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Wieder klärt sich eine Schwierigkeit wie von selbst

New Haven-Camp — 23.05.2002 - 24.05.2002

Nach dem Frühstück packt Tanja den Rest ihrer Lebensmittel während ich immer noch mit der Reparatur vieler kleiner Details und dem weiteren Aussortieren unserer Ausrüstung beschäftigt bin.

Um 11 Uhr findet auf der Terrasse von Alex wie fast jeden Tag Smoko statt. Smoko ist eine Pause zwischen dem Frühstück und dem Mittagessen, manchmal auch zwischen dem Mittag- und Abendessen. Wir sitzen alle versammelt um einen alten Tisch, trinken Tee, naschen ein paar Kekse die jeder mitbringt und in eine Gemeinschaftsschachtel legt und erzählen uns gegenseitig die verschiedensten Geschichten. Wieder löst sich für uns ein scheinbar unüberwindbares Hindernis wie von selbst. Barbara, die hier bei Alex als Jilleroo arbeitet, bietet uns an den Ford mit Anhänger nach Queensland zu fahren. Ende Juli ist sie seit einem Jahr in Australien. Sie muss dann wieder nach Deutschland. Ihr Freund Uli kommt sie in wenigen Wochen besuchen und sie wollen die günstige Gelegenheit nutzen, um mit unserem Auto von Northern Territory bis nach Queensland zu fahren. „Was wirst du in Deutschland tun?“ ,frage ich. „Ich bin Erzieherin. Mein Arbeitgeber hat mir für ein Jahr freigegeben. Ich habe das Glück, dass ich nach den Sommerferien sofort in meinem Beruf weitermachen darf. Ob es mir noch gefällt wird sich herausstellen aber im Augenblick freue ich mich darauf.“ „Nachdem was ich bisher gesehen habe wärst du die perfekte Farmfrau. Kannst du dir nicht vorstellen hier im Outback zu bleiben?“ ,möchte ich wissen. „Mir gefällt es sehr gut hier. Mal sehen was uns die Zukunft bietet,“ antwortet sie zuversichtlich.

Wieder hat sich bewiesen, dass es kaum Sinn macht sich schon im Vornherein zu viel Gedanken zu bereiten. Innerhalb weniger Tage haben wir unsere Nachschubfrage und den Transport unseres Autos klären können. Nach einem weiteren Telefonat wissen wir, dass Cowboy John gerne bereit ist unseren Ford bei sich unterzustellen. Natürlich kann sich auch an dieser Planung jeder Zeit etwas ändern. Auch gibt es noch unzählige Herausforderungen und ungelöste Aufgaben auf den nächsten 2500 Kilometern. Wir haben von den deutschen Wissenschaftlern Jürgen und Birgitt erfahren, dass es im tropischen Küstenstreifen von Queensland während der Regenzeit hochgefährliche Bakterien in der Erde gibt. Erst vor wenigen Wochen sind innerhalb weniger Tage Hunderte von Kamelen gestorben. Man hat sie an der Küste von Queensland in ein Gehege gesperrt wo die Tiere auf ihre Verschiffung nach Malaysia warten mussten. Sie starben noch bevor man sie verladen konnte. Selbst die Menschen sind vor diesen Bakterien nicht sicher. Sie müssen während der Regenzeit mit Handschuhen im Garten arbeiten, um nicht mit dieser zum Teil tödlichen Bakterie in Berührung zu kommen . Weiterhin wissen wir von der schwarzen Erde die sich in der Regenzeit zu einem schlimmen Morast verändert und für uns ein Weiterkommen unmöglich machen kann. An die Überquerung des Gebirgszuges vor der Küste möchte ich erst gar nicht denken, denn wenn es regnet werden die Flüsse zu reißenden Strömen. Vor allem die vielen giftigen Pflanzen die es dort für unsere Kamele geben soll lassen uns die Haare zu Berge stehen. Da es mit jedem Kilometer weiter nördlich immer tropischer wird und dieses Wetter für unsere Tiere sehr ungesund ist wollen und dürfen wir nicht zu weit nach oben kommen. „Am schlimmsten werden die Zäune sein,“ meinte Peter der Botaniker. „Ihr dürft euch auf keinen Fall zu nahe an Mackay orientieren, denn in dieser Gegend gibt es unzählige Kohleminen,“ warnte uns Cowboy John. „Ich hoffe ihr habt gute Schlafsäcke mit. In den nächsten Wochen fallen die nächtlichen Temperaturen nicht selten unter 5 Grad minus,“ erwähnte Bill. „Lasst euch nicht all zu viel Zeit mit euren Vorbereitungen. Die Brunftzeit der Kamele hat begonnen. Es kann jetzt jeden Tag geschehen das einer der wilden Bullen durch den Zaun stürmt hinter dem sich eure Jungs befinden. Ihr wisst, wenn sie da ausbrechen können verschwinden sie für alle Tage in der Gibsonwüste,“ warnt uns Alex nur um einige der uns bevorstehenden Schwierigkeiten und Abenteuer zu nennen.

Nach einem arbeitsreichen Tag ziehen am Abend seit langem einmal wieder dunkle Gewitterwolken auf. Eigentlich wollten wir Birgitt und Jürgen in ihrem Camp aufsuchen. Sie werden in wenigen Tagen für einen Monat nach Deutschland fliegen und für uns ist es die letzte Gelegenheit mit ihnen einen gemeinsamen Abend im Busch zu verbringen. Da ihr Camp nur wenige Kilometer von Babbler Bore entfernt liegt, also ca. 50 Kilometer von hier, sind wir uns nicht sicher ob wir das Risiko in Kauf nehmen wollen mit unserem Ford in einen schlimmen Gewitterregen zu gelangen. Die Farmwege verwandeln sich unter solchen Umständen in wenigen Minuten zu rutschigen Matschwegen in denen man buchstäblich bis zu den Achsen versinkt. „Ich glaube wir sollten hier bleiben,“ sage ich grübelnd auf die dunklen Wolken blickend. „Ich denke das ist eine gute Entscheidung,“ gibt mir Tanja recht worauf ich das Lagerfeuer für unser Abendessen anschüre.

Seit einigen Tagen kochen wir wieder an unserem eigenen Lagerfeuer. Bill und sein Bruder haben für die zukünftigen Besucher des Parks einige Feuerstellen gebaut. Eine davon steht neben dem Wohncontainer also gleich in unserem Camp. Es ist ein in der Mitte auseinander geschnittenes Benzinfass an dem mit schweren Kettengliedern an beiden Enden ein Rost geschweißt ist. Das umgebaute Benzinfass bedeutet im Vergleich zu unseren Buschfeuerstellen den reinsten Luxus. In der Glut bereiten wir uns Folienkartoffeln oder in Silberfolie eingelegtes Gemüse und auf dem Rost können wir unsere Töpfe wie auf einer Herdplatte stellen. Als ich den Bedourie oder auch Campofen (Tagebuchtext 30.06.2000) aus der Glut hebe, beginnt es leicht zu nieseln. Wir lassen uns nicht stören, setzen uns in die Stühle und genießen Tanjas Gemüse – Kartoffel – Käseauflauf. „Hm schmeckt das lecker,“ lobe ich meine Meisterköchin und werfe dabei einen prüfenden Blick auf den bedrohlich aussehenden Himmel. „Oh Gott! Hast du den roten Feuerschein da hinten gesehen? Das muss ja ein gigantisches Buschfeuer sein,“ sage ich auf den glühenden Himmel hinter uns deutend. Beide bobachten wir fasziniert den nächtlichen Himmel der in geradezu tragischen Farben erglüht. In den letzten Jahren haben wir schon viele solche Buschfeuer hautnah erlebt und haben uns nicht selten schrecklich davor gefürchtet. Nie wussten wir ob das vernichtende Flammenmeer bei einer plötzlichen Richtungsänderung des Windes über uns hinwegwalzt. Hier auf der Farm von Alex fühlen wir uns relativ sicher. Sollte das Feuer zu nahe kommen besteht die Möglichkeit mit einer Räummaschine Feuergräben zu ziehen. Klar, kann das Feuer so einen Graben überspringen, doch sind wir im Augenblick nicht in Gefahr.

Als sich die Wolken entschließen mehr Wassertropfen auf uns fallen zu lassen ziehen wir über unser Moskitozelt die wasserdichte Außenhaut und schlüpfen in unsere kleine Wohnhöhle. Kaum sind wir drin hört es zu Regnen auf und ich entschließe mich das Außenzelt wieder abzubauen. „Es ist viel schöner den Himmel zu sehen,“ sagt Tanja müde. „Ja, ich hoffe nur, dass es nicht gleich wieder zu tröpfeln beginnt.“ Eine Stunde später nieselt es auf mein Gesicht und ich bin gezwungen wieder in die feuchte Nacht zu gehen, um die Haut ein zweites Mal über unsere luftige Behausung zu spannen. Wach liege ich nun in meinem Schlafsack und lausche dem leichten Klopfen der Wassertropfen auf dem Stoff. Es dauert nicht lange und es hört wieder auf. Ich lausche in die Nacht und höre den Kuckuckruf den der Wind von Alex Wohnscheune zu uns herüberträgt. Ich muss schmunzeln hier mitten in der Wildnis den vertrauten Ruf dieses Vogel zu hören. Diesmal verrät mir die Zahl der Rufe das es 22 Uhr ist. Alex liebt seine Kuckucksuhr die er von Freunden aus Deutschland bekommen hat und an einer verrosteten Wellblechwand hängt.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 7-8 Etappe Drei

Sonnenaufgang:
07:14

Sonnenuntergang:
18:09

Temperatur - Tag (Maximum):
28 Grad

Breitengrad:
22°43’24.2’’

Längengrad:
131°10’00.0’’