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Die richtigen Wale?

Ceduna-Camp — 07.05.2002

Ich habe meine Magenverstimmung ohne Folgen überstanden und der Weiterfahrt durch die Nullabor Ebene steht nichts im Weg. Um 10 Uhr überqueren wir die Grenze nach Südaustralien. „Ab jetzt müssen wir unsere Uhren um 1 ½ Stunden vorstellen,“ sage ich wieder bestens gelaunt. Die Sonne brennt für die Jahreszeit recht unüblich heiß vom Himmel und die weiten Flächen der niedrigen Gewächse sehen stark verbrannt aus.

Wir nehmen heute jede Gelegenheit war, um die vielen Aussichtpunkte am Steilriff aufzusuchen, denn ab Mai kann man Wale beobachten die sich hier in den Wintermonaten zur Paarung treffen. Gebannt beobachten wir die wogenden Dünen die auf eine steil abfallende, oft über 30 Meter hohes Felsmassiv treffen. Es kommt immer wieder vor, dass die andonnernden Wellenberge Tausende von Tonnen Sandstein aus der Küstenwand lösen, die dann unter unglaublichem Getöse wie ein kalbender Gletscher in die hungrigen Fluten stürzen. Fasziniert beobachte ich die Naturgewalten und kann mich sehr gut in die Lage der Endecker und Abenteurer John Eyre, nachdem übrigens der Eyre Highway benannt wurde und John Forrest versetzen. Als Forrest im Jahre 1870 nach einem langen und harten Marsch durch die endlose Ebene auf die Bunda Klippen traf war er von diesem Anblick des abrupt abfallenden Landes regelrecht geschockt.

„Schau mal dort drüben!“ ,ruft Tanja und deutet auf eine brodelnde Wasserfläche nur einige hundert Meter vor uns. Etwa 20 oder 30 Delphine tummeln sich ausgelassen im salzigen Nass. Leider bewegt sich die gesamte Delphingruppe auf ihre spielerische Art von uns weg, so dass wir sie Minuten später kaum noch erkennen können. „Jetzt fehlen bloß noch die Wale,“ meine ich. Da sie ausgewachsen bis zu 18 Meter lang und 80 Tonnen schwer werden, muss es ein Schauspiel der Superklasse sein sie beim Sprung aus ihrem Element zu beobachten.

Zwischen Mai und Oktober finden sich hier am Bunda Cliff ganze Walfamilien ein, um ihren Nachkommen das Licht der Welt zu schenken. Eine Walmutter muss ihr Junges 11 Monate tragen und bekommt im Durchschnitt alle 3 Jahre ein Kalb. Wenn das Neugeborene hier an diesem paradiesischem Ort in die Fluten schlüpft ist es 4 Meter lang und bis zu einer Tonne schwer.

Weil sie einfach zu bejagen waren, wegen ihrer hellen Farbe leicht aus zu machen und nach dem töten an der Wasseroberfläche geschwommen sind bekamen sie hier den Namen Right Whale was übersetzt „der richtige Wal“ bedeutet. Wegen ihrem wertvollen Ölgehalt und den großen Knochen waren sie schon 1930 vom Aussterben bedroht. Erst seit dem Jagdverbot hat sich ihre Population wieder leicht erholt.

Im Nullabor Roadhouse erfahren wir, dass die Wale sich im Augenblick 400 Kilometer vor der Küste befinden und erst Ende Mai, Anfang Juni die Bunda Cliffs erreichen werden. „Vielleicht haben wir die Chance die Wale nach unserer Expedition zu beobachten,“ sage ich als wir kurz vor 18 Uhr die Kleinstadt Ceduna erreichen.

Da der Campingplatz im Zentrum der Stadt überfüllt ist und ein anderer keine Hunde zulässt, finden wir einen romantischen Übernachtungsort am Shelly Beach Caravan Park. Unter dem klaren Himmelszelt baue ich unsere Stoffbehausung auf und richte unser Lager her. Dann sitzen wir Mutterselen alleine direkt am Strand und genießen die Lichtersilhouette der Stadt die sich in dem stillen Wasser der ausladenden Bucht spiegelt.

Wir freuen uns über Kommentare!

Sonnenaufgang:
07:11

Sonnenuntergang:
18:13

Luftlinie:
458 Fahrt 500 Km

Temperatur - Tag (Maximum):
32 Grad

Breitengrad:
32°09’00.8’’

Längengrad:
133°41’18.4’’