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Die Dürre in Queensland ist ernster als wir dachten

Huckitta-Camp — 26.07.2002 - 27.07.2002

Die Tage auf Huckitta Station sind für uns trotz unserer Arbeiten sehr erholsam. Ohne Zweifel gehören Jan und Dean zu den gastfreundlichsten Menschen im Outback. Obwohl die beiden geradezu unbeschreiblich viel um die Ohren haben laden sie uns jeden Abend zum Essen ein. Wir unterhalten uns angeregt und erfahren auf diese Weise viel über das Leben auf einer abseits gelegenen Rinderstation und deren Höhen und Tiefen. Auch stellt sich heraus das die Dürre in Queensland viel schlimmer ist als wir bisher annahmen.

„Wir müssen unsere Rinder von den zwei Farmen die wir in Queensland besitzen nahezu alle auf Roadtrains verladen und sie hierher oder nach Südaustralien transportieren. Nur so haben sie eine Chance die Trockenheit zu überleben. Viele Farmen die nicht diese Möglichkeit besitzen sind gezwungen ihre Tiere zum halben Preis zu verkaufen,“ erklärt mir Dean. „Zum halben Preis?“ ,frage ich entsetzt. „Das heißt ja, dass viele der Rinderfarmen zwangsläufig pleite gehen?“ „Genau. Dadurch das die Meisten gezwungen sind ihre Rinder zu verkaufen wird der Markt überschüttet. Das hat zur Folge, dass der Preis sinkt. Es ist ungefähr mit der Börse zu vergleichen. Im Augenblick bekommt man nur einen Dollar pro Kilogramm Fleisch. Vor einem Jahr war es über das Doppelte. Aber manchen Stationbesitzern ergeht es noch schlechter denn ihre Rinder sterben bevor sie die Chance haben sie an den Mann zu bringen. Es ist in der Tat eine schlimme Zeit dort und mit einer Katastrophe zu vergleichen. Uns kostet der Rindertransport Hunderttausende von Dollar.“ ,erzählt er, lacht mich an und trinkt einen Schluck aus der Bierflasche.

„Ist die Trockenheit denn in gesamt Queensland,“ frage ich nervös. „Ja, von hier bis hier,“ antwortet er und fährt mit seinem Finger über die Karte. „Glaubst du wir können es mit unseren Kamelen trotzdem schaffen die Ostküste zu erreichen?“ „Hm, vielleicht. Kamele fressen andere Sträucher als Rinder. Vor allem können sie viel an Bäumen knabbern die unsere Kühe nicht erreichen. Ihr müsst nur auf die Gidyeabäume aufpassen. Die werden in ca. 300 Kilometer tödlich giftig.“ „Nein, also doch.“ „Ja, ich weiß nicht ob Kamele davon fressen können aber Rinder fallen um wie die Fliegen. Es gibt mittlerweile eine Art Impfung gegen das Gift. Es ist allerdings Gen modifizierter Impfstoff. Die Farmer benutzen es nicht, denn wer möchte schon Gen modifiziertes Fleisch verkaufen?“ „Weißt du wo genau die Bäume giftig werden?“ „Ja, es betrifft auch nicht den gesamten Staat sondern nur eine Region von ca. 300 Kilometer Länge. Wir sollten uns mal auf der Karte eure Reiseroute ansehen.“ „Gerne. Hast du morgen Zeit?“ „Ich denke schon.“

„Noch mal auf die Dürrekatastrophe zu sprechen kommend. Gibt es denn genügend Wasser dort oder versiegen auch die Bohrlöcher und Wasserstellen?“ „Ja, auch viele der Wasserstellen sind in der Zwischenzeit ausgetrocknet.“ „Oh mein Gott! Das hört sich ja immer schlimmer an… Und ich dachte die dritte Etappe wird viel einfacher als die ersten Zwei. Wie sollen wir denn ohne Wasser diese riesige Strecke bewältigen?“ „Ihr könntet den Stockrouts folgen.“ (Von der Regierung angelegte Wege auf denen Rinder vor der Zeit der Roadtrains an die Küste getrieben wurden) „Gibt es dort Wasser?“ „Die Regierung sorgt dort für Wasser aber wenn ihr es genau wissen wollt müssen wir einige Erkundigungen einziehen.“ „Ich glaube wir sollten länger bleiben, um einen genauen Plan zu entwerfen wie und wo wir die nächsten 2000 Kilometer bis zur Küste zurücklegen. Dürfen wir noch ein paar Tage bleiben?“ „Sehr gerne. Wir freuen uns sehr über eure Anwesenheit. Es bringt uns eine willkommene Abwechslung,“ antwortet Dean lachend.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 71-72 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 462-463

Sonnenaufgang:
07:04

Sonnenuntergang:
18:05

Temperatur - Tag (Maximum):
29 Grad, in der Sonne ca. 57 Grad

Temperatur - Nacht:
minus 1 bis plus 2 Grad

Breitengrad:
22°53’56.9’’

Längengrad:
135°27’36.9’’