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Verlassen Goomalling in Richtung Osten

Great Northern Highway-Camp — 29.04.2002 - 03.05.2002

Wir sind nicht überrascht als unsere Vorbereitung mehr Zeit in Anspruch nimmt als wir vermutet haben und obwohl es eine turbulente Zeit ist und wir jeden Tag von morgens bis abends beschäftigt sind empfinden wir die Tage recht erholsam. Es liegt wahrscheinlich an unserer positiven Einstellung und an Toms selbstgebrautem Bier, welches wir jeden Abend reichlich konsumieren. Auch unsere Freunde Genevieve & Leo verwöhnen uns mit köstlicher und uns völlig neuer Rohkostküche.

Guter Dinge fahren wir des öfteren nach Perth, um die restlichen Ausrüstungsgegenstände zu kaufen wie zum Beispiel Seile, Kamelmedizin, Hoppeln, Arbeitshandschuhe, Batterien, Sonnencreme und vieles mehr. Jo und Tom bringen in der Zwischenzeit Rufus zum Tierarzt, damit er seine jährliche Pflichtimpfung bekommt und lassen neue Reifen auf unseren Anhänger montieren.

Wir haben uns mittlerweile entschieden unseren alten Ford auch nach der Expedition zu behalten. Cowboy John, den wir am Ende der Etappe eins am 80 Mile Beach Caravan Park kennen gelernt haben, (Tagebuchübersicht 20.11.00-24.11.00) hat uns angeboten mit seiner Frau Judith auf deren Heimreise von Nordwest Australien nach Queensland bei New Haven Station vorbeizufahren, um den Ford zur Ostküste zu bringen. Dadurch löst sich für uns eine weitere Herausforderung, denn uns bleibt nichts anderes übrig als nach dem Aufbruch der Expedition unser Auto dort zurückzulassen. Johns großzügiges Angebot bedeutet für uns, dass wir im Januar oder Februar nächstes Jahr unseren Ford zu Verfügung haben, um die ca. 15.000 Kilometer lange Fahrt entlang der Nordküste nach Westaustralien zurückzureisen. Weil ein Tourist im Northern Territory (Zentralaustralien) nur ein ½ Jahr die Zulassung für ein Auto bekommt, melden wir es hier in West Australien an. Leider muss bei einer Ummeldung die alte Kiste zum Tüv, doch Scott, der Mechaniker von Dowerin, gibt dem betagten Gefährt ohne Schwierigkeiten den Stempel der Fahrtüchtigkeit. Nun besitzen wir wie damals bei unserem Holden wieder die Nummerschilder von Westaustralien und sind somit für die lange Fahrt endlich startklar.

Bis zum Rand vollgeladen verabschieden wir uns von Jo & Tom und verlassen wiedereinmal unser mittlerweile liebgewonnenes West Australien. Rufus, der außer Kamelreiten nichts lieber macht als Autofahren, sitzt freudig jaulend auf der umgeklappten Rücksitzbank und streckt seinen Kopf nach vorne. Ganz wichtig dreht er ihn von links nach rechts, um sich wenige Augenblicke später wieder auf die Straße zu konzentrieren.

In Northam legen wir noch mal einen kurzen Stop ein, um Geld von der Bank abzuholen, Feuerzeuge und ein paar andere Kleinigkeiten zu kaufen. Es ist bereits 13 Uhr 30 als wir auf den Great Eastern Highway in Richtung Coolgardie einbiegen. „Ich wünsche uns eine sichere Fahrt,“ sagt Tanja gut gelaunt. „Ich auch,“ antworte ich worauf Rufus geschäftig mit dem Kopf nickt und mir seinen heißen Atem ins Ohr hechelt.

Kurz vor 17 Uhr biegen wir in einen schmalen Weg ab der uns zu einer schönen Lichtung nur ein paar hundert Meter vom Highway bringt. „Für unser erstes Buschlager wie geschaffen,“ meine ich. Während Tanja den Camptisch und die Klappstühle aufbaut kümmere ich mich, um unser Satellitentelefon. In wenigen Minuten habe ich ein Interview mit einer deutschen Radiostation. Ich richte das Telefon in Richtung Nordosten aus und bin erleichtert volle Empfangsstärke feststellen zu können. Es dauert nicht lange und wir hören mitten Busch das Telefon klingeln. „Wo seid ihr gerade Denis?“ ,fragt mich die Stimme des Moderators. Ich erzähle von den Geschehnissen der letzten zwei Wochen, schwärme von unserer ersten Nacht im Freien, von dem kaum zu beschreibenden Sonnenuntergang und den langsam auftauchenden Sternenhimmel.

Danach sitzen wir in unseren Stühlen und genießen den Luxus mit unserem Ford unterwegs zu sein und keine sieben Kamele abladen zu müssen, um so ein schönes Camp zu haben. Schon bald verziehen wir uns in das Moskitozelt, schlüpfen in unsere warmen, angenehmen Schlafsäcke und beobachten die glitzernde Milchstraße des Outback. Die Roadtrains die auf dem nahen Highway dahindonnern zerreißen von Zeit zu Zeit die Stille der Nacht und erinnern uns, dass es noch ein weiter Weg zu unseren Kamelen ist. Mit offenen Augen liege ich da und denke an Babbler Bore, unserem Etappen-Ziel-Camp, welches wir im vergangenen Dezember erreicht haben. Was wir wohl auf den nächsten 2500 Laufkilometern unserer letzten Etappe erleben werden? Ich habe von wilden Wasserbüffeln gehört die einem gefährlich werden können oder von dem Land der schwarzen Erde, welches sich durch große Teile von Queensland zieht. Angeblich versinkt dort während des Regens alles im Morast. „Ihr müsst auf jeden Fall noch vor der Regenzeit durch sein, denn alles was der schwarze Morast einmal in den Klauen hat gibt er für Monate nicht mehr frei,“ hat mich Jo gewarnt. Ängstlich denke ich an die schlimmen Regenfälle der bereits hinter uns liegenden Strecke und kann einfach nicht vergessen, dass sie Goolas Leben gekostet haben. Auch Max wäre beinahe an Überanstrengung eingegangen als wir vor einer riesigen Regenfront fliehen mussten. Schnell schiebe ich den unangenehmen Gedanke auf die Seite und höre Genevieve & Leos Wort:„Vielleicht seht ihr ja Ufos?“ „Glaubt ihr an ihre Existenz? ,fragte ich. „Ohne Zweifel. Schon viele Menschen haben da draußen welche gesehen,“ antworteten sie.

Trotz der Höhen und Tiefen meiner Gefühlswelt bin ich glücklich wieder hier im Schoße Mutters Natur sein zu dürfen, verfolge meinen Gedanken und lausche den Geräuschen der Nacht. Erst vor wenigen Tagen waren wir noch in Deutschland, umgeben von einer vermeintlich sicheren Welt und plötzlich liegen wir hier, unweit des Great Eastern Highways, in unserem kleinen Zelt. Irgendwie kommt es mir vor als hätten wir einen Sprung durch die Zeit oder vielleicht anders ausgedrückt, durch die Welten gemacht. Auch wenn es absurd klingt aber irgendwie scheint mir die Existenz einer Zeitmaschine gar nicht so abwegig. Klar kommt es auf die Betrachtungsweise an, jedoch ist es für mich in diesem Augenblick schwer zu erfassen von heute auf morgen von der westlichen Welt, vor allem von meinem Heimatland, so getrennt zu sein.

Rufus brummelt zufrieden vor sich hin. Jo hat ihm aus meinem alten Schlafsack eine eigene Schlafhülle genäht in der er sich offensichtlich wohl fühlt. Nach einer kurzen Denkpause blicke ich wieder durch das durchsichtige Moskitonetz unseres Zeltes auf das endlose glitzernde Firmament des Nachthimmels. Angeregt durch meine Gedanken, dem Sprung durch die Welten und der Zeit, frage ich mich bestimmt nicht als einziger welche Welten man dort oben im Universum erforschen kann und ob es Ufos wirklich gibt? Ich hänge noch ein wenig meiner zügellosen Fantasie hinterher und falle unmerklich in die Welt der Träume.

Wir freuen uns über Kommentare!

Sonnenaufgang:
06:26

 

Sonnenuntergang:
17:14

 

Luftlinie:
110 Fahrt 210 Km

 

Temperatur - Tag (Maximum):
28 Grad

 

Breitengrad:
31°25’57.5’’

Längengrad:
121°33’28.1’’