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Sprachwellen beeinflussen unser Leben

Versteck-Camp & Five Mile Creek-Camp — 13.01.2003 - 14.01.2003

Trotz des schlechten Weges, der vielen Zickzackkurse, den bis zu 25 Zäunen pro Tag und dem ständigen Verschwinden des Tracks kommen wir gut voran. Wir halten unser Tagesziel ein und sind ungeachtet der Anstrengungen guter Dinge. Oft unterhalten wir uns über den fehlgeschlagenen Verkauf unserer Kamele. Wir versuchen die letzten Kilometer bis Paradise Lagoons gleichwohl der vor uns liegenden Ungewissheit so gut wie es geht zu genießen. „Es gibt bestimmt einen Grund dafür warum Paul plötzlich einen Rückzieher gemacht hat,“ sage ich während wir über eine trockene Graslandschaft laufen. „Glaube ich auch. Aber was für einen?“ ,fragt Tanja nach einer kurzen Weile des Schweigens. „Nun, wenn ich mir überlege woher unsere Euphorie kam…“ „Wie meinst du das?“ „Na ja, nach dem Paul alle sechs Kamele kaufen wollte und dann auch noch Margaret ihr großes Interesse signalisierte waren wir doch euphorisch?“ „Ja das stimmt. Ich verstehe trotzdem nicht worauf du hinaus willst?“ „Ich möchte damit sagen, dass wir auf Grund einer Information schlagartig in eine Hochstimmung versetz wurden. Später sind wir auf Grund einer weiteren Information in ein Tief gefallen, welches uns immer noch beschäftigt.“ „Ich verstehe immer noch nicht ganz?“ „Was ich sagen will ist, dass wir nur wegen einer einzigen Information, die übrigens zu diesem Zeitpunkt weit von der Umsetzung in die Realität entfernt war, uns positiv oder negativ beeinflussen haben lassen. Diese Erfahrung zeigt uns eindeutig wie schnell man wegen einer Aussage, einem Wort, einer Begegnung oder sonstigen Erfahrung schlecht gelaunt sein kann. Hätten wir Paul nicht getroffen, wären wir auch nicht in eine Hoffnung verfallen. Wir hätten wegen der Zukunft unserer Kamele also kein euphorisches Hoch gehabt und wären später nicht wieder in ein Tief gerutscht. Es liegt also ganz klar auf der Hand, dass wir Menschen unser Glück oder Unglück oftmals von Informationen abhängig machen die sich wenig später in Luft auflösen. Letztendlich verschwenden wir nur kostbare Energie.“ „Hm, das leuchtet mir ein. Heißt dass, wir sollen uns in Zukunft über nichts mehr freuen?“ ,fragt Tanja. „Nein, das will ich damit nicht sagen. Ich meine wir sollten sehr darauf achten ob wir unseren Gefühlszustand von Sprachwellen abhängig machen die sich am Ende nicht in die Realität umsetzen. Dieses Erlebnis erklärt uns doch eindeutig wie stark wir unsere Gefühlswelt von bloßen Worten beeinflussen lassen. Oft leiden wir Menschen darunter und müssten es nicht, weil am Ende alles anders kommt als wir dachten oder erhofften. „Also, du denkst, es wäre vergleichbar mit dem Beispiel, wenn ein Lottospieler flüchtig im Radio seine Zahlen hört und daraufhin Geld ausgibt welches er noch gar nicht besitzt. Es könnte ja sein, dass er sich verhört hat?“ „Hm ja, das ist ein gutes Beispiel.“ „Man sollte sich durchaus über eine Aussage freuen aber nicht das Glück davon abhängig machen, wenn es anders kommt.“ „Ja genau. Das wollte ich sagen. Es mit Sicherheit nicht leicht dies umzusetzen aber durchaus möglich,“ meine ich nachdenklich.

Stundenlang marschieren wir durch die Buschlandschaft. Nur Zäune, Rinder und Pferde verraten, dass wir uns durch Farmland bewegen. Manchmal überqueren wir einen weiten Track oder kommen an einer Homestead vorbei. Das ist der Zeitpunkt, wenn wir auf Menschen treffen die uns freudig begrüßen. „Wie sieht es mit den vergifteten Dingoködern aus? Habt ihr in den letzten Monaten welche ausgelegt?“ ,ist Tanjas Standardfrage. „Wir nicht aber der Nachbar hat erst vor wenigen Wochen Dingoköder ausgeworfen. Ihr müsst sehr auf euren Hund achten,“ hören wir. Um Rufus weiterhin sicher durch das oft vergiftete Land zu bringen darf er wie gewohnt auf Hardie reiten. Wenn wir das Camp erreichen ketten wir ihn sofort an einen schattigen Baum. Vorher aber rechen wir seinen Lagerplatz sauber, um wirklich sicher zu gehen das nicht doch ein vertrockneter Giftköder herumliegt. Auch untersuchen wir ihn jetzt schon seit Wochen jeden Abend nach Zecken. Es gibt hier eine Zeckenart die in der Lage ist einen Hund in kurzer Zeit zu töten. Eine Frau hat uns sogar gewarnt, dass ein Hund schon wenige Stunden nach einem dieser Zeckenbisse stirbt. Andere Farmer haben diese Aussage wiederlegt. Trotzdem sind die Zecken dafür bekannt Hunde und andere Tiere regelrecht zu lähmen. Sollte dieser Lähmungszustand eintreten ist es meist zu spät. Es sind schon viele Hunde daran gestorben.

Durch die verheerende Trockenheit fällt es uns nach wie vor nicht leicht einen geeigneten Campplatz zu finden. Nur an den Ufern, von oft ausgetrockneten Flüssen und Bächen, entdecken wir genügend Grünzeug für unsere großen Vegetarier. Unweit einer Homestead schleichen wir uns durch das Creekbett. Das Gebell eines Hundes hallt über die Eukalyptusbäume. Wir sind todmüde und wollen von den Menschen nicht entdeckt werden. Nicht das wir plötzlich menschenfeindlich geworden sind aber die vielen Gespräche und Erklärungen in den letzten Tagen rauben uns die letzte Energie. Unser einziger Wunsch ist jetzt das Camp aufzubauen, zu essen und so schnell wie es nur geht in die Schlafhülle zu kriechen.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 242-243 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 633-634

Sonnenaufgang:
05:28

Sonnenuntergang:
18:55

Luftlinie:
20,4 - 19,7

Tageskilometer:
31 - 24

Gesamtkilometer:
6663 - 6687 km

Temperatur - Tag (Maximum):
35° - 30° Grad, Sonne ca. 55° - 50°

Temperatur - Nacht:
20°

Breitengrad:
23°26’49.4“ / 23°28’29.8“

Längengrad:
149°10’31.9“ / 149°21’55.6“