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Verne verlässt uns

Wundowie — 28.04.2000

Es regnet wie aus Eimern und es ist unangenehm kalt. Erst vor ein paar Tagen hat uns Verne berichtet, dass ihm das Geld ausgeht und er sich die Expedition nicht leisten kann. Ich war regelrecht geschockt. Natürlich muss Verne nur seinen Lebensmittelanteil bezahlen, alles andere haben wir auch ohne ihn organisieren müssen und da er ein Freund von uns ist, verlangen wir dafür natürlich keinen Kostenbeitrag.

Verne kommt gerade in den Wohnwagen und schenkt sich eine Tasse Tee ein: “Ich habe gerade Toni angerufen, er ist auf dem Rückweg nach Kalgoorlie und wird mich mitnehmen. Ich habe einen Job und werde Geld verdienen. Wenn ich den Betrag für mein Essen und Trinken zusammen habe stoße ich zu Euch. Es kann nicht länger dauern als vier Wochen. Gleich morgen früh werde ich euch meine Schulden per Postüberweisung senden und euch anrufen.” Tanja und ich sind über seine schnelle Entscheidung überrascht. Da wir aber selbst mit der Finanzierung dieser gigantischen Expedition in Schwierigkeiten geraten sind, können wir die Kosten für Verne nicht übernehmen. “Nun, wenn du meinst, dass dies der beste Weg ist, dann soll uns deine Entscheidung recht sein.” Antworte ich.

Nur 10 Minuten später hält Toni mit seinem Jeep vor unserem Wohnwagen. Wir umarmen uns zur Begrüßung freundschaftlich, trinken noch eine Tasse Tee zusammen und kaum haben wir uns versehen sitzt Verne schon im Jeep. “Viel Glück beim Aufbruch!” Ruft Verne und winkt uns zu als Toni den Gang einlegt und davon rollt. “Halt! Halt!” Ruft Tanja. Verne hat in der Eile des Aufbruchs einen Teil seiner Habseligkeiten vergessen. Gott sei Dank hört Toni Tanjas Ruf und stoppt. Wir laden im strömenden Regen Vernes Ausrüstung auf die Ladefläche rufen uns noch mal gegenseitig viel Glück zu und weg sind sie. “Ob er zurückkommen wird?” Frage ich Tanja. “Ich weiß nicht. Ich glaube nicht,” antwortet sie leise. Nach all dem was Verne uns erzählt hat wäre es nicht verwunderlich, wenn er tatsächlich nicht mehr kommt. Es könnte sein, dass ihm die Vorbereitung zu lange gedauert hat oder dass er in den letzten Monaten unseres gemeinsamen Lebens seine Meinung geändert hat. Da wir uns in den letzten Monaten darauf eingestellt haben, dass er uns das erste Drittel begleiten wird, ist seine unvorhergesehene Abreise kurz vor Expeditionsaufbruch ein schmerzhafter Verlust. Gerade die ersten vier Wochen sind sehr kritisch. Wir müssen mit den Kamelen an verkehrsreichen Straßen und Eisenbahnlinien laufen an deren Rändern auch noch unzählige Glasscherben die weichen Fußsohlen der Kamele aufschlitzen können. Wir selbst haben noch keine Erfahrung wie wir unsere gesamte Ausrüstung auf ihren Rücken verstauen sollen. Wir müssen noch lernen wie wir sie richtig zusammenbinden und vor allem sind die sensiblen Tiere es nicht gewohnt all das Gepäck zu tragen. So gibt es bald unzählige Punkte die ich hier aufzählen könnte und warum Vernes Unterstützung für uns wichtig ist. Nun, wir werden sehen ob er uns morgen anruft und seine Schulden überweist. Sollte er sich nicht mehr bei uns melden, dann müssen wir es ohne ihn schaffen.

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