« Zurück       Weiter »

Angenehme Fahrt

Norseman Busch-Camp — 04.05.2002

Ein schweres Donnern reißt uns aus dem Tiefschlaf. Erschrocken schießen wir hoch und lauschen in die Nacht. Im ersten Augenblick glauben wir das Brunftgebrüll eines Kamelbullen zu hören. „Puh, es ist nur das tiefe Donnern der Luftbremse eines der riesigen Roadtrains,“ stelle ich erleichtert fest, worauf wir uns wieder ablegen.

An diesem Morgen werden wir von angenehmen Sonnenstrahlen wach geküsst. Obwohl Tanja und ich durch die lauten Fahrgeräusche des Great Eastern Highway immer wieder aus dem Schlaf geholt wurden fühlen wir uns ausgeruht. Nach einem leckeren Frühstück mit Kaffee, Sojamilchkakao, Brot, Avocado, Marmelade und anderen Leckereien packen wir zusammen und befinden uns um 9 Uhr 30 wieder auf der Straße. Wir hören den australischen Sender JJJ und genießen die vorbeifliegende Buschlandschaft. Große Landstriche sind erst vor wenigen Monaten von einem Buschfeuer heimgesucht worden und sehen recht trostlos aus. Auch scheint es hier schon seit Monaten nicht mehr geregnet zu haben, denn die Felder sind total vertrocknet.

Wenige Kilometer vor der alten Goldgräberstadt Coolgardie fahren wir an Noels Kamelfarm vorbei auf der wir vor bald drei Jahren einige Monate verbrachten, um Kamele zu trainieren. Weil der Aufenthalt damals einem Alptraum glich sind wir froh diesen für uns unangenehmen Ort schnell hinter uns zu lassen. (Tagebuchübersicht Juli – September 1999)

Nach einem kurzen Tankstop in Coolgardie biegen wir nach Süden in Richtung Esperance ab. Schlagartig hört der Verkehr auf und wir befinden fast alleine auf der breiten Straße. Tanja und Rufus schlafen neben mir. Schmunzelnd und zufrieden betrachte ich sie und fühle mich wohl durch diese von der Spätnachmittagssonne erleuchteten Buschwelt zu gleiten. „Wir sollten uns um einen Campplatz kümmern,“ sage ich leise als Tanja die Augen aufschlägt. Immer wieder führen schmale Buschwege links und rechts in das Dickgicht. Da sich plötzlich schwere Gewitterwolken am Himmel zusammenbrauen halte ich Ausschau einen Weg auf einen der leichten Hügel zu finden. Leicht kann es hier nämlich geschehen, dass ein schweres Gewitter die Buschlandschaft zu einem gefährlichen Morast verwandelt und schneller als man denkt sitz man darin fest. „Hier sieht es gut aus!“ ,rufe ich, bremse den Ford ab, wende und biege in den unscheinbaren Weg ein. Im Schritttempo zuckeln wir eine leichte Anhöhe hinauf. Äste knacken unter den Reifen worauf ich hoffe keinen Platten zu fahren. „Ob der Weg zu einer alten Goldmine führt?“ ,fragt Tanja. „Kann schon sein. Schau mal hier gibt es überall alte Erdaushübe. Wenn du nachts austreten gehst musst du unbedingt die Taschenlampe mitnehmen, sonst fällst du noch in eines der Löcher,“ meine ich wohlwissend, dass so etwas in dieser Gegend immer wieder geschieht.

Wir finden unter ein paar lichten Bäumen einen angenehmen Platz für unseren Ford und Anhänger. Ein paar alte verrostete Dosen verraten uns, dass hier vor vielen Jahren Goldgräber ihr Camp aufgeschlagen haben. Ich beseitige den Müll, räume die Äste und Blätter weg und baue unser Zelt auf. Heftige Blitze durchzucken den jetzt bedrohlich aussehenden Abendhimmel. Grelles zuckendes Licht erhellt für Sekundenbruchteile das Buschwerk und verleiht der Szene etwas Geisterhaftes. Nervös blick ich zum Himmel. „Gut das wir unser Lager auf einen Hügel aufschlagen,“ sage ich nachdenklich. Während Tanja den Klapptisch und die Stühle aufstellt hole ich meinen Laptop, die schwere Autobatterie, die auch während der Expedition als Netzstation dient und schließe ihn an. Es ist bereits dunkel als ich beginne hier in der Wildnis diese Zeilen zu schreiben. Ein paar Moskitos belästigen uns. Rufus verzieht sich in seinen Schlafsack und streckt sich zufrieden. Der Ruf eines Nachtvogels vereint sich mit dem Säuseln des Windes. Gebannt sehe ich von Zeit zu Zeit auf und beobachte das grelle Wetterleuchten. „Ich lese noch ein bisschen im Zelt,“ sagt Tanja leise worauf ich plötzlich alleine bin. Ich genieße die Nacht, die Geräusche und das aufkommende Wetter, bevor auch mich die aufkommende Kälte in das Zelt treibt.

Wir freuen uns über Kommentare!

Sonnenaufgang:
06:27

Sonnenuntergang:
17:13

Luftlinie:
331 Fahrt 400 Km

Temperatur - Tag (Maximum):
30 Grad

Breitengrad:
31°31’05.3’’

Längengrad:
118°04’29.2’’