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Hören das erste Mal von einer großen Dürreperiode im Osten

Bundey-Camp — 23.07.2002

Außer den paar Regentropfen haben die dunklen, nächtlichen Wolken kein Wasser verloren. Als die Sonne aufgeht ist der Himmel wieder so tiefgehend blau wie wir es die letzten Wochen gewohnt sind.

Wieder setzt sich unser Zug des Lebens in Bewegung. Hunderte von Papageien fliegen über unsere Köpfe und kündigen mit ihrer Anwesenheit kommendes Wasser an. Es dauert nicht lange bis wir das Brummen eines Generators hören, die ersten Zäune sehen und plötzlich erkennen wir einige Gebäude deren Dächer durch das saftige Grün einiger Bäume spitzen.

Wir erreichen die Homestead von Mount Swan und lassen unsere Kamele vor dem Farmhaus absetzen. Während Tanja auf unsere Jungs aufpasst laufe ich zum Haus und werde von bellenden Hunden begrüßt. Große Palmen und saftige Pflanzen spenden dem wunderschönem Haus wohltuenden Schatten. Geduldig warte ich vor dem liebevoll angelegten Garten. Eine Frau kommt lachend über den gepflegtem Rasen gelaufen. „Hallo! Wo kommt ihr denn her? Das ist ja eine Überraschung,“ begrüßt sie uns und mir fällt ein Stein vom Herzen nicht wieder auf eine missmutige und griesgrämige Frau zu treffen. In kurzen Worten erzähle ich ihr woher wir kommen, wohin wir gehen und warum wir das Outback durchqueren. „Ah, das ist ja wundervoll. Darf ich euch zum Tee einladen?“ „Das ist sehr nett aber wir müssen leider weiter. Wir wollen zur Huckitta Station. Wenn wir Glück haben bringt dort am Freitag das Postflugzeug unsere Isomatte hin,“ erkläre ich und berichte ihr die Geschichte mit dem Willy Willy der über unser Camp gedonnert ist. „Schade, es wäre schön euch eine Nacht hier zu haben. Mein Mann und die Arbeiter hätten euch bestimmt gerne gesehen. Ach habe ich ein Glück heute Zuhause geblieben zu sein. Die anderen sind alle nach Alice Springs gefahren. Also wirklich, ihr habt meinen Tag gerettet,“ plaudert sie freundlich. Unser Blick fällt auf zwei tote Krähen die im Baum hängen. „Haben die Krähen dort einen besonderen Grund?“ frage ich. „Wir besitzen hier einen Laden in dem die Aborigines der Umgebung einkaufen. Sie werfen viel weg was Hunderte von Krähen anzieht. Sie sind zu einer regelrechten Plage geworden. Es wurde so schlimm, dass wir uns nicht mehr zu helfen wussten. Dann haben wir davon gehört das ein paar tote Krähen, die man in die Bäume hängen muss, die anderen vertreiben. Ihr werdet es nicht glauben aber seitdem wir die beiden da hängen haben ist die Plage vorbei. Keiner der Vögel kommt jetzt hierher.

Dann füllen wir unsere Wasserreserven auf und tränken unsere Kamele. „Mein Gott können die viel saufen,“ meint die Denise weshalb wir auf die Frage kommen wie wir unsere Tiere während der Expedition ernähren. „Habt ihr nicht von der Dürreperiode in Queensland gehört?“ ,schockt mich ihre Frage. „Was eine Dürreperiode?“ „Ja, es hat dort seit langer Zeit nicht mehr geregnet. Viele der Rinder sterben. Manche Stationbesitzer transportieren ihre Herden in Roadtrains nach Northern Territory und Südaustralien, um deren Leben zu retten.“ „Das klingt ja furchtbar. Wo beginnt denn die Dürre?“ ,frage ich, denn in wenigen Wochen werden wir die Grenze nach Queensland überschreiten. „Ich weiß nicht wo genau und bin froh, dass wir die letzten Jahre genügend Regen hatten. Normalerweise gibt es hier bei uns wenig Regen. Unser Rinderbestand ist auf tausend Tiere geschrumpft. Jetzt besitzen wir wieder 4000. In Queensland gibt es im Regelfall immer genügend Niederschlag. Es ist eigenartig. Jetzt müssen die Farmer dort eine Dürre überleben,“ erklärt sie. „Gibt es wenigstens genügend Wasser oder sind auch die Windmühlen und Bohrlöcher versiegt?“ „Keine Ahnung aber ihr werdet bestimmt mehr erfahren wenn ihr weiter nach Osten kommt.“

Mit einer neuen Herausforderung vor uns verlassen wir die Homestead. Gedankenversunken führe ich unsere Jungs einer breiten Staubpiste entlang die in der Karte als Bundey Highway bezeichnet wird. Mein Blick haftet auf dem Untergrund und ich frage mich wie wir 1500 Kilometer durch ein Land laufen sollen in dem die Tiere wegen einer katastrophalen Dürre an Hunger sterben? Hatten wir nicht schon genug Schwierigkeiten, um diesen gnadenlosen Kontinent zu durchqueren? Ich denke an die 1000 Kilometer lange Buschfeuerfront der wir bald drei Monate unaufhörlich entflohen sind. Viele schlaflose Nächte brachte uns diese Zeit und eine Angst von den Flammen einfach gefressen zu werden die mit Worten nicht zu beschreiben ist. Aber nicht nur eines der größten Buschfeuer (Tagebuchgesamtübersicht vom 12.10.00-15.10.00 Tag 154 bis 157 Etappe Eins) die in der unzugänglichen Region namens Pilbara im Westen Australiens geherrscht hat war eine Bedrohung für uns sondern auch der zerstörerische Zyklon Sam. Nur mit viel Glück konnten wir seinem 50 Kilometer großem Auge, indem Windgeschwindigkeiten von über 280 Stundekilometer herrschten, entfliehen. (Tagebuchgesamtübersicht vom 06.12.00 Tag 209 Etappe Eins)

Obwohl wir geglaubt haben mit den Buschfeuern und Zyklonen genügend Gefahren überwunden zu haben wurden wir von den schlimmsten Regenfällen seit der Aufzeichnung des Wetters im westaustralischem Outback nahezu ertränkt. (Tagebuchgesamtübersicht vom 13.07.01-16.07.01 Tag 28 bis 31 Etappe Zwei) Wegen der Dauernässe erkrankten Istan und Goola an Lungenentzündung. Goola ist nach einem vierwöchigen Überlebenskampf gestorben. (Tagebuhgesamtübersicht vom 03.08.01 Tag 49 Etappe Zwei) Nur wenige Wochen nach diesem schrecklichen Ereignis waren wir von riesigen Wüstenseen umrundet und schlugen uns über die Rücken von Sanddünen durch das Land.

Die Aufzählungen der sich aneinanderreihenden Geschehnisse sind lang. Jasper ist von einer Schlange und ich von einem giftigen Hundertfüßler gebissen worden. Wir hatten beide Glück. Unsere Expedition litt unter Wassermangel, enormer Hitze und Millionen von Moskitos. Wir wurden von wilden Kamelbullen angegriffen wovon ich 18 erschießen musste, um unser Weiterleben zu sichern.(Tagebuchgesamtübersicht vom 10.08.01 Tag 56 Etappe Zwei). Max ist schon vor Aufbruch der Etappe Drei in einem Stacheldrahtzaun hängen geblieben und gestorben. (Tagebuchgesamtübersicht vom 13.06.02 Tag 28 Etappe Drei) Rufus hat sich verletzt und, und, und…

Ich will es einfach nicht glauben jetzt auch noch von einer Dürreperiode und tödlich giftigen Bäumen bedroht zu werden. Uns war und ist klar, dass ein Kontinent wie Australien viele gefährliche Herausforderungen für auf Lager hat, doch haben wir nicht im Traum damit gerechnet gleich mit der gesamten Palette an Gefahren konfrontiert zu werden.

Noch wissen wir nicht wie ernst die Aussage der Farmfrau von Mount Swan ist. Wir entscheiden uns die Gedanken an die eventuell kommende Trockenheit erst mal auf die Seite zu schieben. Wer weiß, vielleicht regnet es in Queensland in wenigen Wochen ganz fürchterlich und wir laufen durch ein sprießendes Pflanzenparadies?

Neben einem ausgetrockneten Damm schlagen wir unser Lager auf. Obwohl bereits hier schon die Vegetation recht trocken aussieht gibt es noch mehr als genügend zu fressen. Tanja hat also keine Schwierigkeiten unsere Jungs satt zu bekommen. Während sie unsere Mates hütet nehme ich wieder Stroh aus den Sätteln von Sebastian, Istan und Edgar, um sie ihren Körpern noch besser anzupassen.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 68 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 459

Sonnenaufgang:
07:06

Sonnenuntergang:
18:04

Luftlinie:
19,9

Tageskilometer:
26

Temperatur - Tag (Maximum):
28 Grad, in der Sonne ca. 55 Grad

Temperatur - Nacht:
1 Grad

Breitengrad:
22°41’14.5’’

Längengrad:
135°10’57.5’’