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Wieder in Down Under

Goomalling — 18.04.2002 - 28.04.2002

Wie eine Feder setzt der Jumbo zur Landung auf. Ungeduldig warten wir darauf bis die Passagiermaschine zum stehen kommt. Wir schultern unsere kleinen Rucksäcke, die Kameras, Laptop und Satellitentelefon und verlassen schwer bepackt die Flugzeug. Nach der Pass und Zollkontrolle übernimmt die australische Quarantäne die weitere Untersuchung des Gepäcks. Die Einfuhrbestimmungen hier in Australien sind seit der Maul- und Klauenseuche und dem Rinderwahn in Europa noch härter geworden. Alle eingeführten Lebensmittel die Fleischprodukte oder Milch enthalten werden neben vielen anderen Dingen sofort konfisziert.

Am späten Nachmittag begrüßen uns unsere Freunde Jo & Tom und Genevieve & Leo. Die Wiedersehensfreude ist groß, obwohl wir uns erst vor wenigen Monaten von ihnen verabschiedeten. Als wir dann unserem treuen Hund Rufus gegenüberstehen, springt er uns vor ungehaltener Wiedersehensfreude wie ein kleiner Kamikaze an. Sofort werden wieder all die Erinnerungen unserer gemeinsamen Abenteuer wach. Tanja und ich tollen mit ihm herum wie kleine Kinder und freuen uns mindestens genauso wie er. Nachdem sich unsere Gemüter gelegt haben fahren wir in das ca. 150 Kilometer entfernte Goomalling, wo Jo & Tom ihr kleines Farmhaus haben. Es ist bereits dunkle als die Scheinwerfer unseres alten Fords durch das Gelände des Farmhauses gleiten. Wir werden von Jo & Toms Haustieren beschnüffelt als wir die wenigen Stufen zum Holzhaus hochsteigen. „Hallo Dusty, kannst dich noch an uns erinnern,“ sage ich und streichle dem jungen Kamelbullen beim öffnen der Tür über die große Schnauze. Neugierig sieht uns Buschbaby nach, eine Kamelkuh, die mindestens genauso groß wie Dusty ist. „Wie geht es euren acht Kamelen?“ ,frage ich. „Unverändert gut,“ antwortet Jo gut gelaunt. „Möchtet ihr ein Homebrew (selbst gebrautes Bier)?“ ,fragt Tom. „Gerne antworten wir müde von der langen Reise. Wir unterhalten uns noch einige Stunden und erzählen uns gegenseitig von den Geschehnissen der letzten Monate. Danach beziehen wir unser Lager in einem alten Wohnwagen hinterm Haus. Schnell ist die Zeit des Luxus in Deutschland vergessen und schnell vergehen die Tage. Wir genießen ein paar kurze Ausflüge mit Rufus, das uns vertraute Rufen der Papageien die hier zu Hunderten in den Bäumen sitzen und den wilden angenehmen Duft der Buschlandschaft.

Die nächsten Tage nutzen wir, um Genevieve & Leo und Melinda & Phill zu besuchen und sind vollauf mit den Vorbereitungen der kommenden Expeditionsetappe beschäftigt.

Wenn wir alles besorgt haben was wir hier in Perth erhalten können laden wir unseren Anhänger und unseren alten Ford bis unters Dach voll und fahren unser gesamtes Hab und Gut in das ca. 4000 Kilometer entfernte Alice Springs. Dort holen wir unsere Waffen ab, tätigen noch ein paar Einkäufe und machen uns zu unseren Kamelen auf die in dem ca. 350 Kilometer entfernten Vogelschutzgebiet New Haven auf uns warten.

Tanja und ich können es kaum erwarten unsere Jungs wiederzusehen. Ob sie uns wiedererkennen? Aber bis es soweit ist liegt ein anderes Abenteuer vor uns und zwar die endlosen, wenig befahrenen Straßen die sich durch die eigenwillige Landschaft Australiens ziehen.

Als Tanja und ich heute die bei Jo und Tom zurückgelassene Ausrüstung aussortieren entdecke ich unter einem Fjällrävenrucksack ein kleines mir sehr vertrautes Büchlein. Es ist das Tagebuch von Rufus. Ich bemerke, dass es in den letzten Wochen öfter benutzt wurde und bin gespannt ob er etwas über seinen Aufenthalt hier geschrieben hat.

DAS EXPEDITIONSTAGEBUCH EINES EXPEDITIONHUNDES NAMENS RUFUS

Ein Urlaubshund wird wieder zum Reisehund, zum Camphund und dann bin ich wieder Expeditionshund.

Ich hatte eine wundervolle Zeit bei Jo und Tom. Jo hat mir eine schöne dicke Matratze mit einem kuscheligen Tuch überzogen. Auf das Tuch hat sie Buchstaben genäht die „Mein Bett“ bedeuten. Somit war ich hiermit schon mal gerettet und konnte die schönsten Hundeträume träumen. Zum Beispiel zog mir an einem Tag ein sehr intensiver Bananenkuchenduft in meine Hundenase. Als ich meine Augen öffnete, stellte ich fest, dies ist kein Traum. In einem unbeobachteten Moment holte ich mir den Leckerbissen vom Küchentisch…..ein Hund im Himmel… Junge Junge war das Lecker… Fast so klasse, wie den Müll zu zerlegen. Diese beiden Genüsse waren mir jeweils leider nur ein mal gegönnt.

Damit ich nicht meine gute Kondition verliere, sind Jo und Tom ab Januar jeden zweiten Tag mit mir zum Laufen und rennen in den Busch gefahren. Hinter dem Auto rannte ich dann meine 10 Kilometer und Jo saß auf der Ladefläche und hat mich angefeuert und applaudiert. Neben Fressen und Kamele reiten ist Laufen eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.

Da Jo und Tom ja auch 8 Kamele haben, musste ich zumindest nicht auf den Anblick von langbeinigen Freunden mit Höckern verzichten. Trotzdem freue ich mich auf ein Wiedersehen mit unseren Jungs und ich hoffe, sie haben sich genauso gut erholt wie ich.

Auch lernte ich in meinen großen Ferien das Telefonieren. Tanja und Denis haben von Zeit zu Zeit bei Jo und Tom angerufen und erst wusste ich ja gar nicht, was das ist. Bis ich auf einmal meinen Futterpfiff aus diesem Ding hörte. Dann war mir alles klar, so schleckte ich den Telefonhörer ab, in der Hoffnung, dass mir gleich die leckersten Hundekekse entgegenfallen. Leider Fehlanzeige. Ich habe mich dann trotzdem gefreut, die Stimmen meiner Menschen zu hören.

Ach, wenn ich von Stimmen spreche, Jo und Tom spielten immer wieder für mich Mundharmonika und mein lieber Schwan, da habe ich geheult, gejault und gejohlt was das Zeug hält.

Ich freue mich schon auf die Fahrt nach Alice Springs, dann kann ich ganz wunderschön laut für Tanja und Denis jaulen. YUHUHUHUhhhhuuuuuuuouououou………..Es ist ein melodiöses Leben als Mundharmonika Hund.

Wir freuen uns über Kommentare!

Sonnenaufgang:
06:39

 

Sonnenuntergang:
17:41

 

Temperatur - Tag (Maximum):
22 Grad

 

Breitengrad:
31°17’33.6’’

Längengrad:
116°50’07.8’’