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Erreichen Huckitta Station

Huckitta-Camp — 25.07.2002

Die Landschaft durch die wir heute laufen sieht schon sehr trocken aus. Wir fragen uns ob bereits hier die Vorboten der Dürre beginnen. Die rote Erde ist von den Rinderhufen aufgewühlt, ja regelrecht aufgebrochen. Wir haben erfahren das auf Huckitta Station seit einem Jahr neue Besitzer sind. Neue Zäune, frisch geräumte Tracks und sauber aufgestellte Rindergehege zeigen uns, dass die neuen Besitzer in kurzer Zeit ungeheuer viel gearbeitet haben. „Ich bin gespannt ob es nette Menschen sind,“ bricht Tanja das Schweigen. „Als ich mit Jan am Telefon sprach hat sie einen sympathischen Eindruck auf mich gemacht. Ich bin mir sicher hier auf gute Menschen zu treffen und wenn es nicht so ist laufen wir einfach weiter.“ „Ja, aber vorher holen wir uns meine Isomatte ab.“ „Klar. Ich kann nur hoffen, dass sie der Postflieger mitbringt und bei der Homestead abliefert,“ antworte ich.

Um kurz vor 13 Uhr überqueren wir das ausgetrocknete Flussbett des Plenty Rivers. „Da vorne ist die Homestead,“ rufe ich freudig und deute auf ein paar Wohncontainer und Flachbauten. Seit Alcoota haben wir in sechs Tagen 154 Kilometer zurückgelegt. Wir sind glücklich über die Distanz und froh das schwierige Gelände ohne Zwischenfälle hinter uns gebracht zu haben.

Als wir das Farmhaus erreichen bleibt Tanja bei unseren Tieren während ich mich aufmache, um den Besitzern unsere Ankunft anzukündigen. Wie immer empfangen mich bellende Hunde die somit auch wie eine Hausglocke funktionieren. „Wo hast du denn dein Auto gelassen oder bist du vielleicht zu Fuß da?“ ,kommt mir eine Frau scherzend entgegen gelaufen. „Ja, stimmt ich bin zu Fuß da,“ antworte ich ebenfalls lachend. „Was?… Heißt du Denis?“ „Ja.“ „Ich kann es nicht glauben. Ich habe nicht so früh mit euch gerechnet. Wo sind denn eure Kamele?“ „Da drüben im Schatten der Bäume,“ antworte ich. Nachdem wir weitere Sätze der Höflichkeit gewechselt haben eilt Jan ins Haus und kommt wenige Minuten später mit ihrer kleinen Tochter Jade, der Oma und einer weiteren Frau wieder. „Das ist ja wunderbar. Ihr seid von Gott beschützt,“ sagt die alte Dame die mir als Mrs. Anderson vorgestellt wird. „Wenn sie möchten dürfen sie gerne unseren Kamelen Hallo sagen und sie streicheln,“ biete ich den Frauen an worauf sie mir unverzüglich und freudig erregt folgen.

Tanja stellt unsere Kameljungs einzeln vor. Dann fragen wir ob wir ein paar Tage bleiben  und wir unsere Kamele in irgend ein Gehege bringen dürfen. „Hm, die Rinder befinden sich im Augenblick in den Rindergehegen weil wir sie wegen der knappen Futtersituation zu anderen Stations transportieren müssen. Aber ihr könnt eure Kamele gerne in die Pferdekoppel führen,“ bietet uns Jan an. „Oma, kannst du Denis bitte die Pferdekoppel zeigen?“ fragt sie die nette 85 Jahre alte Großmutter. „Oh ja, das mache ich gerne,“ antwortet sie lachend. Auf dem Weg zur Koppel erzählt sie mir von ihrem Mann der schon vor 30 Jahren gestorben ist und davon wie hart ihr Leben früher war. Ich erfahre, dass sie eine überzeugte Christin ist und wie schön sie das Leben hier draußen findet. „Das einzige was mir wirklich zu schaffen macht ist die Hitze während des Sommers,“ meint sie und fragt mich ob die Koppel für unsere Tiere geeignet ist. Da sie hinter dem laut dröhnendem Generator, einiger Scheunen und Gebäuden liegt antworte ich: „Unsere Kamele werden unter keinen Umständen an den Gerätschaften, Scheunen und vor allem dem Generator vorbeilaufen.“ „Na dann fragen wir Jan was sie uns noch anbieten kann,“ lächelt sie mich an und führt mich zum Farmhaus zurück.

Mittlerweile befinden sich die Jackeroos beim Mittagessen. Dean, der Mann von Jan, steht vom Tisch auf und begrüßt mich mit einem kräftigen Handschlag. „Willkommen auf Huckitta,“ sagt er und erklärt mir den Weg zu einem anderen Gehege. „Du wirst es bestimmt finden. Sie befindet sich gleich neben den zwei großen Roadtrains dort hinten.“

Es dauert eine weitere halbe Stunde bis wir unsere Kamele durch ein altes Tor und an den zwei riesigen Roadtrains vorbeigeführt haben. Die Männer sind gerade mit dem Verladen der Rinder beschäftigt. Sie haben ihre Arbeit nur kurz zum Essen unterbrochen. Viele der Rinder befinden sich schon auf den Ladeflächen. Das Trommeln ihrer Hufe auf den Ladflächen dröhnt zu uns. Nervös beobachten die Kamele die Tiertransporter aus denen die für sie gespenstische und unheimlichen Geräusche kommen. Vergeblich versuchen wir unsere Karawane durch ein Gatter zu führen. Kaum gebe ich das Kommando zum Loslaufen explodiert Jafar wie eine Bombe und setzt seine Mates ebenfalls unter Strom. Wieder hüpfen sie mit der gesamten Ladung auf und ab. Donnern in einander und verursachen ein Inferno das Jan und Dean, die uns beobachten, regelrecht die Spucke wegbleibt. „“Sie sind durch die Rinder so nervös, dass ich sie unmöglich durch das Gatter bringe,“ sage ich vor Anspannung und Anstrengung laut schnaufend. Dean zeigt mir ein weiteres Tor durch das wir unsere aufgeregten Tiere führen sollen. „Camis walk up,“ gebe ich ihnen das Kommando. Langsam führe ich sie auf das etwa zwei Meter breite Gatter zu dessen linker und rechter Torpfosten wie zwei mahnende Finger mindestens zwei Meter in die Höhe ragen. Kaum befindet sich Sebastian drei Meter vor der Zaunöffnung reißt er seinen Kopf herum und springt ein paar Schritte zur Seite. Wieder hat er vor irgend etwas Angst, so dass die anderen Fünf ebenfalls in Panik geraten und wie die Springböcke herumhüpfen. „Ich gebe es auf. Wir suchen uns irgendwo im Busch einen Campplatz. Ich glaube das ist einfacher,“ erkläre ich Dean. „Gegenüber vom Farmhaus befindet sich eine größere Einzäunung. Ihr könnt euch dort einen Platz nach belieben suchen. Ich fahre schnell los, um den Zaun zu prüfen,“ bietet er uns an.

Um 15 Uhr, also zwei Stunden nachdem wir Huckitta erreicht haben, huschen wir völlig erschöpft unsere aufgeregten Kamele nieder. Gidyeabäume bieten uns wunderbaren Schatten. Dean kommt dann noch mal mit dem Jeep vorbeigefahren und lädt uns zum Abendessen ein. Tanja und ich freuen uns über das liebe Angebot und nehmen dankend an.

Während des Abendessens stellt sich heraus das Jan und Dean insgesamt drei Stations besitzen. Sie haben mit nichts angefangen und sich den Besitz durch harte Arbeit, intelligentem Management und eisernen Willen aufgebaut.

Der 35 jährige Dean war als junger Mann einer der besten Rugbyspieler des Landes und absolvierte über hundert erste Liga Spiele. Sein Geld verdiente er sich auch als Lastwagenfahrer, Bodyguard und vielen anderen Jobs. Wir staunen zu hören, dass Dean und Jan selbst als Hundetrainer erfolgreich waren.

Vor Jahren verwirklichten sie sich ihren Traum und kauften sich eine Rinderfarm. Ihr Besitzt hat sich nun auf über 17 000 Rinder vergrößert. „Natürlich könnte ich alles verkaufen und für den Rest meines Lebens in den Ruhestand gehen. Aber warum sollte ich das tun? Es ist geradezu unbeschreiblich befriedigend einen Bullen zu jagen, Windmühlen wieder in stand zu setzen, Zäune zu ziehen, Buschfeuer zu bekämpfen und eine Homestead aufzubauen. Es macht mir Spaß. Es ist nicht unbedingt das Geld, es ist die Form des Lebens,“ erklärt mir der muskulöse Mann lachend.

Erst um 23 Uhr verlassen wir unsere großzügigen, hilfsbereiten und liebenswerten Gastgeber. Müde und mit vollem Bauch stapfen wir durch die Nacht zu unserem Camp.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 70 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 461

Sonnenaufgang:
07:05

Sonnenuntergang:
18:03

Luftlinie:
15,9

Tageskilometer:
21

Temperatur - Tag (Maximum):
28 Grad, in der Sonne ca. 55 Grad

Temperatur - Nacht:
2,5 Grad

Breitengrad:
22°53’56.9’’

Längengrad:
135°27’36.9’’