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Verdiente Rast

Smith Bore-Camp — 19.08.2002 - 21.08.2002

Die Stimmung in unserem Camp ist ausgesprochen gut. Wir haben nun schon bald 300 Kilometer durch die Simpson Wüste zurückgelegt und sind froh, dass es bisher einfacher war als wir dachten. Vor allem, dass es bis jetzt keine unangenehmen Zwischenfälle zu verzeichnen gibt und wir alle zusammen gesund sind. Ich sitze hier bei angenehmen 27° Grad im Schatten meines Buschbüros und schreibe über unsere Erlebnisse. (Erklärung des Buschbüros Tagebuchgesamtübersicht vom 13.07.01 Tag 28 Etappe Zwei und vom 21.09.01-22.09.01 Tag 98-99 Etappe Zwei) Rufus döst im Halbschatten neben der vor sich hinrauchenden Feuerstelle und Tanja malt an einem ihrer Bilder. Die Kamelglocken bimmeln leise vor sich hin, was uns verrät, dass sie ihre dicken Bäuche füllen. Eine leichte Brise säuselt durch den lichten Wald. Noch liegen ca. 100 Kilometer Wüste vor uns bis wir wieder Farmland erreichen. Bis zur Ostküste Australiens sind es immer noch ca. 1600 Kilometer, aber das ist gut so, denn noch sind wir nicht bereit für das Ende dieser großartigen Expeditionsreise.

Am Abend kann ich es wiedereinmal nicht erwarten den geheimen Bericht unseres treuen Gefährden zu lesen. Da er bereits, von der durchaus anstrengenden Woche, völlig fertig in seinem Schlafsack liegt, ist es für mich keine Schwierigkeit mich unbeobachtet auf die Suche nach seinem Büchlein zu machen. „Wo ist es denn nur? Er lässt sich aber auch immer bessere Verstecke einfallen,“ flüstere ich und sehe unter allen Sätteln nach. Es ist nicht zu finden. Auch in unserer Badtasche taucht es nicht auf. „Wo hat er es nur versteckt?“ Ich sehe unter seinen Schlafsack, unseren Betten und den leeren Wassersäcken nach aber nirgends ist dieses Tagebuch zu sehen. Etwas verzweifelt setze ich mich auf mein Bett und überlege als mein Blick rein zufällig auf Tanjas Kopfkissen fällt. „Das kann doch nicht wahr sein? Der schlaue Hund hat es doch tatsächlich fertig gebracht sein Buch unter ihr Kissen zu schmuggeln. Würde nicht eine Ecke herausspitzen hätte ich es nie entdeckt.

DAS EXPEDITIONSTAGEBUCH EINES EXPEDITIONHUNDES NAMENS RUFUS

Junge, Junge bin ich über diese Rast einmal wieder froh. Die Ereignisse bei uns überschlagen sich schier. Da braucht so ein kleiner Hund wie ich schon mal eine Verschnaufpause. Was mich letzte Woche also völlig aus dem Konzept gebracht hat, war dieser kleine Simpson… Das meine Menschen ihm aber auch gleich einen Namen gegeben mussten? Haben die den nicht bemerkt, dass dieser Kameljunge ganz anders riecht als die anderen? Alleine das kam mir schon sehr suspekt vor.

Dieser kleine Simpson muss schon schrecklich alleine gewesen sein. Er hat am ganzen Körper gezittert, ist aber trotzdem geblieben und hat sich unserer Gruppe mehr und mehr angenähert. Spätestens als Tanja dann beim Kamelhüten für die Kamele gesungen hat, hätte ich als wildes Kamel das Weite gesucht, doch selbst das hat ihn nicht abgeschreckt… Scheint ein ganz zäher Bursche gewesen zu sein! Als er am nächsten Tag dann auch wirklich mit uns mitkommen wollte hatte ich zuviel und schlug ich ihn mit wildem Gebelle in die Flucht.

So eine Wüstendurchquerung hat es echt in sich und ich frage mich, ob ich als tapferster Hund aller Zeiten den SIR Titel erhalten könnte?…SIR RUFUS VON FURCHTLOS & ZU ALLEM BEREIT, DER GRÖSSTE ALLER ZEITEN! Ja, so stelle ich mir das ungefähr vor… Die Hundefrauerherzen werden mir zufliegen und ich habe die Qual der Wahl.

Momentan habe ich allerdings noch die Qual des Spinifexgras und das ist wirklich nicht lustig. Über Stunden hinweg hüpfe ich Tag ein und Tag aus über einen Spinifexbüschel nach dem anderen. Die große Erleichterung kam, als ich kurz vor der Smith Bore auf Hardie reiten durfte. Mann, habe ich mich gefreut! Eine Sicht ist das vielleicht da oben. So lässt es sich Reisen. Als die vielen toten Rinder kamen, wäre ich allerdings gerne unten direkt am Geschehen gewesen. Naja, man kann eben nicht alles haben.Es ist ein spannendes Leben als Expeditionshund…

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 95-97 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 486-488

Sonnenaufgang:
06:40

Sonnenuntergang:
18:04

Temperatur - Tag (Maximum):
25° Grad, in der Sonne ca. 31° Grad

Temperatur - Nacht:
4° Grad

Breitengrad:
23°22’09.4’’

Längengrad:
137°43’48.8’’