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Kraftkreise

Pelican Creek-Camp — 29.11.2002

Es ist ein furchtbar heiße Nacht. Bis früh um 1:00 Uhr hat es in der kleinen Hütte 35 Grad. Nur für wenige Augenblicke fällt das Thermometer auf einen Tiefstand von 23° Grad, bis ein weiterer heißer Wind es wieder auf knapp 30° Grad erwärmen lässt. Während Tanja tief und fest ruht, wälze ich mich bei der Affenhitze schlaflos hin und her. Müde raffe ich mich dann auf und tappe ins Bad, um mein Handtuch unter die Wasserleitung zu halten. Dann lege ich mich wieder auf die heiße Matratze, die sich sofort unangenehm an meinen schwitzenden Körper klebt und lege mir das nasse Handtuch über Brust und Bauch. Es verschafft mir zumindest soviel Kühlung und Erleichterung, um für wenige Stunden in einen unruhigen Schlaf zu fallen.

Schon kurz nach 6:00 Uhr am Morgen verabschieden wir uns von unseren großzügigen Gastgebern. „Wenn der Kamelverkauf klappt kommen wir wieder. Wir können deinen Dinosaurier nicht ewig im Creekbett schlafen lassen,“ sage ich zu Terry und gebe das Kommando zum Aufbruch.

Nach etwa 10 Kilometer treffen wir auf den schmalen Asphaltstreifen der uns in das kleine Dorf Aramac führt. Es ist ein heißer Tag, viel zu heiß, um hier draußen mit sechs Kamelen spazieren zu gehen. Trotzdem kommen wir gut voran und sind bester Laune. Obwohl die Küste immer noch ca. 600 Kilometer von uns entfernt liegt haben wir das Gefühl kurz vor unserem Ziel zu stehen. Auf der anderen Seite ist uns aber klar, das weitere unvorhergesehene Hürden auf uns warten die wir überwinden müssen. Es wäre ein Fehler die nächsten sechs Wochen auf die leichte Schulter zu nehmen aber es ist auch ein Fehler sich den Kopf über Geschehnisse zu zerbrechen die wir noch nicht mal kennen.

Am Rande von Aramac winken uns einige Menschen zu. Wir halten kurz an, um mit ihnen zu sprechen. Dann geht es weiter in Richtung Nordosten. Ein Autofahrer stoppt seinen Jeep neben uns. Wie viele alle anderen auch, denen wir begegnen, spricht er uns an als würde er uns schon lange kennen. Durch die vielen Radiointerviews der letzten Monate treffen wir hier auf Menschen die schon lange von unserer Reise gehört haben. „Ihr wisst, dass ihr in wenigen Kilometern Heart Leaf Land durchquert? Wenn ich später zurückkomme bringe ich euch eine Pflanze mit. Dann habt ihr die Möglichkeit sie mal zu sehen und seid besser vorbereitet. Allerdings solltet ihr die nächsten Tage in der Nähe dieses Tracks sicher sein. Bevor ich gehe, möchte ich euch noch sagen, dass es in wenigen Kilometern einige Kamele gibt. Ich hörte davon das euch wilde Kamele gefährlich werden können?“ „Vielen Dank für die Information aber wilde Bullen bedeuten nur in der Brunftzeit eine Gefahr. Jetzt rennen sie bei unserem Anblick höchst wahrscheinlich davon,“ antworte ich.

Es dauert nicht lange bis wieder zwei Autos anhalten. Auch diese Insassen wissen schon einiges über die Red Earth Expedition, so dass wir nicht viel erzählen müssen. „Wir gehen zu den Kraftkreisen. Sucht ihr die wohl auch auf?“ ,fragt uns eine der beleibten Damen. „Kraftkreise? Welche Kraftkreise?“ ,frage ich. „Es gibt hier in der Nähe ein paar von Menschen errichtete Steinkreise. Wenn man sie betritt sollen sie Kraft und Energie spenden.“ „Klingt ja interessant. Wer hat den diese Kraftkreise errichtet? Waren es die Aborigines?“ ,möchte ich wissen. „Nein, es waren Amerikaner. Sie sind nur ca. 15 Jahre alt. Soweit wir wissen gibt es einen dieser Steinkreise in Amerika, einen in Japan und diesen hier. Sie sollen ein Kraftdreieck bilden und sind an ganz speziellen Plätzen errichtet. Ich werde für euch ein paar Zweige als Markierung an den Straßenrand legen. Dann könnt ihr sie auch finden,“ bietet uns die Frau an.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 197 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 588

Sonnenaufgang:
05:24

Sonnenuntergang:
18:49

Luftlinie:
20,4

Tageskilometer:
26

Gesamtkilometer:
5935 km

Temperatur - Tag (Maximum):
42,3° Grad, Sonne ca. 66°

Temperatur - Nacht:
23° Grad