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Traust du den Bäumen hier?

Smith Bore-Camp — 18.08.2002

Am Nachmittag erreichen wir einen düneartigen Hügel der über und über mit Steinen übersäht ist. Vorsichtig führe ich unsere Jungs über den ungewohnten harten Untergrund. Wir durchschreiten ein weites Tal in dem wir wieder die ersten Gidyeabäume seit Huckitta Station entdecken. „Traust du diesen Bäumen?“ ,fragt Tanja. „Dean hat zwar gesagt das sie hier in der Wüste nicht giftig sind aber ehrlich gesagt möchte ich mich nicht darauf verlassen.“ „Ich auch nicht,“ antwortet Tanja skeptisch.

Auf einmal ist das gesamte Tal mit den vermeintlichen Giftbäumen bewachsen. Ich führe unsere Karawane jetzt teilweise im Schatten dieser Bäume und beobachte ob einer unserer Jungs versucht in die Blätter zu beißen. „Sie sind nur tödlich, wenn sie ausschließlich davon fressen,“ hat die Forscherin Birgit mich damals beruhigt. Trotzdem empfinde ich ein leichtes Unbehagen. Plötzlich fliegen etwa hundert Meter vor uns ein paar Krähen in die Luft. Aufmerksam haftet mein Blick auf den braunen Fleck von dem die Krähen hochgeschreckt sind. Ist das eine tote Kuh? Nur Sekunden später bekomme ich die Antwort. „Camis udu,“ stoppe ich die Karawane und starre erschrocken auf zwei tote Rinder, die unter einem Gidyeabaum unweit von einem Zaun liegen. „Schau mal da rüber,“ sage ich zu Tanja auf die verendeten Kühe und den Zaun deutend. „Ob sie von den Bäumen gefressen haben?“ „Keine Ahnung. Das da gleich zwei liegen ist auf jeden Fall seltsam. Der Zaun ist anscheinend der Grenzzaun von Tobermorey Station. Von hier aus sind es nur noch 1,5 Kilometer bis zur Smith Bore. Wir stehen kurz vor einem Etappenziel der Simpson Wüste,“ sage ich und weiß nicht ob ich mich freuen soll. „Müssen wir den Zaun überqueren?“ „Ich denke wir folgen ihm etwas und wenn wir kein Gatter finden müssen wir ihn wie üblich umlegen,“ antworte ich und führe unsere Kamele weiter.

„Um Gottes Willen, da liegen ja noch mehr Rinder. Oh weh stinkt das hier,“ rufe ich entsetzt, unsere Jungs um drei weitere tote Tiere ziehend. Wir wollen es nicht glauben als wir jetzt auf immer mehr verendete Rinder stoßen. Ihre Haut spannt sich wie bei einer Trommel über die verwesten und halbverwesten Skelette. Die Mäuler stehen offen als hätten ihre Besitzer kurz vor dem Tod unter fürchterlichen Qualen um Hilfe gebrüllt. Der wohltuende Schatten der Gidyeabäume ist trügerisch. Während Tanja Sebastian hält fotografiere und filme ich die schreckliche Szene. Insgesamt liegen hier auf einem etwa 100 Meter langen und 50 Meter breiten Erdstreifen 20 vergiftete Rinder. Welch ein Schaden für den Stationbesitzer. „Ob sich hier eine Rinderzucht überhaupt lohnt?“ ,frage ich mehr mich selbst. „Wahrscheinlich bleibt ihm nichts anderes übrig als die Tiere mit dem genetischen Impfstoff zu spritzen von dem uns Dean erzählt hat. Ich kann mir nur vorstellen, dass dies hier die Rinder sind die nicht behandelt worden sind, weil man sie beim Rinderzusammentrieb übersehen hat,“ vermutet Tanja. „Wer weiß. Auf jeden Fall ist unsere Frage eindeutig beantwortet worden. Auch die Gidyeabäume hier in der Simpson sind tödlich giftig,“ sage ich und führe unsere Jungs von dem schrecklichen Anblick fort.

Nur fünf Minuten später entscheide ich mich den Zaun umzulegen. Ohne Zwischenfall überschreiten wir ihn. Nach weiteren 500 Metern werden die Giftbäume von Eukalyptusbäumen abgelöst. Tausende von Rinderspuren haben hier wieder den Boden malträtiert. Wir kommen an einer verfallenen Koppel vorbei und erreichen einen großen Wassertank der in meiner Karte als Smith Bore bezeichnet ist. Eine Solaranlage scheint das Wasser aus dem Boden in den Tank zu pumpen. Jetzt doch freudig auf frisches Trinkwasser zu treffen, klettere ich den Tank hoch, um hineinsehen zu können. Mein entsetzter Blick fällt auf den ausgetrockneten und aufgesprungenen Boden des Auffangbeckens. „Da ist kein Tropfen Wasser drin,“ rufe ich Tanja enttäuscht zu. „Da führt ein Schlauch in die Talsenke. Dort wo all die Rinder stehen. Da muss es doch Wasser geben,“ antwortet sie.

Erwartungsvoll folge ich dann der schwarzen Röhre in die angegebene Richtung. „Wasser!“ ,rufe ich jubilierend als ich entdecke wie am Ende der Leitung klares Wasser in einem Lehmdamm, gleich neben dem trockenen Flussbett des Field Rivers, plätschert. Eine riesige Rinderherde reißt bei meinem Anblick erschrocken aus. Dichter Staub legt sich über uns wie eine Wolldecke. Es dauert Minuten, bis ich wieder klar sehen kann. Erwartungsvoll probiere ich dann von der nassen Köstlichkeit, um festzustellen ob sie für Menschen genießbar ist. „Schmeckt etwas nach Lauge aber ist nicht schlecht,“ nuschle ich in meinen Bart.

Wir huschen unsere Kamele nieder und damit sie nicht vor Schreck aufspringen, wenn das neugierige Rindsvolk vorbeischaut, binden wir ihnen die Vorderbeine zusammen. Dann laufen wir insgesamt 28 Mal von den Kamelen zur Wasserstelle, um ihnen 28 Zehn -Litereimer zum saufen zu geben. Auch für uns laden wir noch mal 40 Liter Wasser auf, um für unsere wohl verdienten Rasttage genügend zu trinken zu haben.

Nur einen Kilometer vom ausgetrockneten Field River Bett finden wir einen geeigneten Lagerplatz für die nächsten drei Tage. Obwohl auch hier jeder Quadratzentimeter der Erdoberfläche von den Rinderfüßen totgequält wurde wachsen hier saftige Fressbäume für unsere Wüstentiere die von den Rindern anscheinend verschmäht werden.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 94 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 485

Sonnenaufgang:
06:42

Sonnenuntergang:
18:03

Luftlinie:
21,5

Tageskilometer:
27

Temperatur - Tag (Maximum):
25° Grad, in der Sonne ca. 31° Grad

Temperatur - Nacht:
4° Grad

Breitengrad:
23°22’09.4’’

Längengrad:
137°43’48.8’’