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Packen & Reparaturen

New Haven-Camp — 20.05.2002

So wie es sich im Augenblick entwickelt wird es im Zentrum Australiens der heißeste Mai seit der Aufzeichnung des Wetters. Es gibt kaum einen Tag an dem das Thermometer unter 30 Grad fällt. Obwohl dem Land ein wenig Regen gut tun würde ist das Wetter für unsere Vorbereitungen genial. Tanja ist immer noch mit dem Packen der Lebensmittel beschäftigt während ich die Funktionsfähigkeit der gesamten Technik kontrolliere, deren Steckverbindungen von Korrosion reinige und in Mitleidenschaft gezogenen Kabel neu abisoliere. Ich zerlege unser Batterieladegerät, beseitige Spinneneier, Spinnweben, tote Käfer und Wüstensand der vergangenen 3922 Kilometer aus der Elektronik. Nachdem ich es zusammenbaue erwacht es wieder zum Leben und unsere aufladbaren Batterien werden geladen. „Hurra!“ ,rufe ich zufrieden mit meinem Reparaturerfolg. Während ich alle Akkus lade und entlade, um ihre volle Kapazität zu erlangen, prüfe ich das Satellitentelefon, die Funksprechgeräte und unterziehe das Flying Doctor Radio (Langdistanz Funkgerät) einer genauen Inspektion.

Auch überprüfe ich sämtliche Tascheninhalte die wir mit den Sätteln in einem kleinen, hoffentlich maussicheren Raum, im Wohncontainer untergestellt haben. Die Arbeit scheint wie die Wüsten Australiens unendlich zu sein. Die Notsendegeräte, mit denen wir im absoluten Ernstfall unsere Position in den Satellitenhimmel schicken können, sind so verschmutzt, dass sich nicht einmal mehr die Antenne richtig ausziehen lässt und die Gürtelschlaufen sind durch das unaufhörliche Tragen gefährlich durchgescheuert. Die Mundstücke der Trillerpfeifen haben sich mit Sand und ranziger Sonnenschutzkreme zugesetzt und sind erst wieder durch eine kräftige Behandlung unter fließendem Wasser einsatzfähig. Diese Trillerpfeifen, die wir immer um unserem Hals tragen, sind ein sehr wichtiger Ausrüstungsgegenstand. Ihr Einsatzbereich ist vielseitig. Zum Beispiel muss ich oft vorauslaufen, um für die Karawane den richtigen Weg auszukundschaften. Um nicht die ganze Strecke zurücklaufen zu müssen gebe ich Tanja mit Pfiffen bescheid meinen Spuren zu folgen. Wir setzen sie auch ein, wenn wir uns im dichten Gebüsch aus den Augen verloren haben. Auf diese Weise können wir uns gegenseitig den Aufenthaltsort mitteilen ohne uns die Lunge aus dem Leib brüllen zu müssen. Ganz wichtig ist die Pfeife bei Schlangenbissen, denn wenn man gebissen wird darf man sich unter keinen Umständen viel bewegen. Jede Anstrengung verteilt das Gift im Körper was zu einem schnellen Tod führen kann. Also haben wir in solch einem Notfall vereinbart sich nicht zu bewegen und durch lautes Trillern den Partner auf sich aufmerksam zu machen. Die Pfeife hat natürlich nur dann seine Berechtigung, wenn unsere Walkie-Talkies (Sprechfunkgeräte) nicht funktionieren sollten.

Später untersuche ich unseren zerbrechlich gewordenen Klapptisch und überlege wie ich es hinbekommen kann, dass er noch weitere 2500 Kilometer auf dem Rücken von Hardie aushält. Nach kurzem Nachdenken klopfe ich das halb zerfallene Gestell mit dem Hammer so, dass es einigermaßen gerade aussieht und verschraube es mit Holzschrauben die ich im Ersatzteilkid finde. Selbst die Stühle müssen an einigen Stellen neu verschraubt werden, denn das ewige Auf- und Abbauen hat sie fürchterlich in Mitleidenschaft genommen. „Denis kannst du mal das Auto in den Schatten fahren!“ ,unterbricht mich Tanja die den ausklappbaren Tisch an unserem Anhänger nutzt, um den Inhalt der 16 Lebensmittelsäcke noch mal der letzten Kontrolle zu unterziehen. Da es auch hier auf New Haven nicht all zu viele schattenspendende Bäume gibt bin ich gezwungen unseren Ford mit Anhänger mehrmals täglich umzuparken. Auf diese Weise wollen wir vermeiden, dass die Lebensmittel den immer noch starken Sonnenstrahlen ausgesetzt werden.

Ich stecke den Zündschlüssel ins Schloss und lasse den Motor an. Ein klägliches Stottern verrät mir, dass die Batterie gerade genügend Energie zu Verfügung hat, um den Scheszylinder anspringen zu lassen. „Die Batterie ist platt,“ sage ich mir stirnrunzelnd am Kopf kratzend. „Und, was können wir dagegen unternehmen?“ ,fragt Tanja besorgt. „Ich habe irgendwo in unserem Ersatzteilkid zwei Batterieklemmen. Ich werde versuchen ein Anschlusskabel für das Solarpaddel zusammenzulöten. Wenn das klappt kann ich die Autobatterie mit Sonnenenergie laden,“ erkläre ich und mache mich sofort an die Arbeit. Mit einem kleinen Lötkolben, der mit Feuerzeuggas gefüllt ist, löte ich das Batteriekabel zusammen. Dann schließe ich die Autobatterie an das Solarpaddel an, lege dieses über die Windschutzscheibe und überprüfe mit einem kleinen Messgerät die sich jetzt aufladende Batterie.

Wir sind also von früh morgens bis zur Dämmerung voll auf beschäftigt und obwohl wir kaum Pausen einlegen gefallen uns die Tage hier auf der Farm sehr gut. Es bereitet einfach Freude, wenn man weiß wofür die Arbeiten verrichtet werden und wie wichtig sie für den Erfolg der Expedition sind. Leider hat sich uns seit einigen Tagen eine neue Herausforderung gestellt. Jo hat uns am Telefon berichtet, das Cowboy John jetzt doch nicht unser Auto nach Queensland fahren kann. Seine Frau musste aus dringenden Gründen den 80 Mile Beach verlassen und nach Hause fliegen. Da er als einzelner Mensch natürlich nicht in der Lage ist sein eigenes und unser Auto gleichzeitig zu fahren, müssen wir uns nun etwas anderes einfallen lassen. Tanja und ich haben in den letzten Jahren gelernt ein Problem nicht zu ernst zu nehmen. Meist findet sich eine Lösung später und so macht es kaum Sinn schon jetzt positive Energie zu verschwenden, wenn wir im Augenblick doch nichts ändern können. Ido, der Israeli, den wir in Alice Springs kennen gelernt haben, schlug uns vor den Ford und Anhänger auf einen der riesigen Roadtrains zu laden. „Die verlassen Alice Spring meist leer und soweit ich weiß ist so ein Autotransport durchaus finanzierbar,“ meinte er, worauf wir der Sache schon wieder zuversichtlicher entgegensehen. „Jetzt müssen wir nur noch Alex davon überzeugen unser Auto nach Alice zu fahren und so einen Transport zu organisieren,“ sagt Tanja. „Hm, mal sehen, vielleicht ergibt sich noch eine andere Lösung,“ antworte ich.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 4 Etappe Drei

Sonnenaufgang:
07:14

Sonnenuntergang:
18:09

Temperatur - Tag (Maximum):
31 Grad

Breitengrad:
22°43’24.2’’

Längengrad:
131°10’00.0’’