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Die simplen aber unvergleichlich schönen Phasen meines Lebens

No 7 Bore-Camp — 21.07.2002

Die ehemalige Erdpiste, die nach meiner Schätzung für einige Stations dieser Region eine wichtige Anbindung zur menschlichen Zivilisation war, versteckt sich auch heute unaufhörlich vor unseren suchenden Augen. Büsche, Sträucher, Bäume, Wind- und Büffelgras, Auswaschungen durch starke Regenfälle und vieles mehr haben es im Lauf der Jahre vollbracht die von Menschenhand geschaffene Straße wieder zurück zu erobern. Mein GPS, die genaue Vorarbeit und unser mittlerweile entwickelter Spürsinn, machen es jedoch möglich dem oft unsichtbaren Band zu folgen.

Tanja und ich genießen diese Art der Fortbewegung mehr und mehr. Die Landschaft um uns herum ist eine traumhafte Wirklichkeit von der wir nicht genug bekommen können. Seitdem ich meine anderen Schuhe trage sind meine Blasen, die Knie und die Rückenschmerzen wie vom Erdboden verschwunden. Ich fühle mich zur Zeit also großartig und glaube den einen oder anderen Baum ausreißen zu können. Durch unser aktives Leben, dem jahrelangen Marschieren, fällt uns, unter den zur Zeit herrschenden angenehmen Temperaturen, die Belastung der Expedition nicht so schwer wie in der Vergangenheit. Die Kamele scheinen sich wieder an ihre Routine zu gewöhnen und verhalten sich beispiellos. Friedlich laufen sie wie die Perlen an der Schnur hintereinander und tragen unsere Lasten ohne zu murren. Edgar wird jeden Tag lieber und friedlicher, so dass er sich an so manchen Tagen sogar an seiner Nase kraulen lässt. Selbst Jaspers morgendliches Brüllen, wenn er von Tanja seine Nasenleine verpasst bekommt, wird immer leiser. Wir hören die Grillen zirpen, die Vögel zwitschern und den Wind in den Bäumen und Sträuchern wispern. Mehr und mehr spüre ich wie ein innerer Frieden, den ich seit Jahrzehnten suche, von mir Besitz ergreift. Wie er mich in eine wohlige Atmsphäre taucht. Mich mit seiner umfassenden Ruhe, Gelassenheit und Besonnenheit belohnt, dass ich vor Freud und Glück jubeln möchte. Ohne Zweifel spüre ich wie sich zwischen meinem Körper, meinem Bewusstsein, ja dem ganzen Sein eine Verbindung zur Mutter Erde aufbaut. Wie mir der Planet, auf dessen empfindlichen Haut wir schon seit Jahren laufen, die Hand reicht.

Am Abend sitze ich wie immer im Camp und beobachte wie sich die züngelnden Flammen des Lagerfeuers mit den rotglühenden Farben der untergehenden Sonne vereinen. Wie der aufsteigende, wohlriechende Rauch sich mit der klaren Luft vereint, in das Geäst eines nahen Baumes kriecht, um irgendwo von einem Windhauch davon getragen zu werden. Ameisen laufen auf der roten Erde geschäftig hin und her. Fliegen surren im letzten warmen Licht herum und das ferne Läuten der Kamelglocken wird in einer wogenden Auf und Abbewegung an meine Ohren getragen. Ohne Zweifel bin ich in diesen Augenblicken ein zufriedener und glücklicher Mensch. Ohne Zweifel sind das die Höhepunkte eines solchen Lebens und ohne Zweifel ist mir bewusst wie wertvoll und einmalig diese simplen aber unvergleichlich schönen Phasen dieses Lebens sind.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: 66 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 457

Sonnenaufgang:
07:08

Sonnenuntergang:
18:05

Luftlinie:
22,1

Tageskilometer:
26

Temperatur - Tag (Maximum):
25 Grad, in der Sonne ca. 50 Grad

Temperatur - Nacht:
plus 2 Grad

Breitengrad:
22°42’24.6’’

Längengrad:
134°50’50.9’’