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Vogelparadies & Nachschub

New Haven-Camp — 22.05.2002

Am Morgen werden wir wie jeden Tag von dem Gezwitscher der verschiedensten Vögel geweckt. Ohne Zweifel haben wir auf unserer gesamten bisherigen Australienreise kaum soviel Vögel gesehen wie hier auf New Haven. Müde liege ich in meinem kuschelig warmen Schlafsack und lausche ihrem wunderschönem Konzert. Der Grund für dieses Naturparadies liegt zum Großteil darin, dass Alex seine riesige Station hervorragend gemanagt hat. Nie hat er es zugelassen das sein Land, wie auf vielen anderen Australischen Farmen, überweidet wurde. Nie hat er die Grundwasserressourcen durch zu viele Windmühlen überstrapaziert, was dazu geführt hat das sich nur eine gewisse Anzahl von Rindern halten konnte. Die Natur blieb also im Gleichgewicht und konnte die Rinder gut verkraften. Auf großen Teilen der Station gab und gibt es sogar überhaupt keine Rinder. Auf diese Weise blieb die Ursprünglichkeit, die Vegetation und die Vogelwelt unverändert und unberührt. Auch wenn Australien unendlich groß erscheint ist das eine Seltenheit. Dank Alex und der Organisation Birds Australia, die das Land gekauft haben, ist den Australiern und den zukünftigen Besuchern ein Paradies erhalten geblieben welches wir jetzt mit vollen Zügen genießen dürfen.

WIE ORGANISIEREN WIR DEN NACHSCHUB FÜR DIE NÄCHSTEN 8 MONATE?

Während des Frühstücks unterhalten Tanja und ich uns darüber wie wir das Problem unseres Lebensmittelnachschub lösen können und wie wir unseren Ford nach Queensland bekommen? „Was hältst du davon, wenn wir Hennie und Bill fragen ob sie uns nach vier Wochen ein paar Lebensmittelsäcke bringen?“ ,fragt Tanja die Stirn in Falten legend. „Hm, wäre einen Versuch wert,“ antworte ich. „Zumindest wäre das ein leichter Start für uns und du müsstest nicht gleich von Beginn an unseren gesamten Nachschub laden.“ „Du hast recht. Wir sollten es uns nicht zu schwer machen. Vielleicht können uns die beiden mit ihrem Jeep für zwei Monate Essensrationen bringen. Auf diese Weise wären wir bereits für drei Monate versorgt. Dann müssen wir nur noch den Nachschub für die restlichen vier bis fünf Monate organisieren,“ plaudere ich gut gelaunt. „Ja, das dürfte auch keine Schwierigkeit sein.“ „Wie meinst du das?“ „Nun, wenn Cowboy John nicht unser Auto nach Queensland fahren kann heißt das noch lange nicht, dass er uns auf seiner Heimreise von Westaustralien nach Queensland nicht besuchen kann. Er wollte uns doch auf jeden Fall einen Besuch in einem unserer Buschcamp abstatten?“ „Stimmt!“ ,rufe ich begeistert. „Du bist genial. Das würde bedeuten, dass er auf seiner Heimreise hier bei Alex vorbeifährt, die restlichen Lebensmittelsäcke in seinen Jeep lädt uns einige vorbeibringt und den Rest auf irgend einer Station abgibt,“ führe ich Tanjas Gedanken weiter. „Genau. Du musst ihn nur noch anrufen und fragen ob er mit dem Plan einverstanden ist und wenn ja, dann haben wir die schwierige Aufgabe des Nachschubs für die gesamte Expeditionsetappe gelöst,“ sagt Tanja lächelnd worauf ich sie am liebsten umarmen würde. Kaum haben wir unser Gespräch beendet kommt Hennie vorbeigelaufen. Sofort spreche ich sie darauf an wie lange sie noch auf New Haven bleiben werden. „Wir werden Anfang Juni Joop zum Flughafen nach Alice Springs fahren und dann unsere Reise durch Australien fortsetzen,“ antwortet sie. „Meinst du ihr könnt uns dann vier Lebensmittelsäcke nachbringen? Wir werden zu diesem Zeitpunkt nicht all zu weit von Alice entfernt sein und ihr hättet die Möglichkeit die Expedition in voller Aktion zu sehen,“ sage ich ganz aufgeregt über das perfekt Timing. Leider muss uns Hennie absagen weil sie keinen Raum in ihrem Jeep zu Verfügung haben und somit fällt ein Teil unseres Planes wieder in sich zusammen.

Nachdem Hennie gegangen ist sitzen Tanja und ich immer noch an unserem kleinen Tisch und suchen nach einer anderen Lösung. „Vielleicht kann uns Alex auf dem Weg nach Alice den Nachschub bringen?“ meine ich und spreche damit unseren ursprünglichen Plan an. Minuten später tauchen Hennie und Bill wieder bei uns auf. „Ich finde die Idee mit dem Nachschub sehr aufregend,“ sagt Bill. „Ja, ich dachte erst wir müssen sie für viele Monate in unserem Auto mitführen. Dann hätten wir selbst keinen Platz zum schlafen gehabt oder wir hätten die Säcke jeden Tag ausladen müssen. Ich habe euch missverstanden,“ entschuldigt sich Hennie. „Toll, das würde uns einen großen Schritt weiterbringen,“ antworte wir.

Gegen Mittag rufe ich Cowboy John an. „Es ist mir ein Vergnügen euch auf meiner Heimreise in einem eurer Camps zu besuchen. Den Nachschub bringe ich auf jeden Fall mit und ich werde den Rest auf einer Station eurer Wahl abliefern. Überhaupt keine Schwierigkeit. Die Details sollten wir dann noch kurz vor eurer Abreise durchsprechen. Ich brauche auch noch euer Rufzeichen damit ich euch per Funk erreichen kann wenn ihr kein Telefon mehr benutzen könnt,“ sagt er worauf sich eine der wichtigsten logistischen Herausforderungen wie von selbst gelöst hat.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 6 Etappe Drei

Sonnenaufgang:
07:14

Sonnenuntergang:
18:09

Temperatur - Tag (Maximum):
29 Grad

Breitengrad:
22°43’24.2’’

Längengrad:
131°10’00.0’’