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Die Dingos werden eure Ausrüstung in Stücke fetzen

New Haven-Camp — 25.05.2002 - 26.05.2002

Tanja hat es geschafft und ist mit ihrer Mammutarbeit fertig. Es steht demnach nichts mehr im Wege das Camp nach Babbler Bore zu verlegen und unseren Kamelen einen Besuch abzustatten. Für die Sattelreparatur haben wir alles dabei was wir benötigen und können ab sofort isoliert von der Außenwelt leben. Allerdings ist Alex wegen der baldigen Eröffnung des Vogelschutzgebietes sehr stark beschäftigt. Wir benötigen seine Hilfe, um unsere gesamte Ausrüstung plus 7 Packsättel nach Babbler Bore zu fahren. Unser Ford ist in diesem Fall völlig überlastet. „Ich bringe euch am Sonntag früh raus weil ich am Nachmittag wegen einer Besprechung nach Alice Springs fahren muss,“ schlägt Alex vor. „Oh ja, das passt uns gut. Wir werden dann noch mal mit dir zurückfahren, um mein Update fertig zu schreiben und den Rest der Ausrüstung zu holen,“ entgegne ich. Alex sieht mich an, überlegt eine Weile und sagt; „Ihr könnt unter keinen Umständen eure Ausrüstung dort draußen alleine lassen. Die Dingos werden alles in Stücke reißen und das mitzerren was sie fressen können.“ „Du meinst, dass sie auch Sättel anfressen?“ „Absolut garantiert,“ sagt er mit einer Sicherheit die keinen Zweifel aufkommen lässt. „Es ist besser ihr schließt all eure Arbeiten ab und ich bringe euch am Mittwoch oder Donnerstag, wenn ich von Alice zurück bin, zu euren Kamelen. Ihr seid willkommen so lange hier zu bleiben wie ihr wollt. Es macht jetzt kaum Sinn die Dinge zu überstürzen. Oder könnt ihr eure Sättel nicht auch hier reparieren?“ Jetzt sehe ich ihn eine Weile an, um mir seine Worte durch den Kopf gehen zu lassen. „Du hast vollkommen recht. Ich werde mich mit Tanja beraten,“ antworte ich. Noch am selben Tag entscheiden wir uns den vernünftigen Vorschlag von Alex anzunehmen. Es ist in der Tat egal wo wir mit unserer Sattelreparatur beginnen.

Wir tragen dann alle Sättel aus dem kleinen Raum in dem wir sie seit Dezember gelagert haben nach draußen und untersuchen sie auf die entstandenen Schäden der letzten Etappe. „Ist eine gewaltige Arbeit,“ stelle ich fest, denn bei allen ist durch das Hin und Herschwingen der Satteltaschen der Stoff aufgescheuert. Viele der Verbindungsschnüre sind abgenutzt, das Stroh ist an manchen Stellen zu sehen, die Spanngummis sind porös und einige der tragenden Hölzer sind gebrochen. Während ich für die Seilverbindungen, Knoten, Hölzer, Spanngummis und umstopfen des Strohs verantwortlich bin wird Tanja die aufgescheuerten Stellen mit starkem Segeltuch, welches wir extra mitgebracht haben, übernähen. „Meinst du wir schaffen einen Sattel pro Tag?“ ,frage ich skeptisch. „Ein Halber ist realistischer,“ antwortet sie. Da wir Alex versprochen haben mit ihm in den nächsten Woche wilde Kamele zu fangen und auf einem Truck zu laden, habe ich das Gefühl das wiedereinmal unser Zeitplan durcheinander geraten wird.

Am Nachmittag verliert die Sonne plötzlich an Energie und ein kalter Wind kommt auf. „Ob das die ersten Anzeichen des Winters sind?“ ,fragt Tanja. „Könnte ich mir schon vorstellen. Bisher war das Wetter genial aber ich glaube es wird bald bitter kalt,“ antworte ich als uns eine kalte Windböe in die Knochen fährt.

Nachts hören wir zum ersten Mal seitdem wir hier sind Dingos heulen. Das Thermometer zeigt nur noch 7 Grad. Fröstelnd ziehe ich den Reißverschluss meines Schlafsacks zu. Tanjas tiefer Atem verrät mir, dass sie schon seit geraumer Zeit im Land der Träume weilt. Rufus hat sich ebenfalls in seinen Schlafsack zusammengemümmelt und gibt sein zufriedenes Brummeln von sich. „Ihr dürft euren Rufus nicht alleine im Camp lassen. Die Dingos werden eine Freude daran haben ihn in Stücke zu reißen,“ sagte Alex heute, worauf ich froh bin seinen eingerollten Körper an meinem Rücken zu spüren. Hab ich seinen Schlafsack auch zugemacht? Im Halbschlaf erhebe ich mich noch mal, öffne den Reißverschluss unseres Zeltes und sehe nach. „Gut,“ sage ich leise als nur seine Schnauze aus dem kleinen Daunenschlafsack spitzt. „Ah,“ flüstere ich – „Da ist ja sein Tagebuch.“ Vorsichtig ziehe ich das Büchlein, welches ein wenig unter seinem Schlafgemach hervorschaut, heraus und schlage es auf. Überrascht stelle ich fest, dass er kaum etwas geschrieben hat. Er wird doch nicht langsam schreibfaul werden? Anscheinend bekommt ihm das Nichtstun nicht besonders gut.

DAS EXPEDITIONSTAGEBUCH EINES EXPEDITIONHUNDES NAMENS RUFUS

Ich war ausgesprochen froh, als ich eines Morgens, vor ca. einer Woche, von einem wunderbaren Geräusch geweckt wurde. Es war der Klang meines Futtermessbechers wie er auf meine wunderbaren Hundecrunchys traff. Eine ungewisse Menge wurde aus dem großen Futtersack entnommen. Neben dem angenehmen Gefühl bekam ich plötzlich Bedenken. „Oh Schreck, wer ist an meinem Futter!“ Sogleich sprang ich aus meinem Schlafsack und stürmte in das kleine Häuschen in dem sich Tanja befand, um unser Essen zu packen. Sie erklärte mir, dass sie auch mein Futter in jeden der 16 Nahrungssäcke verstaut. Ab diesem Zeitpunkt habe ich akribisch genau mitgezählt, dass hier kein Fehler mit meinem Futter geschieht.

Recht aufregend ist mein Leben hier im New Haven Camp nicht. Im Gegenteil, ich finde es sogar relativ langweilig. Tanja geht zwar Abends etwas mit mir Spazieren aber tagsüber ist hier nicht gerade der Bär los.

Die Fahrt hier her war allerdings großartig. Ganz besonderst toll fand ich den großen Kängurujungen, der direkt vor unserem Auto stand.

Die Abende hier werden nun langsam kalt und ich freue mich, dass ich in meinen Schlafsack kriechen kann und träume von einem baldigen Wiedersehen mit meinen Kamelen.

Es ist ein ruhiges Leben als „Camphund“.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 9-10 Etappe Drei

Sonnenaufgang:
07:15

Sonnenuntergang:
18:09

Temperatur - Tag (Maximum):
19 Grad

Breitengrad:
22°43’24.2’’

Längengrad:
131°10’00.0’’