 4 × 4 Kilometer großen Umzäunung öffne ich das einfache Tor. Nachdem die drei Fahrzeuge hineingefahren sind schließe ich es wieder sorgfältig. „Lass uns an dem Zaun entlang fahren, um zu prüfen ob er in Ordnung ist,“ sage ich zu Ross, worauf sich unsere kleine Autogruppe wieder in Bewegung setzt. „Wofür sind denn die Coladosen am oberen Zaundraht?“ fragt Ross nach einer Weile. „Jürgen und Birgit haben herausgefunden, dass sie mit diesem simplen Trick die wilden Kamelbullen vom Zaun fernhalten können. Die Dosen glitzern in der Sonne und geben durch dem Wind eigenartige Geräusche von sich. Das mögen die wilden Tiere, die von hier aus der Wüste kommen, nicht.“ „Wer sind denn Jürgen und Birgit?“ „Die zwei Wissenschaftler die hier seit vielen Jahren das Verhalten der wilden Kamele studieren.“ „Ach ja, habe von ihnen mal einen Film von BBC gesehen,“ antwortet er. Am Ende der ersten zwei Meter hohen Zaunlänge befindet sich ein Tor, dass die wilden Kamelhengste vor vielen Jahren einmal aufgebrochen haben. Als wir es erreichen erkläre ich Ross, dass hier schon mal alle Kamele der beiden deutschen Wissenschaftler durch das zerstörte Gatter ausbrechen konnten. „Woran grenzt denn dieser Zaun?“ „An der Endlosigkeit des Outback oder genauer gesagt an der Gibson Wüste,“ erkläre ich. „Wenn eure Jungs hier ausbrechen würden wären sie dann für immer verloren?“ „Genau. Von hier geht es ca. 1700 Kilometer durch die Gibson und dann durch die Great Sandy Wüste bis zur Westküste. Kein Zaun hält die Tiere hier mehr auf. Wenn sie wollten könnten sie direkt bis zum Strand laufen und dann ein Bad im Indischen Ozean nehmen.“ „Und da draußen leben keine Menschen?“ ,fragt Ross mit respektvollem Unterton. „Bis auf ein paar Aboriginegemeinschaften gibt es kein menschliches Leben.“ „Und ihr habt die Wüsten alleine durchquert?“ „Ja,“ antworte ich und sehe in Richtung Westen in die ewige Buschlandschaft die urplötzlich viele Erinnerungen hervorbringt. „Das wäre nichts für mich,“ sagt Ross nach einigen Minuten des Schweigens. „Es ist ein hartes Leben da draußen aber zur gleichen Zeit unendlich schön.“ „Hm,“ antwortet er etwas ungläubig worauf wir wieder Schweigen. Die Zaunpfosten flitzen an uns vorbei. Zufrieden sehe ich, dass der Zaun bisher unversehrt ist. Wir haben gerade die Hälfte der 17 Kilometer abgefahren als sich vor uns etwas Bräunliches zeigt. „Sind das Kamele da vorne?“ „Wenn es kein Termitenhügel ist könnten es welche sein,“ antworte ich und spüre wie sich mein Pulsschlag erhöht.

Als wir uns bis auf hundert Meter genähert haben lasse ich Ross anhalten. Ich steige aus und laufe nervös auf eine Kamelgruppe zu. Ist das da hinten Hardie? Oh Gott lass es Hardie sein. Bitte, bitte, bitte. Der sieht aus wie Sebastian. Wenn er einen Nasenpflock hat ist es Sebastian. Noch bin ich zu weit entfernt, um die mir so vertraute Fellzeichnung, Farbeschattierungen, Merkmale von Größe und unterschiedliche Verhaltensweisen beim Gehen der einzelnen Tiere erkennen zu können. Hastig aber nicht so schnell, um die Kamele bei meinem Erscheinen nicht zu vertreiben, schreite ich voran. Tanja folgt und ist nur etwa 50 Meter hinter mir. „Ja! Ja! Ja! Der dort hinten ist eindeutig Hardie! Und das da vorne ist Sebastian!“ ,rufe ich vor explodierender Freude aus. „Ich habe sie auch schon erkannt,“ höre ich Tanja antworten. Jetzt sehe ich auch Jafar und Istan. „Kannst du Max erkennen?“ ,frage ich Tanja die jetzt neben mir steht. „Kann es sein das es der dort ist?“ ,antwortet sie auf ein riesiges Kamel deutend. „Unmöglich, Max ist doch viel kleiner,“ meine ich, doch als wir näher kommen trifft mich fast der Schlag. Max ist während unserer Abwesenheit geradezu unglaublich gewachsen. Sein Fell hat nichts mehr mit einem zotteligen Teddybär gemeinsam. Sein Körper ist stark und geradezu riesig. Auch sein Höcker ist nicht mehr so ein fettiges wackeliges Ding sondern wohl geformt und kräftig wie ein Berg.

Jafar erkennt uns und kommt sofort auf uns zugelaufen. Unsere Herzen schlagen höher vor Freude als er uns die mitgebrachten Mohrrüben aus der Hand frisst. Tanjas Gesicht strahlt vor tiefer Zufriedenheit und streichelt unseren treuen Gefährden über den Nasenrücken.

„Ihr könnt kommen!“ ,rufe ich unseren Begleitern zu die in respektablem Abstand warten. Bullluuubullluuubbb!… Bullluuubullluuubbb!… Bullluuubullluuubbb! ,ertönt es plötzlich hinter uns. Sofort drehe ich mich um und sehe den wilden, brunftigen Kamelhengst von dem uns Jürgen und Birgit schon berichtet haben. „Eure Herde wird von einem unserer Bullen bewacht. Er denkt es ist seine Herde,“ haben sie uns gesagt als wir sie in Alice Springs kurz nach unsere Ankunft besuchten. Wir wissen, dass er nicht unbedingt gefährlich ist wenn wir uns ihm nicht all zu sehr nähern. Respektvoll behalte ich ihm im Auge. „Ihr braucht keine Angst zu haben aber es wäre gut wenn ihr in unserer Nähe bleibt,“ sage ich zu unseren Gästen. „Husch down Jafar!“ ,befehle ich ihm worauf er sich sofort absetzt als hätte er erst gestern sein letztes Kommando zum Absetzen bekommen. „Ihr könnt ihn jetzt streicheln. Er ist ein guter Junge und beißt nicht,“ sage ich zu Hennie, Bill und Joop die ihn sofort ausgiebig am Kopf kraulen. Istan sieht der Sache nur ein paar Sekunden zu bis er sich überlegt mit von der Partie zu sein. Er schiebt seinen schweren Körper langsam heran, senkt seinen großen Kopf und möchte ebenfalls gestreichelt werden. Selbst Hardie und Sebastian können sich nicht mehr halten und sind willkommen im Krabbel- und Streichelclub. Max beginnt sogar regelrecht zu sabbern als ihm Tanja ausgiebig an seiner Brust massiert. Nur Edgar und Jasper, unsere zwei Jungs die wir erst auf Anna Plains Station trainierten, sind schüchtern. Sie laufen zwar nicht davon, sehen sich das Ganze aber lieber aus 10 Meter Abstand an.

„Wer sind denn die beiden da drüben?“ ,fragt Liz. „Das sind zwei Weibchen die sich unserer Gruppe offensichtlich angeschlossen haben,“ antwortet Tanja lachend vor Freude. Es ist ein ausgesprochen glücklicher Augenblick für uns und die Helfer und Besucher des zukünftigen Vogelschutzgebietes welcher mit Worten kaum zu beschreiben ist. Viele Bilder werden fotografiert und unsere Kamelfamilie bekommt ausreichend Zuneigung. Selbst der blubbernde Kamelbulle scheint sich mit unserer Anwesenheit abzufinden und beginnt wieder zu fressen.

Eine Stunde später setzt sich unser Konvoi wieder in Bewegung, um die andere Hälfte des Zaunes auf eventuelle Schäden zu prüfen. „Da ist euch aber ein Stein vom Herzen gefallen,“ sagt Ross mich anlächelnd. „Das kannst du laut sagen. Erst letztes Jahr haben wir kurz vor Beginn der Etappe Zwei alle 7 Kamele verloren weil ein Farmarbeiter das Gatter offen lies. Es hat Wochen gedauert bis der Stationmanager unsere Jungs etwa 80 Kilometer von der Homestead entfernt entdeckte. Als ich heute Nachmittag das offene Tor sah ist mir fast schlecht geworden, denn mit dem Verschwinden unserer Tiere ist das vorzeitige Ende unserer Expedition besiegelt. Es würde uns um ein weiteres Jahr zurückwerfen. Wir müssten neue Tiere trainieren und ich glaube nicht, dass ich zu diesem Zeitpunkt die Nerven und Geduld dafür hätte.“ „Kann ich verstehen. Ist schon aufwendig so eine Expedition.“ „Verdammt aufwendig,“ sage ich der untergehenden Sonne entgegenblickend.

BABBLER BORE VERWANDELT SICH ZUM PARADIES

Als wir wieder an Babbler Bore ankommen stellen wir die Autos ab, um die einmalige Sonnenuntergangsstimmung zu beobachten. Kaum ein Wort wird gesprochen als sich eine Rinderherde nähert, um sich an der Wasserstelle voll zu saufen. Da die Tiere schon seit Jahren nicht mehr eingetrieben, kastriert, markiert und aussortiert wurden sind sie absolut wild. Misstrauisch und äußerst vorsichtig nähern sie sich uns, bleiben stehen, um zu prüfen ob wir für sie eine Gefahr bedeuten und setzen sich dann langsam in Richtung Wasserbecken in Bewegung. Kakadus, Papageien und viele andere Vögel versammeln sich ebenfalls in der Nähe des Wassers und tragen dazu bei Babbler Bore zu einem Naturparadies zu verwandeln. „Ich zeige euch etwas,“ sagt Bill worauf wir im folgen. „Achtet mal auf das Astloch da oben. Es ist die Behausung einer weißen Eule,“ erklärt er uns und reibt mit einem Stock vorsichtig an dem Baumstamm. Kaum berührt er den kalkweißen Stamm erhebt sich die Eule aus ihrem Loch und fliegt zu einem anderen Baum. „Ist ja wie bei Harry Potter,“ sagt Tanja fröhlich worauf wir alle lachen. Nachdem wir das Schauspiel des sich im aufgewirbeltem Staub der Rinderhufe brechende Abendlicht in vollen Zügen genossen haben, machen wir uns auf den Rückweg. „Lasst uns den Weg zurückfahren den wir damals benutzten, um hierher zu laufen. Ich habe ihm im GPS programmiert. Wir können uns also nicht verirren,“ sage ich worauf alle einverstanden sind.

Es ist bereits stockdunkel als der schmale Pfad unter den Rädern des Jeeps urplötzlich verschwinden. „Wie geht es von hier weiter?“ ,fragt Ross. „Hm, nach meine Navigationscomputer befindet sich der Weg rechts von uns. Wir haben ihn an der letzten Wasserstelle verloren. Ich kann mich daran erinnern, dass er sich dort für wenige hundert Meter auflöst, doch weiß ich genau, dass er sich hier irgendwo fortsetzt,“ antworte ich leicht nervös auf das GPS blickend. „Du musst etwas mehr nach rechts,“ sage ich worauf Ross im Zickzack durch das Buschland fährt. Die Scheinwerfer der uns folgenden Autos treffen uns wie Schwerthiebe. „Bitte lass mich jetzt nicht die Orientierung verlieren,“ flüstere ich. Ich verändere den Maßstab der GPS-Anzeige von 800 Meter auf 50 Meter. Sofort stelle ich fest, dass wir uns immer noch ca. 30 Meter links des Tracks bewegen. „Noch weiter rechts. Aber bitte keine Zickzackfahrt sondern ganz langsam geradeaus,“ sage ich zu Ross. Nur Sekunden später überfahren wir zwei kaum sichtbare Wagenspuren. „Das war er! Einen leichten Linksbogen und wir haben ihn wieder,“ rufe ich erleichtert. „Ich glaube ich brauche auch so ein Ding. Ist ja fantastisch was man damit machen kann,“ meint Ross beruhigt als die Fahrzeugscheinwerfer sich nun wieder wie ein Brenneisen durch die finstere Nacht schneiden.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 12 Etappe Drei

Sonnenaufgang:
07:17

Sonnenuntergang:
18:08

Temperatur - Tag (Maximum):
21 Grad

Breitengrad:
22°43’24.2’’

Längengrad:
131°10’00.0’’