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Geschichten auf der Schafsfarm

Glenample-Camp — 24.11.2002 - 26.11.2002

„In meinem Gesicht kann man schwimmen gehen,“ sagt Tanja schweißüberströmt nachdem sie in der kleinen Küche ein paar Briefe geschrieben hat. So wie es aussieht wird es jetzt wieder jeden Tag wärmer. Trotzdem sind wir glücklich hier in der kleinen Hütte leben zu dürfen. Obwohl es sau heiß ist werden wir wenigstens nicht von den vielen Fliegen belästigt. Wie immer scheint die Zeit regelrecht zu rasen. Jeden Tag sitze ich hier und schreibe. Tanja sortiert wieder die Nahrung für die kommende Laufwoche. Ich gebe ein paar Interviews, versuche unsere englische Webseite aktualisieren zu lassen und vieles mehr. Obwohl Terry gerade ein Schafsschererteam da hat, um in der kommenden Woche ca. 10.000 Schafe zu scheren, fällt er jeden Tag einen Baum für unsere Kamele. „Die Bäume müssen hier sowieso weg. Macht euch keine Gedanken. Außerdem können wir eure Kamele ja nicht verhungern lassen,“ meint er und setzt die Motorsäge an. Ausgehungert fallen unsere sechs Kamelmäuler über den riesigen Leckerbissen her. Die großen runden Heuballen, die ihnen Terry gebracht hat, verschmähen sie total. Anscheinend ist nichts drin was ihnen schmeckt. Zu den Bäumen bekommen sie von Terry seine letzten acht gepressten und teuren Heuballen. Diese eckigen Ballen enthalten im Vergleich zu den großen runden Ballen alles was ein Kamel liebt. Wenn sie den Baum niedergefressen haben hauen sie sich das Leckerheu in die Rachen.

Unsere Gastgeber Heather und Terry laden uns jeden Abend zum Essen ein. Wir erzählen ihnen Geschichten über unser Leben. Auch Terry hat viel zu erzählen. Ich staune nicht schlecht, als er von seinem Schwager berichtet, der auf seiner Farm eines der größten Dinosaurierskelette Australiens gefunden hat oder wie ein Farmer eine Millionen Dollar für einen einzigen Schafswollballen bekam. Er berichtet wie er von seinem Pferd abgeworfen wurde und mit den Fingern in den Zügeln hängen blieb. Er wurde hinterhergezogen und hat dabei zwei Finger verloren. Sein Bruder hat sich mitten im Busch das Auge ausgestochen als er bei einem Unfall Motorradunfall in den Lauf seines eigenen Gewehres gefallen ist. Ein Freund hat beim Zaunpfosten bohren ein Bein verloren und vieles mehr. Da wir Angst vor dem eventuell kommenden Regen haben müssen wir unbedingt weiterziehen. Wenn es die Zeit zulässt werde ich im nächsten Update einige von Terrys Geschichten und unsere weiteren Erlebnisse erzählen…

Hier auf Glenample bin ich lange nicht so erschöpft wie bei unserer Ankunft auf Bimbah. Das ist der Grund warum ich schon nach wenigen Tagen genug Energie besitze, um mich auf die Suche nach den geheimen Aufzeichnungen unseres Hundes zu machen. Weil Rufus hier nicht so viel Versteckmöglichkeiten wie auf Bimbah hat glaube ich sein Büchlein schnell zu finden. Doch wieder habe ich nicht mit seiner Schläue gerechnet. Schnell untersuche ich die gesamte Ausrüstung.

Erfolglos setze ich mich danach auf die Holztreppe vor unserer kleinen Hütte und sehe mir das Gelände an. Ich bin mir sicher, dass er es nicht unter die Sättel gelegt hat. Das wäre zu einfach. Aber wo kann es sein? Unter einem Baum? Zu gefährlich. Jeder könnte es finden und das lässt er bestimmt nicht zu. Da unsere Hütte auf Holzstämmen steht vermute ich es dort unten. Obwohl sich dort Unrat, Spinnweben und Mäusenester nur so stapeln, krieche ich auf allen Vieren herum. Ich achte sehr darauf keiner Schlange zu begegnen. Nach einer ¼ Stunde gebe ich völlig verschmutz und verschwitzt auf. Wieder setze ich mich auf die Treppe und überlege. Nach einer Weile streife ich durchs Farmgelände. Ich komme an dem Zwinger des Farmhundes vorbei. „Na wie geht es dir da drin?“ ,frage ich ihn. Er sieht mich mit einem seltsamen Blick an. „Was hast du denn? Na komm mal her,“ sage ich, worauf er etwas unwillig zu mir läuft. Ich kann es nicht glauben. Der Farmhund und Rufus arbeiten anscheinend zusammen. „Das ist ja nicht zu fassen,“ flüstere ich leise als ich feststelle das der Farmhund auf dem Geheimdokument gesessen ist und es offensichtlich für seinen neuen Freund versteckt gehalten hat. Vorsichtig schiebe ich das Büchlein mit einem Stock ans Gitter. Dann greife ich es mir uns schlage es langsam auf…

DAS EXPEDITIONSTAGEBUCH EINES EXPEDITIONHUNDES NAMENS RUFUS

Es kann einer sagen was er will, nach so einer Rast tut der frische Reisewind um meine Hundenase wieder gut…! Wäre es nur frischer Wind. Am letzten Rasttag dachte ich ich müsste rückwärts bewusstlos ins Grass fallen, als ich Tanja entdeckte, wie sie sich an meinem Maulkorb zu schaffen machte. Als ob dieses Ding nicht schon scheußlich genug ist, muss ich beobachten, wie Tanja ein dünnes Gitter um den gesamten Korb näht. Während sie arbeitet, erklärt sie mir: „..und damit das Ganze für unseren Rufus noch bequemer wird, bekommst du hier über diesen Riemen noch ein Stück Schafsfell. Somit ist dein Nasenrücken geschützt!“ Bis zum Zeitpunkt unseres Loslaufens, dachte ich, dies muss eine Verwechslung sein. Leider bin ich mit diesem Maulkorb wirklich gemeint. Damit ist noch lange nicht genug. Die Krone setzt dem ganzen sprichwörtlich meine neue Schirmmütze auf. Erst war es mir ganz schön peinlich, so rumzulaufen. Manch einer würde mich wahrscheinlich für gemeingefährlich halten. Als Tanja und Denis mir dann allerdings immer wieder sagten wie toll ich aussehe und mir die Vorteile von Maulkorb und Schirmmütze erklärten, konnte ich mich schon besser damit abfinden. Scheinbar muss es auf Expeditionen immer wieder neue Erlebnisse geben, sonst wäre es ja ein Picknick…

Diese Erdrisse und Löcher hatten es vielleicht in sich. Es benötigte einiges an Konzentration nicht in so ein Loch zu fallen… Wer weiß, vielleicht wäre ich dann in China rausgekommen und ich habe gehört, die essen da Hunde… Grausame Vorstellung. Die Erleichterung kam, als wir auf Glenample ankamen und ich weder an der Leine oder Kette oder gar mit Maulkorb belastet war. Der Zeitpunkt unserer Ankunft hätte nicht besser sein können, denn der nette Farmer Terry war gerade damit beschäftigt, ein Schaf zu zerlegen. Da Schüchternheit zu nichts führt, bin ich aufs gerade Wohl auf ihn zu und habe ihn ganz hungrig angesehen. Mein hungriger Blick muss auf Terry mächtigen Eindruck gemacht haben, denn er warf mir ohne Unterbrechung schöne, leckere Knochen und Fleischstückchen zu.

Natürlich habe ich diesen „kleinen“ Festfressausflug für mich behalten. Welchen Grund gibt es auch, dies an die große Glocke zu hängen? Ganz artig und schnell wie immer kam ich dann auch zu Tanja gewetzt, als ich meinen Futterpfiff hörte. Meinen leckeren Hundechrunchys waren gerade die richtige Nachspeise, obwohl ich doch zugeben muss, dass ich Mühe hatte alles in meinem Bauch unter zu bekommen. Zwei Stunden später bin ich aufgeflogen als Terry meinen Menschen erzählte: „Ich dachte schon ich bekomme euren Hund Rufus nie mehr satt. Junge, der kann ja Unmengen verdrücken.“

Es ist ein Leben der Enthüllungen als Expeditionshund…

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 192-194 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 583-585

Sonnenaufgang:
05:25

Sonnenuntergang:
18:46-18:48

Gesamtkilometer:
5909 km

Temperatur - Tag (Maximum):
38°-41° Grad, Sonne ca. 62°-67°

Temperatur - Nacht:
19°-28° Grad

Breitengrad:
22°55’24,4“

Längengrad:
145°06’30.4“