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Ein fantastisches Leben

Mayne River-Camp — 12.10.2002 - 14.10.2002

Nach einem fantastischen Schlaf setzen wir uns unter die Gidyeabäume um zu frühstücken. Schon um 08:00 Uhr ist es 30 Grad warm. Wir beschließen die große, massive Plastikfolie, die wir gekauft haben, um unsere Ausrüstung vor heftigen Regen zu schützen, als Sonnenschutz in die Bäume zu hängen. Gut gelaunt klettere ich dann in dem Geäst herum, um das Schutzdach zu verspannen. Dann setzen wir uns wieder und freuen uns wie kleine Kinder über den genialen Schatten. Tanja packt einen weiteren Vorratssack auf und stellt eine riesige Überraschung auf den Tisch. „Ich habe zwar keinen Geburtstag aber trotzdem dürfen wir heute soviel Schokolade essen wie wir wollen.“ „Ja! Das ist ja fantastisch,“ rufe ich freudig erregt und greife mir eine kleine Rapunzel Schokolade nach der anderen. Da Rapunzelschokolade aus rein biologischen Zutaten hergestellt wird habe ich auch kein schlechtes Gewissen meinen Körper all zu sehr zu schaden und bekomme einen regerechten Fresswahn. Dem armen Rufus hingegen geht es bei den Temperaturen im Augenblick nicht so gut. Wegen der Gefahr der vergifteten Köder muss er an der Kette bleiben. „Warum?“ ,scheint er uns zu fragen, doch wir können es ihm leider nicht erklären. Tanja geht immer wieder mit ihm eine Runde spazieren. „Du solltest mal seinen Kot ansehen. Man könnte glauben er scheißt Backsteine,“ meint sie. „Ich glaube er braucht mehr Flüssigkeit. Was hältst du davon sein Hundefutter mit Wasser zu verdünnen?“ „Eine gut Idee,“ lacht Tanja und setzt sie in die Tat um.

Obwohl das Thermometer um 13:00 Uhr auf 40° Grad steigt und ich in der Sonne sogar 65° Grad messe ist es ein schöner Tag. Ich habe mir vorgenommen heute frei zu nehmen und erst morgen mit dem Schreiben zu beginnen. Das ist ein Grund den Augenblick erst recht zu genießen und zu feiern. Am Abend backen wir im Campfeuer eine leckere Pizza. Der Duft zieht übers Lager. Die Kamele schauen uns neidisch zu als mein Mund in die Köstlichkeit beißt und meine Geschmacksnerven regelrecht verrückt spielen. Wir unterhalten uns unter dem Dach des Himmelszeltes über unsere Erlebnisse und was wir daraus gelernt haben. Von Zeit zu Zeit unterbrechen wir unser interessantes Gespräch, wenn eine der vielen Sternschnuppen durch den nächtlichen Himmel jagen, und sehen ihnen zu. Es ist ein traumhaftes Leben hier draußen. Ein Leben dessen Höhen uns bald täglich beschenken und Tiefen uns geradezu unglaublich viel lernen lassen…

Da Rufus wegen den Anstrengungen des Marsches sich schon früh auf seinen Schlafsack verzogen hat, nutze ich die günstige Gelegenheit nach seinem Tagebuch zu suchen. Bevor ich mich diesmal allerdings hinreisen lasse unter jeder Satteltasche und den verschiedensten Ausrüstungsgegenständen nachzusehen überlege ich erst mal. Mit welcher Logik versteckt ein Hund seine Geheimnisse vor dem Menschen? Hm, er hat mit höchster Wahrscheinlichkeit festgestellt, dass ich ab und zu in seinen streng geheimen Aufzeichnungen schmökere. Genau deswegen findet er immer bessere Verstecke und ich bin gezwungen immer länger zu suchen. Ich sitze nun in meinem Campstuhl und lasse meinen Blick durch das Lager schweifen. Rufus ahnt nichts von meiner geplanten Tat. Er liegt träumend und zuckend neben meinem Campbett. Das ist gut so. Erst können meine Augen nichts entdecken aber als sie auf unser Schattendach fallen muss ich schmunzeln. Irgendwie hat er es fertig gebracht sein Tagebuch auf das Dach zu werfen. Normalerweise wäre ich da nie drauf gekommen aber durch das Lichtspiel des Mondes schimmert die Silhouette des Buches durch die Folie.

DAS EXPEDITIONSTAGEBUCH EINES EXPEDITIONHUNDES NAMENS RUFUS

Ich bin so froh über den Knochen, den mir Norman der Koch von Marion Downs zum Abschied geschenkt hat. Zwar ist der einst riesige Rinderschulterknochen unter meiner Bearbeitung schon heftig geschrumpft, doch hält er mich bei diesen Trockenzeiten einiger Maßen über Wasser- haha – Witz gemacht. Wasser ist so ungefähr das Wenigste was es hier gibt. Trotzdem bin ich froh meinen Knochen dabei zu haben. Manchmal bin ich sogar vor Erschöpfung mit meinem Kopf darauf eingeschlafen. Zurück zum Wassermangel, es ist so trocken, dass selbst das Goofy machen (mich entleeren) schmerzhaft ist. So musste ich sogar vor wenigen Tagen dies bezüglich etwas aufheulen. Da im Kamelcamp Privatsphäre kleingeschrieben ist kam Tanja gleich angewetzt, um einen Blick auf mich und dann auf meinen Goofy zu werfen. Natürlich wird hier auch nichts diskret für sich behalten und gleich lautstark an Denis die ganze Informationsfülle weitergeleitet. Denis antwortete darauf, dass der arme Kerl ja ab Mittags das Trinken einstelle, da ihm das Wasser zu heiß wird. Tanja meinte darauf, dass wir einen Plan B bräuchten, um mehr Wasser in den Rufus hinein zu bekommen. Seitdem trinke ich mein Abendfresschen mit dem Strohhalm. Plan B ist meine Hundecrunchys bis zur Unkenntlichkeit einzuweichen. Allerdings muss ich zu geben, dass es mir nun besser geht.

Fast zeitgleich ereignete sich eine andere, drastische Veränderung in meinem Hundeleben. Nachdem wir durch das Gatter von Mount Windsor Station geschritten sind, begriff ich erst nicht was Tanja meinte als sie sagte: „Ab jetzt gilt für Rufus Sicherheitsstufe 1.“ Seit diesem Zeitpunkt bin ich entweder an der Kette oder an der Leine oder darf den Sattel von Hardie nicht verlassen. Für mich ist es fast nicht vorstellbar, dass jemand vergiftetes Fleisch für kleine Hunde auslegt. Als wenn das nicht alles schon schlimm genug wäre, hat mir Denis auch noch einen neuen Spitznamen verpasst. „Ketterich.“ Es ist ein unfreies Leben als Ketterich…

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 149-151 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 540-542

Sonnenaufgang:
06:03-06:01

Sonnenuntergang:
18:36-18:37

Temperatur - Tag (Maximum):
38°-40° Grad, in der Sonne ca. 57°-65°

Temperatur - Nacht:
9,2°-13,2° Grad

Breitengrad:
23°39’35.5’’

Längengrad:
141°38’50.5’’