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Aufbruch in Richtung Simpson Desert

Indiana-Track-Camp — 31.07.2002

Oma Anderson, Papa Peter, Tochter Jade und Jan & Dean sehen uns beim Beladen der Kamele zu. Wie immer ist es eine harte Arbeit die viel Kraft kostet. Nach zwei Stunden ist die Karawane aufbruchbereit. Tanja bekommt von Jan einen Seidenschal den eine bekannte Künstlerin handbemalt hat. „Ich wollte dir unbedingt etwas schenken. Da ihr nichts tragen könnt gebe ich Dir meinen Lieblingsschal,“ sagt sie unter den Tränen des Abschiedes. „Vielleicht sehen wir uns wieder!“ ,lacht Peter. „Ihr seid wunderbare Menschen!“ ,ruft Oma Anderson. „Ihr seid jederzeit gerne gesehen. Besucht uns auf eurer Rückreise von der Ostküste,“ meint Dean mir die Hand schüttelnd. „Wer weiß, vielleicht schaffen wir es tatsächlich auf unserer Fahrt nach Perth einen kleinen Umweg von 3000 Kilometer zu machen und euch zu besuchen. Vielen Dank noch mal für eure Gastfreundschaft, für den tollen Aufenthalt, eure Hilfe und vor allem für die Idee die giftigen Gidyeabäume durch die Durchquerung der Simpson Desert zu umgehen,“ bedanke ich mich.

„Wenn ihr Lust habt könnt ihr uns gerne heute Abend am Campfeuer besuchen. Wir werden wahrscheinlich immer noch auf eurem Land sein. Es wäre schön euch noch mal zu sehen,“ lade ich Jan & Dean ein. „Wir kommen ganz bestimmt,“ antwortet der viel beschäftigte Stationbesitzer und winkt uns nach.

Weil Dean erst vor wenigen Tagen mit 1080 vergiftete Dingoköder ausgelegt hat, darf Rufus wieder reiten. (1080 ist ein absolut tödliches Gift welches aus der gleichnamigen Pflanze 1080 gewonnen wird. Ein Biss unserer Kamele in einen 1080 – Busch und sie würden wenig später tot umfallen.) Wir müssen die nächsten zwei Tage höllisch darauf achten ihn nicht unbeobachtet zu lassen. Vor allem neben den Bohrlöchern und Wasserstellen hat Dean die Köder ausgelegt, denn das sind die Orte an denen auch die Dingos ihren Durst stillen.

Wir kommen gut voran. Schon nach wenigen Kilometern überqueren wir den Plenty Highway und setzen unseren Marsch in Richtung Süden fort. „Camis udu!“ ,rufe ich und stoppe die Karawane. „Was ist denn los?“ „Ich glaube ich habe ein Känguruembryo auf dem Weg liegen sehen,“ antworte ich. Tatsächlich liegt der reglose etwa vier Zentimeter kleine Winzling neben Jafars Hinterfuß im heißen Sand. „Die Mutter muss es aus irgend einem Grund verloren haben,“ sage ich auf das kleine, nackte Würmchen deutend. „Es hat seinen Weg in den Beutel nicht geschafft,“ meint Tanja, denn gleich nach der Geburt muss das Neugeborene durch das dichte Fell am Bauch der Mutter hochklettern bis es den Beutel erreicht. Manche von ihnen schaffen den langen Weg in den schützenden Beutel nicht und fallen wie dieses hier in den Sand.

„Camis walk up,“ befehle ich und weiter geht’s. Am Nachmittag befinden wir uns nicht mehr weit vom knapp 1000 Meter hohen Harts Range Gebirgszug den wir schon seit Tagen und Wochen im Süden liegen sahen. Hier an diesem Ort gibt er den Weg zur Simpson Wüste frei. „Ich bin gespannt wann wir wieder den wilden Kamelen begegnen?“ meine ich. „Und ich dachte wir haben diese ständige Bedrohung endlich hinter uns,“ antwortet Tanja. „Ich auch, aber hier in der Simpson soll es unzählige von ihnen geben. Dean hat mir erzählt, dass der Stationbesitzer von Indiana die Kamele die von der Wüste auf sein Farmland kommen einfängt und in Alice Springs verkauft.“

Unweit vom Harts Range schlagen wir unser Nachtlager auf. Als wir die Kamele abladen stelle ich fest, dass die Höcker von Sebastian, Hardie und Istan immer noch unter Druckstellen leiden. Wieder schneiden wir die Sättel auf und nehmen Stroh heraus. Es ist schon Dunkel als ich meine Navigationsarbeit beginne.

Um 20 Uhr hören wir Motorengeräusche. Tatsächlich tauchen aus der Dunkelheit Jan und Dean auf. Wir freuen uns über ihren Besuch, trinken Tee zusammen und lassen uns die Plätzchen schmecken die Jan mitgebracht hat. Es ist ein angenehmer Abend an dem sich unsere frische Freundschaft mehr vertieft.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 76 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 467

Sonnenaufgang:
07:02

Sonnenuntergang:
18:06

Luftlinie:
20,4

Tageskilometer:
24

Temperatur - Tag (Maximum):
25 Grad, in der Sonne ca. 50 Grad

Temperatur - Nacht:
0 Grad

Breitengrad:
23°04’59.7’’

Längengrad:
135°27’31.2’’