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Unzählige Fliegen und wimmernde Muskeln

Tanjas Geburtstags-Camp — 29.08.2002

In meinem eigenen Schweiß schmachtend drehe ich mich von links nach rechts. Es ist die erste heiße Nacht. Um 1:00 Uhr zeigt das Thermometer immer noch 25° Grad. Todmüde und mit wimmernden Muskeln liege ich unter meinem Schlafsack. Genervt schiebe ich das Ding auf die Seite und freue mich, wenn eine leichte Briese über unseren Schlafhügel streift. Lange beobachte ich die Sterne, falle für unbestimmte Zeit in einen unruhigen Schlaf, bis ich wieder aufwache.

Noch bevor die Sonne aufgeht wecken uns die Fliegen. Sie scheinen durch die plötzliche Hitze in ganzen Kompanien aus ihren Verstecken gekommen zu sein und sich nach dem langen kalten Winter auf alles zu stürzen, was sich bewegt. Weil ich im Augenblick absolut regungslos daliege, lassen sich die lästigen Zeitgenossen auf meiner Nase, Augen, Ohren und Lippen nieder, bis ich mir selbst eine kräftige Ohrfeige verpasse. „Ssssuuu, ssssuuu,“ surrt es für wenige Sekunden aufgeregt. In wilden Kreisen zirkeln die frechen Insekten um meinen Kopf und landen tollkühn auf dem Gesicht. „Das ist ja nicht auszuhalten,“ rufe ich ärgerlich und springe auf. Obwohl es mit den ersten Sonnenstrahlen schon recht warm ist versteckt sich Tanja vor den Fliegen in ihrem Schlafsack. Mir ist es unbegreiflich wie sie es da drin aushält. Kopfschüttelnd schlurfe ich müde und zweifellos angeschlagen von unserem Schlafhügel.

Unsere Campstühle und die Essensboxen werden von der wärmer werdenden Sonne bestrahlt. Wie in Zeitlupentempo schlichte ich alles auf die andere Seite der zwei Gidyeabäume, auf der jetzt noch Schatten ist. Dann zünde ich das Feuer an, um das Wasser im Billy zu kochen. Mittlerweile kommt auch Tanja und setzt sich laut stöhnend in ihren Stuhl. „Bevor ich die Kamele hüte, muss ich erst mal etwas essen.“ „Magst du Tee? Das Wasser kocht schon,“ frage ich. „Nein danke, ich mache mir einen Kaffee.“

Als Tanja dann die Kamele von den Bäumen losbindet sitze ich immer noch in meinem Stuhl. Ich fühle mich wie erschlagen. Jetzt wo ich weiß die Simpson Wüste geschafft zu haben fällt offensichtlich eine starke Belastung von mir ab. Eine allgemeine Müdigkeit und Erschöpfung ist über uns gekommen und fordert uns auf unsere Körper auszuruhen und die Seele baumeln zu lassen.

Nachdem Tanja vom Hüten zurückkommt holen wir die Campbetten vom Schlafhügel und stellen sie im Halbschatten der Gidyeabäume auf. Die Temperaturen sind mit 38° Grad im Schatten und 59° Grad in der Sonne unerträglich und die Fliegen treiben mit uns ihren Psychoterror. Trotzdem sind wir froh heute nicht laufen zu müssen und genießen den Luxus bis zum späten Nachmittag vor uns hinzudösen.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 105 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 496

Sonnenaufgang:
06:29

Sonnenuntergang:
18:03

Temperatur - Tag (Maximum):
38° Grad, in der Sonne ca. 59° Grad

Temperatur - Nacht:
22° Grad

Breitengrad:
23°29’02.3’’

Längengrad:
138°44’53.3’’