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Wieder schlagen wir uns in die Büsche

Sommer-Vorboten-Camp — 24.07.2002

Auch heute ist von dem einstigen Wolkenanflug nichts zu sehen. Wieder scheint die Sonne ungebremst vom Himmel und wieder ist es ein warmer Tag. Das Thermometer, welches an Sebastians Sattel hängt und gerate die gleißenden Sonnenstrahlen reflektiert, zeigt 55 Grad. Obwohl wir uns mitten im Australischem Winter befinden sind die Temperaturen schon recht sommerlich und treiben uns den Schweiß auf die Stirn.

„Hier müsste ein Stationtrack nach Osten abbiegen,“ sage ich auf das weite Buschland zu unserer Linken sehend. „Camis udu,“ stoppe ich die Karawane, um einen genaueren Blick in die Karte zu werfen. Da die Position des Bundey Highway nur als ungenau angegeben ist fällt mir die Navigation nicht leicht. „Wenn der Weg in spätestens 500 Metern nicht auftaucht biegen wir trotzdem nach Osten ab,“ meine ich. „Was ist mit den Zäunen?“ „Du meinst die Grenzzäune?“ „Ja.“ „Hm, wenn welche kommen werden wir sie wie eh und je umlegen und wieder aufbauen. Uns bleibt nichts anderes übrig, denn wenn wir weiter diesen Bundey Weg folgen treffen wir in spätestens 20 Kilometer auf den Plenty Highway. Von dort sind es mindestens noch mal 40 Kilometer bis nach Huckitta. Das wäre ein gewaltiger Umweg,“ meine ich und nachdem tatsächlich kein Weg in Sicht kommt schlagen wir uns wieder in die Büsche.

Wir durchqueren eine weite Senke die mit trockenem Büffelgras bewachsen ist. In etwa zehn Kilometer Entfernung erkennen wir einen Bergzug der sich uns wie eine Barriere in den Weg legt. „Da müssen wir drüber,“ deute ich nach vorne. „Hoffentlich finden wir den Track. Wäre nicht gut mit den Kamelen über das Gestein laufen zu müssen,“ sagt Tanja besorgt.

Eine große Rinderherde bevölkert das weitläufige Tal. Ihre Pfade ziehen sich wie ein Netz durch das gelbe Gras. Rufus springt zwischen den Grasbüscheln hin und her und sucht sich neben der Karawane seinen Weg. Neugierig beobachtet er die Rinder und würde am liebsten mal wieder eines jagen. Das einzige was ihn davon abhält sind unsere warnenden Blicke. Eine Stunde später erspähen wir ein paar Rindereinzäunungen. Da zu jeder Einzäunung im Regelfall ein Weg führt vermuten wir dort unseren Track. Tatsächlich finden wir eine Jeepspur der wir folgen. Sie führt uns durch ein Gatter in das Gehege zu einem riesigen Damm an dem sich viele Rinder aufhalten. Durch die unzähligen Hufe ist die Landschaft in dieser Region zu einer pulvrigen und staubigen Wüste verwandelt. Bis auf ein paar stachlige Büsche und Gidyeabäume ist die Oberfläche der Erde totgetreten. Als wir auf der anderen Seite der Einzäunung ein weiteres Tor finden sind wir erleichtert. Der Kompass des Navigationscomputer zeigt mir die richtige Richtung. „Das ist unser Track,“ freue ich mich den schmalen Pfad in der unendlichen Weite gefunden zu haben.

In Windungen schlängelt sich der Weg über die steinigen Berge. Die Vegetation hat sich auf einmal geändert und die Landschaft ähnelt plötzlich der einer griechischen Insel. Die einsame Spur in dem menschenleeren Land geleitet uns durch ein kleines Tal mit groben Felsen. Ab und an begegnen wir ein paar Rindern die in panischer Flucht vor uns ausreißen. Ein ausgetrocknetes, namenloses Flussbett begleitet uns. Große Eukalyptusbäume wachsen an dem steinigen Ufer. Viele in der Blüte stehenden Gidjeebäume verbreiten ihren eigenartigen Geruch. Grillen zirpen in der heißen Sonne. Im Schneckentempo führe ich unsere sechs schwer beladenen Tiere einen Bergrücken hinunter. Vorsichtig setzen sie einen Fuß vor den anderen, um auf dem harten Untergrund einen sicheren Tritt zu finden.

Am frühen Nachmittag bauen wir unser Lager im Schatten eines prächtig blühendem Gidyeabaum auf. „Also irgendwie beginne ich den Geruch dieser Blüten zu mögen. Sie erinnern mich ständig an Essen,“ sage ich an einen der Blüten schnuppernd. „Also du hast einen seltsamen Geschmack,“ antwortet Tanja kopfschüttelnd.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 69 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 460

Sonnenaufgang:
07:06

Sonnenuntergang:
18:04

Luftlinie:
21

Tageskilometer:
28

Temperatur - Tag (Maximum):
28 Grad, in der Sonne ca. 55 Grad

Temperatur - Nacht:
4 Grad

Breitengrad:
22°48’36.1’’

Längengrad:
135°20’17.0’’