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Ich möchte ihn „Kleiner Simpson“ nennen

Dünental-Camp — 16.08.2002

Mmmmööööhhhrrrr! ,weckt uns das Gejammer von Edgar. „Was war das?“ „Da ist garantiert ein wildes Kamel im Camp,“ sagt Tanja. „Keine Ahnung,“ antworte ich mir die kalte Nasenspitze reibend. Ein Blick auf das Thermometer lässt mich regelrecht zusammenfahren. „ Stell dir vor, es hat minus 7,2° Grad,“ wundere ich mich und drehe mich noch mal auf die Seite. Tanja hingegen steht auf, um nachzusehen warum Edgar solche seltsamen Töne von sich gibt. „Da ist tatsächlich ein wilder Bulle bei unseren Jungs!“ ,ruft sie worauf ich mich aus meiner Schlafhülle schäle. Wenig später beobachten wir den jungen Kamelhengst der friedlich neben unseren Tieren an den Büschen frisst. Ängstlich blickt er uns entgegen und als wir näher kommen bemerkt Tanja, dass er vor Angst am ganzen Körper zittert. „Er ist wahrscheinlich von einem dominanten Bullen aus seiner Herde vertrieben worden und fühlt sich so schrecklich einsam, dass er trotz unserer Anwesenheit hier bleiben möchte,“ kombiniere ich. „Ob er wirklich bei uns bleiben wird?“ „Kann schon sein.“ „Dann haben wir ab jetzt wieder sieben Kamele?“ „Möglich ist alles.“ „Es fragt sich dann nur noch was wir mit ihm machen wenn wir in zivilisiertere Gegenden kommen. Das könnte ein Problem werden.“ „Hm, mal sehen was bis dahin geschieht. Vielleicht ist er dann zahm und wir können ihm einen Sattel laden,“ scherze ich.

Am Nachmittag schalte ich zur vereinbarten Zeit unser Funkgerät ein, dessen Antenne ich in einen Baum neben dem Lager hoch aufgehängt habe. „Jo & Tom? Seid ihr auf Empfang?“ ,rufe ich ins Handmikrofon. „Ja Denis, wir können dich recht gut verstehen,“ erleichtert uns Jos Antwort. „Das ist ja fantastisch wenn man bedenkt, dass ihr bald 2500 Kilometer von uns entfernt seid!“ „Ja es ist wirklich wunderbar wieder einmal Kontakt zu haben.“ „Jo? Bevor die Verbindung wieder abreißt habe ich eine Frage. Sebastian hat schon zum zweiten Mal eine etwa zwei Zentimeter lange, recht fette, Made herausgeniest. Ist das bedenklich?“ „Nein Denis. Es sind Fliegen die ihre Eier in den Kamelnasen ablegen. Daraus schlüpfen dann die Maden und wenn sie groß genug sind werden sie herausgeniest.“ „Ah, das ist eine sehr gut Neuigkeit.“ „Du darfst die Made aber auf keinen Fall anfassen. Sie haben einen starken Haken mit dem sie sich im Fleisch regelrecht festhaken. Ich habe einmal so eine Made angefasst, worauf mein Finger sofort blutete.“ „Danke für die Information Jo aber wie du weißt fasse ich hier draußen eh nichts an was ich nicht kenne. Es gibt einfach zuviel giftige Insekten.“ „Natürlich Denis. Wie geht es euch? Seid ihr alle gesund?“ Mit wenigen Worten erzähle ich Jo den Expeditionsverlauf, von dem jungen Kamelbullen und das wir morgen weiterlaufen werden. „Cowboy John wird am 20. 08. 02 den Eighty Mile Beach Caravan Park verlassen, um nach Queensland zu fahren. Wo soll er euch den Lebensmittelnachschub hinbringen den er von New Haven abholt?“ „Sag ihm bitte das wir Anfang September die Simpson Wüste durchquert haben und wahrscheinlich auf Marion Downs Station ein paar Tage Rast einlegen. Es wäre schön wenn wir ihn dort treffen können.“ „Ich werde es ihm ausrichten. Bei unserem letzten Funkkontakt hat er uns gesagt, dass er sich auf euch freut.“

Wir unterhalten uns noch einige Zeit über die organisatorischen Dinge und vereinbaren einen weiteren Funkkontakt wenn wir in zwei Tagen Smith Bore erreicht haben.

Nachdem ich einigen ABC Radiostationen und Radio hr4 den bisherigen Verlauf der Wüstendurchquerung schilderte, repariere ich meine Schuhe und genieße den Tag. Am Nachmittag ist der wilde Kamelbulle immer noch bei uns. „Ich möchte ihn Kleiner Simpson nennen,“ sagt Tanja. „Ist ein guter Name,“ entgegne ich und sehe ihm zu wie er von Hardie zu Edgar läuft, um an seinem Maul zu schnüffeln.

Rufus hat den kleinen Simpson noch lange nicht in unserer Gruppe akzeptiert. Immer wieder läuft er zu ihm hinüber, um ihn genauer unter die Lupe zu nehmen. Dann umkreist er ihn wie eine Beute, bellt ein paar Mal und kommt zu unserer Lagerstätte zurück. „Bist ein guter Wachhund. Lass dich bloß nicht von ihm treten,“ warne ich ihn, worauf er mich mit seinen treuen Augen ansieht.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 92 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 483

Sonnenaufgang:
06:46

Sonnenuntergang:
18:04

Temperatur - Tag (Maximum):
21° Grad, in der Sonne ca. 28° Grad

Temperatur - Nacht:
minus 7,2° Grad

Breitengrad:
23°18’47.3’’

Längengrad:
137°17’53.6’’