« Zurück       Weiter »

Wir können nur beten das es bald zu regnen beginnt

Eastmere-Camp — 03.12.2002

Auch um 3:00 Uhr am Morgen ist es noch genauso feucht. Alles ist unangenehm klamm. Wir haben das Gefühl in einer Sauna zu sein. Verwundert blicke ich zum Himmel, doch keine Wolke verdeckt das Leuchten der Sterne. „Seltsames Wetter,“ sage ich leise als ich die Campbetten zusammenbaue. „Meinst du es wird Regen geben?“ ,fragt Tanja. „Keine Ahnung. Vielleicht hat es irgendwo geregnet und wir bekommen nur die feuchte Luft ab?“ ,antworte ich müde und setze mich neben ihr in meinen Stuhl, um mein Müsli zu essen.

Wir sind gerade beim Laden der Kamele als sie plötzlich wie die Irren nach oben explodieren. Es kostet uns große Mühe sie unter Kontrolle zu bringen, bis wir die Ursache ihres Verhaltens erkennen. Ein Man hat seinen Jeep etwa 50 Meter hinter unserem Camp abgestellt. Langsam kommt er auf uns zu. Die Kamele sind solche frühen Besucher mitten im Busch nicht gewohnt und glauben wahrscheinlich einen Geist zu sehen. „Hallo! Mein Name ist Bob,“ stellt sich der Mann freundlich vor. „Es hat einige Zeit benötigt, um euch zu finden. Meine Frau und meine Tochter waren gestern ganz verzweifelt als sie euch nach einer zwei Stunden langen Suche nicht entdeckten. Sie wollten euch Wasser bringen. Ashley von Fortuna hat uns angerufen und berichtet das ihr knapp mit Wasser seid,“ sagt er. „Oh, schade das sie uns nicht gefunden haben. Wir mussten diesen abgeholzten Wald überqueren, um diesen Schattenplatz und etwas Fressbares für unsere Jungs zu finden. In dem Gelände haben wir kaum Spuren hinterlassen,“ antworte ich.

Im Laufe des Gespräches stellt es sich heraus das Bob der Manager von Eastmere Station ist. Da wir wieder unsere Kräfte schwinden spüren und uns nicht mehr völlig ausbrennen wollen, treffen wir die kurzfristige Entscheidung Bob zu fragen ob wir auf Eastmere ein paar Tage bleiben dürfen. „Aber gerne. Ihr könnt euch bei uns so lange ausruhen wie ihr wollt,“ lädt er uns ein.

AMEISEN IM TRINKSCHLAUCH

Motiviert, ein erreichbares Ziel vor Augen zu haben, laufen wir los. Die enorme Luftfeuchtigkeit lässt uns erbärmlich schwitzen. Mein Hemd ist glitsch nass und klebt kalt auf der Haut. Trotzdem lassen wir unsere Stimmung nicht beeinflussen. Immer wieder legen wir einen kurzen Trinkstopp ein. „Uuaaahh!“ ruft Tanja plötzlich und spuckt das Wasser wieder aus. „Was hast du denn?“ „Ameisen! Ahhh!“ ruft sie und spuckt wieder und wieder. Mein Blick fällt auf dem Boden. Tatsächlich wimmelt es auf den ausgespuckten Stellen von kleinen Ameisen. „Sie haben sich an meinen Rachen und auf der Zunge festgebissen,“ sagt Tanja laut atmend und immer noch spuckend. „Sie müssen nachts in den Wassersack gekrochen sein,“ meint sie und trinkt jetzt ein paar große Schlucke, um das unangenehme Brennen im Hals loszuwerden. „“Anscheinend waren sie im Trinkschlauch?“ ,stelle ich fragend fest. „Ja, aber jetzt ist es gut.“ „Brennt es sehr?“ ,frage ich.“ „Es lässt langsam nach.“ Minuten danach setzt sich unser Zug des Lebens wieder in Bewegung. Wir treffen in den frühen Morgenstunden wieder ein paar Autos der umliegenden Stations. Unser Marsch ist von flüchtigen, angenehmen Unterhaltungen unterbrochen.

Relativ früh erreichen wir dann die Homestead. Ein grüner Garten um das Haus zeigt uns das hier jemand viel Arbeit investiert. Bobs Frau Marie und Tochter Ann begrüßen uns am Zaun. Ohne viel Zeit zu verlieren zeigt mir Marie wo unsere Kamele eine Bleibe für die Rasttage finden. Da der Zaun an manchen Stellen sehr niedrig ist und wir Bedenken haben Sebastian könnte darüber steigen, schlägt Bob vor die Tiere in einem Rindergehege unterzubringen. „Ihr könnt einen Ballen Heu haben. Das wird sie einige Tage satt machen,“ bietet er uns großzügig an. Wegen der Trockenheit ist hier Heu unbezahlbar. Manche Farmer können gar keines mehr bekommen, da der Heuvorrat in gesamt Australien sehr knapp geworden ist. An der Küste kostet ein kleiner Ballen zwischen 15 und 25 Dollar. Der große Ballen, den uns Bob anbietet, entspricht ca. 10 kleinen Heuballen.

Anny fährt den schweren, runden Ballen mit einem Tracktor zum Gehege. Ich gebe unseren Jungs sofort davon zu fressen. Sich über eine Abwechslung freuend stürzen sie sich darüber.

BAUFÄLLIG UNTERKUNFT

Dann beziehen wir die baufälligen Männer Quartiere neben der Homestead. Die Unterkunft ist mit einer alten Baracke zu vergleichen. Ein überdachter, mit Moskitonetz umschlossener Gang liegt vor vier Räumen. In jedem Raum befinden sich mindestens ein altes, verrostetes Bettgestell. Auf dem staubigen Holzboden, durch dessen Plankenritzen man die Erde sieht, gammeln verschlissenen Matratzen herum. An der Decke hängt ein Ventilator der Gott sei Dank funktioniert. Als ich ihn einschalte wedelt er die heiße Luft herum. Augenblicklich sehne ich mich wieder in eines unserer Buschcamps zurück. „Ich glaube wir schlafen besser vor den Männerquartieren auf unseren Campbetten. Da werden wir uns entschieden wohler fühlen,“ sage ich.

Am Abend werden wir zum Abendessen eingeladen. Wir unterhalten uns über die vor uns liegende Strecke und den Geschehnissen auf der Farm. „Wenn die Trockenheit anhält wissen wir nicht wie wir das überstehen sollen,“ erzählt Marie und fährt fort. „Es haben sich bereit einige Farmer umgebracht. Wenn noch mehr Wasserlöcher und Dämme austrocknen werden noch mehr Kängurus, Vögel und Emus sterben. Es ist eine schlimme Zeit. Wir können nur beten das es bald zu regnen beginnt.“

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 201 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 592

Sonnenaufgang:
05:23

Sonnenuntergang:
18:48

Luftlinie:
18,4

Tageskilometer:
23

Gesamtkilometer:
6048 km

Temperatur - Tag (Maximum):
43° Grad, Sonne ca. 65°

Temperatur - Nacht:
27° Grad

Breitengrad:
22°30’04,3“

Längengrad:
145°55’04.5“