« Zurück       Weiter »

Die Psyche spielt uns einen Streich

Falscher-Track-Camp — 02.08.2002 - 03.08.2002

Wegen der Wassersituation beeile ich mit dem Schreiben und versuche unsere Aufzeichnungen in zwei Tagen zu schaffen. Auch müssen wir wieder drei Sättel reparieren. Ich habe es mittlerweile aufgegeben mich über die sich ständig wiederholende Arbeit zu beklagen. So wie es aussieht ist sie ein Teil der gesamten Expedition. Allerdings muss ich auch zugeben dass die Sättel im Vergleich zum Anfang viel besser funktionieren. Wir haben in den Jahren ohne Zweifel eine Technik entwickelt die uns zu richtigen Sattelexperten werden ließ. Immerhin müssen unsere Kamele im Schnitt 1100 Kilogramm über eine Entfernung von bald 7000 Kilometer tragen. Das bedeutet natürlich, dass die Sättel absolut perfekt, wie Maßschuhe, sitzen müssen.

Am Abend entfachen wir ein Feuer und essen schmackhafte Nudeln mit Tunfisch und Parmesankäse. Wir trinken heißen Pfefferminztee gesüßt mit Rohzucker und unterhalten uns über die vor uns liegende Wüste. „Ich hoffe wir haben mit dieser Entscheidung keinen Fehler gemacht?“ ,flüstert Tanja. „Ich glaube nicht. Wir durchquerten in den vergangenen Jahren schon viele Wüsten. Auch die letzten 600 Kilometer waren sehr einsam. Es war zwar keine Wüste aber es war sehr trocken und die meiste Zeit lag jede menschliche Zivilisation Hunderte von Kilometer von uns entfernt.“ „Du hast recht. Es ist die Psyche die uns da einen Streich spielt.“ „Ohne Zweifel. Oft ist es egal wie weit wir uns von anderen Menschen entfernt befinden. Man kann hundert Meter vor einem Farmhaus bewusstlos zusammenbrechen. Wenn die dort lebenden Menschen es nicht zufällig sehen ist es durchaus möglich so dicht vor dem Ziel zu verdursten. Als ich vor vielen Jahren einen Kontakt zu den Yanomami Indianern in Venezuela hatte, erzählte mir unser Dschungelpilot das einer seiner Kollegen nur einen Kilometer vom Flughafen entfernt auf einem Felsen notlanden musste. Er stieg unverletzt aus seiner Maschine und suchte sich einen Weg zum rettenden Flughafen. Da er keinen Kompass besaß lief er unglücklicher Weise immer im Kreis herum, solange bis er verdurstet ist. Er war nur einen Kilometer weg vom rettenden Wasser und hat schaffte es nicht. Später zeigte mir unser Pilot die Absturzstelle. „Schau da unten auf dem Felsen sind einige aufgekratzte Flächen. Sie sind das Einzige was man aus der Luft von dem Absturz sieht. Das Flugzeug hat sie während der Notladung in den Fels gerissen. Es ist dann in den Dschungel geschlittert und war aus der Luft nicht auszumachen. Viel zu spät hat einer meiner Kollegen die Spuren entdeckt…“

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 78-79 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 469-470

Sonnenaufgang:
07:00

Sonnenuntergang:
18:06

Temperatur - Tag (Maximum):
29 Grad, in der Sonne ca. 56 Grad

Temperatur - Nacht:
plus 7 Grad

Breitengrad:
23°09’12.5’’

Längengrad:
135°34’35.6’’